{"id":3128,"date":"2010-08-09T07:45:06","date_gmt":"2010-08-09T05:45:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=3128"},"modified":"2010-08-07T23:49:17","modified_gmt":"2010-08-07T21:49:17","slug":"die-lernkurve-bei-raketen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2010\/08\/09\/die-lernkurve-bei-raketen\/","title":{"rendered":"Die Lernkurve bei Raketen"},"content":{"rendered":"<p>Heute mal einen l&auml;ngeren Blog, ihr d&uuml;rft ihn aber auch zwei Tage lang daf&uuml;r lesen&#8230;.<\/p>\n<p>Wer mal Statements, besonders nach den ersten Fl&uuml;gen eines Tr&auml;gers Revue passieren l&auml;sst, der wird oft folgendes h&ouml;ren:<\/p>\n<ul>\n<li>Zwei Fehlschl&auml;ge bei den ersten 4-5 Fl&uuml;gen sind normal<\/li>\n<li>Drei Fehlschl&auml;ge bei den ersten zehn Fl&uuml;gen<\/li>\n<li>Vier Fehlschl&auml;ge bei den ersten zwanzig Fl&uuml;gen<\/li>\n<\/ul>\n<p>Und in der Tat gibt es viele Beispiele f&uuml;r diese Regel, auch wenn es Ausnahmen gibt, sowohl in die Richtung zuverl&auml;ssiger, wie auch weniger zuverl&auml;ssig. Nun wie ist das zu erkl&auml;ren?<!--more--><\/p>\n<p>Es ist eine Lernkurve, die die Tatsache repr&auml;sentiert, dass man Raketen wegen der hohen Kosten nicht so testen kann wie andere technische Ger&auml;te, z.B. Flugzeuge. Ein Flugzeug kann beliebig oft starten und man kann Sch&auml;den beheben. So durchlaufen Zivil- und Milit&auml;rmaschinen ein intensives Testprogramm vor der Auslieferung oder Zulassung. Gemessen daran wie viele Fl&uuml;ge auch heute noch erfolgen befinden sich die meisten Tr&auml;gerraketenlinien noch in der Testphase.<\/p>\n<p>Die Regel kann man auch anders interpretieren:<\/p>\n<ul>\n<li>Bei den ersten 5 Fl&uuml;gen gehen 40-50% aller Starts schief.<\/li>\n<li>Bei den n&auml;chsten 5 Starts ist es nur noch einer, also 20 %<\/li>\n<li>Und bei den n&auml;chsten 10 Starts erneut einer, also 10 %<\/li>\n<\/ul>\n<p>Danach sollte die Zuverl&auml;ssigkeit weiter zunehmen, aber da viele Tr&auml;ger sich sowieso nur bei einem Zuverl&auml;ssigkeitswert um die 90 % einpendeln und dann andere Faktoren auch f&uuml;r R&uuml;ckversicherungen wichtig werden ist dies dann nicht mehr so wichtig und auch nicht mehr in eine Regel zu packen.<\/p>\n<p>Die Ursachen sind folgende:<\/p>\n<p>Bei den ersten Starts treten grundlegende Designfehler auf. Warum erst beim Start? Ganz einfach weil noch so intensive Tests am Boden einiges nicht testen k&ouml;nnen &#8211; die Belastungen durch den Luftwiderstand, die Vibrationen die &uuml;bertragen werden (die Stufen sind bei Tests fest montiert), das Vakuum und die Schwerelosigkeit, Die Kr&auml;fte die kompensiert werden m&uuml;ssen um die Ausrichtung im raum aufrecht zu erhalten. Dies erkl&auml;rt die Fehlschl&auml;ge bei den ersten Fl&uuml;gen<\/p>\n<p>Sp&auml;ter treten auch Fehler auf, die jedoch nicht automatisch einen Verlust bewirken. Fehler die nicht immer auftreten, nur unter bestimmten Umst&auml;nden oder rein zuf&auml;llig, so wie der klassische Wackelkontakt bei Ihnen daheim. Sie sind Ursache der n&auml;chsten Fehlstarts<\/p>\n<p>Danach sollte ein Tr&auml;ger eine immer h&ouml;here Zuverl&auml;ssigkeit erreichen. Fehlstarts sollten dann nur noch vorkommen, wenn es Nachl&auml;ssigkeiten in der Produktion, Montage oder Qualit&auml;tskontrolle gibt oder sich etwas am System &auml;ndert.