{"id":347,"date":"2008-09-23T12:52:19","date_gmt":"2008-09-23T10:52:19","guid":{"rendered":"http:\/\/bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=347"},"modified":"2008-09-23T12:52:19","modified_gmt":"2008-09-23T10:52:19","slug":"miniatur-raumsonden-spielerei-oder-ein-ausweg-aus-der-kostenfalle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2008\/09\/23\/miniatur-raumsonden-spielerei-oder-ein-ausweg-aus-der-kostenfalle\/","title":{"rendered":"Miniatur Raumsonden &#8211; Spielerei oder ein Ausweg aus der  Kostenfalle?"},"content":{"rendered":"<p>Als Mitte der 90 er Jahre das Discovery Programm aus der Taufe gehoben wurde, gab es auch parallel das New Millennium Program. Wie ja bekannt, war es ein Ziel des Discovery Programmes die Aufwendungen f&uuml;r eine Planetenmission zu senken. Daf&uuml;r sollte es mehr davon geben und diese schneller umgesetzt werden. Beim Discovery Programm geschah dies durch Verwendung von Grundkonzepten existierender Satelliten, sehr schlankem Management und Verzicht auf &quot;unn&ouml;tige&quot; Dinge. Wie auch bekannt, zeigten sich die Schwachstellen dieses Konzepts dann ja auch bald durch den Verlust von zwei Marssonden und bei anderen Sonden gab es ebenso Probleme die man im Vorfeld h&auml;tte erkennen k&ouml;nnen und eliminieren k&ouml;nnen.<\/p>\n<p>Das New Millennium Programm ging noch weiter. Um die Kosten noch weiter zu senken, ging man daran die Sonden zu miniaturisieren. Gedacht war an Raumsonden die in nach einigen Generationen deutlich unter 100 kg wiegen sollten. Erprobt wurde mit Deep Space 1, einer Sonde und mit Deep Space 2 zwei Penetratoren, bei der es noch um Technologietests ging.<\/p>\n<p><!--more--> <\/p>\n<p>Heute ist davon nicht mehr die Rede. Die Frage ist: Ist der Ansatz als solcher falsch? Nun zuerst einmal sollte man sich klar sein, wo Vorteile und Nachteile liegen. Die Idee kam ja durch die Entwicklung der Mikroelektronik. Sie erlaubt es viel mehr Intelligenz an Bord eines Raumfahrzeugs unterzubringen. Neben dem praktischen Vorteil, dass man so auf der Erde weniger Missionspezialisten braucht war auch die Idee dahinter, dass die Sonde die Daten so vorverarbeiten kann und Unwichtiges von Wichtigem unterscheiden kann. Dadurch braucht man eine geringere Datenrate und dies spart wiederum Strom oder eine gro&szlig;e Antenne ein. Auch Instrumente sollten intelligenter werden. So verwenden verschiedene Fernerkundungsexperimente Optiken und unterscheiden sich nur in der Art wie das Licht weiter verarbeitet wird. DS-1 erprobte erstmals den Typ eines kombinierten Spektrometers und einer Kamera (MICAS), die 3 konventionelle Instrumente ersetzte.<\/p>\n<p>Die Ans&auml;tze sind gut, doch man braucht keine neue Raumsonde um sie umzusetzen. Ein Kombinationsinstrument ist auch auf einer konventionellen Raumsonde einsetzbar. Es ist nicht der &quot;Wunschkandidat&quot; vieler Forscher. Das liegt vor allem daran, dass die Instrumente verschiedene Optiken brauchen &#8211; UV Spektrometer arbeiten nur mit Spiegeln, IR Spektrometer brauchen eine Optik mit gro&szlig;em &Ouml;ffnungsverh&auml;ltnis, wegen der gr&ouml;&szlig;eren Wellenl&auml;nge, und Kameras brauchen ein sehr langbrennweitiges Instrument. Au&szlig;erdem kann man nur eines zur selben Zeit nutzen. Doch wenn man so 3 Instrumente unterbringen kann, wo sonst eines h&auml;tte weichen m&uuml;ssen, wird man es