{"id":3651,"date":"2010-10-27T01:46:24","date_gmt":"2010-10-26T23:46:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=3651"},"modified":"2010-10-26T11:49:11","modified_gmt":"2010-10-26T09:49:11","slug":"die-heimcomputerschwemme","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2010\/10\/27\/die-heimcomputerschwemme\/","title":{"rendered":"Die Heimcomputerschwemme"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" src=\"http:\/\/www.heydon.org\/kevan\/collection\/pictures\/oric-1-large.jpg\" alt=\"ORIC 1\" width=\"649\" height=\"429\" align=\"left\" \/><\/p>\n<p>Wer wie ich in den Achtzigern seine Jugend verbrachte kann sich noch erinnern: die vielen verschiedenen Heimcomputer die es gab, wobei (um gleich mal eine Unterscheidung zu treffen) mich auf die 8-Bitter beschr&auml;nken will. Sicher fallen den meisten noch Namen wie die Amstrad CPC Serie, der legend&auml;re C64 oder der Sinclair Spektrum ein. Doch das sind nur die bekanntesten einer ganzen Schar. Da gab es noch das Video Genie, den Dragon, den Oric, den Tatung Einstein, die ganze Serie von Spectravideo, den Adam von Colleco und dann noch die MSX Serie.<\/p>\n<p>Obwohl damals es so viel mehr verschiedene Rechner gab, waren die St&uuml;ckzahlen bescheiden &#8211; in den Achtzigern war der Computer noch die Ausnahme im heimischen Wohnzimmer. Wie aber ging trotzdem die Rechnung auf? Nun ich will man beleuchten, warum es so viele Rechner gab. Es gibt einen einfachen Grund: Weil es technisch so einfach war.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Fangen wir mal an was man damals unter einem Heimcomputer verstand. Es war ein Ger&auml;t, das man heute wohl unter einer zu dicken Tastatur einordnen w&uuml;rde. In dem Geh&auml;use steckte die gesamte Elektronik auf einer Platine. An der R&uuml;ckseite gab es die Anschl&uuml;sse f&uuml;r die Peripherie. &Uuml;blich war ein Anschluss f&uuml;r einen Joystick, ein Druckeranschluss, ein Anschluss an ein Fernsehger&auml;t (meist mit externem Decoder) und der Peripheribus. Letzterer war eine Kopie des Adress- und Datenbusses und erlaubte die Erweiterung des Ger&auml;ts. Bessere Ger&auml;te hatten auch einen separaten Floppyanschluss.<\/p>\n<p>Wer den Computer einschaltete den begr&uuml;&szlig;te ein BASIC Interpreter &#8211; kein Betriebssystem. Stattdessen d&uuml;rfte man so nette Sachen wie 10 for i=1 to 100:? i,:next eintippen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright\" src=\"http:\/\/de.academic.ru\/pictures\/dewiki\/68\/Dragon_32_computer.jpg\" alt=\"Dragon 32\" width=\"640\" height=\"499\" align=\"right\" \/>Die obligate Peripherie bestand aus einem Nadeldrucker und entweder einem Kassettenrecorder oder einer Floppy als Datenspeicher. Letztere war lange Zeit Luxus und kostete genauso viel wie das Ger&auml;t selbst.<\/p>\n<p>Technisch basierten die meisten Rechner auf dem Z80 oder 6502 Prozessor, manche auch auf Varianten des 6800 wie dem 6809. Intel war mit dem 8085 Prozessor damals praktisch nicht vertreten. Warum gab es so viele verschiedene Rechner? Weil es technisch so einfach war. Nehmen wie die Zutaten eines typischen Rechners mit 32 KByte RAM und 32 KByte ROM. Man ben&ouml;tigt den Prozessor selbst, dann ein ROM zum Speichern des Betriebssystems und Basic Interpreters und das RAM. Das RAM gab es in Form von Standardbausteinen