<\/p>\n<p>Nat&uuml;rlich kann man diese Lernkurve verk&uuml;rzen: Bemannte Tr&auml;ger mit viel besseren Werten zeigen dass es geht: Viel extensivere Tests (Das F-1 Triebwerk absolvierte 2471 Tests, das RS-68 nur 180 bis zum Erstflug), h&ouml;here Sicherheitsspannen und konservative Auslegung sind der Weg. Auf der anderen Seite kann die Erfolgsquote noch schlechter sein wenn man nachl&auml;ssig ist wie die Falcon 1 oder Europa zeigen (im einen Fall durch Weglassen von erprobten und selbstverst&auml;ndlichen System um zu sparen, im anderen durch fehlende Zusammenarbeit zwischen den Herstellern der einzelnen Stufen).<\/p>\n<p>Am Beispiel der Fehlstarts der Ariane Familie kann man das sehr gut verdeutlichen. Aus technischer Sicht sind Ariane 1-4 und Ariane 5 zu unterscheiden. Hier die Ursache der Fehlstarts von Ariane:<\/p>\n<p>Beim Start L02 am 23.5.1980 kam es zu einer Verbrennungsinstabilit&auml;t in einem der vier Viking Triebwerke. Nach 64 s brannte die Wand des Triebwerks durch, und die hei&szlig;en Gase besch&auml;digten dessen Schwenkmechanismus. Das Triebwerk bewegte sich unkontrolliert in seiner Aufh&auml;ngung. Die anderen drei Triebwerke versuchten gegenzusteuern, doch nach 104 s kam es zum Bruch der Struktur. Der Computer aktivierte die Selbstzerst&ouml;rung, indem er Sprengschn&uuml;re an den Tanks z&uuml;ndete. Die Reste der Rakete konnten 25 km vor der K&uuml;ste, nahe der Teufelsinsel, geborgen werden.<\/p>\n<p>Es gab eine einj&auml;hrige Pause, in der die Einspritzung ge&auml;ndert und getestet wurde. Man vergr&ouml;&szlig;erte die 720 Bohrungen im Einspritzkopf, und die Geometrie wurde ver&auml;ndert. Seither wird jedes Einspritzsystem vor dem Start getestet, ob es einwandfrei z&uuml;ndet und sauber brennt. Weiterhin wurde beschlossen, die Ariane 2 und 3 auf das stabiler ver- brennende UH25 (statt UDMH) umzustellen. Es war also ein typisches Designproblem: Die Einspritzung neigte beim alten Einspritzkopf zu einer Instabilit&auml;t.<\/p>\n<p>Der erste operationelle Start L05 scheiterte hingegen am 9.9.1982. Nach 560 s Flugzeit versagte das HM-7 Triebwerk. Die Telemetrie zeigte, dass die Turbopumpe der dritten Stufe versagt hatte. Wahrscheinlichste Ursache war ein Ausfall der Schmierung oder die erh&ouml;hte Reibung von Teilen. Das Design der Pumpe wurde von unabh&auml;ngigen Experten gepr&uuml;ft und ver&auml;ndert. Nach neun Monaten Tests und Modifikationen sowie insgesamt 15.000 s Tests mit dem HM- 7 Triebwerk gab es den n&auml;chsten Start.