{"id":3441,"date":"2010-09-18T01:04:34","date_gmt":"2010-09-17T23:04:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=3441"},"modified":"2010-09-16T23:05:53","modified_gmt":"2010-09-16T21:05:53","slug":"die-schwerlastrakete-teil-3-neue-ansaetze-anstatt-apollo-2-0","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2010\/09\/18\/die-schwerlastrakete-teil-3-neue-ansaetze-anstatt-apollo-2-0\/","title":{"rendered":"Die Schwerlastrakete Teil 3: Neue Ans&auml;tze anstatt Apollo 2.0"},"content":{"rendered":"<p>Zur Erinnerung: In den ersten beiden Teilen habe ich deutlich gemacht, dass bei einem neuen Mars\/Mondprogramm (vor allem beim Letzteren) ein Gro&szlig;teil der Kosten f&uuml;r die Entwicklung einer Schwerlastrakete entf&auml;llt und diese durch mehrere Fl&uuml;ge einer 50-70 t Rakete ersetzt werden k&ouml;nnte. Mit zwei Fl&uuml;gen einer 60 t Rakete w&auml;re Apollo zu ersetzen, mit drei oder vier ein l&auml;ngerer Mondaufenthalt (drei Starts) oder gr&ouml;&szlig;ere Raumfahrz&uuml;ge (vier Starts) m&ouml;glich. Dabei kann diese Rakete aus einer Delta IV Heavy entwickelt werden.<\/p>\n<p>Eine Mondmission hat nun folgende Elemente:<\/p>\n<ul>\n<li>Eine Tr&auml;gerrakete sendet entweder eine Nutzlast direkt zum Mond (3200 m\/s mehr als f&uuml;r eine Kreisbahn ben&ouml;tigt) oder koppelt in einer Kreisbahn mit einer Stufe an, welche sie zum Mond bef&ouml;rdert.<\/li>\n<li>Um in eine Mondumlaufbahn einzuschwenken ben&ouml;tigt man nochmals rund 1000 m\/s. Wenn diese sp&auml;ter verlassen wird, fallen nochmals die gleichen 1000 m\/s an.<\/li>\n<li>Der Mondlander ben&ouml;tigt ebenfalls ein Triebwerk um zu landen und zu starten. Beim Starten sind es rund 2.200 m\/s die das Apolloraumschiff an Korrekturverm&ouml;gen hatte. Beim Landen wegen der 1 Minute Schwebezeit noch mehr. (zusammen 4.760 m\/s)<\/li>\n<li>Man kann daraus leicht ableiten, dass bei konventionellen L&ouml;sungen der gr&ouml;&szlig;te Teil Treibstoff ist. Beim Mondlander waren es rund 10,8 von 16,4 t Masse und bei dem CSM waren es 18,4 von 30,3 t Masse.<!--more--><\/li>\n<\/ul>\n<p>Ziel eines Mondprogrammes sollte es sein diese Treibstoffmenge zu reduzieren. Ein Weg k&ouml;nnten kryogene Treibstoffe sein. Das Problem ist hier die K&uuml;hlung. W&auml;hrend dies noch im Weltraum recht gut m&ouml;glich wird, wird es auf der Mondoberfl&auml;che schon deutlich schwieriger. Doch meine Ansicht ist es gleich neue Wege zu geben, die viel mehr versprechen. Man muss zwei Dinge beachten.<\/p>\n<ul>\n<li>Es gibt Man&ouml;ver die hohen Schub erfordern (Abstieg auf die Mondoberfl&auml;che, Aufsteige) und andere bei denen das nicht notwendig ist (Transfer von einer Erdumlaufbahn zum Mond, Verlassen des Mondes).<\/li>\n<li>Bei der Besatzung scheiden lange Aufenthalte in einer Erdumlaufbahn wegen des Strahleng&uuml;rtels aus.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Nun wer mich kennt, wei&szlig; schon worauf es raus l&auml;uft: Ionentriebwerke welche den Treibstoff viel effizienter Nutzen. Es ist meiner Ansicht nach auch folgendes Szenario denkbar:<\/p>\n<ul>\n<li>Der Mondlander wird mit einer Ionenantriebsstufe in einen Erdorbit gebracht. Sie transferiert ihn &uuml;ber Monate hinweg in eine Mondumlaufbahn.<\/li>\n<li>Danach startet die Besatzung direkt zum Mond. Z&uuml;ndet ihre Triebwerke um in eine Umlaufbahn einzuschwenken und koppelt dort mit dem Mondlander an.<\/li>\n<li>Sie landet auf dem Mond, f&uuml;hrt ihr Forschungsprogramm durch, startet zur&uuml;ck in den Orbit.