wie dem Typ 4164 oder 6116. Das ROM wurde bei Gro&szlig;serien meistens maskenprogrammiert (eine Maske entschied schon bei der Belichtung welche Kreuzungsstellen ein Bit enthalten oder nicht). Bei Kleinserien, oder den ersten Exemplaren waren auch EPROM&#8217;s &uuml;blich, wie das 2754 oder 27128. Ein EPROM wird durch eine hohe elektrische Spannung programmiert und kann auch wieder durch UV-Licht gel&ouml;scht werden. Daher wurde bei den Computern das im freien Verkauf &uuml;bliche Quarzfenster (&uuml;brigens das teuerste Teil bei einem EPROM) weggelassen und durch einen Plastikprof ersetzt oder &uuml;berklebt.<\/p>\n<p>Was noch ben&ouml;tigt wurde waren einige Bausteine der 74xxx Serie. Diese Bauteile waren einfache Gatter die dazu dienten abh&auml;ngig von bestimmten Signalen zwischen den Chips oder den Bussen die nach au&szlig;en gingen umzuschalten. Dazu ein Beispiel: Der Rechner soll &uuml;ber 32 KByte RAM (Adresse 0-7FFFH) und 32 KByte ROM (Adresse 8000-FFFFH) verf&uuml;gen. Wenn nun auf das ROM zugegriffen werden soll, darf sich nicht das RAM angesprochen f&uuml;hlen. Das kann man erreichen indem ein Gatter das Chip-Select und das h&ouml;chstwertige Bit UND Verkn&uuml;pft und damit das ROM an den Adressbus schaltet und beim RAM das Chip-Select Signal nicht weiterreicht. Je mehr Chips vorhanden sind und je mehr Anschlussm&ouml;glichkeiten es gibt, desto mehr dieser Bausteine sind n&ouml;tig, weshalb viele Hersteller einen eigens programmierten Baustein f&uuml;r diese Aufgabe hatten. Aber es geht auch ohne.<\/p>\n<p>Bis dahin ist das noch ein Rechner denn jeder so machen kann &#8211; es gab in den achtziger auch zahlreiche Selbstbau-Einplatinenrechner um Computern von der Pike auf zu lernen &#8211; man programmierte das EPROM mit einem einfachen &Uuml;berwachungsprogramm, dem Monitor als &#8222;Betriebssystem&#8220; und gab Daten &uuml;ber 7-Segmentanzeigen aus und &uuml;ber eine Hexadezimaltastatur ein.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" src=\"http:\/\/oldcomputers.net\/pics\/adam.jpg\" alt=\"ADAM Colleco\" width=\"620\" height=\"302\" align=\"left\" \/>Der Unterschied beim Heimcomputer ist die Tastatur, der Bildschirm und der Basic Interpreter. Es gab damals schon Bausteine die sich vollst&auml;ndig um die Erzeugung eines PAL\/NTSC Signals k&uuml;mmerten, wie dr MC 6845 Videocontroller. Das lief &uuml;blicherweise so ab, dass man einen der Modi des VideoProzessors aktivierte und der Prozessor dann in einen daf&uuml;r reservierten Speicherbereich des RAM das Bitmuster schrieb, das erscheinen sollte. Der Videoprozessor k&uuml;mmerte sich dann um die Erzeugung der PAL\/NTSC Signale. Oftmals gab es separate Ger&auml;te f&uuml;r NTSC und PAL oder getrennt Boxen nur f&uuml;r die Signalerzeugung.<\/p>\n<p>Auch f&uuml;r T&ouml;ne gab es schon Bausteine wie den AY-8910\/8912. Dieser konnte immerhin mehrstimmige reine Sinust&ouml;ne, sowie Rauschen erzeugen.? Auch hier reichte es die Parameter des Sounds zu &uuml;bermitteln und das Ger&auml;t k&uuml;mmerte sich um die Erzeugung. Auch f&uuml;r das Speichern der Daten auf die Floppy gab es eigene Bausteine wie den NEC 765 Kontroller. Trotzdem war damals fast nichts standardisiert: Fast jeder Hersteller hatte ein eigenes Format zum Speichern auf die Floppy. W&auml;hlbar waren Sektorgr&ouml;&szlig;e (256, 512, 1024 Bytes) Anzahl (5 bis 16) und Anzahl der Spuren (35-43). Das dies standardisiert war, machte auch tricks m&ouml;glich. So konnte mein Rechner nominell nur 40 Spuren anlegen. Wenn ich jedoch die Disketten mit 43 Spuren formatierte, gingen mehr Daten drauf und das Betriebssystem erkannte dies auch, wenn man ein Byte &auml;nderte.