<\/p>\n<p>(Das sind &uuml;brigens zwei Fehlstarts auf 5 Fl&uuml;ge &#8211; die Regel stimmt also)<\/p>\n<p>Bei V15 erfolgte das Z&uuml;ndungssignal der dritten Stufe um 0,4 s zu fr&uuml;h (nominell 8,4 s nach Abschaltung der zweiten Stufe). Ein Wasserstoffventil hatte sich in dieser Zeit zu stark abgek&uuml;hlt und war dadurch undicht geworden. Daher konnte f&uuml;r mehrere Sekunden Wasserstoff austreten. Als sich dann die Gase in der Brennkammer entz&uuml;nden sollten, war ein falsches Mischungsverh&auml;ltnis vorhanden und die Stufe z&uuml;ndete nicht. Der Hersteller SEP setzte zehn Vorschl&auml;ge zur L&ouml;sung dieses Problems um. Es wurde angenommen, dass die Ursache des Versagens in einem Produktionsmangel lag. Schon drei Fl&uuml;ge sp&auml;ter (V18) ging der Satellit Intelsat VA F14 verloren. Ursache war wiederum eine nicht erfolgreiche Z&uuml;ndung der dritten Stufe. Diesmal wurde eine unabh&auml;ngige Untersuchungskommission eingesetzt. Es zeigte sich, dass eine um 0,2 s verz&ouml;gerte Ausf&uuml;hrung des Kommandos zur Z&uuml;ndung zu einer viel zu starken Explosion in der Brennkammer gef&uuml;hrt hatte. Diese hatte eine Schockwelle erzeugt, welche sich &uuml;ber die Wasserstoffleitung ausbreitete und dabei Kavitation ausl&ouml;ste, d.h. eine Ausgasung des fl&uuml;ssigen Wasserstoffs. Als Folge war der Wasserstoffdruck im Gasgenerator zu gering, es konnte nicht gen&uuml;gend Gas produziert werden, und die Turbopumpe sprang nicht an. Es wurden 14 Ma&szlig;nahmen zur Beseitigung dieses Fehlers vorgeschlagen und eine neue Z&uuml;ndung entwickelt. Diese wurde in zwei unterschiedliche Testtriebwerke eingebaut und ab dem 4.8.1986 in Vernon getestet. Der neue Z&uuml;ndmechanismus lieferte nun die dreifache bis vierfache Energie. Er hatte drei bis vier Flammen, um an verschiedenen Stellen die Z&uuml;ndung ausl&ouml;sen zu k&ouml;nnen. Die gleiche Ma&szlig;nahme wurde f&uuml;r den Starter des Gasgenerators umgesetzt. Hier wurde auch die freigesetzte Gasmenge deutlich erh&ouml;ht und das Mischungsverh&auml;ltnis beim Start des Generators ver&auml;ndert. Die Mischung war nun bei der Z&uuml;ndung sauerstoffreicher und entz&uuml;ndete sich deshalb leichter.<\/p>\n<p>Das ist das typische Beispiel f&uuml;r einen versteckten Mangel: Die Z&uuml;ndung erfolgte im Normalfall problemfrei, hatte aber keine Reserven um ein sauberes Hochlaufen bei einer kleinen zeitlichen Abweichung zu garantieren. Dann konnte ein zu wasserstoffreiches Gasgemisch entstehen das eine deutlich st&auml;rkere Z&uuml;ndung erforderte. Und es sind vier Fehlstarts bei den ersten 18 Fl&uuml;gen.<\/p>\n<p>Der n&auml;chste gescheiterte Flug war V35: Die Ursache war ein Putzlappen, der in einer Wasserleitung in der ersten Stufe steckte. Er verstopfte den Zufluss f&uuml;r ein Triebwerk. 6,2 s nach dem Start fiel der Druck in Triebwerk D der Erststufe von 58,5 auf 30 Bar. Die Triebwerke A und C wurden daraufhin 8,5 s lang um 1,2 Grad gedreht, um den Schubverlust auszugleichen. Mit steigenden aerodynamischen Lasten wurde der Korrekturausschlag der anderen Triebwerke immer gr&ouml;&szlig;er. Nach 90 s erreichten sie das Maximum. Danach konnte die Rakete nicht mehr in die aerodynamisch g&uuml;nstigste Lage gedreht werden. Elf Sekunden? sp&auml;ter gab es Br&uuml;che in der Struktur, und die Selbstzerst&ouml;rung wurde initiiert. Die Tr&uuml;mmer konnten in Franz&ouml;sisch-Guayana