{"id":293,"date":"2008-09-04T10:29:03","date_gmt":"2008-09-04T08:29:03","guid":{"rendered":"http:\/\/bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=293"},"modified":"2008-09-04T11:16:48","modified_gmt":"2008-09-04T09:16:48","slug":"spionagesatelliten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2008\/09\/04\/spionagesatelliten\/","title":{"rendered":"Spionagesatelliten"},"content":{"rendered":"\n<p>Ich habe mich ja schon einmal in einem Artikel mit der Problematik von Spionagesatelliten besch&auml;ftigt. Heute will ich mein Hauptaugenmerk nicht auf die Optik richten, sondern den Problemen, mit denen zivile Satelliten konfrontiert sind, die hochaufl&ouml;sende Erderkundung betreiben und diese Bilder verkaufen.<\/p>\n<p>Es gibt eine Reihe davon. For wenigen Tagen startete eine Dnepr gleich 5 Satelliten der deutschen Firma RapidEye, jeder nur 150 kg schwer. Ihre Aufl&ouml;sung betr&auml;gt nur 5 m, doch dies ist schon deutlich mehr als Erderkundungssatelliten liefern und man f&uuml;r kartographische oder Spektraluntersuchungen braucht. Andere Satelliten von Indien und Israel haben 1-2 m, Aufl&ouml;sung und Digiglobe startet ihren zweiten Satelliten mit 0.6 m Aufl&ouml;sung in einigen Wochen. F&uuml;r einen Satelliten von 150 kg Gewicht sind 5 m Aufl&ouml;sung nicht so schlecht und die Firma hat ja davon gleich 5 auf einmal gestartet um die globale Abdeckung zu verbessern.<\/p>\n<p><!--more--> <\/p>\n<p>Optische Instrumente f&uuml;r diese Aufl&ouml;sung sind nicht das Problem: Die Kamera HiRISE an Bord von <a href=\"\/mro.shtml\">Mars Reconnaissance Orbiter<\/a> wiegt 65 kg, benutzt ein 50 cm Teleskop und hat eine Aufl&ouml;sung von 1 ?rad, das sind aus 500 km H&ouml;he noch 50 cm\/Pixel. Erst wenn die Kamera deutlich gr&ouml;&szlig;er wird, wie man es f&uuml;r die oft postulierten 10 cm eines KH-11\/12 ben&ouml;tigt, wird es schwierig &#8211; nicht wegen dem Gewicht, das in der Dritten Potenz zur Aufl&ouml;sung ansteigt, sondern vor allem wegen der Tubusl&auml;nge und dem begrenzten r&auml;umlichen Volumen in einer Nutzlastverkleidung. (F&uuml;r 10 cm aus 300 km H&ouml;he braucht man ein Teleskop von etwa 180-200 cm Durchmesser. Das wiegt zwar dann etwa 670-810 kg. Bei gesch&auml;tzten 10-15 t Startgewicht ist das Gewicht eines solchen Teleskops also gar kein Problem).<\/p>\n<p>Das Problem ist die Datengewinnung und &Uuml;bertragung.<\/p>\n<p>Bei den heutigen Satelliten setzt man TDI Sensoren ein. (TDI = Time Delayed Integration). Die Problematik eines hochaufl&ouml;senden Satelliten ist die Belichtungszeit: Der Satellit bewegt sich mit 7000 m\/s relativ zur Erdoberfl&auml;che und wenn Details von 1 m Gr&ouml;&szlig;e abgebildet werden sollen, so muss die Belichtungszeit deutlich unter 1\/7000 Sekunde sein. TDI Sensoren bestehen aus 16-128 Pixelzeilen. Die Information wird dabei von einer Zeile in die n&auml;chste kopiert und die letzte Zeile dann ausgelesen. Durch das, zur Bewegung synchrone Kopieren, bekommt jedes Pixel eine viel l&auml;ngere Belichtungszeit. Das ganze ist vergleichbar der mechanischen Bewegung der Zeile synchron zur Bewegung. Im Vergleich zu einem mechanischen Schwenk von Teleskop oder Sensor gibt es aber keinen Zeitverlust um nach dem Schwenk die Ursprungsposition zu erreichen und keinen mechanischen Verschlei&szlig;.<\/p>\n<p>Das Limit setzen heute die Ausleseraten. Eines der modernsten TDI Sensoren, wie das CCD21241, hat 24000 Pixel von 8.75 ?m Gr&ouml;&szlig;e. Hier werden bis zu 300 MHz Ausleserate erreicht. Das entspricht etwa 12000 Zeilen pro Sekunde. Bei 7000 m\/s ist die Aufl&ouml;sung so beschr&auml;nkt auf 7000 m\/s \/ 12000 Zeilen\/s = 7\/12 m also etwa 60 cm. Erfasst wird eine Zeilenbreite von 14.4 km.