{"id":3438,"date":"2010-09-17T01:21:03","date_gmt":"2010-09-16T23:21:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=3438"},"modified":"2010-09-17T07:55:09","modified_gmt":"2010-09-17T05:55:09","slug":"saeuren-und-laugen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2010\/09\/17\/saeuren-und-laugen\/","title":{"rendered":"S&auml;uren und Laugen"},"content":{"rendered":"<p>So, mal wieder Zeit f&uuml;r eine Folge des Chemie Grundkurses. Heute besch&auml;ftige ich mich mal mit dem Konzept von S&auml;uren und Basen. Die meisten k&ouml;nnen ja ein paar S&auml;uren aufz&auml;hlen. Popul&auml;r sind z.B. Salzs&auml;ure und Schwefels&auml;ure. Manche kennen auch Basen (Laugen im Volksmund) wie Kalilauge oder Natronlauge. Aber mal zum chemischen Konzept.<\/p>\n<p>Es wurde entdeckt, dass im Wasser selbst im reinsten Fall nicht nur aus Wassermolek&uuml;len besteht. Das Wassermolek&uuml;l zerf&auml;llt zu einem kleinen Teil in ein H<sup>+<\/sup> und ein OH<sup>&#8211;<\/sup> Ion. Das geschieht recht selten, nur bei jedem 10 Millionensten Wassermolek&uuml;l geschieht dies. So gibt es 10<sup>-7<\/sup> H+ und 10<sup>-7<\/sup> OH<sup>&#8211;<\/sup> Ionen im Wasser. Das Produkt ergibt dann eine wichtige Konstante: 10<sup>-14<\/sup>. S&auml;uren sind nun Stoffe die leichter als das Wasser H<sup>+<\/sup> Ionen abgeben und dadurch die Menge an H<sup>+<\/sup> im Wasser erh&ouml;hen und Basen geben leichter OH<sup>&#8211;<\/sup> ab und erh&ouml;hen so die Konzentration an OH<sup>&#8211;<\/sup>.<!--more--><\/p>\n<p>Dabei ist das Produkt der Konzentration von OH<sup>&#8211;<\/sup> und H<sup>+<\/sup> immer konstant. Hat also eine S&auml;ure die Konzentration von H+ auf 10<sup>-4<\/sup> erh&ouml;ht, so sinkt die von OH<sup>&#8211;<\/sup> auf 10<sup>-10<\/sup>, sodass das Produkt immer noch 10<sup>-14<\/sup> betr&auml;gt. Daher hat man diese Eigenschaft des Wassers genommen, um die Menge einer S&auml;ure oder die St&auml;rke einer S&auml;ure (analog Basen) zu quantifizieren. Logarithmiert man die Konzentration an H<sup>+<\/sup>, so erh&auml;lt man im Wasser einen Wert von 0 (10<sup>0<\/sup>) bis 14 (10<sup>-14<\/sup>). Neutrales Wasser hat einen Wert von 7. Das ist der omin&ouml;se<strong> pH Wert,<\/strong> von dem man ab und an h&ouml;rt. S&auml;uren haben einen von kleiner als 7, basische L&ouml;sungen einen von mehr als 7.<\/p>\n<p>Klassische S&auml;uren nennt der Chemiker auch <strong>Br&ouml;nstedt S&auml;uren.<\/strong> (Br&ouml;nstedt S&auml;uren\/Basen). Es sind Verbindungen die Protonen abgeben, die dann im Wasser zu dem H<sub>3<\/sub>O<sup>+<\/sup> Ion reagieren. Salzs&auml;ure, Schwefels&auml;ure oder Salpeters&auml;ure reagieren so. Sie enthalten entweder ein stark elektronegatives Zentralatom wie die Salzs&auml;ure, oder Sauerstoffatome entziehen dem Zentralatom Elektronen, sodass es gerne von einem Wasserstoff sich die Elektronen &#8222;ausleiht&#8220;. Im Allgemeinen findet man diesen Effekt bei zahlreichen S&auml;uren. Das Gegenteil ist bei Basen der Fall. Kalilauge oder Natronlauge bestehen aus Zentralatomen die nur eine geringe Elektronegativit&auml;t aufweisen. (siehe dieser <a href=\"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2010\/06\/18\/chemische-bindungen\/\">Blog<\/a> von mir). Br&ouml;nstedt Basen sind daher Protonen Akzeptoren. Die einen Substanzen geben also Protonen an das Wasser ab und die anderen entziehen aus diesem die Protonen, wodurch die Anzahl der OH<sup>&#8211;<\/sup> Ionen ansteigt.