geborgen werden und erm&ouml;glichten es die Ursachen heraus zu finden. Die franz&ouml;sische Zeitung ?Le Monde? vermutete Sabotage. In der ganzen Produktion wurden anstelle von Stofft&uuml;chern nur Spezialpapiere benutzt. Zudem war das Tuch zweimal geknotet. W&auml;hrend der Weihnachtspause 1989\/90 war die erste Stufe praktisch unbeaufsichtigt in einer Halle in Guayana gestanden. Es war auch eine zweite Anomalie aufgetreten, die aber nicht verantwortlich f&uuml;r den Fehlstart war. In einem der PAL-Booster (PAL 3) brach 2,4 s nach der Z&uuml;ndung ein Feuer aus. Dieses wurde von einem Treibstoffleck verursacht. Ebenso gab es eine undichte Stelle an der Brennkammer von PAL 3. Dieses kumulierte Auftreten beider Fehler parallel bei einem einzigen Start war schon sehr seltsam, zumal dies die einzigen Probleme mit einem PAL oder der Erststufe seit L02 waren und auch bleiben sollten. Die statistische Wahrscheinlichkeit daf&uuml;r lag bei 1 zu 9.200. Die CNES-Untersuchungskommission konnte aber keinen Verursacher dingfest machen. Seitdem &uuml;berwacht aber die Fremdenlegion den Startplatz Kourou bei anstehenden Starts. Im weiteren werden nun alle Leitungen auf freie Durchl&auml;sse &uuml;berpr&uuml;ft. Dies erfolgt bei gr&ouml;&szlig;eren Teilen durch Tennis- und Golfb&auml;lle, bei d&uuml;nneren Leitungen endoskopisch.<\/p>\n<p>Ursache also: M&auml;ngel in der Qualit&auml;tskontrolle oder Sabotage<\/p>\n<p>Am 24.1.1994 versagte bei V63 die Sauerstoff-Turbopumpe 80 s nach Z&uuml;ndung der dritten Stufe. Bereits 60 s nach der Z&uuml;ndung zeigte sich eine Erhitzung der Pumpe, 19 s sp&auml;ter sanken die Geschwindigkeit und F&ouml;rderleistung, und der Brennkammerdruck fiel ab. Eine Sekunde sp&auml;ter schaltete sich die Pumpe ab. Schon am Ende desselben Jahres scheiterte erneut eine Ariane. Bei V70 entwickelte der Gasgenerator der dritten Stufe eine zu geringe Leistung, sodass der Schub des HM-7B nur 70% des Nominalwerts betrug. So hatte die H10-III nach 740 s noch 700 kg Treibstoff an Bord, und die Bahn war durch den zu niedrigen Schub zu tief. Der Satellit PanAmSat 3 vergl&uuml;hte in der Atmosph&auml;re. Beide Vorf&auml;lle wurden untersucht. Sie schienen eine gemeinsame Ursache zu haben. Eine Verschmutzung, die bis zur LOX-Turbopumpe gelangte, konnte sowohl die erh&ouml;hte Reibung bei der LOX-Turbopumpe, als auch die zu geringe Leistungsabgabe erkl&auml;ren. Als Reaktion darauf wurden nun Filter in die LOX Treibstoffleitung eingebaut und die Inspektionen der dritten Stufe verst&auml;rkt. Es gab keinen Hinweis darauf, dass die konstruktiven &Auml;nderungen bei der H10-III, deren erster Flug V70 war, etwas mit dem Problem zu tun hatten. Es blieb auch ungekl&auml;rt, wie eine solche Verschmutzung in die dritte Stufe oder in die Leitungen hatte kommen k&ouml;nnen.<\/p>\n<p>Also auch hier Produktionsprobleme oder fehlende Qualit&auml;tskontrolle. Ariane 4 sollte danach 74 mal ohne Fehlstart fliegen und eine Erfolgsquote von 97,4 % erreichen. Nun zu Ariane 5.