<\/p>\n<p>Andere Bausteine waren f&uuml;r die Standardschnittstellen Centronics und RS232 verf&uuml;gbar.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright\" src=\"http:\/\/www.bandhcomputers.co.uk\/tc01.jpg\" alt=\"Tatung Einstein\" width=\"250\" height=\"269\" align=\"right\" \/>Bleibt die Software: Die Computer waren noch so klein, dass wenige Personen, bei entsprechender Hingabe sogar ein einzelner. So programmierte Steven Wozniak das Apple OS und den Basic Interpreter selbst und Gary Kildall auch den Kern von CP\/M. Doch selbst bei anlegen von Industriema&szlig;st&auml;ben (pro Programmierer 10 Zeilen Code\/Tag) entspricht ein 32 KByte gro&szlig;es Betriebssystem mit Basicinterpreter nur etwa 800 Manntagen &#8211; vier Programmierer k&ouml;nnen es in einem Jahr erledigen. Ein Dutzend in einem halben Jahr.<\/p>\n<p>Damit hatte man alle Bausteine f&uuml;r einen Heimcomputer &#8211; schon eine kleine Firma konnte basierend auf den Standardbausteinen ein eigenes Modell kreieren und damit erfolgreich sein oder nicht. Es lag dann an der Unternehmenspolitik und den technischen Finessen &#8211; war das Ger&auml;t preisg&uuml;nstig (Commodore), leistungsf&auml;hig (CPC) oder hatte einen guten Leumund (Acorn BBC Computer).<\/p>\n<p>Der Rechner mit den wenigsten Chips war der Sinclair ZX81 &#8211; er bestand nur aus dem Prozessor, zwei RAM Bausteinen, einem ROM Baustein und einem eigenen Chip der die anderen Bausteine ersetzte.<\/p>\n<p>Bei der &Uuml;bergang zur 16 Bit Generation stieg die Rechenleistung an. Die Ger&auml;te konnten nun 1 MByte oder 16 MByte adressieren. Nat&uuml;rlich w&auml;re es m&ouml;glich einen Rechner so zu bauen wie einen 8 Bitter. Aber die Leute wollten dann mehr. Sinclair probierte das mit dem QL. Doch die Rechenleistung reichte aus f&uuml;r eine garfische Benutzeroberfl&auml;che, leistungsf&auml;higere Programmiersprachen oder ganz einfach Anwendungssoftware aus. Damit stiegen aber auch die Anforderungen an die Ger&auml;teentwicklung und die entwicklungskosten explodierten. Es gab nur noch wenige Hersteller die neben den &uuml;blichen IBM Kompatiblen auch noch andere 16 Bitter herstellen. Und die hatten dann auch noch Probleme als mit den 32 Bittern die entwicklungskosten weiter anstiegen. Anfang der neunziger Jahren gingen die letzten beiden &#8211; Atari und Commodore beide pleite.<\/p>\n<p>Heute kann man die Rechner von damals emulieren &#8211; und zwar nicht nur per Software, sondern dank FPGA sogar in Hardware und so wieder die alte Peripherie anschlie&szlig;en.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer wie ich in den Achtzigern seine Jugend verbrachte kann sich noch erinnern: die vielen verschiedenen Heimcomputer die es gab, wobei (um gleich mal eine Unterscheidung zu treffen) mich auf die 8-Bitter beschr&auml;nken will. Sicher fallen den meisten noch Namen wie die Amstrad CPC Serie, der legend&auml;re C64 oder der Sinclair Spektrum ein. 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