{"id":3014,"date":"2010-07-20T06:27:58","date_gmt":"2010-07-20T04:27:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=3014"},"modified":"2010-07-19T22:30:03","modified_gmt":"2010-07-19T20:30:03","slug":"wohin-geht-die-reise-bei-den-supercomputern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2010\/07\/20\/wohin-geht-die-reise-bei-den-supercomputern\/","title":{"rendered":"Wohin geht die Reise bei den Supercomputern?"},"content":{"rendered":"<p>Obwohl der Begriff &#8222;Supercomputer&#8220; nicht genau definiert ist, versteht man darunter meist einen Rechner, der erheblich schneller ist als der Gro&szlig;teil der auf dem Markt verf&uuml;gbaren Ger&auml;te und zumindest fr&uuml;her auch nur auf die Verarbeitung nummerischer Aufgaben, also wissenschaftliche Berechnungen \/ Simulationen ausgelegt ist, nicht jedoch f&uuml;r Dinge wie sie in Betrieben &ouml;fters anfallen wie die Verwaltung von Datenbanken, das Entgegennehmen der Eingaben von vielen Mitarbeitern an Terminals etc.<\/p>\n<p>Die ersten schuf Seymour Cray bei der Firma CDC Ende der sechziger Jahre. Sp&auml;ter machte er sich selbstst&auml;ndig und gr&uuml;ndete die Firma Cray Research. Unter diesem Namen erschienen dann auch &uuml;ber ein Jahrzehnt lang die schnellsten Rechner der Welt. Crays Rechner waren Vektorrechner. Dahinter steckt eine bestimmte Architektur: Jeder Befehl ben&ouml;tigt folgende Schritte:<\/p>\n<ul>\n<li>er muss aus dem Speicher geholt werden<\/li>\n<li>er muss dekodiert werden (das hei&szlig;t man muss &uuml;berhaupt wissen welcher Befehl auszuf&uuml;hren ist)<\/li>\n<li>er wird ausgef&uuml;hrt<\/li>\n<li>und es kann sein dass Ergebnisse zur&uuml;ck in den Speicher geschrieben werden.<!--more--><\/li>\n<\/ul>\n<p>Bei einer Rechenoperation fanden immer diese vier Schritte statt. Crays Architektur sah nun neben einfachen Rechenoperationen auch solche vor, die auf allen 64 Registern durchgef&uuml;hrt wurden. Dabei wurde pro Takt ein weiteres Register bearbeitet. Von den vier Schritten blieb so nur noch die Ausf&uuml;hrung &uuml;brig und die Geschwindigkeit stieg um das dreifache bei einer Cay 1. Zwanzig Jahre sp&auml;ter wurde dasselbe Prinzip unter der Bezeichnung SIMD (Single Instruction, Multiple Data) auch bei Intel\/AMD eingef&uuml;hrt.<\/p>\n<p>Die Vektorrechner waren lange Zeit dominierend. Ab Anfang der neunziger Jahre kam aber die Konkurrenz in Form von Rechnern mit Tausenden von PC Prozessoren auf. Der grundlegende Nachteil des Vektorprozessors ist, dass es keine Architektur von der Stange ist. Die Investitionskosten in jede neue Chipgeneration steigen aber an, weil die Strukturen immer kleiner werden. Bei nur wenigen verkauften St&uuml;ck wurden so die speziellen Architekturen von Vektorrechnern immer teurer vergleichen mit den Rechenleistungen die sie boten. Der letzet Vektorrechner ist der Earth Simulator, doch auch er ist ein Einzelst&uuml;ck und ging schon vor vielen Jahren in Betrieb.