{"id":2915,"date":"2010-06-26T10:54:17","date_gmt":"2010-06-26T08:54:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=2915"},"modified":"2012-06-28T19:52:23","modified_gmt":"2012-06-28T17:52:23","slug":"die-heisenbergsche-unschaerferelation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2010\/06\/26\/die-heisenbergsche-unschaerferelation\/","title":{"rendered":"Die Heisenbergsche Unsch&auml;rferelation"},"content":{"rendered":"<p>Heute mal ein kleiner Ausflug in die Atomphysik. Eines der Prinzipien dort ist die Heisenbergsche Unsch&auml;rferelation, benannt nach dem gleichnamigen Physiker. Sie besagt mit einfachen Worten, dass man bei Elementen die der Quantenmechanik unterliegen nicht gelichzeitig zwei Gr&ouml;&szlig;en wie Ort und Impuls (Geschwindigkeit) messen kann. Begr&uuml;ndbar ist das durch die Quantentheorie, bei der jedes Teilchen auch als eine Welle gesehen werden kann.<\/p>\n<p>Ich will das nicht ganz physikalisch korrekt an einem Beispiel verdeutlichen. Sehen wir uns mal ein makroskopisches Beispiel an. Wir wollen Ort und Geschwindigkeit eines Autos bestimmen. Das kann man dahingehend machen, dass der Ort mit einem Fotos bestimmt wird, zu einem bestimmten Zeitpunkt und die Geschwindigkeit mit einer Radarmessung. In beiden F&auml;llen wirkt auf das Auto Energie ein: Photonen von der Sonne oder einem Blitz beim Foto und Radarstrahlen aus einem Radarger&auml;t. Jede elektromagnetische Welle steht aber f&uuml;r Energie. Wenn ein Radarger&auml;t einen Strahl auf ein Auto wirft, dann &uuml;bertragen die Radarstrahlen Energie. Und das Licht gen&uuml;gend Energie hat, um durchaus viel zu bewegen zeigt schon die Sonne &#8211; alle chemischen Reaktionen auf der Erde basieren auf ihrer Strahlung. Photonen des sichtbaren Lichts haben genug Energie um bei manchen Elementen schon die Elektronen aus der Atomh&uuml;lle herauszuschlagen &#8211; so funktioniert im Prinzip die Solarzelle. Daraus kann man schon ableiten, dass es schwierig sein kann damit die Position eines Elektrons festzustellen &#8211; denn das Photon &uuml;bertr&auml;gt so viel Energie, dass das Elektron danach seine Richtung ver&auml;ndert.<!--more--><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" src=\"http:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/de\/6\/61\/Nacl3d.jpg\" alt=\"Nacl\" width=\"504\" height=\"476\" \/>Nun kann man dann auf die Idee kommen, nicht so energiereiche Strahlung zu nehmen wie Radarstrahlung. Da schl&auml;gt nun was anderes zu. Die Aufl&ouml;sung also die kleinsten Details h&auml;ngen von der Wellenl&auml;nge ab. Wer mal mikroskopiert hat, merkt, dass das Bild bei gr&ouml;&szlig;eren Vergr&ouml;&szlig;erungen unscharf wird. Das hat nun nichts mit der Gr&ouml;&szlig;e der Okulare zu tun, sondern einer Eigenschaft des Lichts: Die kleinsten Details, die man aufl&ouml;sen kann liegen in der Gr&ouml;&szlig;enordnung der Wellenl&auml;nge. Sichtbares Licht hat eine Wellenl&auml;nge von 400-700 nm. Es wird also problematisch detailreiche Bilder von Bakterien zu erhalten, die nur einige Mikrometer gro&szlig; sind. Auch in der Technik ist das von Bedeutung: So werden heute Chipstrukturen mit kurzwelligem UV Licht heraus ge&auml;tzt. Dazu wird &uuml;ber Masken lichtempfindlicher Lack weggebrannt und dann die freien Stellen weiterverarbeitet. Die kleinsten Strukturen der Masken k&ouml;nnen etwas kleiner sein als die Wellenl&auml;nge des Lichts, aber nicht viel. Derzeit wird mit UV Licht von 193 nm Wellenl&auml;nge gearbeitet, mit dem Strukturen von 32 nm Gr&ouml;&szlig;e m&ouml;glich sind. Danach soll auf kurzwelligere R&ouml;ntgenstrahlen und Elektronenstrahlen gewechselt werden.<\/p>\n<p>Nun zum Nachdenken: Mit Licht von 193 nm Wellenl&auml;nge kann man 32 nm gro&szlig;e Strukturen abbilden. Ein Atom hat einen Durchmesser von etwa 0.1 nm. Und irgendwo darin bewegt sich ein Elektron &#8211; wie will man also damit seinen Aufenthaltsort bestimmen?