{"id":3730,"date":"2010-11-10T01:37:04","date_gmt":"2010-11-10T00:37:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=3730"},"modified":"2010-11-09T18:24:02","modified_gmt":"2010-11-09T17:24:02","slug":"wie-startet-man-raketentriebwerke-teil-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2010\/11\/10\/wie-startet-man-raketentriebwerke-teil-2\/","title":{"rendered":"Wie startet man Raketentriebwerke &#8211; Teil 2"},"content":{"rendered":"<p>Teil 1 erkl&auml;rte wie ein Triebwerk, genauer gesagt, wie der Treibstoff in der Brennkammer gez&uuml;ndet wird. Bei einem druckgef&ouml;rderten Triebwerk ist damit alles gesagt. doch die meisten Triebwerke arbeiten nach einem anderen Prinzip.<\/p>\n<p>Ein druckgef&ouml;rdertes Triebwerk kann niemals einen Brennkammerdruck aufweisen, der h&ouml;her als der Druck in den Tanks ist. Damit ist dieser auf niedrige Werte von etwa 10 Bar begrenzt. Sonst w&uuml;rden die Tanks durch die dicken Wandst&auml;rken f&uuml;r den hohen Innendruck zu schwer. Damit nutzt man einen Teil der m&ouml;glichen Energie des Treibstoffs nicht aus und vor allem ist das Triebwerk vergleichsweise gro&szlig;: Je gr&ouml;&szlig;er der Brennkammerdruck, desto kleiner die Brennkammer und damit auch die D&uuml;se. Der Schub ist von dem Brennkammerdruck linear abh&auml;ngig und die Fl&auml;che der D&uuml;se stiegt ebenso linear an, wenn der Brennkammerdruck absinkt.<\/p>\n<p>Alle gr&ouml;&szlig;eren Triebwerke arbeiten mit einer Turbopumpenf&ouml;rderung. Eine Turbine die mit Hei&szlig;gas angetrieben wird, liefert die Energie f&uuml;r eine Pumpe welche den Treibstoff mit hohem Druck in die Brennkammer f&ouml;rdert. Es gibt verschiedene M&ouml;glichkeiten das Gas bereit zustellen. Aber vor allem ist die Sequenz wichtig:<!--more--><\/p>\n<p>Wenn die Turbopumpe zeitgleich mit dem Triebwerk anl&auml;uft, dann kann es vorkommen, dass der Brennkammerdruck rasch durch den verbrennenden Treibstoff ansteigt, rascher als sich der Druck durch die Turbopumpe aufbaut. Das kann dann zu R&uuml;ckkopplungen f&uuml;hren: Der steigende Druck f&uuml;hrt zu einem zu niedrigen Treibstofffluss, weil der Eingangsdruck nicht ausreicht viel Treibstoff in die Brennkammer einzuspritzen, das f&uuml;hrt zu einem Druckabfall und damit zu einem verst&auml;rkten Treibstofffluss, welcher wieder zu ienem Druckanstiegt f&uuml;hrt &#8211; das Triebwerk &#8222;pumpt&#8220; und das kann bis zur Explosion gehen.<\/p>\n<p>Um das zu verhindern, muss entweder dies verhindert werden oder der Start der Turbine vorher erfolgen. Fangen wir mit dem letzteren an. Wenn die Turbine schon l&auml;uft wenn die Treibstoffventile ge&ouml;ffnet werden, so k&ouml;nnen sie den Treibstoff schon mit Druck f&ouml;rdern. Es muss ja nicht die volle Leistung vorhanden sein, aber gen&uuml;gend um einen Druck aufzubauen der h&ouml;her als der bei der Z&uuml;ndung entstehende Druck ist. Ganz einfach war dies bei alten Triebwerken wie dem der A-4 oder den ersten bei der Sojus eingesetzten: Der Gasgenerator arbeitet dort mit katalytisch zersetztem Wasserstoffperoxid. Er war so von dem Treibstofff&ouml;rdersystem getrennt und konnte vorher gestartet werden. Der Gasgenerator lieferte dann das Arbeitsgas f&uuml;r die Turbine.