{"id":2554,"date":"2010-04-28T10:19:54","date_gmt":"2010-04-28T08:19:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=2554"},"modified":"2012-06-28T19:19:40","modified_gmt":"2012-06-28T17:19:40","slug":"afghanistan-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2010\/04\/28\/afghanistan-2\/","title":{"rendered":"Afghanistan"},"content":{"rendered":"<p>Der Tod von sieben Soldaten hat das Thema Afghanistan wieder (mal) in die Schlagzeilen gebracht. Das Thema ist ziemlich vielschichtig, weshalb fast jeder in einer politischen Diskussion gute Argumente f&uuml;r seine Position bringen kann. Die Diskussion trieb seltsame Bl&uuml;ten. Da gab Gutti zuerst an, dass er einen Leopard Panzer nicht f&uuml;r sinnvoll in Afghanistan h&auml;lt, weil bei dessen Gewicht die erste Br&uuml;cke nach Kundus zusammenbrechen w&uuml;rde, aber orderte sp&auml;ter zwei Panzerhaubitzen auf dem Leopard Fahrgestell dorthin.<\/p>\n<p>F&uuml;r mich war neu, dass die Bundeswehr offenbar schlecht ausger&uuml;stet ist f&uuml;r den Einsatz. Neben den Panzerhaubitzen sollen auch Kampfhubschrauber fehlen. Da frage ich mich wie das m&ouml;glich ist. Fehlen der Bundeswehr offenbar notwendige Ausr&uuml;stung generell, w&auml;hrend sie viel Geld f&uuml;r neue Kampfflugzeuge ausgibt, die ihr in den Typen von Eins&auml;tzen die sie nun absolvieren muss nichts n&uuml;tzen? Oder hat sie die Ausr&uuml;stung, und bringt sie nicht zu den Soldaten die sie ben&ouml;tigen? Warum erwartet man von der Bundeswehr Kampfeins&auml;tze und gibt ihr nicht die bestm&ouml;glichste Ausr&uuml;stung? Wof&uuml;r haben wir eigentlich die Waffen? Damit sie in Depots rumstehen?<!--more--><\/p>\n<p>Das Hauptproblem ist aber kein deutsches. Es ist der Einsatz an sich. Seit 2001 k&auml;mpft man gegen die Taliban. Seit nun &uuml;ber acht Jahren. Der Grundfehler war es, dass die Amerikaner nachdem sie recht schnell die Kontrolle &uuml;ber den Gro&szlig;teil des Landes gewonnen haben einfach die Truppen abgezogen haben um sie f&uuml;r den Irakkrieg frei zu bekommen. Es ging damals Bush nicht um Afghanistan noch gab es einen Plan f&uuml;r den Einsatz nach dem von der &Ouml;ffentlichkeit geforderten Rachefeldzug f&uuml;r &#8222;911&#8220;. Seitdem gibt es K&auml;mpfe. Wie soll man ein Land aufbauen, neue Regierungs- und Verwaltungsstrukturen aufbauen, wenn noch gek&auml;mpft wird.<\/p>\n<p>Das zweite ist das nun die Offensive mit afghanischen Regierungstruppen durchgef&uuml;hrt wird, die danach die alleinige Verantwortung erhalten sollen. Auch hier die Frage: Warum erst jetzt? Es dauert doch keine acht Jahre Truppen auszubilden, erst recht nicht in einem Land, in dem seit 1979 mit kurzen Unterbrechungen Krieg herrscht. Da sollte man doch eigentlich schon ausgebildete Truppen vorfinden.<\/p>\n<p>Das Hauptproblem ist aber etwas komplett anderes: Zu glauben, das Afghanistan eine Demokratie im westlichen Muster etabliert werden kann. Weder die Russen schafften dies im Afghanistan Krieg, noch die Briten vor Hundert Jahren. Afghanistan ist kein Land in unserem Sinn sondern eine Mischung von St&auml;mmen, die sich seit ewigen Zeiten gegenseitig bekriegen oder zumindest das Leben schwer machen. Wenn es so was wie einen Staat im eigentlichen Sinn gibt, dann wohl eher wie in Jugoslawien oder der UdSSR: Ein Gebilde von kleinen L&auml;ndern mit jeweils eigenen V&ouml;lkern, die sobald eine zentrale Gewalt wegf&auml;llt in seine Einzelteile zerf&auml;llt.<\/p>\n<p>Sollte man deswegen abziehen? Nat&uuml;rlich sind das Gr&uuml;nde f&uuml;r das Abziehen. Aber dann h&auml;tte man auch 2002 abziehen k&ouml;nnen. Ich halte das Ziel das nun verfolgt wird f&uuml;r konsequent: Den Afghanen die Verantwortung zu &uuml;bertragen und dabei sukzessive die Truppen abzuziehen. Nur: Auch dabei bleiben. Wenn man nun sagt bis Ende 2011 ist die Bundeswehr abgezogen, dann sollte dieser Termin auch feststehen. Zehn Jahre sind genug und wenn bis dahin die Afghanen es nicht hinbekommen, dann bestimmt auch nicht in zwanzig Jahren.<\/p>\n<p>Zumal das was erreicht wurde nicht gerade etwas ist, auf das man stolz sein kann: Eine korrupte Regierung, die alles tut um an der Macht zu bleiben. Wie man in einem Video sehen konnte, macht Kahsai sogar zusagen an die Taliban nahestehenden Stammesf&uuml;hrern Zusagen nur um an der Macht zu bleiben. Die Wirtschaft von Afghanistan besteht heute im Mohnanbau und dagegen wagt keiner vorzugehen, eben weil weder Regierung noch Truppen die Kontrolle &uuml;ber die Landesgebiete haben sondern Warlords.<\/p>\n<p>Nur denke ich wird es anders kommen: Wahrscheinlich wird in einem Jahr die Situation immer noch nicht besser sein und wieder wird nicht abgezogen. Aber eines wird Afghanistan nicht werden: ein friedliches, demokratisches Land. Irgendwann werden auch die Menschen in Afghanistan &#8222;reif&#8220; f&uuml;r demokratische Werte in unserem Sinn sein. Vergessen wir nicht: Das ist heute noch die Ausnahme. Wir haben echte Demokratien in Europa, Nordamerika und einer Handvoll anderer L&auml;nder. Dann gibt es &#8222;instabile&#8220; oder Semidemokratien in vielen L&auml;ndern. Bei vielen L&auml;ndern in denen der Islam die Hauptreligion ist fehlt da noch einiges wie man selbst am Beispiel der T&uuml;rkei sieht die ja in die EU will. Demokratien entstehen meiner Vorstellung her von Innen heraus: Das Volk revoltiert entweder gegen Diktaturen (Umbruch in Osteuropa 1989) oder gegen ausl&auml;ndische Okuupatoren (USA, Indien, gro&szlig;e Teile S&uuml;damerikas). Eine Demokratie von Au&szlig;en zu verordnen geht nicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Tod von sieben Soldaten hat das Thema Afghanistan wieder (mal) in die Schlagzeilen gebracht. Das Thema ist ziemlich vielschichtig, weshalb fast jeder in einer politischen Diskussion gute Argumente f&uuml;r seine Position bringen kann. Die Diskussion trieb seltsame Bl&uuml;ten. 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