{"id":3763,"date":"2010-11-17T01:44:15","date_gmt":"2010-11-17T00:44:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=3763"},"modified":"2010-11-16T15:45:03","modified_gmt":"2010-11-16T14:45:03","slug":"mission-to-mars-teil-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2010\/11\/17\/mission-to-mars-teil-3\/","title":{"rendered":"Mission to Mars Teil 3"},"content":{"rendered":"<p>Im heutigen, vorletzten Teil geht es um die Logistik des Fluges. Bei den bisherigen bemannten Fl&uuml;gen wurde immer auf die Minimierung der Risiken geachtet. Das wird auch bei einer Marsmission so sein. Dies wird sich auch im Zeitplan niederschlagen. Eine Mission zum Mars unterscheidet sich von denen zum Mond dahingehend, dass es nicht m&ouml;glich ist die gesamte Ausr&uuml;stung zu transportieren. Es ist eher vergleichbar dem Aufbau der ISS, nur dass Starts nur alle zwei Jahre in einem Starfenster von etwa 4 Wochen Dauer m&ouml;glich sind. Es gibt verschiede Pl&auml;ne f&uuml;r eine Marsmission (meinen habe ich in Teil 1-2 schon teilweise vorgestellt). aber alle erfordern gro&szlig;e Mengen an Fracht. Je nach Plan 600 &#8211; 1000 t in einen Erdorbit. Damit werden selbst bei Schwerlastraketen vom Typ Ares V mehrere Fl&uuml;ge n&ouml;tig. Ich habe die Ares V einmal als Basis genommen und als Berechnungsgrundlage. Sie sollte meinen Berechnungen zufolge etwa 49 t zum Mars entsenden k&ouml;nnen. Davon bin ich folgenden ausgegangen.<\/p>\n<p>Flug 1: Wohnung(en): Ich hab ja schon erl&auml;utert, dass es wenn man die bisherigen Erfahrungen von Marsmissionen nimmt, wie gro&szlig; die Schutzschilde im Vergleich zu der Masse war, es problematisch wird eine sehr gro&szlig;e Masse zu landen. Das kann nat&uuml;rlich falsch sein, schlie&szlig;lich stand der Platz ja f&uuml;r gro&szlig;e Schilde zur Verf&uuml;gung und so wurden diese einfach so gro&szlig; dimensioniert. Weiterhin gibt es durch den Eintrittskurs nat&uuml;rlich noch die M&ouml;glichkeit die Abbremsung zu variieren und auch die Ann&auml;herungsgeschwindigkeit kann bei einem g&uuml;nstigen Startfenster reduziert werden. Ich gehe im folgenden aber trotzdem von zwei Wohnbl&ouml;cken in eigenen Hitzschutzschilden aus. Sie sind verbunden durch eine Transferstufe, die w&auml;hrend der interplanetaren Reise die Kommunikation und Kurskorrekturen &uuml;bernimmt und nach der Abtrennung in einen Marsobrit eintritt und als Kommunikationsrelay dient.<!--more--><\/p>\n<p>Jeder Lander hat beim Start einen Durchmesser von 9,00 m, wiegt beim Start 22 t und enth&auml;lt einen Wohnblock von 6 m Durchmesser und rund 14-15 t Gewicht. Ein Block ist Wohnquartier f&uuml;r die Astronauten. Das zweite Arbeitsraum. Es wird beengt sein, denn die Fl&auml;che betr&auml;gt nur 28 m? pro Block. Auf dem Dach tr&auml;gt jeder Block Solarzellen und eine Kommunikationsantenne. 10 RTG nach Sterling Prinzip )SRTG) liefern 1,23 kW Grundleistung und vor allem 11 kW thermische Leistung zur Beheizung der Wohnbl&ouml;cke. Die Solarzellen auf dem Dach k&ouml;nnen je nach Sonnenstand weitere 4 kW elektrische Leistung liefern, die in Batterien gespeichert wird.<\/p>\n<p>Die Landung erfolgt durch aerodynamische Abbremsung und am Schluss durch kleine Raketentriebwerke. Fallschirme machen bei der gro&szlig;en Masse keinen Sinn mehr, sie m&uuml;ssten um wirksam zu sein enorm gro&szlig; sein.