{"id":306,"date":"2008-09-09T11:51:37","date_gmt":"2008-09-09T09:51:37","guid":{"rendered":"http:\/\/bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=306"},"modified":"2008-09-09T11:58:40","modified_gmt":"2008-09-09T09:58:40","slug":"wie-bekommt-man-informationen-von-einem-punktformigen-objekt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2008\/09\/09\/wie-bekommt-man-informationen-von-einem-punktformigen-objekt\/","title":{"rendered":"Wie bekommt man Informationen von einem punktf&ouml;rmigen Objekt?"},"content":{"rendered":"\n<p> <img decoding=\"async\" alt=\"Pluto\" src=\"\/img\/pluto.gif\" class=\"bild\" align=\"left\"\/>Ich gehe heute mal auf die Frage von &quot;der K.&quot; ein, wie man vor dem Vorbeiflug von Rosetta Informationen &uuml;ber Steins bekommen konnte, obwohl der Asteroid selbst in gro&szlig;en Teleskopen nur ein Punkt ist.<\/p>\n<p>Also als erstes: Nat&uuml;rlich ist Steins selbst in gro&szlig;en Teleskopen nur ein Punkt. Das gr&ouml;&szlig;te Teleskop ist heute das LBT, das die Aufl&ouml;sung eines 23 m Spiegels erreicht. Der Asteroid Steins hat eine minimale Distanz von der Erde von etwa 1 AE, also rund 150 Millionen km. Bei dieser Distanz w&uuml;rde selbst ein 23 m Teleskop maximal 4 km aufl&ouml;sen k&ouml;nnen. In dieser Gr&ouml;&szlig;enordnung liegt auch Steins gesch&auml;tzter Durchmesser. Mehr als ein Punkt wird der Asteroid also niemals auf einem CCD Array sein.<\/p>\n<p>Die Gr&ouml;&szlig;enbestimmung erfolgt zum einen durch Aufnahmen. Auch wenn man keinerlei Details auf dem Asteroiden aufl&ouml;sen kann, so kann man doch anhand der Aufhellung von Pixeln die Gr&ouml;&szlig;e einsch&auml;tzen. Das ist nat&uuml;rlich stark fehlerbehaftet (20-50 % Fehler sind hier normal). Bevor man Steins z.B. f&uuml;r Rosetta beobachtete um mehr im Vorfeld &uuml;ber den Asteroiden herauszufinden, sch&auml;tzte man dessen Durchmesser noch etwas h&ouml;her ein bei etwa 8 km.<\/p>\n<p>Die zweite Methode misst die Helligkeit. Benutzt man die Albedo von Steins, und vergleicht die Helligkeit sie mit anderen bekannten Asteroiden des gleichen Typs, dann kann man die Gr&ouml;&szlig;e genauer absch&auml;tzen. <\/p>\n<p>Informationen &uuml;ber die Oberfl&auml;che und Form bekommt man durch eine Lichtkurve des Asteroiden. Diese Messung wurde von OSIRIS durchgef&uuml;hrt und auch von Weltraumteleskopen. Bei einem irregul&auml;ren K&ouml;rper wie Steins kann man so auch die Form gut bestimmen. Da die Helligkeitsschwankungen mit der Form korrespondieren. Das klappt nat&uuml;rlich nur, wenn der K&ouml;rper nicht durch dunkle und helle Gebiete starke Helligkeitsschwankungen aufweist wie es z.B. der Iapetus tut.<\/p>\n<p>Mit einer Variation dieser Methode konnte Hubble diese Karte von Pluto erstellen: Der Plutomond Charon passiert relativ selten die Linie Erde-Pluto-Charon und zieht dann vor Pluto vorbei. Misst man die Helligkeitsver&auml;nderung durch Charon, so kann man berechnen, wie dunkel die Oberfl&auml;che sein muss, die von Charon abgeschattet ist.