{"id":3432,"date":"2010-09-16T01:28:10","date_gmt":"2010-09-15T23:28:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=3432"},"modified":"2010-09-16T08:51:38","modified_gmt":"2010-09-16T06:51:38","slug":"die-schwerlastrakete-teil-2-geht-es-auch-ohne","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2010\/09\/16\/die-schwerlastrakete-teil-2-geht-es-auch-ohne\/","title":{"rendered":"Die Schwerlastrakete: Teil 2: Geht es auch ohne?"},"content":{"rendered":"<p>Michael Griffin, ehemaliger NASA-Administrator sagte einmal in einem Interview, was gegen die Alternativpl&auml;ne zur Ares V spr&auml;che, w&auml;re das man eine gro&szlig;e Rakete br&auml;uchte und alle Alternativen aus Teilen der Delta oder Atlas oder dem Shuttle Programm zu wenig Nutzlast h&auml;tten. Die Saturn V w&auml;re an der Untergrenze was man brauchte &#8211; und in der Tat machte schon eine leichte Nutzlaststeigerung der Saturn V um einige Tonnen deutlich l&auml;ngere Missionen m&ouml;glich. Will man noch anspruchsvollere Missionen so braucht man mehr Nutzlast. Daher waren Ares V und Ares I Kombination auch auf 60-70 t Nutzlast in eine Fluchtbahn projektiert.<\/p>\n<p>In diesem Punkt gebe ich Griffin recht. Jedoch nicht in dem Punkt, dass man daf&uuml;r eine Schwerlastrakete braucht. Das will ich im n&auml;heren Erl&auml;utern. Wobei ich als Vorlage Apollo nehme, da von Orion noch zu wenig bekannt ist Ich stelle hier mal eine Massenbilanz von Apollo auf:<\/p>\n<ul>\n<li>Da ist das CM mit knapp 6 t Masse<\/li>\n<li>Das Servicemodul: 24,5 t Masse, davon 18,4 t Treibstoff<\/li>\n<li>Der Mondlander: 16,4 t Gewicht<!--more--><\/li>\n<\/ul>\n<p>Der Treibstoff im Servicemodul wird ben&ouml;tigt, um in einen Orbit um den Mond einzuschwenken und diesen zu verlassen. Daf&uuml;r wurden bei Apollo rund 1000 m\/s Geschwindigkeitskorrekturverm&ouml;gen ben&ouml;tigt. Beim Einbremsen wird mehr Treibstoff ben&ouml;tigt, weil da der Mondlander noch dabei ist. Zwei Drittel des Treibstoffs werden daher zum Ein bremsen ben&ouml;tigt.<\/p>\n<p>Es gibt nun eine Reihe von M&ouml;glichkeiten eine gro&szlig;e Tr&auml;gerrakete durch mehrere kleine zu ersetzen. Schon bei den Planungen f&uuml;r Apollo wurde das EOR Verfahren erprobt (Earth Orbit Rendezvous): Zuerst startet eine Stufe in einen Erdorbit. Danach startet die Besatzung, koppelt an und diese bringt die Besatzung zum Mond. Im Prinzip ist das ausdehnbar auf drei, vier oder noch mehr Stufen. Es steigt aber der logistische Aufwand an. Weiterhin ben&ouml;tigt man immer mehr Startrampen, zumindest wenn kryogene Treibstoffe eingesetzt werden die im Orbit rasch verdampfen k&ouml;nnen.<\/p>\n<p>Zwei Starts kurz hintereinander sind heute m&ouml;glich. Das klappte so bei Gemini und Skylab. Raumsonden werden seit Jahrzehnten in Paaren kurz hintereinander von zwei Rampen gestartet. Das US-Milit&auml;r erreichte noch schnellere Reaktionszeiten mit bis zu f&uuml;nf Startrampen f&uuml;r ihre Spionagesatelliten. Ich halte zumindest zwei Starts in kurzer Zeit f&uuml;r m&ouml;glich.