auch bei konventionellen Raumsonden einsetzen (und hat dies auch schon getan z.B. bei Deep Impact). Mit der Intelligenz bei der Datenvorselektion sollte man dagegen vorsichtig sein. Noch traut keiner einer Raumsonde zu die Daten vorzuselektieren z.B. &uuml;berlappende Bildbereiche nicht zu &uuml;bertragen. Im Gegenteil: Viele Wissenschaftler wollen ihre Daten lieber verlustfrei komprimiert &uuml;bertragen haben, anstatt mehr Daten die verlustbehaftet &uuml;bertragen werden. <\/p>\n<p>Noch problematischer wird bei kleinen Sonden die Datenmenge, da nat&uuml;rlich auch Sender schw&auml;cher sind und Sendeantennen kleiner sind. Das erreicht dann sehr schnell eine Grenze wo dann wirklich ausgew&auml;hlt werden muss, was gesendet werden kann. New Horizons geht so ein bisschen in diese Richtung. Sie ist nicht wirklich klein, aber ihre 2 m Antenne und ihr schwacher Sender lassen nur eine geringe Datenrate zu. Die Sonde &uuml;bertr&auml;gt mit geringerer Datenrate als es Voyager vor 20 Jahren in der gleichen Entfernung konnte. So wird die Sonde auch nur einen Bruchteil der Daten &uuml;bertragen k&ouml;nnen, die sie beim Pluto Vorbeiflug gewonnen hat. Hoffen wir, dass auf den weggelassenen Bildern nicht doch noch Infos versteckt sind, wie z.B. noch unbekannte Monde &#8211; zwei neue Monde von Pluto hat man ja erst vor zwei Jahren netdeckt.<\/p>\n<p>Das ganze ist so weitgehend wieder verschwunden. Gedacht war es eigentlich f&uuml;r Raumsonden zu den &auml;u&szlig;eren Planeten. Die ersten Prototypen von Plutosonden wogen so z.B. nur noch 150 kg. Das h&auml;tte es erlaubt diese mit einer Delta 3 zui starten, anstatt der 5 mal teureren Titan 4. Sie h&auml;tten dann Prototypen f&uuml;r weitere Sonden ins &auml;u&szlig;ere Sonnensystem sein k&ouml;nnen. Aufgrund der Kosten solcher Missionen &#8211; New Horizons ist eine recht einfache und kleine Raumsonde, aber wesentlich teurer als der viel gr&ouml;&szlig;ere und gut instrumentierte Mars Reconnaissance Orbiter &#8211; wird man solche Ideen weiterverfolgen. Denn lieber eine kleine Sonde auf den Weg bringen, als eine gro&szlig;e Sonde nicht finanziert zu bekommen.<\/p>\n<p>Neuen Auftrieb erh&auml;lt das Konzept von der <a href=\"http:\/\/trajectory.grc.nasa.gov\/aboutus\/papers\/NASA-TM-2002-211893.pdf\">Idee<\/a> mit modernen Ionentriebwerken und ebenfalls effektiveren Stirling RTG Raumsonden in Orbits um Jupiter-Pluto und zu Asteroiden oder KBO zu bringen. Doch selbst diese Konzepte gehen davon aus, dass eine Atlas 551 die Raumsonden auf den Weg bringt und man mit RTG nur dann abbremst um in eine Umlaufbahn zu gelangen. So sind auch hier die Raumsonden klein und wiegen 200-350 kg. Auch hier g&auml;be es wohl Alternativen wie z.B. mit gro&szlig;en Solarpanels die Sonden zu beschleunigen und dann diese abzutrennen. <\/p>\n<p>Das ganze ist so wie wenn man einen 299 Euro Computer kauft. Es gibt solche Rechner, aber die Einschr&auml;nkungen sind dann doch gut sichtbar. Legt man 100 Euro drauf, also 33 % mehr Gesamtpreis, bekommt man schon ein erheblich besseres Ger&auml;t. Das gleich gilt bei den Miniaturraumsonden. Eine etwas gr&ouml;&szlig;ere Sonde l&auml;sst erheblich bessere Instrumente zu oder verdoppelt den verf&uuml;gbaren Strom, der dann es zul&auml;sst mehr Daten zu &uuml;bertragen. Ich bin daher daf&uuml;r eher nach Wegen zu suchen eine mittelgro&szlig;e Sonde auf den Weg zu