<\/p>\n<p>Die Aufnahme rechts zeigt z.B. eine Pluto Aufnahme mit dem HST und eine Berechnung der Oberfl&auml;che aufgrund der Vor&uuml;berg&auml;nge von Charon. Die Karte hat eine Aufl&ouml;sung von etwa 200 km. Hubble selbst hat ein Aufl&ouml;sungsverm&ouml;gen von etwa 1100 km beim Zeitpunkt der Aufnahme. Diese Karte ist also um den Faktor 6 besser als eine direkte Aufnahme.<\/p>\n<p>Bei Steins konnte man so die Form und die Rotationsperiode bestimmen. Es gibt bei allen K&ouml;rpern, auch die keinen Mond haben, auch Vor&uuml;berg&auml;nge an anderen Himmelsk&ouml;rpern, Bedeckungen z.B. Durch den Mond oder Sterne. Diese sind &auml;u&szlig;erst selten. Doch wenn, dann werden solche Gelegenheiten genutzt um den Durchmesser genauer zu bestimmen. Der Pluto Durchmesser wurde durch solche Methoden z.B. auf 100 km genau bestimmt &#8211; dabei schrumpfte die gesch&auml;tzte Gr&ouml;&szlig;e von 6800 auf 2400 km von 1930 bis 1978.<\/p>\n<p>Wie bekommt man die Information &uuml;ber die Klasse des Asteroiden? Nun durch Spektroskopie. Das Spektrum eines K&ouml;rpers verr&auml;t die chemischen Elemente, die dort vorhanden sind. Das Problem ist hier nur, dass der K&ouml;rper leuchtkr&auml;ftig genug ist um ein Spektrum zu gewinnen.<\/p>\n<p> <img decoding=\"async\" alt=\"Steins\" src=\"\/img\/stein2.jpeg\" class=\"bild\" align=\"left\"\/>Analog kann man &uuml;ber diese Methode auch die Temperatur der Oberfl&auml;che bestimmen. Bei einem Himmelsk&ouml;rper ohne Atmosph&auml;re h&auml;ngt diese nur vom der Sonnenentfernung und Albedo ab. Damit hat man die Albedo (Anteil des r&uuml;ckgestreuten Lichts) und kann wiederum damit die Gr&ouml;&szlig;e bestimmen. &Uuml;ber &Auml;nderungen dieser bekommt man weitere Daten von der Oberfl&auml;che wie dunkle oder Helle Gebiete.<\/p>\n<p>Begrenzt wird dies eigentlich nur von der Empfindlichkeit der Sensoren und des Sammelverm&ouml;gens des Teleskops. Wenn die Anzahl der Photonen dem Eigenrauschen der Detektoren entspricht, ist nichts mehr zu machen. Aber das ist bei Steins kein Problem. Heute kann man so gro&szlig;e Objekte wie Steins noch in Neptunentfernung also der 30 fachen Distanz detektieren.<\/p>\n<p>Das Bild links zeigt eine Vorhersage der Form Steins aufgrund von Beobachtungen mit dem HST, Spitzer und erdgebundenen Teleskopen und der beobachteten Form. Vor dem Vorbeiflug wurde der Durchmesser auf 4.6 km gesch&auml;tzt. Nach OSIRIS Beobachtungen liegt er bei 5.0 km im Mittel, wobei die Form elliptisch ist mit Extremwerten von 4.0 und 5.9 km. Mit einer Albedo von 0.35 ist Steins recht hell f&uuml;r ein Objekt aus Stein. Der Mars ist z.B. mit einer Albedo von 0.16 wesentlich dunkler. Ebenso der Erdmond mit 0.12.<\/p>\n<p>Mal sehen was die noch zu &uuml;bertragenden NAC Aufnahmen noch zeigen werden&#8230;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich gehe heute mal auf die Frage von &quot;der K.&quot; ein, wie man vor dem Vorbeiflug von Rosetta Informationen &uuml;ber Steins bekommen konnte, obwohl der Asteroid selbst in gro&szlig;en Teleskopen nur ein Punkt ist. Also als erstes: Nat&uuml;rlich ist Steins selbst in gro&szlig;en Teleskopen nur ein Punkt. 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