<\/p>\n<p>Zeit kann man aber auch anders erhalten. Das eine ist es schrittweise zum Mond zu gelangen. Das Prinzip: Anstatt Kommandokapsel und Mondlander zusammen zum Mond zu starten startet man sie getrennt. Erst im Mondorbit koppeln beide zusammen. Der Mondlander wiegt zwar nur 16,4 t, aber er muss ja in einen Mondorbit erreichen. Dazu braucht man Treibstoff. Macht man eine Detailrechnung auf, so ergibt sich dass Mondlander und Treibstoff zum Einbremsen fast genauso viel wiegt wie das CSM ohne diesen Treibstoff &#8211; man ben&ouml;tigt nur noch eine halb so gro&szlig;e Rakete. Das kann man dann noch mit dem Ankoppeln von Stufen im Erdorbit kombinieren &#8211; und kommt auf noch kleinere Raketen. Das Minimum sind dann die Startmassen der einzelnen Bestandteile. wobei nat&uuml;rlich die vielen Starts gr&ouml;&szlig;ere logistische Probleme bereiten, wie oben schon erw&auml;hnt. Der Vorteil der Mondorbitrendezvousl&ouml;sung ist, das man dei Starts entzerren kann &#8211; den Mondlander kann man Monate vor der Kommandokapsel starten. Auf demselben Wege k&ouml;nnte man dann auch unbemannt Labore oder Wohnquartiere oder schwere Ausr&uuml;stung landen, bevor die erste Besatzung startet.<\/p>\n<p>Was man also braucht, ist keine Schwerlastrakete. Allerdings w&auml;re eine gr&ouml;&szlig;ere Rakete als die heute leistungsf&auml;higsten doch w&uuml;nschenswert. Mit Tr&auml;gern vom Schlage der Ariane 4 oder Delta 4 Heavy br&auml;uchte man schon viele Fl&uuml;ge f&uuml;r eine Mondmission.<\/p>\n<p>Aber diese Tr&auml;ger sind ausbaubar. EADS stellte einen Plan f&uuml;r eine Ariane 5 mit 50 t Nutzlast f&uuml;r Mondmissionen vor. Boeing und Lockheed Pl&auml;ne f&uuml;r Heavy Lift Versionen ihrer Tr&auml;ger, die auch 50-70 t transportieren k&ouml;nnen. Griffin war das zu wenig. Ich meine: Es reicht. Hier mal eine konkretere Planung. Ich setze daf&uuml;r eine ver&auml;nderte Delta 4 Heavy ein. Die &Auml;nderung: 6 anstatt 2 Booster an der Zentralstufe. Sie werden mit der Zentralstufe gleichzeitig gez&uuml;ndet. Diese arbeitet aber nur mit 55% Schub. Nach dem Ausbrennen der Booster wird die Zentralstufe auf 100% hochgefahren und zuletzt z&uuml;ndet die DEC-Centaur. Basierend auf den Daten der Delta IV Heavy f&uuml;r GTO Missionen errechne ich eine Nutzlast von 57 t f&uuml;r eine 600 km hohe Kreisbahn (wird f&uuml;r Teil 3 ben&ouml;tigt) und 20 t auf Fluchtgeschwindigkeit.<\/p>\n<p>Setzt man die Centaur auch zum Einbremsen in den Mondorbit ein (veranschlagt: zus&auml;tzliche 900 kg Isolation um die Treibstoff fl&uuml;ssig &uuml;ber dreieinhalb Tage zu halten) so kann diese Kombination 14,4 t in einen Mondorbit bringen. Bei einem lagerf&auml;higen Treibstoff, der vom Mondlander eingesetzt w&auml;re, entspr&auml;che dies etwa 14 t Nutzlast. Das ist etwas kleiner als der Lander von Apollo 11. Auf der anderen Seite hatten die Apollo Abstiegs und aufstiegstriebwerke spezifische Impuls von 2943 m\/s. Das Aestsustriebwerk mit derselben Kombination und Technologie erreicht dagegen schon 3188 m\/s. Das reicht aus bei einem Geschwindigkeitsbedarf von jeweils 2200 m\/s f&uuml;r Abstieg und Aufstieg (plus Schwebezeit) bringt alleine dieser kleine Gewinn einen deutlichen Nutzlastzuwachs. Daher war auch geplant f&uuml;r den Altairlander eine noch leistungsf&auml;higere Kombination einzusetzen, bevor die NASA wieder ihren R&uuml;ckw&auml;rtsgang einlegte.<\/p>\n<p>Bleibt noch das Kommandomodul. F&uuml;r das sind 20 t auseichend, Denn auch hier entfallen nun der Treibstoff zum Abbremsen des Mondlanders. Auch hier k&ouml;nnte es vom etwas h&ouml;heren spezifischen Impuls profitieren.