{"id":3708,"date":"2010-11-06T01:00:38","date_gmt":"2010-11-06T00:00:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=3708"},"modified":"2010-11-05T10:01:40","modified_gmt":"2010-11-05T09:01:40","slug":"wie-startet-man-raketentriebwerke","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2010\/11\/06\/wie-startet-man-raketentriebwerke\/","title":{"rendered":"Wie startet man Raketentriebwerke?"},"content":{"rendered":"\n<p>Eine interessante Frage, denn bis heute gilt der Startvorgang als der kritische Vorgang, bei dem am meisten schief gehen kann. Nicht umsonst geht der Trend dazu m&ouml;glichst wenige Triebwerke im Flug zu z&uuml;nden. Arbeiten wir uns in der Schwierigkeit nach oben.<\/p>\n<p>Druckgef&ouml;rderte Triebwerke mit hypergolen Triebstoffen: Heute in zahlreichen Satelliten eingesetzt, aber auch in einigen Oberstufen wie der EPS oder Delta. Die Technologie ist auch deswegen so verbreitet weil sie so einfach und zuverl&auml;ssig ist.<\/p>\n<p>Es reicht im Prinzip die Ventile zu &ouml;ffnen. Der Druck in den Tanks treibt den Treibstoff in die Leitungen. Bei Z&uuml;nden unter Schwerelosigkeit und nicht ganz vollen Tanks wird es schwieriger. Dann wird entweder durch ein dehnbares Diaphragma der Druck auf die Fl&uuml;ssigkeit ausge&uuml;bt, sodass es keine Gasblase geben kann (Das Druckgas ist nur in dem einen Teil der von dem Treibstoff durch eine Membran abgetrennt ist.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Es gibt kein aktives Treibstofff&ouml;rderungssystem. So kann wenig passieren &#8211; nun ja doch einiges. Der kritische Punkt ist der Start der Verbrennung. Es muss vermieden werden, dass diese zu abrupt startet und es dann eine Verbrennungsinstabilit&auml;t gibt. Zwar reagieren die Treibstoffe spontan und bilden kein hypergole Gemisch, trotzdem muss beim Start vermieden werden, dass die Temperatur zu schnell zu stark ansteigt und es zu einer Druckspitze kommt. Wenn dies passiert, dann kann es zu einem Feedbacksymptom kommen, wie dies bei L510 der Ariane 5 geschah. &Uuml;blicherweise wird dies so gemacht indem die Ventile zeitverz&ouml;gert ge&ouml;ffnet werden und wenn m&ouml;glich die Flussmenge langsam erh&ouml;ht wird (meistens nicht gegeben). Beim Start am Boden wird so das NTO Ventil zuerst ge&ouml;ffnet. Danach das des Hydrazins. So liegt NTO im &Uuml;berschuss beim Start vor, es verbrennt nur ein Teil und der Rest wirkt als &quot;K&uuml;hlmittel&quot; &#8211; er reagiert noch nicht nimmt aber W&auml;rme auf. Da NTO in der Luft ein braunes Gas bildet sieht man daher bei Ariane 1-4 oder der Titan 2 eine braune Wolke beim Start. (Hydrazin wird nicht als erstes vorgelegt, weil es giftig ist).<\/p>\n<p>Schwieriger ist der Start eines Triebwerks ohne hypergole Treibstoffe. Diese m&uuml;ssen entz&uuml;ndet werden. Die bei LOX\/Kerosin noch immer verbreitete Methode ist der hypergole Vorlauf. Substanzen wie Triethylaluminat entz&uuml;nden sich hypergol mit Sauerstoff. Sie werden entweder aus einem separaten Tank injiziert oder es gibt in den Tanks einen vrlauf oder die Treibstoffleistungen werden mit einer Membran blockiert in die der hypergole Vorlauf eingeschlossen ist. Sie wird durch den Treibstoffdruck dann gesprengt. So wurde dies bei der Saturn V gehandhabt.<\/p>\n<p>Hypergole Vorl&auml;ufe werden meist angewandt bei Triebwerken die nur einmal gez&uuml;ndet werden. Bei mehreren Z&uuml;ndungen oder bei fl&uuml;ssigem Wasserstoff als Treibstoff geht dies nicht. Die Temperatur von LH2 ist so niedrig dass alle hyerpgolen Substanzen zu Eis gefrieren w&uuml;rde. Es gibt mehrere Methoden. Eine sehr sichere ist eine Z&uuml;ndung durch ein eigenes Triebwerk. Also Festk&ouml;rpertriebwerke mit kurzer Brennzeit. Die hei&szlig;en Flammen entz&uuml;nden das Gas und sie k&ouml;nnen bei Triebwerken mit Gasgeneratorantrieb acuh das Startgas f&uuml;r den Betrieb des Gasgenerators liefern. Da man f&uuml;r mehrere Z&uuml;ndungen mehrere Triebwerke ben&ouml;tigt ist dort eher die Entz&uuml;ndung mit einer Flamme, induziert durch einen elektrischen Z&uuml;ndfunken verbreitet. Bei Triebwerken mit Expander Cycle ist dies sogar die normale Vorgehensweise.<\/p>\n<p>Das Problem ist es auch hier den Treibstoff zu entz&uuml;nden. Ist die Energie gering oder kommt die Flamme nicht direkt an den Treibstoffeinla&szlig;, so kann es sein, dass es zu keiner Z&uuml;ndung kommt. Das war die Ursache von zwei Fehlstarts bei der Ariane 2+3 (V15 und V18). Danach wurde das Triebwerk &uuml;berarbeitet und lieferte dreimal so viel Energie.<\/p>\n<p>&Uuml;ber die unterschiede beim Triebwerksstart geht es dann in einem neuen Blog.<\/p<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine interessante Frage, denn bis heute gilt der Startvorgang als der kritische Vorgang, bei dem am meisten schief gehen kann. Nicht umsonst geht der Trend dazu m&ouml;glichst wenige Triebwerke im Flug zu z&uuml;nden. Arbeiten wir uns in der Schwierigkeit nach oben. 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