<\/p>\n<p>Dabei stellt sich die Frage wie die Landeelemente (es gibt ja mehrere davon) nahe beieinander platziert werden. Nun ganz einfach: durch GPS. Das System funktioniert auf dem Mars genauso wie auf der Erde. Nur muss es in einem kleineren Ma&szlig;stab aufgezogen werden. Auf der Erde werden je nach System zwischen 24 und 30 Satelliten ben&ouml;tigt, weil es auf der ganzen Erde funktionieren soll und auch sehr hohe Genauigkeiten (bis auf wenige Meter genau) erreichbar sein sollen. Dazu braucht man viele Satelliten um die globale Abdeckung zu gew&auml;hrleisten und mehr als drei Satelliten im Empfangsbereich um eine hohe Genauigkeit zu erreichen. Auf dem Mars d&uuml;rfte es reichen, die Blocks in Fussmarschentfernung zu platzieren. 30 m Genauigkeit erreicht GPS aber mit drei Satelliten. Und da wir das System nur an einem Ort ben&ouml;tigen, w&uuml;rde ein System aus drei Satelliten auf einer geostation&auml;ren Bahn (aber mit unterschiedlichen Inklinationen) ausreichen. Eine Ariane 5 ECB k&ouml;nnte drei Satelliten des Galileo Systems in eine 24,6 h Bahn um den Mars bef&ouml;rdern. Sie liefern dort die GPS Daten. Optimale (mit der h&ouml;chsten Genauigkeit) w&auml;hrend eines kurzen Zeitraums pro Tag, aber grundlegende dauerhaft. Zwei Satelliten w&auml;ren dann in einer 17.020 km hohen &auml;quatorialen Umlaufbahn, 60 Grad voneinander entfernt und ein Dritter in einer geneigten Umlaufbahn ebenfalls in 17.020 km H&ouml;he. W&auml;hrend der Zeit der maximalen Entfernung vom &Auml;quator (zweimal pro Tag) gibt es optimale Genauigkeit. An diesen Zeitpunkt muss der Landezeitpunkt angepasst werden.<\/p>\n<p>Die beim Start 5 t schwere Zwischenstufe welche die beiden Lander verbindet, wird nach deren Abtrennung in einen 24,6 h Marsorbit eintreten und danach als Kommunikationsrelay dienen. Bei einer Geschwindigkeitskorrektur von 150 m\/s w&auml;hrend der Reise kann noch ein 1 t schwerer Orbiter (plus 500 kg f&uuml;r die Raketenstufe) in einen geosynchronen Orbit abgesetzt werden.<\/p>\n<p>Die Wohnungen sollten ein Startfenster (26 Monate vor der Landung) gestartet werden. Das gleiche gilt f&uuml;r den zweiten Teil: Vorr&auml;te und schweres Ger&auml;t. Da die Wohnungen sofort bezugsfertig sein m&uuml;ssen und der begrenzte Wohnraum zur Verf&uuml;gung stehen muss, wird er separat gestartet. Es bietet sich an die gleichen Module zu verwenden, nur eben ohne Einrichtung und nicht druckdicht mit erheblich leichterer Struktur. Das vereinfacht das ganze, denn so k&ouml;nnen die Landemodule und auch die Transferstufe wiederverwendet werden. Eines der Module enth&auml;lt die Vorr&auml;te. Das andere das schwere Ger&auml;t inklusive eines Marsmobils. Die Vorr&auml;te m&uuml;ssen f&uuml;r mindestens 550 Tage reichen. Bei 3 l Wasser pro Person und Tag (f&uuml;r Atemluft und Trinkwasser, Brauchwasser wird recycelt) werden 10 t Wasser ben&ouml;tigt. Dazu kommen noch 3 t Essen. Das Wasser dient auch als Strahlenschutz und wird in das Dach der Wohnung umgepumpt.<\/p>\n<p>Diese Mission erfolgt ebenfalls ein Startfenster vor der Landung. Vier Wochen stehen zur Verf&uuml;hrung um diese beiden Missionen zu starten. Auch hier kann die Verbindungsstufe zwischen beiden Landern f&uuml;r einen Orbiter genutzt werden. Diesmal einen in einer niedrigen Umlaufbahn, der einmal pro Tag das Landegebiet &uuml;berfliegt und genutzt wird um mit hochaufl&ouml;senden Kameras und Spektrometern, Radarger&auml;ten die Mission zu unterst&uuml;tzen um Aufnahmen des Landegebiets zu machen und die Routen zu planen.