{"id":299,"date":"2008-09-06T13:25:33","date_gmt":"2008-09-06T11:25:33","guid":{"rendered":"http:\/\/bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=299"},"modified":"2008-09-09T12:05:29","modified_gmt":"2008-09-09T10:05:29","slug":"rosetta-bei-2867-steins","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2008\/09\/06\/rosetta-bei-2867-steins\/","title":{"rendered":"Rosetta bei (2867) Steins!"},"content":{"rendered":"<p>Aus aktuellem Anlass, die letzte Erweiterung zu Rosettas Mission als Blog:<\/p>\n<figure style=\"width: 400px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/img\/steins.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"Steins\" src=\"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/img\/steins.jpeg\" alt=\"Steins\" width=\"400\" height=\"267\" class=\"links\"\/><\/a><figcaption class=\"wp-caption-text\">Steins<\/figcaption><\/figure>\n<p>Nach einigen Monaten im Hibernations (Schlaf) Modus, begann am 5.8.2008, einen Monat vor der Passage die Observation des Kleinplaneten Steins. Ziel dieser Beobachtungen mit der Kamera OSIRIS ist es den Orbit genauer zu definieren. Stein wird gegen den Sternenhintergrund aufgenommen und seine Position anhand der Beobachtungen vorhergesagt. Ohne diese Beobachtungen w&auml;re die Position nur auf 100 km genau &#8211; das ist angesichts 800 km Minimaldistanz ein gro&szlig;er Fehler, der 7.1 Grad Unsicherheit in der Position ausmacht &#8211; etwa dreimal mehr als das Gesichtsfeld der Telekamera betr&auml;gt. Die Beobachtungen von Rosetta sollen die Unsicherheit auf 2 km verringern.<\/p>\n<p>Lange ist Stein nur ein Pixel gro&szlig;. Bis zum 25.sten August reichen daher 2 Aufnahmen pro Woche. Ab dem 25.sten August bis zum 4. September gibt es t&auml;gliche Aufnahmen. Die letzte M&ouml;glichkeit zur Feinjustage der Trajektorie gibt es am 4.Septzember einen Tag vor dem Vorbeiflug. Dabei nimmt die Distanz rasch ab, als am 5.8.2008 mit den Beobachtungen begonnen wurde sind es noch 24 Millionen km. Die Eigentliche Beobachtungskampagne beginnt dann 950.000 km Entfernung, einen Tag vor dem Vorbeiflug. Doch selbst aus 800 km Minimalentfernung wird Steins dessen Gr&ouml;&szlig;e zwischen 2-5 m (irrregul&auml;re Struktur) mit einem mittleren Durchmesser von 4.6 km gesch&auml;tzt wird klein bleiben. (Er d&uuml;rfte maximal 300 Pixel gro&szlig; sein auf den Bildern der Telekamera). Trotzdem haben auch die Aufnahmen aus gr&ouml;&szlig;erer Entfernung wissenschaftlichen Wert: OSIRIS kann das Licht von Stein messen und damit Informationen &uuml;ber Abmessungen und R&uuml;ckstrahlf&auml;higkeit liefern und die Erkenntnisse &uuml;ber die Rotationsperiode \/ Achse verbessern.<\/p>\n<p>Von ESAs originaler Planung des Fly Bys blieb nicht viel &uuml;brig: Diese war auf Sicherheit ausgerichtet, so sollte Rosetta nicht zu sehr aufgeheizt werden und nach dem Vorbeiflug sollten keine Beobachtungen mehr stattfinden. No way, sagten die Wissenschaftler! Da haben wir die bislang leistungsf&auml;higste Sonde die an einem Asteroiden Vorbeifl&uuml;gen soll und dann machen wir keine Kompromisse, also bitte so nah wie m&ouml;glich an Steins vorbei, Beobachtungen vor, bei und nach dem Vorbeiflug., eine Bahn die volle Ausleuchtung (Sonnenwinkel 0 Grad) gew&auml;hrleistet und nat&uuml;rlich so viele Instrumente wie m&ouml;glich im Betrieb. Warum? Nun Steins ist ein E-Typ Asteroid, er besteht zu einem gro&szlig;en Teil aus schweren Elementen wie Eisen und Nickel, vermischt mit Silikaten. Diese Asteroiden sind selten (weniger als 1 % aller Asteroiden sind vom E-Typ). Rosetta ist die erste Sonde die einen E-Typ Asteroiden besucht, also Zeit diese Gelegenheit zu nutzen!