<\/li>\n<li>Im Orbit koppelt sie erneut an die Ionenantriebsstufe an und diese bef&ouml;rdert sie zur&uuml;ck zur Erde.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Der Vorteil ist, dass die Nutzlast viel h&ouml;her ist. Ich habe mal folgende Daten genommen:<\/p>\n<ul>\n<li>Die des Triebwerks RIT-22 von EADS<\/li>\n<li>Gesamtgeschwindigkeits&auml;nderung 6.800 m\/s anstatt 3.200 m\/s + 2 x 1.000 m\/s chemisch (30% mehr)<\/li>\n<li>Solarzellen mit einer Leistungsdichte von 80 W\/kg (Dawn erprobt, es gibt <a href=\"http:\/\/nmp.nasa.gov\/st8\/tech\/solar_array2.html\">experimentell<\/a> sogar welche mit 175 W\/kg)<\/li>\n<li>Maximale Dauer f&uuml;r die bemannte R&uuml;ckkehr im Mondorbit: 30 Tage.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Daraus errechnet sich folgendes:<\/p>\n<p>Ionentriebwerk:<br \/>\nSpezifischer Impuls: 44150 m\/s<br \/>\nStromverbrauch 5000 W<br \/>\nSchub 0,15 N<br \/>\nWirkungsgrad 66 Prozent<br \/>\nGewicht eines Triebwerks 7 kg<br \/>\nTreibstoffverbrauch 3,4 mg<br \/>\nGewichtsbilanz:<br \/>\nStrukturgewicht: 1200 kg<br \/>\nTreibstoff: 7972 kg<br \/>\nTankgewicht: 1331 kg<br \/>\nTriebwerkszahl 193<br \/>\nTriebwerksgewicht: 1351 kg<br \/>\nNutzlast: 32000 kg<br \/>\nStartgewicht: 55855 kg<br \/>\nSolargenerator:<br \/>\nLeistung: 80 W\/kg<br \/>\nGewicht: 12000 kg<br \/>\nMittlere Distanz zur Sonne: 150,0 Mill km<br \/>\nLeistung bei der Distanz 79 W\/kg<br \/>\nBahndaten:<br \/>\nGeschwindigkeit um die Erde zu verlassen: 5500 m\/s<br \/>\nGeschwindigkeit um die Mondumlaufbahn zu verlassen: 1300 m\/s<br \/>\nGesamte Geschwindigkeit: 6800 m\/s<br \/>\nGesamte Reisedauer: 261 Tage<br \/>\nDavon in der Erdumlaufbahn (12 h\/d) 232 Tage<br \/>\nDavon in der Sonnenumlaufbahn (24 h\/d) 29 Tage<\/p>\n<p>Bei einer Startmasse von etwas unter 56 t (das ist die Nutzlast einer Delta IV Heavy mit sechs Boostern in eine 600 km hohe Kreisbahn) werden so 32 t in einen Mondorbit und zur&uuml;ck bef&ouml;rdert. Gedacht ist an folgende Vorgehensweise:<\/p>\n<p>Die erste Delta IV XXL startet mit der Ionenantriebstufe den Mondlander in den Mondorbit und verbleibt dort<\/p>\n<p>Die zweite Delta IV XXL startet normal chemisch nur mit 1.000 m\/s Kurskorrekturkapazit&auml;t das reicht aus um in einen Mondorbit zu gelangen. Dort koppelt sie an den Mondlander ab w&auml;hrend die Ionenantriebsstufe abkoppelt und in Wartestellung geht. Nach dem Umstieg der Besatzung und Landung auf dem Mond folgt die Forschungsmission und nach einigen Tagen kommt die R&uuml;ckreise. Nach dem Umstieg in das CSSM wird die Aufstiegsstufe abgekoppelt und die Ionenantriebsstufe angekoppelt.<\/p>\n<p>Sie bef&ouml;rdert die Besatzung zur&uuml;ck zur Erde. Das hat zwei Vorteile: Es wird Treibstoff gespart und bei 1300 m\/s Kurskorrekturf&auml;higkeit ist die Aufenthaltszeit im Mondorbit gering.<\/p>\n<p>Chemisch sind maximal 14,4 t mit derselben Rakete in einen Mondorbit bei der selben Tr&auml;gerrakete m&ouml;glich. Das erm&ouml;glicht es nicht nur einen mehr als doppelt so schweren Lander mitzuf&uuml;hren, sondern auch das CSM kann leichter sein, da der Treibstoff f&uuml;r die R&uuml;ckreise nicht ben&ouml;tigt wird. Es ben&ouml;tigt nur 1000 m\/s zum Einbremsen in den Orbit. Das macht eine Trockenmasse von 14,6 t m&ouml;glich. Apollo hatte nur eine Trockenmasse von 12,2 t. Mit Treibstoff zur R&uuml;ckreise h&auml;tte die Trockenmasse maximal 10,7 t betragen d&uuml;rfen, was nur f&uuml;r eine deutlich kleinere Kapsel als bei Apollo reichen w&uuml;rde.