{"id":2884,"date":"2010-06-18T00:32:11","date_gmt":"2010-06-17T22:32:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=2884"},"modified":"2010-06-17T23:33:27","modified_gmt":"2010-06-17T21:33:27","slug":"chemische-bindungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2010\/06\/18\/chemische-bindungen\/","title":{"rendered":"Chemische Bindungen"},"content":{"rendered":"<p>In meinem lockeren Blog &uuml;ber Chemie m&ouml;chte ich mich heute mal mit den drei elementaren chemischen Bindungen befassen. Zuerst einmal: Warum sollte man sich &uuml;berhaupt binden? Diese Frage bewegt nicht nur Singles, sondern auch Atome. Allerdings haben Atome meistens eine sehr viel gr&ouml;&szlig;ere Entschlusskraft und entscheiden sich f&uuml;r eine dauerhafte Bindung, denn die die das nicht tun sind mit wenigen Ausnahmen alles Radikale &#8211; im wahrsten Sinne des Wortes.<\/p>\n<p>Das Problem eines Atoms habe ich schon mal <a href=\"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2010\/06\/01\/die-ominoesen-sp2-und-sp3-konfigurationen\/\"> angesprochen<\/a>: Es will in die omin&ouml;se <strong>Edelgaskonfiguration<\/strong>. Heute dazu etwas genauer. Jedes Atom verf&uuml;gt &uuml;ber Elektronen, und zwar genauso viele wie Protonen im Atomkern. Sie werden gebraucht damit das Atom elektrisch neutral sind. Nun hat die Wissenschaft raus gefunden, dass diese Elektronen nicht einfach so wild den Atomkern umschwirren, sondern in Schalen angeordnet sind. Jeder <strong>Schale<\/strong> entspricht im Periodensystem eine Zeile. Beim Blick auf eines kann man erkennen, dass bislang sieben Schalen bekannt sind. Der Ausdruck &#8222;Schale&#8220; trifft zwar den physikalischen Zustand nicht genau, aber er ist hilfreich beim Verst&auml;ndnis der chemischen Bindungen. Diese finden n&auml;mlich nur zwischen Elektronen der &auml;u&szlig;ersten Schale statt. Jede Schale ist dann noch unterteilt in <strong>Orbitale<\/strong> die jeweils eine bestimmte Anzahl von Elektronen aufnehmen. Wenn ein Orbital gef&uuml;llt ist, so kann dies dazu f&uuml;hren dass diese Elektronen keine Bindungen mehr zu anderen Atomen aufbauen wollen, also einen stabilen Zwischenzustand erreicht haben. Es kann aber dazu kommen, dass auch verschiedene Orbitale einer Schale sich zu einem neuen Orbital verbinden, der Chemiker nennt dies &#8222;<strong>Hybridisierung<\/strong>&#8222;.<!--more--><\/p>\n<p>Das streben jedes Atoms ist es alle Schalen voll mit Elektronen zu haben und wenn dies nicht geht (bei h&ouml;heren Elementen ist dies aufgrund der Regel, das immer mehr Elektronen pro Schale hinzukommen nicht gegeben) zumindest einige Schalen voll gef&uuml;llt zu haben. Nat&uuml;rlicherweise haben dies nur die Edelgase, die daher als einzige Elemente atomar vorkommen. Eine Belegung der Orbitale wie die Edelgase nennt man daher auch <strong>Edelgaskonfiguration<\/strong>.<\/p>\n<p>Das Dumme ist nur, dass es pro Schale nur ein Edelgas gibt. Die anderen, &uuml;ber 100 bisher bekannten Elemente haben Elektronen in Orbitalen zu viel oder zu wenig, je nachdem wie man es sieht. Ein Atom, das nun in dieser Zwangslage ist hat ein Problem: Es braucht Elektronen oder muss eben welche abgeben. Ganz besonders &uuml;bel sind Elemente mit ungerade Elektronenzahlen in einem Orbital weil diese immer paarweise besetzt werden. So was nennt man <strong>Radikale<\/strong> (die es aber auch bei Molek&uuml;len gibt, wenn dort ein Atom nur ein Elektron hat. Im Vergleich zu Molek&uuml;len sind aber atomare Radikale so was wie ein Vergleich zwischen Bader-Meinhof und Al-Quaida &#8211; da es bei Molek&uuml;len die M&ouml;glichkeit gibt, sich wenigstens kurzzeitig Elektronen vom Nachbaratom zu &#8222;borgen&#8220; sind diese Radikale recht gem&auml;&szlig;igt. Atomare Radikale verbinden sich mit ziemlich allem was sie erwischen k&ouml;nnen. Molekulare Radikale sind da w&auml;hlerischer in ihren Reaktionspartnern, sonst br&auml;uchte man keine Antioxidantien.<\/p>\n<p>Aber zur&uuml;ck zu den Atomen. Innerhalb des Periodensystems nimmt innerhalb einer Schale die Anzahl der Elektronen zu. Das erh&ouml;ht die Bindung dieser an das Atom, weil der Abstand immer gleich ist, aber es immer mehr Protonen im Kern gibt. Die immer gr&ouml;&szlig;ere Zahl an Schalen wiederum f&uuml;hrt zu einer geringeren Bindung zwischen Atomkern und Elektronen. Man kann also nach diesem Vorwissen leicht die beiden Elemente rausfinden welche Elektronen am st&auml;rksten und schw&auml;chsten binden. Die st&auml;rkste Bindung liegt in der siebten Periode (Halogene) vor, direkt vor den Edelgasen und innerhalb dieser Gruppe in der ersten Periode, also bei Fluor. Die schw&auml;chste Bindung gibt es dann beim ersten Element einer Periode, also den Alkalimetallen und dort bei dem Element mit der h&ouml;chsten Periode, also beim Francium. Wir Chemiker haben daf&uuml;r einen rechnerischen Zahlenwert, genannt <strong>Elektronegativit&auml;t<\/strong>. Fluor hat einen Wert von 4,0 und Francium einen von 0,7. Alle anderen liegen dazwischen. Sauerstoff hat einen Wert vom 3,5 und Wasserstoff einen von 2,2.