<\/p>\n<p>Rechner auf Basis von PC Prozessoren sind die heute am verbreitetesten Systeme. Auch hier gab es den Trend weg von speziellen L&ouml;sungen mit eigenen Bussen f&uuml;r die Verbindung oder gemeinsamen Speichern hin zu fast normalen Servern &#8211; jede Platine ein Prozessor mit eigenem Speicher, verbunden &uuml;ber schnelles Ethernet. Der Hauptnachteil ist dass heutige PC Prozessoren noch sehr viel Strom verbrauchen und mit den K&uuml;hlern auch viel Platz. Bei der Steigerung der Rechenleistung darf man auch nicht vergessen, dass die ersten Rechner von Cray ein Ger&auml;t waren, in etwa so gro&szlig;e wie ein Schrank und heute Supercomputer eine ganze Halle belegen. Der Earth Simulator sogar ein zweigeschossiges eigens gebautes Haus (Eine Etage Rechner, eine Etage Klimaanlage) mit eigenem Kraftwerk.<\/p>\n<p>Ein Ausweg k&ouml;nnten Embedded Prozessoren sein und Grafikhardware. Embedded Prozessoren wie sie in Handys, Satelliten Receivern etc. zu finden sind weitaus niedriger getaktet als PC Prozessoren, so ben&ouml;tigt man noch viel mehr davon. Aber im Vergleich MIPS\/Watt sind sie erheblich besser. Schlussendlich kommt es aber auf die Summe an, d.h. den Gesamtstromverbrauch mit Speicher und Klimaanlage und nat&uuml;rlich auch die Packungsdichte die erreicht wird. Immerhin: Seit Jahren halten sich einige Systeme von IBM auf Basis von Embedded Varianten der PowerPC Prozessoren in den Spitzenpl&auml;tzen der Top 500.<\/p>\n<p>Der zweite Trend sind zweckentfremdende GPU, die Grafikprozessoren. Schon vor einigen Jahren gab es Projekte Playstations zu vernetzen und daraus einen Supercomputer zu kreieren. dann brachte IBM den Cell Prozessor nicht nur in einer Variante f&uuml;r die Playstation heraus sondern auch f&uuml;r Supercomputer. Er blieb aber IBM-typisch sehr teuer. Heute r&uuml;sten AMD und NVidea ihre GPU nach, dass sie auch doppelt genaue Berechnungen beherrschen, die bei wissenschaftlichen Fragestellungen ein Muss sind. Eine einzelne High-end Grafikkarte hat einige Hundert bis fast Tausend Recheneinheiten. Selbst bei niedrigerem Takt und langsamerer Ausf&uuml;hrung eines Befehls ist sie bei optimaler Programmierung rund zehnmal schneller als die schnellste handels&uuml;bliche CPU. Das Problem ist die &#8222;optimale&#8220; Programmierung, denn die Performance bricht ein wenn diese nicht vorliegt und bestimmte Dinge kann eine GPU nur langsam berechnen. Auch der Befehlssatz ist nicht mit dem eines &#8222;normalen&#8220; Prozessor zu vergleichen.<\/p>\n<p>Ich sehe noch eine zweite M&ouml;glichkeit die es geben k&ouml;nnte. Die Benutzung freier Kapazit&auml;t bei normalen PCs Heute hat das Gro&szlig; der neu gekauften PCs einen Mehrkernprozessor der meistens D&auml;umchen dreht. Bald werden drei, f&uuml;nf oder sieben Prozessoren D&auml;umchen drehen. Diese Rechenleistung kann man nutzen. Das Problem ist nur die langsame Verbindung untereinander (&uuml;ber Internet) und die asynchrone Kommunikation (abh&auml;ngig vom Nutzungsverhalten des Users). Heutige Projekte haben auch noch den Nachteil, dass es nur wenige Dinge gibt die man auf einem PC machen kann ohne gleich eine gr&ouml;&szlig;ere Anwendung zu installieren. Das zweite Problem ist eben die angesprochene Kommunikation. Bei einem Klimamodell wie auch anderen Simulationen ist es so, dass zwar man das Modell in kleine Zellen zerlegen kann, aber diese Zellen eben nach einem Berechnungszyklus Daten austauschen m&uuml;ssen &#8211; beim Wetter oder Klima wandern Wolken weiter, Der Luftdruck h&auml;ngt vom Nachbarfeld ab ebenso die Luftfeuchtigkeit und Temperatur etc.. Wenn ein Rechner dann mehrere Tage offline ist geht an dieser Stelle nichts. auffangen k&ouml;nnte man dies durch Redundanzen (mehrere Rechner bekommen dasselbe Packet) und einen gro&szlig;en Speicher um die Daten zu sammeln bis das Modell fertig ist.