{"id":2686,"date":"2010-05-27T00:26:58","date_gmt":"2010-05-26T22:26:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=2686"},"modified":"2010-05-25T00:28:23","modified_gmt":"2010-05-24T22:28:23","slug":"heliopause","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2010\/05\/27\/heliopause\/","title":{"rendered":"Heliopause"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" src=\"\/img\/voyager1l-location-diagram.jpeg\" alt=\"Heliopause\" width=\"576\" height=\"389\" \/>Heute mal wieder eine Idee f&uuml;r eine spekulative Sonde. Eine Sonde welche die Grenze des Einflussbereichs der Sonne zum intergalaktischen Medium erforschen soll. zur Erkl&auml;rung: Die Sonne sendet laufend einen Strom von Protonen und Heliumkernen aus. Diese verlassen mit hoher Geschwindigkeit (einige 100 km\/s) das Sonnensystem mit steigender Entfernung wird die Dichte kleiner und nimmt ab und erreicht schlie&szlig;lich die des galaktischen Mediums. Es gibt dann eine Zone in der der Sonnenwind auf das galaktische Medium prallt und eine Schockzone, bevor dahinter das intergalaktische Medium beginnt. Wo diese Zone beginnt ist offen. Sie h&auml;ngt auch von der Richtung ab (in Bewegungsrichtung der Sonne wird sie zusammengedr&uuml;ckt, dahinter auseinander gezogen und der Aktivit&auml;t der Sonne ab. Sch&auml;tzungen belaufen sich zwischen 100 und 150 AE (AE: Astronomische Einheit = mittlere Entfernung der Erde von der Sonne). Starke Sonnenaktivit&auml;t f&uuml;hrt zu einem verst&auml;rkten Aufprallen von Teilchen auf das Medium, was dann Radiowellen erzeugt. Aufgrund der Reisegeschwindigkeit und bekanntem Ausbruchszeitpunkt kann man dann bei einem solchen Ereignis berechnen wo die Zone aktuell liegt. Voyager 1+2 haben schon erste Anzeichen vermeldet, dass sie sich der Zone n&auml;hern. Wie das galaktische Medium dahinter aussieht weis keiner. Im Prinzip ist das wie wenn die ersten Sonden das Erdmagnetfeld verlie&szlig;en und denn interplanetaren Raum erforschen, nur braucht man Jahrzehnte um in diese Zone zu gelangen (selbst Pluto ist nur rund 38 AE von der Sonne entfernt).<\/p>\n<p>Bei Voyager 1+2 ist das ein Bonus, denn die Raumsonden sollten niemals so lange arbeiten. Doch warum nicht eine Raumsonde konstruieren die direkt das Medium erforscht? Eines ist klar: Sie muss irrsinnig schnell sein, denn selbst Voyager haben die Heliopause, also den Grenzbereich nach fast 33 Jahren noch nicht erreicht.<\/p>\n<p>Daher mein Vorschlag f&uuml;r eine solche Sonde. Damit sie maximal beschleunigt wird muss man einige Tricks anwenden. Zuerst mal zur Sonde selbst. Diese ben&ouml;tigt nur Teilchen- und Wellenexperimente gedacht ist an folgende Architektur:<!--more--><\/p>\n<ul>\n<li>Experimente: 50 kg, 7-10 St&uuml;ck: Teilchendetektoren, Plasmawellenexperimente, Staubdetektoren, Magnetometer<\/li>\n<li>RTG: 120 kg f&uuml;r 600 W Anfangsleistung<\/li>\n<li>TDRS 4,8 m Antenne: 24 kg<\/li>\n<li>Sondenk&ouml;rper: 300 kg<\/li>\n<li>Zusammen: 500 kg<\/li>\n<li>Dazu kommt ein Post-Jupiter Ionenantrieb mit folgenden Daten:<\/li>\n<li>Triebwerk: RIT-10<\/li>\n<li>Betrieb: 50 Jhare mit durchschnittlich 150 W<\/li>\n<li>Treibstoff: 276 kg<\/li>\n<li>Tank: 46 kg<\/li>\n<li>Gesamtmasse: 326 kg<\/li>\n<\/ul>\n<p>Bei Jupiter wird dann noch ein Feststoffantrieb gez&uuml;ndet: 800 kg Startgewicht, 70 kg Leergewicht, spezifischer Impuls 2845 m\/s.