<\/p>\n<p>Eine zweite Methode ist es zumindest f&uuml;r den Start ein eigenes Gassystem vorzusehen. Es haben sich hier mehrere Methoden etabliert: Die pyrotechnische Gaserzeugung durch eine kleine Kartusche mit festem Treibstoff die innerhalb einiger Sekunden abbrennt und so das Startgas liefert. Dies wird bei dem HM-7B, den Triebwerken der Titan II und dem J-2S eingesetzt. Der Nachteil ist das eine Kartusche nur einmal eingesetzt werden kann. Beim J-2S waren so drei Kartuschen vorgesehen um drei Starts zu erm&ouml;glichen. Sie m&uuml;ssen dann nat&uuml;rlich so abgeschirmt sein, dass die folgenden nicht den Treibstofffluss behindern und nicht durch die Hitze entz&uuml;ndet werden.<\/p>\n<p>Andere Startsysteme bei LOX\/RP-1 Triebwerke sind meist Kerosintanks f&uuml;r den Start: Das LOX Ventil wird zuerst ge&ouml;ffnet, das Kerosin aus dem Drucktank hinzugegeben und der Gasgenerator gestartet. Der Sauerstoff tritt in die Brennkammer ein, kann sich dort ohne Kerosin aber nicht entz&uuml;nden. Nun erst kommt das Kerosin hinzu und wird entz&uuml;ndet. Ein Triebwerk muss relativ schnell hochlaufen wenn diese Methode eingesetzt wird, weil sonst &uuml;ber Sekunden hinweg fl&uuml;ssiger Sauerstoff durch die Brennkammer flie&szlig;t und sich eine gro&szlig;e Menge ansammeln kann. Das Triebwerk der Blue Streak und das Triebwerk H-1\/RS-27 arbeiteten nach diesem Prinzip.<\/p>\n<p>Bei fl&uuml;ssigem Wasserstoff hat sich ein Starttank eingeb&uuml;rgert. Wasserstoff auf dem Druckgastank sorgt f&uuml;r eine gen&uuml;gend hohe Gasmenge um die Turbopumpe auf niedrige Drehzahlen zu bringen. Dies wird beim J-2 eingesetzt, aber auch beim Vinci Triebwerk. Unter bestimmten Umst&auml;nden kann der Tank auch nachgef&uuml;llt werden, indem hei&szlig;es Wasserstoffgas aus der K&uuml;hlung wieder in den Tank eingebracht wird. Das J-2 konnte so den Tank innerhalb von 30 s wieder auff&uuml;llen, es waren beliebig viele Z&uuml;ndungen m&ouml;glich, solange die Brenndauer mindestens 30 s betrug.<\/p>\n<p>Besser ist nat&uuml;rlich ein System ohne die Notwendigkeit zus&auml;tzliches Gas zuzusetzen. Das geschieht so beim Bootstrap Cycle. Durch den Tankdruck wird etwas Treibstoff gef&ouml;rdert. Er passiert nun das Gaserzeugungssystem und erzeugt ein Arbeitsgas, dass nun mehr Treibstoff f&ouml;rdert und so steigt der Druck an. Diese Triebwerke sind die am langsamsten startenden. Das Prinzip kann nur eingesetzt werden wenn es nicht einen Nebenkreislauf gibt, wie beim klassischen Gasgeneratorantrieb. Sonst w&uuml;rde viel Treibstoff in die Brennkammer gelangen bevor die Turbopumpe ihren Nominaldruck erreicht hat. So wird es bei Triebwerken, die nach dem Hauptstromverfahren arbeiten eingesetzt wie dem RL-10 oder SSME. Beim RL-10, das nachdem Expander Cycle arbeitet, passiert der ganze Wasserstoff die Brennkammerwand und verdampft und erzeugt so das Arbeitsgas f&uuml;r die Turbine. Da anfangs diese noch kalt ist, ist es aber auch hier &uuml;blich dieses System zu unterst&uuml;tzen, z.B. durch einen Druckgastank wie dies beim Vinci geschieht.