<\/p>\n<p>Es gibt allerdings einige Problemf&auml;lle bei denen das dezentrale Rechnen m&ouml;glich ist. In der Pharmaforschung werden z.B. f&uuml;r einen Wirkstoff funktionelle gruppen ver&auml;ndert und dann simuliert ob er in die Reaktionszentren bekannter Molek&uuml;le passt. Jede Kombination Wirkstoff\/Rezeptor kann separat berechnet werden. Es gibt schon Pharmahersteller bei denen nach B&uuml;roschluss auf den Arbeitsplatzrechnern derartige Simulationen laufen &#8211; bei einigen Hundert Arbeitsplatz PC ersetzt das schon mal einen Gro&szlig;rechner. Idealerweise w&auml;re es wenn die Software vorinstalliert w&auml;re und von PC Herstellern ausgeliefert werden w&uuml;rde. Wenn man das dem Benutzer gut verkaufen w&uuml;rde &#8222;Ihr Rechner tr&auml;gt dazu bei ein neues Mittel gegen Darmkrebs zu finden&#8220; oder &#8222;Sie tragen dazu bei die Auswirkungen der Klimaerw&auml;rmung zu bestimmen&#8220;. Eventuell k&ouml;nnte man sogar Wahlm&ouml;glichkeiten vorsehen. Voraussetzung w&auml;re, dass der Benutzer keine Nachteile h&auml;tte, also die Software wie der Leerlaufprozess ganz niedrige Priorit&auml;t hat und auch die Speicherplatzanforderungen gering sind (letzteres w&auml;re wohl eher das Problem).<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite sind die M&ouml;glichkeiten enorm: Der derzeit schnellste Rechner setzt 224.192 Opteron Prozessoren ein. Es werden rund 200 Millionen PC pro Jahr verkauft. Wenn nur die H&auml;lfte mit der Software ausger&uuml;stet wird und jeder Rechner 1\/10 der Rechenleistung eines Opteron liefert (bedingt durch die kurzzeitige Nutzung und andere Software, so ist die Leistung immer noch 50 mal h&ouml;her als beim gr&ouml;&szlig;ten Rechner weltweit (oder 2000 mal schneller als der letzte Computer auf der Top 500 Liste).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Obwohl der Begriff &#8222;Supercomputer&#8220; nicht genau definiert ist, versteht man darunter meist einen Rechner, der erheblich schneller ist als der Gro&szlig;teil der auf dem Markt verf&uuml;gbaren Ger&auml;te und zumindest fr&uuml;her auch nur auf die Verarbeitung nummerischer Aufgaben, also wissenschaftliche Berechnungen \/ Simulationen ausgelegt ist, nicht jedoch f&uuml;r Dinge wie sie in Betrieben &ouml;fters anfallen wie [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":169,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[1312,1311,1313,1310],"class_list":["post-3014","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-raumfahrt","tag-cray","tag-gpu","tag-powerpc","tag-supercomputer","entry"],"a3_pvc":{"activated":false,"total_views":413,"today_views":0},"jetpack_featured_media_url":"","jetpack-related-posts":[{"id":18002,"url":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2025\/03\/07\/nachlese-achter-teststart-starship-itf-8\/","url_meta":{"origin":3014,"position":0},"title":"Nachlese achter Teststart Starship ITF-8","author":"Bernd Leitenberger","date":"7. 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