<\/p>\n<p>Die dritte Mission landet die R&uuml;ckkehrstufe samt einer Kapsel. Bei einer Landemasse von 33 t kann eine 3 t schwere Kapsel in einen Orbit bef&ouml;rdert werden. Der Start erfolgt im gleichen Jahr wie bei der Landung.<\/p>\n<p>Die Besatzung selbst ben&ouml;tigt zwei Starts: Einen f&uuml;r die Wohnstation f&uuml;r die Interplanetare Reise und einen zweiten f&uuml;r die Raketenstufe. Die Raketenstufe mit 49 t Start und 5 t Leergewicht bef&ouml;rdert die Station ein einen 200 x 34000 km Orbit um den Mars und zur&uuml;ck. (wie bei der R&uuml;ckstartstufe werden lagerf&auml;hige Treibstoffe mit einem spezifischen Impuls von 3.150 eingesetzt). Das eigentliche Wohnmodul wiegt 35 t, dazu kommen 4 t Vorr&auml;te und Wasser und eine 10 t schwere Landestufe mit einer Kapsel.<\/p>\n<p>Insgesamt werden so f&uuml;nf Starts der Ares V ben&ouml;tigt. Vier erfolgen davon unbemannt, zwei 26 Monate vor der Landung. Ein Start sollte innerhalb von vierWochen erfolgen k&ouml;nnen. So lange dauert ein Startfenster. W&auml;hrend des Startfensters startet zuerst die Landestufe, dann die Raketenstufe und zuletzt die Mannschaft mit ihrem Modul. Sollte einer der Starts fehlschlagen, so kann so das ganze Unternehmen noch abgeblasen werden. W&auml;hrend die Landestufe autonom zum Mars unterwegs ist, koppelt die Besatzung an die Raketenstufe an und eine weitere Z&uuml;ndung der dritten Stufe bringt sie dann auf den Marskurs. Das letztere ist das eigentlich zeitkritische: Es m&uuml;ssen wegen des kryogenen Treibstoffs in der Ares V Stufe die beiden Starts in einem sehr engen zeitlichen Rahmen erfolgen m&uuml;ssen. Aber schlie&szlig;lich hat LC39 ja zwei Startrampen. Nach 6-10 Monaten erreicht sie den Mars. Die Raketenstufe bremst in einen 200 x 34000 km Orbit ein. Dort steigt die Besatzung in eine Landekapsel um. Sie landet in der N&auml;he der Wohnbehausung. In der ersten Zeit baut sie das Solararray f&uuml;r die Stromversorgung auf, richtet die Wohnung ein, l&auml;dt Vorr&auml;te um und Ger&auml;tschaften aus. Danach beginnt die Exkursion der Umgebung. Zuerst in der N&auml;he, dann immer weiter entfernt. Eventuell (es wird vom Gewicht her knapp) ist ein Wohnmobil m&ouml;glich, dass Fahrten &uuml;ber die Distanz hinaus erlaubt bei der innerhalb eines Tages die Station erreicht wird. Schlie&szlig;lich muss die Besatzung irgendwo relaxen, schlafen oder auch nur mal die Raumanz&uuml;ge ausziehen k&ouml;nnen. Der Aufenthalt dauert aus himmelsmechanischen Gr&uuml;nden etwa 500 bis 550 Tage. Danach l&auml;dt die Besatzung die Gesteinsproben in die R&uuml;ckkehrkapsel, besteigt diese und steigt zur Station auf. Sie koppelt dort an und verl&auml;sst mit einer Z&uuml;ndung den Mars. Weitere sieben Monate sp&auml;ter trennt sie die R&uuml;ckkehrkapsel ab und landet direkt auf der Erde, die Station schl&auml;gt eine Sonnenumlaufbahn an.<\/p>\n<p>Im letzten Teil kommt die Begr&uuml;ndung warum ich diese Mission so designt habe und nicht anders und welche Alternativen ich aus welchen Gr&uuml;nden verworfen habe. Morgen gibt es einen Beitrag &uuml;ber das Fernsehprogramm 2020.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im heutigen, vorletzten Teil geht es um die Logistik des Fluges. Bei den bisherigen bemannten Fl&uuml;gen wurde immer auf die Minimierung der Risiken geachtet. Das wird auch bei einer Marsmission so sein. Dies wird sich auch im Zeitplan niederschlagen. 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