{"id":289,"date":"2008-08-31T11:20:56","date_gmt":"2008-08-31T09:20:56","guid":{"rendered":"http:\/\/bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=289"},"modified":"2008-08-31T11:20:56","modified_gmt":"2008-08-31T09:20:56","slug":"bequemlichkeitsessen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2008\/08\/31\/bequemlichkeitsessen\/","title":{"rendered":"Bequemlichkeitsessen"},"content":{"rendered":"<p>Es ist Zeit mich mal an meine fr&uuml;here Profession als Lebensmittelchemiker zu erinnern. Ursache sind einige Werbespots, die ich in der letzten Zeit gesehen habe und die mich &auml;rgern. Es sind Spots f&uuml;r sogenannte &quot;Fruchtdrinks&quot; entweder als &quot;Fr&uuml;hst&uuml;cksdrink&quot; oder so zwischendurch. Die Werbung springt auf einen Zug auf, genauer gesagt, die Empfehlung der DGE jeden Tag mindestens ein Pfund Gem&uuml;se oder Obst zu essen.<\/p>\n<p>Offensichtlich ist das vielen zu aufwendig und da kommt nun die Ern&auml;hrungsindustrie zu Hilfe und offeriert Obst als Getr&auml;nk, also im wesentlichen nichts anderes als p&uuml;riertes Obst, verd&uuml;nnt mit etwas Wasser, das man es trinken kann. So einfach l&ouml;st der Bequemlichkeitsesser von Heute das also.<\/p>\n<p><!--more--> <\/p>\n<p>Nur so l&auml;uft es nicht. Warum gibt es denn diese Empfehlung? Obst und Gem&uuml;se ist nicht gesund, weil es viele Vitamine und Mineralstoffe enth&auml;lt. Entgegen landl&auml;ufiger Meinung, ist der Vitamingehalt nicht sehr hoch. Von den Vitaminen findet man Vitamin C in vielen Fr&uuml;chten, Provitamin A in manchen Gem&uuml;sesorten und Kalium in Obst und Gem&uuml;se, sowie Magnesium in gr&uuml;nem Gem&uuml;se. Es gibt dann noch Abweichungen bei einigen Arten, die besondere Inhaltsstoffe haben, doch die Allgemeinheit ist nicht so Vitamin- und Mineralstoffreich. Wahrscheinlich ist das mehr eine der modernen Ern&auml;hrungsm&auml;ren, die von Eltern an Kindern weiter gegeben werden, damit diese Dinge essen die sie nicht so arg m&ouml;gen, aber die ofensichtlich sehr gesund sind.<\/p>\n<p>Nat&uuml;rlich ist Obst und Gem&uuml;se gesund, nicht jedoch wegen des N&auml;hrstoffgehalts. Im Gegenteil: Das wichtigste ist das Fehlen von N&auml;hrstoffen. Dadurch f&uuml;llt Obst und Gem&uuml;se den Magen und man kann nicht so viel essen. Dier wichtigsten Inhaltsstoffe sind in beiden Gattungen sind die unverdaulichen: Zellulose, Hemizellulosen und Pektine, also die Ger&uuml;ststoffe der Zellen. Daher muss man viel kauen um die Nahrung zu zerkleinern, die Verdauung und Resorption ist auch verlangsamt und der Brei aus unverdauten Zellbestandteilen quillt im D&uuml;nndarm auf, muss aktiv transportiert werden und st&auml;rkt so die Darmpersistaltik (Darmbewegung), Von letzterem wei&szlig; man, dass sie vorbeugend gegen die Entstehung von Dickdarmkrebs wirkt. Ob die in Obst und Gem&uuml;se enthaltenen sekund&auml;ren Pflanzeninhaltsstoffe gesund sind, und welche es sind, ist dagegen noch offen. Wenn dann scheint es nicht ein Stoff sein, sondern eher die Summe.<\/p>\n<p>Das wesentliche dabei ist: Man braucht Zeit um die Nahrung zu zerkleinern und selbst dann wird niemals ein ganz feiner Brei entstehen. Das ganze f&auml;llt komplett weg, wenn man einen Brei trinkt, der feiner zerkleinert ist, als man es jemals selbst hinbekommen w&uuml;rde. Ich will das mal an einem Gedankenexperiment verdeutlichen:<\/p>\n<ul>\n<li>1 Pfund &Auml;pfel auf einmal zu essen, d&uuml;rfte jeden erst mal satt machen. Dabei enthalten diese kaum Energie, aber sie f&uuml;llen den Magen.