{"id":2526,"date":"2010-04-13T03:31:57","date_gmt":"2010-04-13T01:31:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=2526"},"modified":"2010-04-09T16:37:16","modified_gmt":"2010-04-09T14:37:16","slug":"vierzig-jahre-apllo-13-die-ungluecksursache","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2010\/04\/13\/vierzig-jahre-apllo-13-die-ungluecksursache\/","title":{"rendered":"vierzig Jahre Apllo 13 &#8211; die Ungl&uuml;cksursache"},"content":{"rendered":"<p>Ich bin mir sicher, dass zu diesem Jahrestag viele Blogs heute erscheinen werden und die meisten werden sich mit dem Ungl&uuml;ck und der Rettung besch&auml;ftigen. Eine spannende Geschichte, die ja auch von Tom Hanks verfilmt wurde. Wie von mir gewohnt betrachte ich die technische Seite.<\/p>\n<p>Am 13.4.1970 explodierte der Sauerstofftank Nr.2 im SM und l&ouml;st die Katastrophe aus. doch wie konnte das passieren? Jedes Servicemodul enth&auml;lt zwei Sauerstofftanks mit jeweils 145 kg fl&uuml;ssigem Sauerstoff, zur Isolation ist der Tank doppelwandig. In ihn ragen nur zwei Rohre hinein. Das eine enth&auml;lt zwei durch Thermostate geregelte Heizspulen und zwei Ventilatoren zum Durchmischen des Tanks, das zweite einen Messf&uuml;hler der den Tankinhalt nach dem Kondensatorprinzip elektisch misst. Dazu kommt einen au&szlig;en gebrachter Temperatursensor und ein Drucksensor, der automatisch die Heizung anwirft. &Uuml;ber dieses Rohr wird er auch betankt.<\/p>\n<p>Sauerstofftank Nr. 8 machte schon Probleme bei der Herstellung. Schwei&szlig;n&auml;hte waren zu por&ouml;s, Der Ventilator zog zu viel Strom. Zum Schluss gelang es bei der Abgabepr&uuml;fung nicht den Tank zu entleeren &#8211; 45 kg Sauerstoff verblieben im Tank. Durch Erhitzen konnten 34 kg ausgetrieben werden, der Rest erst durch Sp&uuml;len mit gasf&ouml;rmigen Sauerstoff unter 20 bar Druck.<!--more--><\/p>\n<p>Danach begannen die Einbauarbeiten in das Servicemodul von Apollo 10. Dies geschah am 11.3.1968. Im Sommer wurde eine Modifikation wegen EMV Interferenzen mit den Vakuumpumpen n&ouml;tig, die man bei Tests entdeckte und die Einheit sollte ausgebaut werden. Am 11.10.1968 sollte der Tank aus dem SM-104 von Apollo 10 herausgehoben werden, ein Haltebolzen wurde aber vergessen und der Kran brach und der Sauerstofftank fiel aus 5 cm H&ouml;he wieder in das SM. Dem ma&szlig; man wegen der geringen H&ouml;he keine Bedeutung bei, doch muss er dabei wohl an den vorderen Teil der Verkleidung gesto&szlig;en sein und der Einf&uuml;llstutzen dabei verbogen worden sein.<\/p>\n<p>Es folgte der problemlose Einbau in das SM-106 von Apollo 13. Das geschah am 22.11.1968. Danach passierte lange Zeit gar nichts, bis am 16.3.1970 die Countdown-Generalprobe begann. Der Tank wurde vollgef&uuml;llt, die Brennstoffzellen in Betrieb genommen und das System gepr&uuml;ft, danach wurden beide Tanks wieder entl&uuml;ftet. Das geschah durch das Einleiten gasf&ouml;rmigen Sauerstoffs. W&auml;hrend dies bei Tank 1 normal funktionierte und er bald den F&uuml;llstand von 50 % erreichte der f&uuml;r die n&auml;chsten Tests notwendig war blieb Tank 2 bei 92 % F&uuml;llung.<\/p>\n<p>Man unterbrach die Prozedur und beriet sich mit dem Hersteller des Tanks Beech, North American &uuml;ber die weitere Vorgehensweise. Zuerst wurde am 27.3.1970 der Tank normal entl&uuml;ftet. Durch das Verdampfen des Sauerstoffs hatte sich in ihm inzwischen ein Druck von 12,3 Bar aufgebaut. Das reduzierte die Menge auf 65 % Man diskutierte nun &uuml;ber das Problem und kam zu zwei Schl&uuml;ssen &#8211; einem Leck in der Einf&uuml;ll&ouml;ffnung oder einem defekten Einf&uuml;llstutzen. Beide M&ouml;glichkeiten w&uuml;rden darin resultieren, dass der gasf&ouml;rmige Sauerstoff sofort zur Auslass&ouml;ffnung gelangt ohne einen Druck auf den fl&uuml;ssigen Sauerstoff auszu&uuml;ben.