{"id":3011,"date":"2010-07-19T06:52:00","date_gmt":"2010-07-19T04:52:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=3011"},"modified":"2010-07-18T11:52:21","modified_gmt":"2010-07-18T09:52:21","slug":"neo-near-earth-observation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2010\/07\/19\/neo-near-earth-observation\/","title":{"rendered":"NEO (Near Earth Observation)"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" class=\"alignleft\" src=\"\/img\/lutetia-1.jpg\" alt=\"Lutetia\" \/>Die Erforschung von Asteroiden ist wie bei Kometen nicht ganz einfach. Die meisten davon befinden sich zwischen Mars und Jupiter. Bislang gab es zwei M&ouml;glichkeiten sie zu untersuchen. Das eine waren Stippvisiten durch Raumfahrzeuge ins &auml;u&szlig;ere Sonnensystem, bei denen man die Bahn so ab&auml;nderte, dass sie einen Asteroiden passieren konnten. Das waren bei Galileo die Asteroiden Gaspra und Ida. Bei NEAR war es Mathilda und bei Rosetta waren es Steins und Lutetia. Cassini und New Horizons kamen keinem Asteroiden nahe. Eine solche Stippvisite ist das was das Wort sagt: eine kurze Erkundung. Auf der einen Seite ist der Aufwand gering. Es kostet etwas Treibstoff, um die Bahn an den Asteroiden heranzuf&uuml;hren und sp&auml;ter wieder die optimale Bahn zu erreichen. Auf der anderen Seite ist selbst bei einer nahen Passage (die meist nicht m&ouml;glich ist, weil die Bahndaten zu ungenau bekannt sind) das Objekt nur kurzzeitig bildf&uuml;llend. Als Beispiel mag hier der Vorbeiflug von Rosetta an Lutetia sein, die ja immerhin schon &uuml;ber 100 km gro&szlig; ist und damit einer der gr&ouml;&szlig;eren Brocken. Die Sonde passierte den Himmelsk&ouml;rper in 3.200 km Entfernung wobei er bei n&auml;chster Ann&auml;herung knapp bildf&uuml;llend war. Bei einer Geschwindigkeit von 15 km\/s relativ zu Lutetia ist aber die Distanz von 3.200 km in 213 s durchflogen. Also dreieinhalb Minuten fr&uuml;her war der Planetoid nur halb so gro&szlig; von der Raumsonde aus gesehen.<\/p>\n<p>So ein Vorgehen lohnt sich also nur als &#8222;Zusatzgoodie&#8220;. Die zweite M&ouml;glichkeit ist es in einen Orbit einzuschwenken. Doch da die Asteroiden sich in gr&ouml;&szlig;erer Entfernung von der Erde befinden und klein sind ben&ouml;tigt man viel Energie um dorthin zu gelangen. Entweder durch mehrfache Erd-Swingbys oder durch einen Ionenantrieb. So durch NEAR oder Dawn. Das dauert dann lange, daf&uuml;r kann aus dem Orbit eine viel intensivere Untersuchung stattfinden. Allerdings waren hier die instrumentellen M&ouml;glichkeiten von NEAR wie auch die von Dawn nicht mit denen der gr&ouml;&szlig;eren Raumsonden vergleichbar.<\/p>\n<p>Ich will eine dritte M&ouml;glichkeit aufzeigen. Eine die preiswert ist und trotzdem schnell geht: Der Besuch von Erdkreuzern (NEO: Near Earth Object). Das sind Planetoiden welche die Bahn der Erde kreuzen. Es gibt einige bekannte von etwa 1 km Durchmesser und gr&ouml;&szlig;er und jedes Jahr werden zahlreiche kleinere mit wenigen Hundert Meter Durchmesser entdeckt. Sie sind zwar relativ klein, aber schnell erreichbar. Jedes Jahr passieren Dutzende die Erde in einer Distanz unter 0,1 AE (15 Millionen km) ab der sie gelistet werden. Alleine dieses Jahr stehen noch zwei Vorbeifl&uuml;ge mit 0.015 AE Minimaldistanz (2,25 Millionen km) an.