<\/p>\n<p>Bei der Venus wird dann noch eine Landesonde abgesetzt: Gewicht 600 kg<\/p>\n<p>Zwei Sonden werden mit jeweils einer Sojus 2a von Kourou aus gestartet: Startgewicht pro Sonde 4200 kg. Die Differenz zu den bisherigen Angaben entf&auml;llt dann auf das Ionantriebsmodul im inneren Sonnensystem: 1974 kg. Ich habe ein bisschen mit den Zahlen gespielt und bin zu folgendem Ergebnis gekommen:<\/p>\n<p>Ionentriebwerk: RIT-22<br \/>\nSpezifischer Impuls: 44150 m\/s<br \/>\nStromverbrauch 5000 W<br \/>\nSchub 0,15 N<br \/>\nWirkungsgrad 66 Prozent<br \/>\nGewicht eines Triebwerks 7 kg<br \/>\nTreibstoffverbrauch 3,4 mg<br \/>\nGewichtsbilanz:<br \/>\nStrukturgewicht: 200 kg<br \/>\nTreibstoff: 1057 kg<br \/>\nTankgewicht: 176 kg<br \/>\nTriebwerkszahl 16<br \/>\nTriebwerksgewicht: 112 kg<br \/>\nNutzlast: 2226 kg<br \/>\nStartgewicht: 4192 kg<br \/>\nSolargenerator:<br \/>\nLeistung: 180 W\/kg<br \/>\nGewicht: 420 kg<br \/>\nMittlere Distanz zur Sonne: 150,0 Mill km<br \/>\nLeistung bei der Distanz 179 W\/kg<br \/>\nBahndaten:<br \/>\nGeschwindigkeit um die Erde zu verlassen: 3840 m\/s<br \/>\nGeschwindigkeit um zum Planeten zu gelangen: 9000 m\/s<br \/>\nGesamte Geschwindigkeit: 12840 m\/s<br \/>\nGesamte Reisedauer: 334 Tage<br \/>\nDavon in der Erdumlaufbahn (12 h\/d) 159 Tage<br \/>\nDavon in der Sonnenumlaufbahn (24 h\/d) 176 Tage<\/p>\n<p>So nun zur eigentlichen Mission, da damit erst das ganze Konzept schl&uuml;ssig erkl&auml;rt wird. Zwei Sonden werden jeweils mit dem interplanetaren Antriebsmodul in eine 500 km Erdumlaufbahn gestartet. Von dort aus spiralen sie sich w&auml;hrend 159 Tagen heraus. Dann kommt eine kurze Betriebszeit, in der sie zur Venus aufbrechen. Ist eine Hohmannbahn an der Venus erreicht, so wird der Betrieb eingestellt und die Landesonde abgetrennt. Die 4,80 m Antenne entfaltet und die Sonde empf&auml;ngt Bilder der Landesonde vom Abstieg, w&auml;hrend sie selbst die Venus in geringer Distanz (200-1000 km) passiert und dabei 3,5 km\/s schneller wird.<\/p>\n<p>Danach wird das Ionenantriebsmodul wieder aktiviert und es beschleunigt die Sonde weiter bis eine Geschwindigkeit von weiteren 6 km\/s erreicht ist (Bahn 108 x 1100 Millionen km). Die Sonde befindet sich nun auf einem Kurs zu Jupiter. Wenige Monate vor der Ankunft wird das Ionenantriebsmodul f&uuml;r das innere Sonnensystem abgetrennt. Es beinhaltet auch eine 1,50 m Antenne und ein Kamerasystem, das &uuml;ber einige Monate bis zum Einschlag auf dem Jupiter oder einer nahen Mondpassage noch Aufnahmen zur Erde senden kann (der Solargenerator sollte noch 2,8 KW Leistung bei Jupiter haben &#8211; genug f&uuml;r leistungsstarke Sender).<\/p>\n<p>Die Sonde n&auml;hert sich nun Jupiter. Alleine durch die nahe Ann&auml;herung m&uuml;sste die Sonde um 13 km\/s schneller werden &#8211; auf rund 20 km\/s. Doch nun kommt der n&auml;chste Trick. Wir z&uuml;nden in 1000 km Entfernung das Feststofftriebwerk. Es beschleunigt unsere Sonde um 1.700 m\/s. Doch diese Geschwindigkeit wird zur maximalen Geschwindigkeit von 59.520 m\/s addiert. Nach Verlassen des Jupiters erh&ouml;ht sich die Geschwindigkeit so um 14,3 km\/s (dieses Paradoxon resultiert aus dem Energieerhaltungssatz &#8211; 1,7 km\/s zu 59,5 km\/s addiert ergeben eine h&ouml;here Energie als 1,7 km\/s zu 0 m\/s addiert).<\/p>\n<p>Nachdem Jupiter passiert ist hat unsere Sonde eine Geschwindigkeit von 34,3 km\/s. Davon wird sie einen Teil verlieren, doch es bleiben noch 28,9 km\/s im Unendlichen.