<\/p>\n<p>Beim Jungfernflug war die Ursache ein Softwaremodul, das unver&auml;ndert von der Ariane 4 &uuml;bernommen worden war. Zu diesem Thema g&auml;be es mehr zu schreiben (und ist auch im n&auml;chsten Buch mehr nachzulesen). Aber hier nur soweit die Erkl&auml;rung dass die Software einen &Uuml;berlauf hatte, der bei Ariane 4 wegen des langsameren Starts nicht auftreten konnte. Tests der Software wurden nur nachl&auml;ssig durchgef&uuml;hrt. Anstatt das Flugprofil mit einem Drehtisch nachzubilden wurde nur simuliert und die Software nur mit den Werten gef&uuml;ttert die man erwartete, die aber nicht den beim Flug auftretenden entsprachen. Also ein typischer Entwicklungsfehler.<\/p>\n<p>Auch der zweite Testflug war noch nicht voll erfolgreich. Die Satelliten wurden in einem 524 ? 27.000 km Orbit entlassen. Das Perig&auml;um und die Inklination der Bahn waren korrekt, doch der erdfernste Punkt h&auml;tte bei 36.000 km H&ouml;he liegen m&uuml;ssen. Die Ursache war eine vorzeitige Abschaltung der EPC. Dadurch fehlten 200 m\/s Geschwindigkeit f&uuml;r den Orbit. Die Analyse zeigte, dass die EPC nach Ab?trennung der beiden Booster ein Rollmoment aufwies, dass immer st&auml;rker wurde, je l&auml;nger die Stufe brannte. Nach Verbrauchen des Treibstoffs f&uuml;r die Rollachsenregelung f&uuml;hrte das Rollmoment zu einer Rotation von 5,5 U\/min. Die Rotation bewirkte, dass der Treibstoff vom tiefsten Punkt der Tanks wegbewegt wurde. In Folge bewirkte das Abrei&szlig;en des Treibstoffflusses das Brennschlusssignal f&uuml;r die EPC.<\/p>\n<p>Als Ursache wurde ein Drehmoment durch die K&uuml;hlkan&auml;le der Vulcain-D&uuml;se ausgemacht, die spiralf&ouml;rmig gewunden sind. So erzeugte das austretende K&uuml;hlgas eine Drehbewegung. Am Boden konnte diese nie beobachtet werden, da das Triebwerk fest im Teststand montiert ist und die Kr&auml;fte klein sind im Vergleich zum Schub. Ariane?5 hat in der VEB ein System zur Kompensation von Rollbewegungen. Kleine Triebwerke zersetzen dazu Hydrazin. Es erwies sich aber als unterdimensioniert. Die Ver&auml;nderungen bestanden zum einen in einer Verbesserung des Systems zur Kontrolle der Rollbewegung. Das alte System konnte ein Moment von 280 Nm auffangen. Das neue System konnte 2.000 Nm kompensieren. Bei V502 trat ein maximales Rollmoment von 900 Nm auf. Weiterhin wurde die K&uuml;hlung des Vulcain &uuml;berarbeitet, damit ein geringeres Drehmoment auftritt.<\/p>\n<p>Das ist ein recht gutes Beispiel f&uuml;r Dinge die sich erst beim Testflug zeigen: Da eine Stufe am Boden fest montiert ist kann man das Rollmoment nicht bestimmen, zumindest nicht wenn es so gering im Vergleich zum Hauptschub ist.<\/p>\n<p>Noch einmal sollte Ariane?5 eine Nutzlast in einem falschen Orbit aussetzen. Beim Flug 510, am 12.7.2001. Die Satelliten wurden in einem 17.545 ? 594 km Orbit mit 2,9 ? Neigung zum &Auml;quator ausgesetzt. Geplant war ein 35.853 ? 