{"id":3641,"date":"2010-10-25T01:07:38","date_gmt":"2010-10-24T23:07:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=3641"},"modified":"2010-10-24T17:11:33","modified_gmt":"2010-10-24T15:11:33","slug":"der-start-aus-der-luft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2010\/10\/25\/der-start-aus-der-luft\/","title":{"rendered":"Der Start aus der Luft"},"content":{"rendered":"<p>Ein Frage die immer wieder kommt, ist, warum nur die Pegasus einen Start aus der Luft, also von einem Flugzeug aus offeriert. Das scheint doch viel praktischer zu sein. Kein Startturm n&ouml;tig, eine h&ouml;here Nutzlast. Warum also nur die Pegasus?<\/p>\n<p>Nun es ist nicht nur die Pegasus. In Russland gab es mal das Projekt Diana-Burlak und vor einiger Zeit las ich auch &uuml;ber das Vorhaben mit einem Kampfjet eine Rakete zu starten. Ebenfalls in Russland.<\/p>\n<p>Aber versuchen wir es mal zu entwirren. Was sind die offensichtlichen Vorteile?<!--more--><\/p>\n<p>Fangen wir mit dem Bahntechnischen an.<\/p>\n<ul>\n<li>Die Abtrennung erfolgt in 11 bis 12 km. Das ist zumindest 5% der Mindestbahnh&ouml;he f&uuml;r einen Satelliten (etwa 180-200 km)<\/li>\n<li>Die Abtrennung erfolgt bei je nach Flugzeug mit einer Geschwindigkeit von 800 bis 900 km\/h, das sind 222 bis 250 m\/s, die als Startgeschwindigkeit zur Verf&uuml;gung stehen.<\/li>\n<li>Bis die Rakete erst mal 11 km H&ouml;he hat, durchquert sie schon die Atmosph&auml;re und hat Verluste durch den Luftwiderstand.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Vergleicht man die Pegasus mit der Minotaur oder Taurus, son ben&ouml;tigt sie etwa 300 m\/s weniger f&uuml;r einen Orbit. Das ist der Gewinn durch den Start vom Flugzeug aus.? 300 m\/s, das bedeutet dass z.B. in einen sonnensynchronen Orbit die gleiche Nutzlast transportiert werden kann wie in eine gleich hohe LEO Bahn. Oder anstatt eine 200 km hohe Bahn eine h&ouml;here Bahn erreichen kann. Aber es ist nicht so viel wie manche Laien vermuten. Hauptposten ist in der Tat die Startgeschwindigkeit. Der Luftwiderstand macht bei Raketen nicht so viel aus wie man meint, da sie in der dichten Atmosph&auml;re noch eine geringe Geschwindigkeit aufweisen. Und 11 km H&ouml;he sind eben nur ein kleiner Bruchteil von 200 km Mindesth&ouml;he.<\/p>\n<p>Fangen wir an das ganze auch unter technischen Gesichtspunkten zu diskutieren. Was spricht hier daf&uuml;r und dagegen?<\/p>\n<ul>\n<li>Die Pegasus wird unter einem Fl&uuml;gel aufgeh&auml;ngt und wird von dort gestartet. Das wirft einige Fragen auf:<\/li>\n<li>Ist das generell m&ouml;glich (r&auml;umlicher Aspekt) &#8211; passt also die Rakete unter den Fl&uuml;gel und ist ein sicherer Start noch m&ouml;glich?<\/li>\n<li>sit die Rakete nicht zu schwer und wie kommt das Flugzeug mit der einseitigen Belastung zurecht?<\/li>\n<li>Hauptproblem: Wie reagiert das Flugzeug wenn es von einem Moment zur anderen um zig Tonnen an einem Fl&uuml;gel leichter wird?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Ich denke viel gr&ouml;&szlig;ere Raketen als die Pegasus sind nicht unter dem Fl&uuml;gel zu transportieren. Es hat durchaus Gr&uuml;nde warum Bomber in der Regel ihre Last in internen Sch&auml;chten transportieren. Da aber nur Bomber &uuml;ber so etwas verf&uuml;gen, sind die M&ouml;glichkeiten beschr&auml;nkt. So viele Bo,ber mit hoher Nutzlast die ausgemustert sind gibt es nicht. Es g&auml;be nat&uuml;rlich noch die M&ouml;glichkeit eine Rakete von einem milit&auml;rischen Transporter durch die Heckklappe herauszuziehen (durch einen Fallschirm). Die US Army erprobte sogar einmal den Start einer Minuteman auf diese Weise. Doch der Fallschirm bremst die Rakete ab und damit entf&auml;llt der Hauptvorteil: 2\/3 der Geschwindigkeit die eingespart wird entfallen auf die Startgeschwindigkeit.