<!--more--><\/p>\n<p>Meine Idee: Eine sehr einfache Raumsonde zu starten, wenn sich ein Objekt n&auml;hert. Damit dies schnell m&ouml;glich ist sollte sie Orbit geparkt werden. Dort muss sie dann nur noch einen eigenen Antrieb z&uuml;nden. Die Passagedistanz ist dann gering und die Missionsdauer ebenfalls. Das begrenzt die Kosten. Um eine billige Raumsonde zu bekommen sollte sie daher preiswert sein. Meine Idee: Man benutzt eine schon entwickelte Technologie wie die Proba-2 Sonde der ESA. Sie kostete 18 Millionen Euro, ist dreiachsenstabilisiert und wiegt nur 130 kg. Sie bietet daher fast alle Vorrausetzungen f&uuml;r eine Raumsonde. Was sie noch braucht, ist eine Kommunikationsausr&uuml;stung die auf interplanetare Distanzen funktioniert. Bei den Abmessungen der Sonde (0,6 x 0,7 x 0,85 m) k&ouml;nnte das eine 0,6 m gro&szlig;e Parabolantenne sein. Mit einem 10 Watt Sender ist bei 0,2 AE Entfernung noch eine Datenrate von 300 KBit m&ouml;glich und bei 0,1 AE eine von 1,2 MBit\/s (basierend auf den Venus Express Daten). Das ist ausreichend f&uuml;r die &Uuml;bertragung der Daten.<\/p>\n<p>Bei der kleinen Sonde sollte die instrumentelle Ausr&uuml;stung auf das wesentlichste begrenzt sein. Ich schlage eine Kombinationsinstrument vor: Ein Teleskop mit 25 cm &Ouml;ffmnung und einem Strahlenteiler oder zwei parallel im Sichtfeld angeordneten Detektoren: Ein CCD Chip von 2048? Pixeln und ein Vis\/IR Spektrometer. Ein 480 x 640 Pixel HgCdTe CCD Array erlaubt es ein Spektrum von 480 Pixeln Breite mit 640 Messungen zu erstellen. (im Bereich von 0,8 bis 5 ?m). Die Kamera k&ouml;nnte sechs Filter (Rot, Gr&uuml;n, Balu, Klar, Nahes Infrarot 1&uuml;2) einsetzen. Das eingesparte Gewicht kann genutzt werden, ein gr&ouml;&szlig;eres Teleskop einzusetzen. Ein 25 cm Instrument w&auml;re angemessen. Es w&uuml;rde bei der Kamera eine Aufl&ouml;sung von 1 m aus 400 km Entfernung liefern. Ein 1 km gro&szlig;es Objekt w&auml;re in 200 km Entfernung bildf&uuml;llend. Bei gr&ouml;&szlig;eren Instrumenten steigt zwar ie Aufl&ouml;sung an, aber auch das Gewicht: doppelte &Ouml;ffnung = sechsfaches Gewicht.<\/p>\n<p>Ein wesentlicher Punkt ist die Datenverarbeitung: Lange Zeit ist der Asteroid kleiner als das Gesichtsfeld. Doch selbst bei einem nahen Vorbeiflug wird bei einer Relativgeschwindigkeit von typischerweise 10 km\/s lediglich 20 s vor erreichen der n&auml;chsten Distanz das Objekt bildf&uuml;llend, wenn es 1 km gro&szlig; ist. Daher m&uuml;ssen die Daten am Schluss sehr schnell gewonnen werden und am Anfang m&uuml;ssen gr&ouml;&szlig;ere Datenmengen weggelassen werden, da sie nur Schwarze Fl&auml;chen zeigen. Letzteres kann recht elegant durch die JPEG Komprimierung gel&ouml;st werden. Das erste wird erreicht durch einen Datenpuffer. 16 GB normales DDR-RAM, eine Menge die heute schon in einigen PC&#8217;s steckt w&uuml;rde bei 16 Bit Farbtiefe pro Bild ausreichen f&uuml;r 2000 Bilder. Bei einer Framerate von 25\/s also f&uuml;r 80 s Betriebszeit. Als Massenspeicher k&ouml;nnte eine Solid State Disk (SSD) mit 256 GByte Gr&ouml;&szlig;e eingesetzt werden.<\/p>\n<p>Mit 20 Kilogrammzusatzgewicht f&uuml;r die Instrumente und 10 kg f&uuml;r die Antenne und Datenspeicher\/Sender\/Empf&auml;nger w&uuml;rde die Raumsonde 160 kg wiegen.