858 km hoher Orbit, mit einer Neigung von 2 Grad. Als Ursache konnte eine Verbrennungsinstabilit&auml;t bei der Z&uuml;ndung des Aestus-Triebwerks ausgemacht werden. Dies f&uuml;hrte zu einer Reduktion des Schubs auf 80% des Normalwertes und zu einem vorzeitigen Brennschluss, 80 s zu fr&uuml;h, da eine Treibstoffkomponente vorzeitig verbraucht war. Es gab eine Feedbackschleife zwischen dem F&ouml;rdersystem und der Instabilit&auml;t, die zu einem erh&ouml;hten MMH-Verbrauch f&uuml;hrten. Sehr bald konzentrierte sich die Untersuchung auf den Triebwerksstart, bei dem die Instabilit&auml;t auftrat. Nach einer Variation der Startparameter konnte die Instabilit&auml;t, verbunden mit einer Druckspitze auch beim Bodenversuch bei einem kurzzeitig zu hohen Monomethylhydrazinfluss beobachtet werden und es zeigte sich eine Anf&auml;lligkeit des Triebwerks beim Start. Weitere Tests erfolgten, um diese Situation zu vermeiden und f&uuml;hrten schlie&szlig;lich zu einer Verschiebung des Fluges 511. Nach 70 Z&uuml;ndungen und zehn kompletten Testl&auml;ufen wurde eine ?weichere? Z&uuml;ndsequenz erarbeitet, die das Ph&auml;nomen vermeidet.<\/p>\n<p>Auch hier: Die Z&uuml;ndsequenz klappte meist, aber eben nicht immer &#8211; ein typischer versteckter Mangel. Das sind drei Fehlstarts bei 10 Fl&uuml;gen &#8211; ganz im Sinne der Regel.<\/p>\n<p>Den bislang letzten Fehlstart gab es bei L517, dem Jungfernflug der Ariane 5 ECA. 96 s nach dem Start gab es einen Druckverlust im K&uuml;hlsystem des Vulcain 2-Triebwerks. Nach Abtrennung der Booster, 137 s nach dem Abheben, nehmen die Unregelm&auml;&szlig;igkeiten rapide zu. Als 187 s nach dem Abheben die Nutzlastverkleidung abgesprengt wurde, fing die Rakete an den Kurs zu verlassen und begann einen trudelnden Flug, der sie zuerst auf eine Spitzenh&ouml;he von 150 km brachte, dann aber wieder Richtung Erdboden f&uuml;hrte. 455 s nach dem Start wird die Rakete aus Sicherheitsgr&uuml;nden in einer H&ouml;he von 60 km gesprengt.<\/p>\n<p>Anders als beim Jungfernflug war es nicht m&ouml;glich Tr&uuml;mmer zu bergen, so musste die Telemetrie als Beurteilungsgrundlage herangezogen werden. Es zeigten sich zwei Ursachen: Zum einen gab es durch eine zu hohe thermische Belastung der Schubd&uuml;se zuerst eine Rissbildung in den K&uuml;hlr&ouml;hrchen. Danach durch diese Risse zu einem K&uuml;hlmittelverlust, der dann zu einem Durchbrennen der R&ouml;hrchenstruktur f&uuml;hrte. Das Zweite war eine mangelnde mechanische Stabilit&auml;t der D&uuml;se unter Vakuumbedingungen, die sich in einem axialen Ausbeulen &auml;u&szlig;erte. Nach Ansicht der Untersuchungskommission war dies die Hauptursache f&uuml;r das Versagen.<\/p>\n<p>Auch hier ein typischer Designmangel in einem nun neu eingef&uuml;hrten System &#8211; der Vulcain 2 D&uuml;se, die anders aufgebaut ist als ihr Pendant bei Ariane 5. Das Ausbeulen unter dem Vakuum war am Boden nicht beobachtbar, weil es da eben kein Vakuum gibt. Das sind vier Fehlstarts unter den ersten 20 Fl&uuml;gen &#8211; und seitdem fliegt Ariane erfolgreich, nun schon seit 39 Starts,,,<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute mal einen l&auml;ngeren Blog, ihr d&uuml;rft ihn aber auch zwei Tage lang daf&uuml;r lesen&#8230;. 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