<\/p>\n<p>Der einfachste Weg eine Verbindung zu erreichen, ist die Ionenbindung. Ein Element mit einer niedrigen Elektronegativit&auml;t trifft zuf&auml;llig auf eines mit einer hohen. Nun f&uuml;hlt sich das Elektron in der &auml;u&szlig;eren Schale so vom Element mit der hohen Elektronegativit&auml;t angezogen, dass es dem ersten Element Good-Bye sagt, einfach weil das andere Element attraktiver ist. Das ist so wie mit den Blondinen und Million&auml;ren. Trotzdem ist das erste Element zufrieden, denn dadurch dass es sein Elektron verloren hat, ist es nun pl&ouml;tzlich die angebrochene Schale los und hat Edelgas Konfiguration und genauso das zweite Element dass nun endlich seine Schale auff&uuml;llen konnte. Das klappt auch noch gut mit zwei Elektronen. Bei dreien wird es schon schwierig. Den mit jedem Elektron wird das abgebende Element positiver aufgeladen und das aufnehmende Element negativer. Es entstehen <strong>Ionen<\/strong> also Elemente die eine positive oder negative Ladung haben. Sie ziehen sich gegenseitig an und dadurch entsteht die Bindung. Mehr noch: Diese Verbindungen sind alle hochmolekular, kristallin, denn sie ziehen in einem Kristall auch die Nachbaratome mit derselben Ladung an. Das f&uuml;hrt erst zur Stabilit&auml;t des Kristalls.<\/p>\n<p>Wenn der Unterschied der Elektronegativit&auml;t 1,8 betr&auml;gt oder h&ouml;her liegt in der Regel diese <strong>Ionenbindung<\/strong> vor. Die zweite M&ouml;glichkeit ist die Kommunistische: Elemente teilen sich Elektronen. Am besten geht das nat&uuml;rlich mit Elementen der gleichen Sorte. Sauerstoff fehlen zwei Elektronen zur Edelgaskonfiguration. Wenn zwei Sauerstoffatome aufeinander treffen, so k&ouml;nnen sie sich sich zwei Elektronen teilen und jedes Atom ist zufrieden. Es wird ein Sauerstoffmolek&uuml;l gebildet wobei die gemeinsame Bindung durch die beiden Elektronen zustande kommen. Die Elektronen k&ouml;nnen auch zwischen mehreren Atomen geteilt werden, dann entstehen feste Verbindungen. Das klappt auch zwischen unterschiedlichen Partnern. Dann befinden sich die Elektronen allerdings mehr bei einem Partner, dem mit der h&ouml;heren Elektronegativit&auml;t. Dieser hat dann eine negative Teilladung und der andere eine positive. Dies ist eine <strong>Atombindung<\/strong> oder <strong>kovalente Bindung<\/strong>.<\/p>\n<p>Zwischen diesen beiden Extremen gibt es auch Zwischenstufen, also Ionenbindungen mit kovalenten Anteilen. Sie kommen vor allem vor, wenn die Elektronegativit&auml;tsunterschied gro&szlig; ist aber noch nicht so hoch wie f&uuml;r eine Ionenbindung n&ouml;tig oder gerade diesen Wert erreicht.<\/p>\n<p>Zuletzt gibt es noch einen Spezialfall. Bei den Elementen in den ersten Perioden sitzen die Elektronen so locker, dass sie relativ leicht abgel&ouml;st werden k&ouml;nnen. Wenn nun die Elektronen zwischen mehreren Atomen herumschwirren, ohne an eines fest gebunden zu werden, sind alle gl&uuml;cklich. Die Atomkerne haben ihre Elektronen verloren und so Edelgaskonfiguration erreicht. Die Elektronen genie&szlig;en ihre Freiheit und umrunden ab und an mal ein Atom, von dem sie sich angezogen f&uuml;hlen. Diese Elektronenwolke um viele Atome nennt man <strong>Metallbindung<\/strong>. Sie ist die Ursache, dass Metalle so gut Strom leiten, denn die Elektronen k&ouml;nnen so verschoben werden. Das klappt auch wenn verschiedene Metalle beteiligt sind und &auml;hnliche Elektronegativit&auml;ten haben. Das nennt man dann Legierung.<\/p>\n<p>So. Ich hoffe diese Erkl&auml;rung l&uuml;ftet etwas den Schleier &uuml;ber den chemischen Bindungen. Das n&auml;chste Mal geht es auch um Bindungen, allerdings zwischen Molek&uuml;len.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In meinem lockeren Blog &uuml;ber Chemie m&ouml;chte ich mich heute mal mit den drei elementaren chemischen Bindungen befassen. Zuerst einmal: Warum sollte man sich &uuml;berhaupt binden? Diese Frage bewegt nicht nur Singles, sondern auch Atome. 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