<\/p>\n<p>Doch erst mal muss die Raumsonde zum Objekt kommen. Wie schnell sie es erreicht h&auml;ngt von der Restgeschwindigkeit nach Verlassen der Erde ab. Diese ist berechenbar nach<\/p>\n<p>V<sub>r<\/sub> = ?(V?-V<sub>flucht<\/sub>?). Oder als Zahlenbeispiel:<\/p>\n<p>V<sub>r<\/sub> = ?(<span style=\"border-collapse: separate; color: #000000; font-family: arial, sans-serif; font-style: normal; font-variant: normal; font-weight: normal; letter-spacing: normal; line-height: normal; orphans: 2; text-align: auto; text-indent: 0px; text-transform: none; white-space: normal; widows: 2; word-spacing: 0px; -webkit-border-horizontal-spacing: 0px; -webkit-border-vertical-spacing: 0px; -webkit-text-decorations-in-effect: none; -webkit-text-size-adjust: auto; -webkit-text-stroke-width: 0px; font-size: small;\"><span style=\"line-height: 19px;\">12?-11?)<\/span><\/span><\/p>\n<p>V<sub>r<\/sub> = 4,8 km\/s<\/p>\n<p>Startet eine Raumsonde von der Erde aus mit 12 km\/s so hat es bei einer Fluchtgeschwindigkeit von 11 km\/s (typisch f&uuml;r einen sehr nahen Erdorbit) nach Verlassen der Erde eine Geschwindigkeit von 4,8 km\/s. Bei 11,5 km\/s sind es schon 3,3 km\/s. Je h&ouml;her diese Geschwindigkeit ist, desto schneller ist ein Objekt erreichbar wenn die Zeit dr&auml;ngt. Eine Geschwindigkeit von 11.5 &#8211; 12 km\/s w&auml;re w&uuml;nschenswert. Weniger spart kaum Treibstoff ein, reduziert die Geschwindigkeit aber deutlich. Mehr bringt zwar mehr Geschwindigkeit, aber die Nutzlast sinkt stark ab. Mindestens die Fluchtgeschwindigkeit muss allerdings erreicht werden.<\/p>\n<p>Das leitet uns zum Start &uuml;ber. Es gibt zwei M&ouml;glichkeiten f&uuml;r eine ESA Sonde: Start mit der Vega als zweite Nutzlast (neben einem Hauptsatelliten) &#8211; ungef&auml;hr 750 kg in einen 700 km hohen SSO Orbit (andere Bahnen w&auml;ren wegen der h&ouml;heren Nutzlast zu bevorzugen, doch wird sich da wohl kaum ein Partner finden). Das zweite w&auml;re eine Sekund&auml;rnutzlast auf einer Ariane 5. Dann ist das Volumen auf 1,50 x 1,50 x 0,71 cm Gr&ouml;&szlig;e begrenzt. Doch das ist kompatibel zu der Raumsonde, die bei g&uuml;nstiger Platzierung der Sendeantenne maximal 0,60 m hoch ist. Eine st&auml;rkere Begrenzung ist das maximale Gewicht von 300 kg.<\/p>\n<p>Bei einem Masseverh&auml;ltnis von 5:1 beim Antrieb, einem spezifischen Impuls von 3188 m\/s (&uuml;bernommen vom EAM-500 Motor) w&uuml;rde eine anfangs 300 kg schwere Sonde mit einem MMH\/NTO Antrieb um 1480 m\/s beschleunigt, d.h. bei einem Standard GTO Orbit auf rund 11.700 m\/s. Eine Distanz von 0,1 AE w&uuml;rde eine Sonde dann innerhalb von 44 Tagen erreichen. (Antrieb: 140 kg \/ 28 kg).<\/p>\n<p>Beim Start von einem polaren sonnensynchronen Orbit aus reicht eine Antrieb auf Basis eines Satellitenmotors nicht aus. Zum einen weist er eine schlechtes Voll\/Leermasse Verh&auml;ltnis auf. Zum anderen ist der Schub gering. Daher w&auml;re hier eine? feste Oberstufe erg&auml;nzt um einen kleinen Antrieb mit lagerf&auml;higem Treibstoff anzuraten. Dieser dient f&uuml;r die Feinkorrekturen. Wenn die Feststoffoberstufe die Fluchtgeschwindigkeit (10.670 m\/s bei einer 700 km hohen Bahn) erreicht und der lagerf&auml;hige Treibstoff den Rest, der fehlt f&uuml;r eine Geschwindigkeit von 4 km\/s im Unendlichen, so errechnet sich folgende Bilanz:<\/p>\n<ul>\n<li>55 kg \/ 11 kg lagerf&auml;higer Antrieb (spezifischer Impuls: 3150 m\/s)<\/li>\n<li>563 kg \/ 45 Feststoffoberstufe (spezifischer Impuls: 2850)<\/li>\n<li>so errechnet sich ein Gewicht von 775 kg, noch kompatibel mit einer halben Vega Nutzlast.