<\/p>\n<p>Dieses System liefert eine Datenrate von nahezu 300 MByte\/s, deckt aber nur einen Streifen von 14.4 km Breite ab. So ist es nicht verwunderlich, wenn Digiglobes neuer Vogel, Worldview 1 bei einer Aufl&ouml;sung von 0.41 m\/Pixel pro Tag nur eine Fl&auml;che von 450.000 km? abbilden kann &#8211; Klein im Vergleich zur Erdoberfl&auml;che von 500 Millionen km?. Trotzdem sollte man das &quot;nur&quot; in Anf&uuml;hrungszeichen setzen, denn Monochrom, (8 Bit\/Pixel) entspricht diese Fl&auml;che einer Datenmenge von 2.7 Terrabyte pro Tag.<\/p>\n<p>Selbst bei der Rekordatenrate von 800 MBit\/s braucht man 8 Stunden pro Tag um diese Datenmenge zu &uuml;bertragen. Dies ist nur mit mehreren Bodenstationen m&ouml;glich, da Funkkontakt nur &uuml;ber etwa 10 Minuten pro Station bestehen und nur nahe des Pols ein Kontakt pro Umlauf m&ouml;glich.<\/p>\n<p>Es ist logisch, dass so die Fl&auml;che in dieser Aufl&ouml;sung begrenzt ist. Das ist ein Problem f&uuml;r eine Firma, die nat&uuml;rlich nur ein begrenztes Gebiet ablichten kann. Doch eine Firma kann damit leben, sofern sie nicht zu viele Auftr&auml;ge ablehnen muss. Anders sieht es bei einem milit&auml;rischen System f&uuml;r die USA aus. Sie haben ein strategisches Interesse an Aufnahmen von der ganzen Welt. Sowohl zur Einsch&auml;tzung von Konflikten wie auch zur Unterst&uuml;tzung ihrer vielen Truppen in Friedens und Kriegsmissionen rund um die Erde. Es ist leicht nachzuvollziehen, dass dann ein System mit 10 cm Aufl&ouml;sung das (extrapoliert von den Worldview 1 Daten) weniger als 30.000 km? pro Tag erfassen kann, nicht den strategischen Nutzen hat, das man sich von ihm erhofft.<\/p>\n<ul>\n<li>Doch die USA haben einen Vorteil: Sie k&ouml;nnen auf ein System von Satelliten zur&uuml;ckgreifen. Die Aufkl&auml;rungssatelliten senden ihre Daten nicht &uuml;ber Bodenstationen zum Pentagon, sondern &uuml;ber ein System milit&auml;rischer Aufkl&auml;rungssatelliten. Dadurch gibt es Funkkontrakt &uuml;ber 100 % der Zeit und bei entsprechender Sendest&auml;rke auch mit hohen Daten&uuml;bertragungsraten (das zivile TDRS System erreicht 600 MBit\/s, doch die TDRS sind kleine Satelliten, verglichen mit den milit&auml;rischen Kommunikationssatelliten die eine Titan 4B Centaur oder eine Delta IV Heavy als Tr&auml;ger ben&ouml;tigen). Das steigert die Datenmenge betr&auml;chtlich. Trotzdem wird es ein mehrstufiges System geben:<\/li>\n<li>Mit niedriger Aufl&ouml;sung werden ganze L&auml;nder zyklisch abgetastet alle paar Wochen, um gravierende Ver&auml;nderungen festzustellen. Ziel dessen ist es neue Dinge festzustellen oder gr&ouml;&szlig;ere Ver&auml;nderungen. Bei 100 MBit\/s kann ein Satellit die ganze Erde in 14 Tagen mit 7 m Aufl&ouml;sung erfassen. Der gr&ouml;&szlig;te Teil dieser Aufnahmen wird unwichtiges oder unbebautes Land zeigen, doch die Erfassung ist n&ouml;tig um z.B. eine neue Abschussbasis in der russischen Taiga aufzusp&uuml;ren, die es vorher in diesem unbebauten Gebiet nicht gab.<\/li>\n<li>Alle milit&auml;risch relevanten Gebiete wird man dann regelm&auml;&szlig;ig in h&ouml;herer Aufl&ouml;sung erfassen. Nimmt man an, dass dies nur 1 % der gesamten Fl&auml;che ausmacht, so kann man dieses Gebiet dann schon mit 0.7 m Aufl&ouml;sung alle 14 Tagen neu erfassen &#8211; das ist besser als dies zivile Satelliten k&ouml;nnen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Aufnahmen h&ouml;chster Aufl&ouml;sung gibt es nur von kleinen Arealen, Flughafen, Testgel&auml;nden etc. Diese werden aus den Aufnahmen mittlerer Aufl&ouml;sung herausgesucht. <\/p>\n<p>Dass man dazu eine enorme Manpower braucht d&uuml;rfte klar sein. Bei einer 600 MBit Leitung kann ein Satellit pro Sekunde 75 Millionen Bildpunkte liefern. Wenn ein Auswerter in 10 Sekunden die Bilder auf einem 1920 x 1280 Pixel Monitor durchsieht, dann braucht man 300 Personen um die