<\/p>\n<p>Nun k&ouml;nnte man auf die Idee kommen, ein sehr leistungsf&auml;higes Flugzeug umzur&uuml;sten, eine An-124, B-747 oder einen Airbus 380. Sie mit einem Schacht wie einen Bomber auszur&uuml;sten und daraus die Rakete abzuwerfen. Dort befinden sich sonst die Frachtcontainer. Der Platz st&auml;nde also zur Verf&uuml;gung. Der airbus 380 als leistungsf&auml;higstes Flugzeug dieser Liste hat ein Leergewicht von 275 t, ein maximales Startgewicht von 560 t und fasst 310.000 l Kerosin f&uuml;r eine Flugstrecke von 10.400 km. Rechnet man eine Teilbest&uuml;ckung f&uuml;r 2.000 km Reichweite (etwa 2,5 h Flugzeit), so k&ouml;nnte er theoretisch noch mit einer Last von 216 t starten. (die Frachtversion h&auml;tte 157,4 t Fracht transportiert, aber mit einer gr&ouml;&szlig;eren Reichweite).<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" src=\"\/img\/minotauriv-1.jpeg\" alt=\"\" width=\"233\" height=\"465\" align=\"left\" \/>Eine 200 t schwere Rakete w&auml;re schon was, sie w&uuml;rde so etwa 5-6 t in einen Orbit transportieren k&ouml;nnen. Doch nun kommen die Abers:<\/p>\n<p>Es ist nicht gesagt ob dies geht. Die Flugzeuge wurden ja f&uuml;r den Passagiertransport gebaut und nicht zum Abwerfen der Lasten. Kann der Rumpf &uuml;berhaupt so umgebaut werden ohne Strukturelle Integrit&auml;t zu verlieren?<\/p>\n<p>Fl&uuml;ssige Treibstoffe bei den Tr&auml;gern d&uuml;rften ausscheiden. 200 t schwappender Treibstoff beim Start w&auml;ren kaum tolerierbar. Anders als beim Treibstoff des Flugzeugs befindet er sich an einer Stelle (beim Flugzeug verteilt in den Fl&uuml;geln) und die Tanks sind anders als die flachen Tanks unter den Fl&uuml;geln kaum zu sch&uuml;tzen gegen das Schwappen.<\/p>\n<p>Daneben stellt sich auch das Problem der Sicherheit und kryogenen Treibstoffe scheiden wegen des Verdampfen und der Brandgefahr aus.<\/p>\n<p>Bleiben feste Treibstoffe. Obwohl die meisten neueren Tr&auml;ger f&uuml;r kleine und mittlere Nutzlasten diese einsetzen ist die Pegasus die einzige Rakete die vom Flugzeug aus startet. Warum? Nun eine Startbasis, deren Kosten eingespart werden k&ouml;nnten ist bei einer Feststoffrakete eine einfache Konstruktion. Die Treibstoffe m&uuml;ssen nicht bef&uuml;llt werden. Es reicht eigentlich ein kleiner Nabelschnurmast mit Datenleitungen und einer Stromversorgung bis zum Abheben und ein Startisch. Gerade diese einfache Konstruktion macht ja auch einen Start vom Flugzeug aus m&ouml;glich.<\/p>\n<p>Den geringen Investitionen in das Bodensegment stehen aber bei einem Umbau einer gr&ouml;&szlig;eren Maschine sehr hohe Kosten f&uuml;r den Umbau dieser und auch die Beschaffung und betrieb entgegen. Bei der Pegasus war das noch m&ouml;glich weil man eine Lockheed L1011 nahm, die ausgemustert wurde und nur eine Halterung f&uuml;r den Fl&uuml;gel brauchte. Aber sie war auch klein. Die Vorteile war eine maximale Nutzlast f&uuml;r NASA und DoD Missionen: Das DoD war am Start kleiner Milit&auml;rsatelliten in sonnensynchrone Orbits interessiert, die NASA an Starts in 30-38? geneigte Bahnen, damit die Satelliten die maximale Nutzlast ausnutzen konnten und die USA &uuml;berflogen wurden. Es handelt es sich um Astronomiesatelliten mit dem &#8222;Dump and Store Prinzip&#8220;. So w&auml;ren zwei Startbasen n&ouml;tig gewesen. In diesem speziellen Fall war der Start mit dem Flugzeug billiger als zwei Startbasen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Frage die immer wieder kommt, ist, warum nur die Pegasus einen Start aus der Luft, also von einem Flugzeug aus offeriert. Das scheint doch viel praktischer zu sein. Kein Startturm n&ouml;tig, eine h&ouml;here Nutzlast. Warum also nur die Pegasus? Nun es ist nicht nur die Pegasus. 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