<\/p>\n<p>Nun kommt Trick 3: die Sonde ist ausgelegt auf einen Energiebedarf von 300 W. Sie hat aber anfangs 600 W verf&uuml;gbaren Strom. Nach 50 Jahren wird der Strom der RTG auf die 300 W abgesunken sein. Doch bis dahin hat sie im Schnitt 150 Watt &uuml;brig. Mit diesen 150 Watt wird ein kleines Ionentriebwerk &uuml;ber 50 Jahre lang betrieben: Das bringt nochmals rund 15,7 km\/s. Im Mittel hat die Sonde daher eine Geschwindigkeit von 36,7 km\/s relativ zur Sonne. In 50 Jahren kann sie dann eine Distanz von 370 AE erreichen. Nach 22 Jahren sind 150 AE erreicht.<\/p>\n<p>Sinn machen insgesamt sechs Sonnen, welche in den sechs Raumrichtungen starten. Da Jupiter zum Umlenken benutzt wird, k&ouml;nnen diese in einem Jupiterumlauf, also rund 11 Jahren gestartet werden, jeweils in Paaren alle vier Jahre ein Start. Es gibt einige positive Nebeneffekte. Es werden auch sechs Venuslandesonden abgesetzt, die so einen Gratisflug zur Venus bekommen (Hauptzweck: &Uuml;bertragen von Aufnahmen von der Venusoberfl&auml;che kurz vor und nach der Landung). Sie profitieren neben der kostenlosen Mitfluggelegenheit auch von der gro&szlig;en 4,80 m Antenne zum Empfangen der Daten &#8211; mehr Bildpunkte. Dazu sp&auml;ter was in diesem Blog.<\/p>\n<p>Kameras sind auf den eigentlichen Sonden unn&ouml;tig und nur Ballast. Zudem sollen diese den Jupiter nahe passieren, was einen nahen Vorbeiflug an einem Mond nahezu ausschlie&szlig;t. Die Ionenmodule f&uuml;r den Betrieb nahe der Sonne haben dagegen noch mehr als genug Strom wenn sie bei Jupiter ankommen um einen 2 kW Sender zu betreiben. Dann reicht auch eine kleine 1,50 m Antenne f&uuml;r eine Datenrate von 500 kbit\/s bei Jupiter. Dies kann ausgenutzt werden um ein Teleskop und Spektrometer zu betreiben und &uuml;ber etwa 3 Monate vor und nach dem Vorbeiflug Bilder und Spektren von Jupiter anzufertigen und jeweils einen Jupitermond nahe zu passieren und Aufnahmen zu machen &#8211; Alle sechs Sonden zusammen decken dann einen Zeitraum von rund 3 Jahren ab und k&ouml;nnten zumindest was das Bildmaterial angeht die Galileomission ersetzen. Zusammen mit den Sensoren auf den Heliopause Sonden m&uuml;sste so die Galileomission komplett ersetzbar sein.<\/p>\n<p>Es g&auml;be aber noch eine Alternative, die ich aber f&uuml;r technisch zu aufwendig und riskant halte. Auch sie bef&ouml;rdert mit einem Ionenantrieb eine Sonde zu Jupiter. Doch dieser lenkt sie in eine Umlaufbahn um, in der sie die Sonne in nur 1 Millionen km Entfernung passiert. Dort z&uuml;ndet ebenfalls ein Feststoffantrieb, Wenn es dasselbe ist wie bei der ersten Sonde und es diese um 1.700 m\/s beschleunigt so resultiert ein Geschwindigkeitsgewinn von 37586 m\/s im Unendlichen. Ja sie haben richtig gelesen. Sie haben richtig gelesen. Sie ergeben sich aus: ?((514887+1700)? &#8211; 2*(364314)?) &#8211; 364314 m\/s ist die Kreisbahngeschwindigkeit in 1 Million km Entfernung von der Sonne und 514887 m\/s die Geschwindigkeit in einer Bahn von 1 Million km Perihel und 780 Millionen km Apohel (Jupitertransferbahn) &#8211; auch hier der Energieerhaltungssatz macht es m&ouml;glich.<\/p>\n<p>Das Problem ist nur: Daf&uuml;r braucht man einen wirklich guten Hitzeschutzschild, der Tagelang recht hohen Temperaturen ausgesetzt ist. Der wiegt zudem einiges und w&uuml;rde so den Gewinn durch das Feststofftriebwerk verringern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute mal wieder eine Idee f&uuml;r eine spekulative Sonde. Eine Sonde welche die Grenze des Einflussbereichs der Sonne zum intergalaktischen Medium erforschen soll. zur Erkl&auml;rung: Die Sonne sendet laufend einen Strom von Protonen und Heliumkernen aus. 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