<br \/>\nDa hatte das Team um die Flugingenieure einiges zu tun. Und sie haben diese Aufgabe bew&auml;ltigt und Rosetta bis an die Grenzen getrieben. Um Die Bahn von Steins besser zu charakterisieren reichte die Vermessung der Raumsondenbahn alleine nicht aus. Rosetta begann Steins vor dem Hintergrund zu fotografieren und so die Position genauer zu bestimmen. Die  Bahn wurde mehrfach angepasst und 3 Stunden vor dem Vorbeiflug begann man mit den Navigationskameras Steins zu verfolgen und die anderen Instrumente auf ihn ausrichten. Diese optische Navigation ist eine Erstleistung f&uuml;r Europa.<\/p>\n<p>Aktiv waren schlie&szlig;lich 15 Instrumente, 14 auf Rosetta und eines (das Magnetometer) auf Philae. Untersucht wurde nahezu alles : Bilder und Spektren vom UV bis hin zu Mikrowellen. Staubteilchen Detektoren,. Plasmadetektoren und Magnetometer. Leider schaltete die Telekamera 9 Minuten vor der n&auml;chsten Begegnung ab, so dass zuerst nur Bilder Weitwinkelkamera pr&auml;sentiert wurden. Dies wurde von der Software, welchen den Zustand &uuml;berwachte veranlasst. Einige Stunden sp&auml;ter schaltete sie sich ein und arbeitet seitdem problemlos. Ursache war das der neue &#8222;Movie&#8220; modus &#8211; bei dem die NAC alle 2 Sekunden ein Bild aufnahm wohl die Kamera an die Grenzen trieb und die Software sie daher vorsorglich abschaltete.  Ein weiteres Problem war der Ausfall der NASA Goldstone Antenne, &uuml;ber die eigentlich die Daten gesendet werden sollten. So verz&ouml;gert sich das R&uuml;cksenden der Daten die nach dem Vorbeifl&uuml;gen gewonnen wurden.<\/p>\n<p>Ein 2 km gro&szlig;er Krater nahe des Nordpols h&auml;tte Steins fast zertr&uuml;mmert. 23 Krater von mindestens 200 m Durchmesser (der gr&ouml;&szlig;te von 2 km Durchmesser) konnten identifiziert werden. Die ersten Farbaufnahmen zeigten Steins in Grau, mit leichtem r&ouml;tlichem Touch. Auch Stereobilder konnte OSIRIS herstellen<br \/>\nDie VIRTIS Daten sind immer noch in Auswertung, weil dieses Instrument enorme Mengen an Daten liefert. Aufbereitete Bilder sollen folgen. GIADA konnte keinen Staubeinschlag vermelden. Der Asteroid &#8222;staubt&#8220; also nicht. Schade, das h&auml;tte eine direkte Analyse der chemischen Zusammensetzung erlaubt. Allerdings konnte man in 800 km Entfernung auch kaum noch Staub erwarten.<\/p>\n<p>G. Winter nutzte die Pressekonferenz am 6.9.2008 um ein Programm vorzustellen um Nearth Earth Objects (NEO) zu suchen und &uuml;berwachen, vor allem um Objekte rechtzeitig zu finden welche der Erde gef&auml;hrlich nahe kommen oder sogar potentiell einschlagen k&ouml;nnten.<br \/>\nEs umfasst folgende Schritte:<\/p>\n<ul>\n<li> Verfolgen und Entdecken von NEO<\/li>\n<li>Beobachtungen der NEO<\/li>\n<li>Besuch von NEO mit Raumsonden, eventuell Versuche ihre Bahn zu beeinflussen<\/li>\n<\/ul>\n<p>Es soll im November beim Ministerrat in Den Haag vorgestellt werden. Angesichts der &Uuml;berschreitung der Budgets von BepiColombo und Exomars (beide wurden deutlich schwerer und erfordern nun jeweils einen Ariane 5 anstatt einen Sojus Start, stehen die Chancen f&uuml;r neue Programme aber eher schlecht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus aktuellem Anlass, die letzte Erweiterung zu Rosettas Mission als Blog: Nach einigen Monaten im Hibernations (Schlaf) Modus, begann am 5.8.2008, einen Monat vor der Passage die Observation des Kleinplaneten Steins. Ziel dieser Beobachtungen mit der Kamera OSIRIS ist es den Orbit genauer zu definieren. 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