<\/li>\n<li>500 g Apfelmuss sind dagegen schnell verdr&uuml;ckt und s&auml;ttigen weit weniger. Hier ist der Zerkleinerungsgrad schon erheblich gr&ouml;&szlig;er und zahlreiche Bestandteile des Apfels (Schale, inneres) fallen weg.<\/li>\n<li>500 ml Apfelsaft sind schnell getrunken und machen sogar noch Hunger, denn dann geht der Insulinspiegel schnell in die H&ouml;he, und sackt nach verbrauch des Zuckers wieder ab.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Dabei hat Apfelsaft, weil die unverdaulichen Bestandteile wegfallen sogar noch einen h&ouml;heren Energiegehalt. Das ist nur ein Beispiel wie heute Erkenntnisse der Ern&auml;hrungsforschung pervertiert werden. In einer Zeitschrift fand ich einen Artikel &uuml;ber die N&auml;hrstoffdichte. Dieser Fachbegriff aus der Ern&auml;hrungslehre ist ganz einfach als Menge eines N&auml;hrstoffs, geteilt durch das Gewicht definiert. Im Normallfall benutzt man die Energie als Basis. Nur wenn man &auml;hnliche Produkte vergleicht, kann man einen anderen N&auml;hrstoff vergleichen. So kann man Pellkartoffeln, Pommes Frittes und Chips in Bezug auf die N&auml;hrstoffdichte von Fett vergleichen, weil es sich um Kartoffelprodukte mit unterschiedlichem Fettgehalt handelt.<\/p>\n<p>Diese Zeitschrift verglich aber den Fettgehalt von Donuts mit wei&szlig;en Br&ouml;tchen und suggerierte, das ein Donut &auml;quivalent zu 10 Br&ouml;tchen ist. Je nach Gr&ouml;&szlig;e und Glasur des Donuts haben aber schon 2-3 Br&ouml;tchen den gleichen Energiegehalt, nur eben in Form von Kohlehydraten und nicht als Fett. Mit der N&auml;hrstoffdichte werfen inzwischen sogar die Fernsehk&ouml;che um sich. Nur meist genauso ohne Verstand. Richtig angewandt ist es ein wichtige Kenngr&ouml;&szlig;e: Man sollte mehr Nahrungsmittel essen, die eine niedrige N&auml;hrstoffdichte haben.<\/p>\n<p>Doch dazu braucht man eigentlich keinen Fachbegriff, dazu reicht auch der gesunde Menschenverstand. Im wesentlichen ist es so: Je leichter verdaulich etwas ist, desto lieber m&ouml;gen wir es. Aber auch&nbsp; Daran kann auch die Industrie nichts &auml;ndern. Wenn sie uns bequemes Essen offeriert, dann geschieht dies auf Kosten der N&auml;hrstoffdichte oder es fallen unverdauliche Bestandteile weg. So ist eine Gem&uuml;sepfanne mit Tiefk&uuml;hlgem&uuml;se mit ordentlich viel Fett zubereitet. Der Gehalt an unverdaulichen Bestandteilen ist zwar genauso gro&szlig;, aber die N&auml;hrstoffdichte durch den Fettgehalt viel h&ouml;her.<\/p>\n<p>Es ist so wie im richtigen Leben &#8211; es gibt keinen einfachen Weg. Und billiger ist es noch dazu. Also lieber mal einen Abstecher in die Obstabteilung als einen Griff in das K&uuml;hllregal.<\/p<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist Zeit mich mal an meine fr&uuml;here Profession als Lebensmittelchemiker zu erinnern. Ursache sind einige Werbespots, die ich in der letzten Zeit gesehen habe und die mich &auml;rgern. Es sind Spots f&uuml;r sogenannte &quot;Fruchtdrinks&quot; entweder als &quot;Fr&uuml;hst&uuml;cksdrink&quot; oder so zwischendurch. 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