<\/li>\n<\/ul>\n<h3>Mission:<\/h3>\n<p>Die Sonde wird in den vorgegebenen Orbit mit der Hauptnutzlast gestartet. Dort werden die Instrumente durch Beobachtung der Erde kalibriert und die Sonde gepr&uuml;ft. Danach wird sie in einen Modus versetzt, in sie keine aufwendige Betreuung ben&ouml;tigt, ihre Stromversorgung und Funktion aber gew&auml;hrleistet ist. Dort bleibt sie bis ein passendes Objekt gefunden wird. Dann erfolgt der Start (beim GTO Orbit ist aufgrund der r&auml;umlichen Ausrichtung dieses nicht jedes Ziel erreichbar). Am Tag vor der Begegnung beginnt dann das Beobachtungsprogramm. Die Daten werden zuerst nur aufgezeichnet und danach langsam zur Erde zur&uuml;ckgesandt. Bei 1.200 kbit abnehmend auf 300 KBit\/s w&uuml;rde bei 17 Stunden Sendezeit pro Tag der 256 GByte Speicher innerhalb der Zeit in der die Sonde 0,1 AE zur&uuml;cklegt (44 Tage) zur Erde &uuml;bertragen. Vorzuziehen w&auml;re ein gr&ouml;&szlig;eres Objekt. Alleine 2010 weist die <a href=\"http:\/\/neo.jpl.nasa.gov\/ca\/\">NASA Webseite f&uuml;r NEO&#8217;s<\/a> noch zwei Exemplare von 2,1 x 4,7 km und 3,3 x 7,4 km Gr&ouml;&szlig;e aus. Jedes Jahr d&uuml;rfte es mehrere dieser Startgelegenheiten geben.<\/p>\n<h3>Kostenabsch&auml;tzungen<\/h3>\n<p>Die Proba-2 Mission kostet 18 Millionen Euro. Dazu k&auml;me noch der Start. Die Startkosten einer Vega sind noch nicht genau beziffert. Das letzte Dokument das ich fand sprach von 22 Millionen Euro. Ein halber Start also 11 Millionen Euro. Zusammen mit den Experimenten, Ver&auml;nderungen und der Missionsdurchf&uuml;hrung sollte eine Mission f&uuml;r 40-50 Millionen Euro m&ouml;glich sein. Beim Start auf einer Ariane 5 wahrscheinlich sogar noch preiswerter. Das w&uuml;rde es erlauben regelm&auml;&szlig;ig eine solche Sonde zu starten z.B. alle 2-3 Jahre eine. Durch die dadurch m&ouml;gliche Serienfertigung w&auml;re es m&ouml;glich die Kosten jedes Exemplar sogar noch weiter zu senken. Wenn einige Jahre kein idealer Start m&ouml;glich ist, dann wird die alternde Sonde zum n&auml;chsten verf&uuml;gbaren Objekt gestartet und durch eine neue ersetzt.<\/p>\n<h3>Was w&uuml;rde herausspringen?<\/h3>\n<p>Die Kenntnis der Oberfl&auml;che und der chemischen Zusammensetzung (durch die IR Spektren) mindestens eines weiteren Planetoiden. Denkbar w&auml;re es auch folgende Exemplare mit anderen Experimenten auszur&uuml;sten wie einem Radar. Es w&auml;re auch publikumswirksam und das bei geringem Mitteleinsatz (einem Drittel dessen was ein Nachbau eines Erdsatelliten wie Cryosat 2 kostet).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Erforschung von Asteroiden ist wie bei Kometen nicht ganz einfach. Die meisten davon befinden sich zwischen Mars und Jupiter. Bislang gab es zwei M&ouml;glichkeiten sie zu untersuchen. Das eine waren Stippvisiten durch Raumfahrzeuge ins &auml;u&szlig;ere Sonnensystem, bei denen man die Bahn so ab&auml;nderte, dass sie einen Asteroiden passieren konnten. 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