<\/p>\n<p>Bei organischen Verbindungen findet man z.B. die S&auml;uregruppe -COOH, d.h. an einem Kohlenstoffatom ist ein Sauerstoff doppelt gebunden und einer &uuml;ber einer Einfachbindung. Das shw&auml;cht die dortige -OH Bindung so sehr, dass dort das Proton komplett abgegeben wird. &Uuml;brigens schl&auml;gt auch hier die Edelgaskonfiguration zu: Das Proton hat gar keine Elektronen mehr und der Sauerstoff nun acht.<\/p>\n<p>Im Prinzip kann man damit alle S&auml;uren und Laugen erkl&auml;ren, die man als Laie so kennt. Ich will der Vollst&auml;ndigkeit halber noch erw&auml;hnen, dass es noch eine weitere Definition gibt, die der Lews-S&auml;ure\/Base. Sie l&ouml;st sich los von den Protonen und geht &uuml;ber auf eine allgemeine chemische Eigenschaft, die freier Elektronenpaare. Doch f&uuml;r einfache S&auml;uren reicht die alte Br&ouml;nstedt Definition aus. Jede Br&ouml;nstedt S&auml;ure ist auch eine Lewiss&auml;ure. Andere Verbindungen die nur schwach sauer reagieren kann man aber nur nach Lewis erkl&auml;ren.<\/p>\n<p>Wichtig w&auml;re noch zu wissen, das S&auml;uren unterschiedliche St&auml;rken haben k&ouml;nnen. Bei der Salzs&auml;ure wird praktisch jedes Molek&uuml;l ein H<sup>+<\/sup> Ion abgeben. Doch dem muss nicht so sein. Andere S&auml;uren sind nur &#8222;mittelstark&#8220; wie z.B. die Phosphors&auml;ure. Zahlreiche organische S&auml;uren wie die Essigs&auml;ure, Zitronens&auml;ure etc. sind schwach. Bei diesen Molek&uuml;len gibt nicht jedes Molek&uuml;l ein H<sup>+<\/sup> Ion ab, sondern nur ein kleiner Bruchteil. (Bei der Essigs&auml;ure nur etwa jedes 100.000 ste Molek&uuml;l). Das merkt man auch beim p.H Wert: Gibt man ein Mol (eine bestimmte Anzahl an Atomen)? einer Starken S&auml;ure ins Wasser so sinkt der pH Wert auf 0, Bei einer schwachen S&auml;ure nur gering, bei vielen organischen S&auml;uren z.B. maximal auf einen Wert von 3. Dasselbe Ph&auml;nomen kennen wir auch bei Basen. Auch hier gibt es starke Basen wie Kalilauge, Natronlauge und schwache wie Pottasche, Soda oder Ammoniak. Starke Basen bewirken eine Verschiebung des p.H Werts in Richtung 14, w&auml;hrend bei schwachen Basen er nur leicht &uuml;ber 7 steigt z.B. in Richtung 10+11. Die St&auml;rke einer S&auml;ure ist &uuml;ber einen logarithmischen Wert quantifizierbar, den pKs Wert. Er ist der logarithmische wert der Dissoziationskonstante. Dissozieren 10% der Molek&uuml;le (10<sup>-1<\/sup>) so betr&auml;gt der pkS Wert z.B. 1. Die Berechnung ist analog dem pH Wert. Starke S&auml;uren haben einen von 0 bis 1. Schwache S&auml;uren einen von mehr als 4. Mittelstrake dazwischen. Essigs&auml;ure als eine strake organische S&auml;ure hat z.B. einen von 4,75.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So, mal wieder Zeit f&uuml;r eine Folge des Chemie Grundkurses. Heute besch&auml;ftige ich mich mal mit dem Konzept von S&auml;uren und Basen. Die meisten k&ouml;nnen ja ein paar S&auml;uren aufz&auml;hlen. Popul&auml;r sind z.B. Salzs&auml;ure und Schwefels&auml;ure. 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