<\/p>\n<p>Nun mit UV-Licht geht das nicht. Man ben&ouml;tigt kurzwelligere Strahlung. Also R&ouml;ntgen- oder Gammastrahlung. Strahlung die tausendmal kurzwelliger als sichtbares Licht ist. Analog verwendet man ja auch Elektronen f&uuml;r eine h&ouml;here Vergr&ouml;&szlig;erung bei Mikroskopen. (Da man Elektronen wegen ihrer Quanteneigenschaft auch als Wellen ansehen kann, geht dies). Das Problem nun: Je kurzwelliger Licht ist, desto mehr Energie weist ein Photon auf. Schon das kurzwellige UV Licht, das in der Chipherstellung heute benutzt wird, reicht aus um bei einigen Elementen Elektronen aus dem Atom herauszuschlagen und bei anderen um es von einer Schale in die n&auml;chste zu heben. (Deswegen gibt es ja auch Sonnenbrand durch UV Strahlung und die auf der Boden ankommende hat keine Wellenl&auml;nge von 193 nm&#8230;) Wenn nun ein R&ouml;ntgenphoton auf ein Elektron trifft, dann ist das so, als wenn man die Position eines Tischtennisballs mit einem Baseball feststellen will &#8211; das geht recht gut, nur bewegt sich danach der Tischtennisball mit einer anderen Energie: Das Photon &uuml;bertr&auml;gt viel zu viel Energie auf das Elektron.<\/p>\n<p>Werner Heisenberg stellte nun fest, dass dies nicht ein messtechnisches Problem ist, sondern dies eine Eigenschaft der Materie selbst ist. Die Heisenbergsche Unsch&auml;rferelation als Formel lautet:<\/p>\n<p><strong>dp * dx &gt;= h \/ 4*?<\/strong><\/p>\n<p>dp und dx sind die &#8222;Fehler&#8220; in der Kenntnis des Impulses (Energie) und des Ortes eines Teilchens und h ist eine Konstante n&auml;mlich 6,6626 x 10<sup>-34<\/sup> Js<\/p>\n<p>Die Potenz 10<sup>-34<\/sup> zeigt, dass die Zahl sehr klein ist. Es ist eine Grenze f&uuml;r den Fehler (oder die Unsch&auml;rfe) in der Kenntnis des Orts und der Geschwindigkeit. Versucht man den Ort genau festzustellen, so beeinflusst die Messung die Geschwindigkeit so stark, dass der Fehler des Impulses sehr gro&szlig; ist. Versucht man umgekehrt die Geschwindigkeit genau zu messen, so ist danach das Elektron an einem anderen Ort.<\/p>\n<p>Die Heisenbergsche Unsch&auml;rferelation gilt &uuml;brigens f&uuml;r alles &#8211; auch f&uuml;r Messungen der Radarstrahler. Allerdings wiegt ein Auto so viel, dass eine Geschwindigkeitsmessung kaum den Ort beeinflusst. Ein Elektron wiegt aber 9,109 x 10<sup>-31<\/sup> kg und sein Ort soll sicherlich genauer bestimmt werden als ein Atomdurchmesser, der in der Gr&ouml;&szlig;enordnung von 10<sup>-10<\/sup> m liegt. Man erkennt sofort, dass nun die Zahlen in der Gr&ouml;&szlig;enordnung der Konstante h liegen. Entsprechend ist auch klar, dass man nicht den Ort oder die Geschwindigkeit genau bestimmen kann.<\/p>\n<p>So zeigen selbst Atomkraftmikroskope Elektronen um Atomkerne nur als verschwommene Wolken, also ein Mittel der Positionen um den Atomkern. Das Bild hier eines Atomkraftmikroskops zeigt z.B. die Struktur eines NaCl Kristalls (Die Erhebungen sind die Chlorid Atome, deren Elektronenh&uuml;lle durch die Aufnahme eines Elektrons gr&ouml;&szlig;er geworden ist und die Vertiefungen die Natrium Atome, die ihre &auml;u&szlig;ere Atomh&uuml;lle verloren haben). Selbst hier sieht man keine Elektronen sondern mehr die Summe der Positionen innerhalb eines bestimmten Zeitpunktes.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute mal ein kleiner Ausflug in die Atomphysik. Eines der Prinzipien dort ist die Heisenbergsche Unsch&auml;rferelation, benannt nach dem gleichnamigen Physiker. Sie besagt mit einfachen Worten, dass man bei Elementen die der Quantenmechanik unterliegen nicht gelichzeitig zwei Gr&ouml;&szlig;en wie Ort und Impuls (Geschwindigkeit) messen kann. 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