<\/p>\n<p>Es ist trotzdem knapp und w&uuml;rde gerade eine Wiederholung von Apollo erm&ouml;glichen. Doch wie schon gesagt &#8211; es ist ja nur das Minimum. So k&ouml;nnte ein dritter Start ein kleines Labor direkt auf der Mondoberfl&auml;che mit schwerem Ger&auml;t absetzen. Dann kann der Mondlander sehr leichtgewichtig bleiben, denn er ist nur Transportvehikel. Wird er gr&ouml;&szlig;er oder auch das CSM gr&ouml;&szlig;er so kann er zuerst nur in eine hochelliptische Umlaufbahn eingebremst werden (das CSM genauso) und eine separate Stufe mit lagerf&auml;higem Treibstoff koppelt an beide an und senkt ihren Orbit ab, bzw. bringt das CSM aus dem Mondorbit zur&uuml;ck zur Erde. Das spart Treibstoff f&uuml;r das Einbremsen in den Mondorbit und beim Verlassen.<\/p>\n<p>Diese zwei bis vier Fl&uuml;ge f&uuml;r eine Mondlandung, mit den notwendigen weitgehend automatischen Kopplungsman&ouml;vern logistisch viel aufwendiger ist. Aber es ist billiger. Ich sehe keine gro&szlig;en Entwicklungskosten wenn es eine Delta IV Heavy schon gibt &#8211; man muss eigentlich nur ein paar Booster mehr ranh&auml;ngen. Vielleicht ist eine Mission teurer als die einer Ares V. Doch bei mindestens 16 Milliarden Entwicklungskosten muss man schon sehr oft fliegen, um insgesamt teurer zu sein.<\/p>\n<p>Das Grundproblem der NASA ist das der Sicherheits-Risiko Abw&auml;gung. Wussten sie dass eine Saturn V f&uuml;r ein LOM Risiko von 1:20 entwickelt wurde? Vereinfacht gesagt: bei 20 Mondmissionen konnte eine scheitern, bevor eine Mondtransferbahn erreicht wurde. Viel geringer war das LOC Risiko, das den Verlust der Besatzung kennzeichnet. Es lag bei 1:1000 Mit solchen Zahlen gibt sich die NASA heute nicht mehr ab. Eine &#8222;human rated Delta IV&#8220; h&auml;tte ein LOM von 1:172 gehabt und ebenfalls ein LOC von 1:1100. Doch die Ares I sollte ja noch viel sicherer sein&#8230; Es wird auf maximale Sicherheit entwickelt und das schlie&szlig;t jegliches Risiko wie sie neue Technologien, Das zeigte sich ja schon beim Constellationprogramm bei dem viele anf&auml;ngliche Neuerungen ja wegfielen, sodass es am Schluss eher wie eine Wiederholung von Apollo aus.<\/p>\n<p>Das ist aber auch das Problem von kleineren Tr&auml;gern, die eben mehr Fl&uuml;ge erforderlich machen. Mehr Risiko und weiterer Aufwand f&uuml;r Kopplungen. Nur: So wie die NASA es sich denkt: wir entwickeln mal mit Milliardenaufwand einen neuen Tr&auml;ger, ein neues Raumschiff und machen damit das was wir schon mal gemacht haben geht das nicht. Daf&uuml;er bekommt die NASA weder das Geld, noch will die &Ouml;ffentlichkeit eine Wiederholung von etwas was es schon gab.<\/p>\n<p>Im n&auml;chsten Teil werde ich zeigen, wie es sogar noch besser geht &#8211; mit nur zwei Fl&uuml;gen einer 60 t Rakete ein Mondprogramm durchf&uuml;hren, dass besser als das von Apollo ist&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Michael Griffin, ehemaliger NASA-Administrator sagte einmal in einem Interview, was gegen die Alternativpl&auml;ne zur Ares V spr&auml;che, w&auml;re das man eine gro&szlig;e Rakete br&auml;uchte und alle Alternativen aus Teilen der Delta oder Atlas oder dem Shuttle Programm zu wenig Nutzlast h&auml;tten. 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