bekommen. Die Technologie von Solarsegeln weiter zu erforschen oder eben Ionenantriebe gespeist mit gro&szlig;en Solarzellenfl&auml;chen. Auch so kann man an der Tr&auml;gerrakete Einsparungen machen<\/p>\n<p>Sinnvoll w&auml;re eine solche Miniatursonde vielleicht bei einer arg beschr&auml;nkten Mission. Denken k&ouml;nnte ich mir, dass man z.B. so eine Raumsonde als Sekund&auml;re Nutzlast einer Ariane 5 in einen elliptischen 24 h Orbit bringt (500x 70.000 km Entfernung von der Erde). Da kann sie Jahrelang verweilen. Entdeckt man dann wieder einen dieser Asteroiden die die Erdbahn kreuzen, dann kann man sie von dort aus mit einem eigenen Antrieb losschicken um diesen in Erdn&auml;he schnell zu passieren. Durch die geringe Distanz w&auml;re die Datenrate hoch und auch eine kleine Sonde k&ouml;nnte viele Ergebnisse liefern. Als Sekund&auml;rnutzlast gestartet w&auml;ren die Startkosten auch &uuml;bersehbar. Alternativ k&ouml;nnte man an einen kleinen Mondorbiter denken, wobei dieser dann schon ziemlich g&uuml;nstig sein m&uuml;sste. Auch hier profitiere ich von der geringen Distanz. Aber ich halte es f&uuml;r Nischenprodukte. Sie eignen sich f&uuml;r manche Fragestellungen, aber f&uuml;r die meisten eben nicht.<\/p>\n<p>So zuletzt noch ein paar Bemerkungen zu SpaceX, deren n&auml;chster Falcon Start wieder ansteht. Tut mir leid aber ich kann es mir nicht verkneifen. Die Firma produziert solche Widerspr&uuml;che. Da will man die Falcon 1 preiswert anbieten (Der Preis pro Kilogramm ist in 3 Jahren um 113 % gestiegen) und fliegt diese mit einer gecharterten C17 zum Startplatz (Die C17 ist ein vierstrahliges Flugzeug, vergleichbar einem Airbus A340), das d&uuml;rfte sicher so eine Million gekostet haben, aber man hat es ja&#8230;.<\/p>\n<p>Dann k&uuml;ndigt man an, dass man massiv Triebwerke und Falcon 1 baut &#8211; obwohl die Rakete noch nicht erfolgreich geflogen ist, also noch nicht mal sicher ist, dass man noch alles &auml;ndern muss. Das erinnert mich irgendwie an eine Methode in Softwaretechnik, die Microsoft eingef&uuml;hrt hat. Anstatt ein Produkt zu Ende zu entwickeln, bringt man regelm&auml;&szlig;ig Zwischenreleases raus und verbessert es iterativ (was massiv zu dem schlechten Leumund der Firma beigetragen hat). Nun ja, Musk kommt ja von der Softwareecke, da w&auml;re das ihm zuzutrauen. Ich weis schon eines: Der n&auml;chste Flug wir zu &gt;90 % erfolgreich sein, selbst wenn die Rakete auf dem Starttisch explodiert (das waren bislang alle) und es ist nur &quot;ein kleines Problem&quot; (auch das war bislang immer so). Mal sehen ob man diesmal den gesamten Webcast sieht und nicht nur den Teil bei dem es keine Probleme gibt (beim letzten Mal hat man zeitversetzt gesendet und rechtzeitig abgebrochen, angeblich wegen COCOM Bestimmungen wenn man das Heck der Rakete sieht &#8211; komisch beim letzten Flug gab es die noch nicht &#8211; Die Chinesen freuen sich bestimmt, wenn nun im Westen jemand ihre Methode der kritischen Berichterstattung &uuml;bernommen hat&#8230;.)<\/p<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als Mitte der 90 er Jahre das Discovery Programm aus der Taufe gehoben wurde, gab es auch parallel das New Millennium Program. Wie ja bekannt, war es ein Ziel des Discovery Programmes die Aufwendungen f&uuml;r eine Planetenmission zu senken. 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