<\/p>\n<p>Die zwei Fl&uuml;ge sind in etwa &auml;quivalent einer chemischen Rakete mit 80 t Nutzlast in die LTO Bahn. Die rund 2,4 t gr&ouml;&szlig;ere Trockenmasse des CSM w&uuml;rde eine gr&ouml;&szlig;ere Kapsel f&uuml;r 4 Astronauten zulassen. Analog der nun 32 t schwere Mondlander Er ist doppelt so schwer und w&uuml;rde die Landung aller vier Astronauten erm&ouml;glichen. Ein weiterer Start mit dem Ionenantriebsmodul k&ouml;nnte auch ein Labormodul von eta 14-15 t Masse auf dem Mond absetzen &#8211; gen&uuml;gend Gewicht f&uuml;r schwere Ausr&uuml;stung oder eine kleine Wohnung f&uuml;r einige Tage (wie schon in Teil 1 geschrieben dauert eine Mondnacht 14 Erdtage, dabei sinken die Temperaturen bis unter -100?C ab. Daher wird zumindest bei der ersten Phase der Aufenthalt auf den Mondtag von maximal 14 Tagen dauer beschr&auml;nkt sein).<\/p>\n<p>Es w&auml;re interessant festzustellen, ob es eine Untersuchung gibt, wie weit die Passage im Van Allen Strahlungsg&uuml;rtel gef&auml;hrlich ist. Ersetzt man z.B. die Solarzellen durch welche mit 175 W\/kg Leistungsdichte, also dem was heute zumindest experimentell m&ouml;glich ist, so w&auml;re die gesamte Reise sogar mit einer 60 t Rakete denkbar. Ein Lander von 16,4 t Masse und ein CSM von 11 t Masse (ohne Treibstoffe und Antrieb). Ein Ionennantriebsmodul w&uuml;rde es die gesamte Kombination in 91 Tagen zum Mond und in 10 Tagen zur&uuml;ck bef&ouml;rdern. Wahrscheinlich ist das aber mit einer kleinen Apollokapsel nicht zu machen und eine gr&ouml;&szlig;ere Raumstation in der Mondumlaufbahn braucht man eigentlich nicht.<\/p>\n<p>Apollo 2.0 mit einer Delta IV Heavy &#8211; das ist Innovation. Eine neue Schwerlastrakete zu bauen und alles zu wiederholen &#8211; das ist der R&uuml;ckgriff auf das Gestrige. Ein Symptom f&uuml;r den R&uuml;ckschritt und Stillstand den die bemannte Raumfahrt seit einigen Jahren schon pr&auml;gt. Denn nat&uuml;rlich gibt es hier Herausforderungen &#8211; Dawns Solar Array das ich f&uuml;r die Berechnung nutzte, hat gerade mal 10,5 kW Leistung &#8211; hier wird ein fast 100 mal gr&ouml;&szlig;eres ben&ouml;tigt. Kann man solche gro&szlig;en Strukturen noch bauen und im All entfalten?<\/p>\n<p>Das gleiche gilt f&uuml;r die Triebwerke. Dawn setzte f&uuml;nf ein. Hier sind es 193 &#8211; fast vierzigmal mehr. Es sollten also gr&ouml;&szlig;ere eingesetzt werden, die erst entwickelt werden m&uuml;ssen. Dann haben diese ein kleines Temperaturproblem &#8211; etwa 30%-40% setzen die Triebwerke heute als W&auml;rme frei. Das sind etwa 288-384 kW Abw&auml;rme auf engstem Raum. Auch ein Problem das gel&ouml;st werden muss. Bis diese Technologie zur Verf&uuml;gung steht muss genauso viel Entwicklungsarbeit geleistet werden wie damals bei der Saturn V &#8211; aber es ist wenigstens eine Neuentwicklung und sie ist n&ouml;tig, denn f&uuml;r Marsexpeditionen m&uuml;ssen dann nicht 130-180 t in eine Erdumlaufbahn bef&ouml;rdert werden, sondern je nach Plan (es gibt da etliche Vorschl&auml;ge ) zwischen 600 und 1000 t &#8211; und da lohnt es sich dann wirklich!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zur Erinnerung: In den ersten beiden Teilen habe ich deutlich gemacht, dass bei einem neuen Mars\/Mondprogramm (vor allem beim Letzteren) ein Gro&szlig;teil der Kosten f&uuml;r die Entwicklung einer Schwerlastrakete entf&auml;llt und diese durch mehrere Fl&uuml;ge einer 50-70 t Rakete ersetzt werden k&ouml;nnte. 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