<\/p>\n<p>Beim SSME wird Wasserstoff mit einem Teil des Sauerstoffs in einem Vorbrenner verbrannt und dieses Gas treibt dann die Turbopumpen an. Bas Gasgeneratoren ist dieser Start un&uuml;blich, weil normalerweise nur 1-4% des Treibstoffs abgezweigt wird und diese kleine Treibstoffmenge nicht ausreicht, gen&uuml;gend Arbeitsgas zu f&ouml;rdern, wenn der Tankdruck zu gering ist. (Die Regelung der Treibstoffmenge erfolgt sehr oft recht einfach durch die Dimensionierung der Leitungen: Hat die Hauptleitung zum Triebwerk 10 cm Durchmesser und die zum Gasgenerator 1 cm Durchmesser, so durchflie&szlig;t diese bei gleichem Druck eben nur 1% des Treibstoffs).<\/p>\n<hr \/>\n<p>Was gibt es sonst noch? Ich habe gestern mein erstes eigenes Exemplar des neuen Buches bekommen. Ich bin ganz zufrieden. Die Bilder sind etwas dunkel, aber der Kontrast ist in Ordnung. Der gl&auml;nzende Schutzumschlag sieht besser aus als der matte, denn ich fr&uuml;her genutzt habe und man sieht keine Tapper auf dem Umschlag.<\/p>\n<p>Beim Durchbl&auml;ttern fiel mir ?auf, wie viel drin steht. Das merkt man nicht so, wenn man ein Buch am Bildschirm liest und dann den Inhalt in zwei Jahren sicherlich mehrmals durchgelesen hat (zumindest an 5-6 mal kann ich mich erinnern) &#8211; da kommt einem vieles bekannt vor und man denkt das Buch enth&auml;lt nicht so viel Text, eben weil man alles schon kennt, aber beim Durchbl&auml;ttern von 352 Seiten, mit?kleiner?8 Punktschrift und dem?vergleich?mit anderen B&uuml;chern f&auml;llt es dann doch auf. ?(wer es genau wissen will: Es sind ?genau 83.633 Worte mit 555.294 Zeichen).<\/p>\n<p>Bei Amazon scheint die Schweiz &uuml;brigens einen Sonderstatus zu haben. Wie imemr gibt es f&uuml;r jeden am Buch Beteilligten ein Gratisexemplar. Kevin w&auml;hlte Band 1 des Raketenlexikons. Michel und Thomas bekamen das Buch zugeschickt. Da alles &#8222;on Demand&#8220; gedruckt wird, gibt es keine Gratisexemplare f&uuml;r mich und da kann ich dann direkt bei Amazon bestellen, da erst ab 6 Exemplaren der Staffelpreis beim Verlag geringer ist als der Verkaufspreis. Ich bestelle bei Amazon und hoffe damit auch die Eigenbestellung von Amazon anszusto&szlig;en, sonst steht da ewig lang &#8222;Wir informieren sie wann der Artikel verf&uuml;gbar ist&#8220;, was ja potentielle K&auml;ufer abschrecken k&ouml;nnte.<\/p>\n<p>Nun ja. Michel in Belgien bekommt sein Buch nach der Versandbest&auml;tigung von Amazon heute, also einen Tag nach mir, doch bis in die Schweiz dauert es &#8211; dort kommt es (ebenfalls nach der Versandbest&auml;tigung) erst am 15.ten an. Sehr komisch. Daf&uuml;r ist jede Bestellung in die Schweiz mit einem Rabatt gekennzeichnet (taucht in der Liste als &#8222;Geschenkgutschein&#8220; auf &#8211; nur habe ich keinen. Diesmal waren es 4,02 Euro &#8211; also bei 29,90 Euro schon 13,4% des Gesamtwerts). Sehr seltsam. Irgendwie ist bei der Schweiz alles anders&#8230;.<\/p>\n<p>Den obigen Artikel und den vorhergehenden &uuml;ber dasselbe Thema habe ich auch in die Website &uuml;bernommen und bei der Gelegenheit eine neue Sitemap erstellt. Dabei fiel mir auf, dass ich ohne es zu merken inzwischen die 1.000 Webseiten Grenze &uuml;berschritten habe. Gut, viele sind nur Navigationsseiten, aber es sind doch einige.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Teil 1 erkl&auml;rte wie ein Triebwerk, genauer gesagt, wie der Treibstoff in der Brennkammer gez&uuml;ndet wird. Bei einem druckgef&ouml;rderten Triebwerk ist damit alles gesagt. doch die meisten Triebwerke arbeiten nach einem anderen Prinzip. 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