{"id":35,"date":"2007-10-02T13:24:05","date_gmt":"2007-10-02T11:24:05","guid":{"rendered":"http:\/\/bernd-leitenberger.de\/blog\/2007\/10\/02\/die-ddr\/"},"modified":"2007-10-02T13:25:17","modified_gmt":"2007-10-02T11:25:17","slug":"die-ddr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2007\/10\/02\/die-ddr\/","title":{"rendered":"Die DDR"},"content":{"rendered":"\n<p>Haben sie auch am Sonntag und Montag den Film &quot;Die Frau am Checkpoint Charlie gesehen?&quot;. Die Handlung war zwar stark &uuml;bertrieben, wie die anschlie&szlig;ende Dokumentation zeigte. doch der Film zeigt die DDR in einem anderen Licht als die filme der letzten Zeit vom Typus &quot;Sonnenallee&quot; und &quot;Goodby-Lenin&quot;. Folgt man diesen, dann war die DDR eine Art gro&szlig;er Freiluft am&uuml;sierparkt wo Leute in blauen Hemden viel spa&szlig;e hatten.<\/p>\n<p>Zur Erinnerung: Das Bestreben die DDR zu verlassen, d.h. das Menschenrecht in Anspruch zu nehmen dort zu leben wo man es m&ouml;chte war strafbar als Tatbestand &quot;Republikflucht&quot;. Schon das stellen eines Ausreiseantrages hatte unmittelbare Folgen f&uuml;r das t&auml;gliche Leben. Da alle Betriebe staatlich waren konnte es durchaus vorkommen, dass man an einen weniger attraktiven Arbeitsplatz versetzt wurde. Kinder hatten Repressalien zu bef&uuml;rchten. Die Verflechtung von einer staatlichen Beh&ouml;rde mit praktisch allen anderen und anderen Teilen des Lebens ist das Kennzeichen der DDR. Karriere oder ein Studium war nur m&ouml;glich wenn man angepasst an das System war. <\/p>\n<p>Interessant waren auch die vielen Straftatbest&auml;nde in der DDR, die es im Westen nicht gab. Da man Demonstrationen nicht generell verbieten konnte gab es verschiedene Straftatbest&auml;nde daf&uuml;r dass man unerlaubt demonstrierte. Neben dem Verletzten von Besitzrechten wie im Westen (Landfriedensbruch) auch neue Tatbest&auml;nde wie &quot;Rowdytum&quot;.<\/p>\n<p>Dazu kam die STAI und ihr System der Bespitzelung des eigenen Volkes durch &quot;inoffizielle Mitarbeiter&quot; deren Zahl in die Hunderttausende ging. Ich bin mir sicher ich h&auml;tte bei meinem Hang allen Leuten meine Meinung zu sagen dort sehr schnell massiv Probleme bekommen. Sicher es gibt gen&uuml;gend Duckm&auml;user die sich mit dem System arrangieren k&ouml;nnen. F&uuml;r Sie ist es auch bequem: Garantierter Arbeitsplatz unabh&auml;ngig wie gut oder wie viel man arbeitet. <\/p>\n<p>Ich war einmal w&auml;hrend einer Klassenfahrt in Ost-Berlin. Wenn mich daran zur&uuml;ckerinner empfand ich dort alles als sehr bedr&uuml;ckend. Zum einen diese enorme Polizeipr&auml;senz dort. die ist wahrscheinlich nur typisch f&uuml;r Ost Berlin, aber f&uuml;r Westler sehr ungewohnt und man f&uuml;hlt sich sofort &uuml;berwacht, zumal wie Westler recht leicht zu erkennen waren, an den Klamotten und daran das wir relativ laut und offen redeten. Als wir in eine Gastst&auml;tte gehen wollten sollten wir warten bis wir &quot;zugeteilt&quot; werden &#8211; Planwirtschaft l&auml;sst gr&uuml;&szlig;en. Dann bevorzugten wir doch ein Restaurant das nur west W&auml;hrung akzeptierte (und teurer als Westberlin war, bei nicht besonders gutem Essen). Trotzdem hatten wir Probleme an dem Tag unsere 25 DM Zwangsumtausch in der DDR loszuwerden. Schlicht und einfach weil wir nichts zu kaufen fanden, das sich lohne zu kaufen. Am Bahnhof Friedrichstra&szlig;e legten wir alles Geld zusammen und eine von uns gab es einem Passanten &#8211; Der war &uuml;brigens nicht erfreut sondern konnte mit dem Geld wohl auch nichts anfangen.<\/p>\n<p>Nach einer Umfrage sollen sich im Osten etwa 20 % der Bev&ouml;lkerung die DDR zur&uuml;ckw&uuml;nschen. Im Westen sind es glaub ich deutlich weniger, obwohl es f&uuml;r alle einschneidend war: 1989 war erstmals der Bundeshaushalt nach Jahrzehnten ausgeglichen. Seitdem mussten neue Schulden gemacht werden um das Defizit das man in en neuen 5 Bundesl&auml;ndern hatte zu decken. Seit der Wiedervereinigung etwa 100 Milliarden DM pro Jahr, oder mittlerweile etwa fast 1 Billion Euro. Der Westen st&auml;nde heute recht gut da ohne diesen Aderlass, die Arbeitslosenquote w&auml;re im Westen noch geringer als sie es jetzt ist (weil viele aus dem Osten seitdem in den Westen gingen um Arbeit zu finden). Trotzdem kenne ich keinen der sich die DDR im Westen zur&uuml;ckw&uuml;nscht. <\/p>\n<p>Wie kommt man dazu sich die DDR zur&uuml;ckzuw&uuml;nschen? Ich denke es ist der &quot;Rosarote Brillen&quot; Effekt: Man nimmt nur noch wahr was gut war. Aber nicht die Nachteile, die es auch f&uuml;r systemtreue gab: Den Mangel an Konsumg&uuml;tern der sich laufend versch&auml;rfte. Die geringe Auswahl an G&uuml;tern was sich in einem uniformen Aussehen ausdr&uuml;ckte. Der Raubbau an der Umwelt der sich in Erkrankungen in Industrieregionen und einer verseuchten Umwelt &auml;u&szlig;erte und der allgemein niedrigere Lebensstandard verglichen mit dem Westen. <\/p>\n<p>Ich denke wir Deutschen hatten Gl&uuml;ck: Nicht nur dass wir heute wiedervereinigt sind, sondern dass es auch ohne Revolution und Toten abging. Das ist durchaus nicht selbstverst&auml;ndlich wie andere Beispiele zeigen.<\/p<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Haben sie auch am Sonntag und Montag den Film &quot;Die Frau am Checkpoint Charlie gesehen?&quot;. Die Handlung war zwar stark &uuml;bertrieben, wie die anschlie&szlig;ende Dokumentation zeigte. doch der Film zeigt die DDR in einem anderen Licht als die filme der letzten Zeit vom Typus &quot;Sonnenallee&quot; und &quot;Goodby-Lenin&quot;. 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