Bilder durchzusehen. Sinnvoll ist ein solches System auch nur mit mehreren Satelliten. Ein Satellit kann aus den niedrigen Perig&auml;umsh&ouml;hen von 300 km nur einen kleinen Streifen auf der Erde verzerrungsfrei erfassen. Nach einem Umlauf ist er aber schon bis zu 2500 km weiter westlich. F&uuml;r eine zweite Aufnahme kurz danach platziert man ab besten einen weiteren Satelliten so im Orbit, dass er das gleiche Gebiet einen oder zwei Tage sp&auml;ter &uuml;berquert. Weiterhin braucht man f&uuml;r einen vollst&auml;ndigen Funkkontakt mindestens 3 Satelliten im geostation&auml;ren Orbit, die dann auch bei einem &Uuml;bertragungskanal pro Satellit ohne Probleme mindestens 3 Satelliten versorgen k&ouml;nnen. Anders ausgedr&uuml;ckt: Wenn man ein so aufwendiges System betreibt, dann lohnt es sich nur wenn man auch viele Satelliten im Orbit hat. Es gilt allerdings inzwischen als gesichert, dass das DoD Bilder von Digiglobe und anderen Privatfirmen kauft. Dies geht auch einher mit einer rapide gesunkenen Startrate von Aufkl&auml;rungssatelliten der KH-12 Serie. F&uuml;r kleinere Staaten oder L&auml;nder mit einer geringen globalen Beteiligung an verschiedensten zivilen und milit&auml;rischen Konflikten ,ist dieser Aufwand zu gro&szlig; und auch unn&ouml;tig.<\/p>\n<p>V&ouml;llig anders sieht es aus, wenn ein Land nur die eigenen Grenzen sch&uuml;tzen will. F&uuml;r Iran w&uuml;rde es bei der derzeitigen politischen Situation ausreichen, die 437.000 km? des Iraks regelm&auml;&szlig;ig zu fotografieren. Das schafft schon ein kleiner Satellit in 1 m Aufl&ouml;sung und bei wenigen Funkkontakten pro Tag. Begn&uuml;gt man sich mit etwa 1 m Aufl&ouml;sung, so kann man aus heute verf&uuml;gbaren Standardbauteilen und einem kleinen Teleskop arbeiten. Ein Satellit von 200 kg Gewicht w&auml;re ausreichend und diese Satellitengr&ouml;&szlig;e ist mit einer Mittelstreckenrakete und ein oder zwei Feststoffoberstufen startbar. Eine Technologie die sich auch kleinere Staaten kaufen k&ouml;nnen. Die Sensoren sind heute im Handel erh&auml;ltlich. Die TDI Sensoren haben auch zivile Anwendungen, so &uuml;berpr&uuml;fen sie Fertigungsstra&szlig;en bei denen Produkte in rasender Geschwindigkeit an den Sensoren vorbeirasen. Selbst wenn der Kauf scheitern sollte &#8211; Ein Gang in den n&auml;chsten Fotoladen l&ouml;st auch das Problem: Eine Canon EOS 1Ds Mark III hat auch einen 21 MPixel Sensor mit 14 Bit Farbtiefe und kann &uuml;ber einen Adapter an Teleskope angeschlossen werden. Gekoppelt an ein 10 Zoll Teleskop mit 3200 mm Brennweite gibt dies beugungsbegrenzte Bilder von 2 ?rad Aufl&ouml;sung, also 1 m aus 500 km Entfernung. Von Alter gibt es z.B. Maksutov Teleskope mit 258 oder 304 mm &Ouml;ffnung und 3000 bzw. 3800 mm Brennweite. Das entspricht aus 500 km Entfernung einer Bodenaufl&ouml;sung von 1.07 bzw. 0.85 m.&nbsp; Beides sind Standardprodukte die man im Internet bestellen kann. Was man braucht ist nur noch ein Standard-T Adapter an das Teleskop und einen Gleichschrittmotor. wie er auch z.B. in Teleskopmontierungen eingesetzt wird. <\/p>\n<p>Einen Satelliten zu bauen ist heute auch kein Problem mehr. Im neuesten ESA Journal kommt ein Artikel &uuml;ber europ&auml;ische Kleinsatelliten die von Studenten gebaut werden. Darunter ist sogar das Projekt eines Mondorbiters. Die L&ouml;sung mag schwerer oder umst&auml;ndlicher als ein Exemplar von Astrium sein, doch das d&uuml;rfte f&uuml;r ein Drittweltland nicht das Problem darstellen. Unter diesem Aspekt ist es ein Wunder, dass nicht viel mehr Aufkl&auml;rungssatelliten die Erde umkreisen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich habe mich ja schon einmal in einem Artikel mit der Problematik von Spionagesatelliten besch&auml;ftigt. 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