<\/p>\n<p>Nun wurde beschlossen den Sauerstoff durch Erhitzen &#8222;Boil off&#8220; auszutreiben. Die Hitzeelemente wurden mit der 65 V Bodenausr&uuml;stung in Betrieb genommen. Nach sechs Stunden betrieb war die Sauerstoffmenge aber nur auf 35 % gefallen. Nun wurde ein Pressure Cycling angewandt &#8211; der Tank wurde auf 20.5 Bar beaufschlag ohne dass die Entl&uuml;ftungs&ouml;ffnung freigegeben wurde und gleichzeitig erhitzt. Das Entl&uuml;ften trieb dann jeweils 7 % Sauerstoff aus. Nach f&uuml;nf Zyklen war der Tank leer. Acht Stunden lang waren die Heizelemente gelaufen.<\/p>\n<p>Nun wurde beraten, ob nicht beide Sauerstofftanks ausgebaut werden sollten (einer alleine ging nicht). Da es nur um das Betanken ging, er aber w&auml;hrend der Mission nie enttankt werden musste wurde beschlossen, zw&ouml;lf Tage vor dem Start den Tank normal zu betanken: Ginge dies so w&uuml;rde die Mission normal durchgef&uuml;hrt werden. Bei Problemen w&uuml;rden beide Tanks ausgetauscht werden und Apollo 13 m&uuml;sste verschoben werden.<\/p>\n<p>Am 30.3.1970 wurde dies durchgef&uuml;hrt und es klappte. Die 20 % die zugeladen wurden lie&szlig;en sich aus Tank 1 normal entfernen und bei Tank 2 war wieder ein Pressure Cycling n&ouml;tig. Die folgenden Diskussionen konzentrierten sich auf den defekten Einf&uuml;llstutzen, der offensichtlich nach dem Fall verbogen war und wie sich dies auf die Mission auswirken konnte.<\/p>\n<p>Das war aber nicht die Fehlerursache. Sie lag woanders.<\/p>\n<p>Urspr&uuml;nglich war der Tank ausgelegt f&uuml;r einen Betrieb an der 28 V Bordstromversorgung von Apollo. Der Thermostat, der die Heizelemente vor &Uuml;berhitzung sch&uuml;tzen sollte, war auf diese Spannung ausgelegt. 1965 &auml;nderte North American die Spezifikation f&uuml;r des Block II Designs und gab diese an Beech den Hersteller weiter. Der Tank sollte auch an das Bodenequipment im KSC angeschlossen werden k&ouml;nnen um ihn (wie bei Apollo 13 zu be- und enttanken). Das KSC arbeitete jedoch mit einer 65-V-Spannung. Beech bestellte auch neue Schutzschalter, verga&szlig; aber die Spezifikation zu &auml;ndern.<\/p>\n<p>Bei 65 V Spannung war der Thermostatschalter, der die Heizelemente von der Stromversorgung trennen sollte, wenn die maximale Betriebstemperatur von +27?C im LOX-Tank erreicht ist jedoch unwirksam. Sp&auml;tere Tests mit einem anderen LOX-Tank zeigten, dass sich die Heizelemente auf bis zu 530 ?C erhitzt haben mussten. Dadurch w&uuml;rde de Teflonisolation der Leitungen besch&auml;digt. Danach waren Metallleitungen blank und ragten in fl&uuml;ssigen Sauerstoff.<\/p>\n<p>Das Ungl&uuml;ck nahm dann seinen Lauf. Vor der Explosion sollte Swigert mit den Ventilatoren den Inhalt der Tanks durchmischen &#8211; fl&uuml;ssiger Sauerstoff neigt zur Schichtenbindung. Das erschwerte der Bodenkontrolle die Messung der Restsauerstoffmenge. Daher sollte der Inhalt mit den Ventilatoren durchgemischt werden. Erstmals seit Missionsbeginn bekamen die Leitungen Strom, es kam zu einem Kurzschluss mit einer Lichtbogenentladung, welche das Teflon entz&uuml;ndete. Das Teflon brannte in fl&uuml;ssigem Sauerstoff nat&uuml;rlich ganz gut und der Druck im Tank stieg rasch an, bis er explodierte und dabei weitere Systeme besch&auml;digte.<\/p>\n<p>Im Nachhinein muss man sagen hatte die Besatzung Gl&uuml;ck im Ungl&uuml;ck. Nicht nur, weil die Explosion auch anders h&auml;tte verlaufen k&ouml;nnen, sondern auch wegen des Zeitpunktes: Apollo war in 300.000 km Entfernung, 56 Stunden nach Missionsbeginn. W&auml;re das Man&ouml;ver wesentlich fr&uuml;her durchgef&uuml;hrt worden, so h&auml;tten die Stromreserven wohl nicht ausgereicht, um die Besatzung zu retten. Bei einem Zeitpunkt nur einen Tag sp&auml;ter w&auml;re die Kapsel in einem Mondorbit gewesen und ohne Haupttriebwerk w&auml;re keine R&uuml;ckkehr zur Erde m&ouml;glich gewesen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/history.nasa.gov\/SP-4029\/Apollo_13a_Summary.htm\" target=\"_blank\">Link<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich bin mir sicher, dass zu diesem Jahrestag viele Blogs heute erscheinen werden und die meisten werden sich mit dem Ungl&uuml;ck und der Rettung besch&auml;ftigen. Eine spannende Geschichte, die ja auch von Tom Hanks verfilmt wurde. Wie von mir gewohnt betrachte ich die technische Seite. 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