{"id":3808,"date":"2010-11-27T01:47:12","date_gmt":"2010-11-27T00:47:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=3808"},"modified":"2010-11-24T16:12:05","modified_gmt":"2010-11-24T15:12:05","slug":"ed-roberts-und-mits","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2010\/11\/27\/ed-roberts-und-mits\/","title":{"rendered":"Ed Roberts und MITS"},"content":{"rendered":"<p>Ich habe nun parallel zu meinem Ern&auml;hrungsbuch, weil ich mich doch damit in letzter Zeit verst&auml;rkt damit besch&auml;ftigt habe, nun angefangen am &uuml;bern&auml;chsten Buch &#8222;Computergeschichte(n)&#8220; zu arbeiten. Ich fing also an bei den Anf&auml;ngen &#8211; Ed Roberts und dem Altair 8800. Dabei habe ich festgestellt, das Ed Roberts am 1.4.2010 gestorben ist.<\/p>\n<p>Diese Meldung ging zwar in Deutschland &uuml;ber den Heise Ticker, aber sie erschien nicht in der ct und ich vermute auch nicht in anderen Fachzeitschriften. Das ist nicht das erste Mal. Auch der Tod von Gary Kildall 1994 wurde nirgends gew&uuml;rdigt. Ich finde das ziemlich traurig. Fachzeitschriften ist eine neue Chipsatzrevisioon von Intel mehrere Seiten Tests wert &#8211; von Boards die in ein paar Monaten nicht mehr erh&auml;ltlich sind, aber die Personen, die diese Industrie erst begr&uuml;ndet haben sind keine Zeile wert.<!--more--><\/p>\n<p>Das unterscheidet sich ziemlich von dem Bewusstsein, das echte Wissenschaften haben. In der Chemie wird das Andenken an Forscher gepflegt. Anekdoten bereichern die Vorlesungen. Vorlesungss&auml;le wurden bei uns nach deutschen Chemikern benannt und Reaktionsformeln oder Typen werden nach Chemikern benannt. (wer sich mit Ethern besch&auml;ftigt sollte z.B. auf die Staudinger-Explosionen achten&#8230;.).<\/p>\n<p>Die Computerwissenschaft (sofern man sie &uuml;berhaupt so nennen kann) hat ein Bewusstsein f&uuml;r Leistungen und Geschichte. Es ist eben keine echte Wissenschaft sondern nur Technik und in Technik gibt es keine herausragenden Pers&ouml;nlichkeiten. Im Gegenteil: Wer es weit gebracht hat wird meist kritisiert wie Bill Gates oder Steve Jobs.<\/p>\n<p>Was ist das Verdienst von Ed Roberts? Um es kurz zu fassen &#8211; er erkannte, dass man um den 8080 Prozessor ein Computersystem bauen kann. Er entwickelte ein rudiment&auml;res System, das er preiswert verkaufen konnte. Der niedrige Preis und das er der Erste war, das waren die Gr&uuml;nde f&uuml;r den Erfolg. W&auml;re er sp&auml;ter auf den Markt getreten oder der zweite gewesen, wohl sicher heute vergessen gewesen.<\/p>\n<p>Ich habe meinen Artikel &uuml;ber Ed Roberts und den Altair aktualisiert. Daher an dieser Stelle nur einige Punkte. Ed Roberts war der einzige mit einem Abschluss in Elektronik in seiner Firma. Das ergab zahlreiche M&auml;ngel im Design des Altairs. So mussten die Basisplatinen durch jeweils 100 Dr&auml;hte verbunden werden. Die CPU Platine hatte bei den Steckern ein von den Steckern auf der Basisplatine abweichendes Raster (0,15 und 0,156 Zoll), Spannungen mussten jeweils auf den Karten von der Netzteilspannung generiert werden und und und&#8230;<\/p>\n<p>Sie verz&ouml;gerten die Auslieferung der ersten Altairs auf M&auml;rz 1975 und die ersten waren dann oft fehlerhaft und mussten repariert werden. Sp&auml;ter hatte MITS Probleme bei den 4 KByte Speicherkarten die notwendig waren um die einzige kommerziell verf&uuml;gbare Software einzusetzen &#8211; das Altair BASIC.<\/p>\n<p>Sehr bald kamen daher Fremdhersteller auf den Plan. Sie boten funktionierende Speicherkarten an (Processor Technologies), Erweiterungskarten die MITS nicht anbot (Cromenco: &#8222;Dazzler&#8220; Karte f&uuml;r Grafik) oder bauten einen Clone, der mechanisch und elektrisch besser als der Altair 8800 war (IMSAI 8080). Letztere wurden durch die MITS Politik ja sogar dazu gedr&auml;ngt &#8211; sie brauchten die Altairs als Terminal, aber Vorauskasse und 90 Tage Lieferzeit sind bei Gesch&auml;ftskontakten nicht gerade &uuml;blich und sprechen f&uuml;r eine Firma die zuverl&auml;ssig ist. Ed Roberts bezeichnete diese als Parasiten und Schmarotzer die von seiner Idee profitierten. Wie sp&auml;ter andere Computerpioniere erkannte er nicht, dass im Endeffekt diese Vielfalt den Markt vergr&ouml;&szlig;erte &#8211; schlussendlich war der Altair in der Grundausstattung ein Ger&auml;t nur f&uuml;r Elektroniknerds, die nicht davon zur&uuml;ckscheuten jedes Programm beim Start &uuml;ber 8 Bin&auml;rschalter einzugeben. Ach ja ein Betriebssystem gab es nicht, nur die Ausgabe eines Bytes in bin&auml;rer Form durch LED an der Frontblende. Erst durch die Erweiterungen war der Rechner f&uuml;r viel benutzbar.<\/p>\n<p>Ed Roberts war kein Gesch&auml;ftsmann. So bestand er darauf dass ein H&auml;ndler nur Altairs verkaufen d&uuml;rfte, keine Peripherie von Fremdherstellern oder Konkurrenzger&auml;te. So beschneidet man den Markt k&uuml;nstlich. Er konnte sich auch nicht von den Kits l&ouml;sen, die MITS bisher produzierte und den eigentlich folgerichtigen Schritt zu einem vollwertigen Computer, also einem mit Tastatur, Monitoranschluss und Massenspeicher erfolgte nicht. Dieses Privileg kommt daher dem &#8222;Sol&#8220; von Processor Technologies. Stattdessen entwickelte er auch ein Kit auf Basis des MC 6800.<\/p>\n<p>Das zeigte sich auch bei dem Vertreib von BASIC. Wie bekannt, programmierten Bill Gates und Paul Allen das BASIC f&uuml;r den Altair. Der Vertrag sah vor dass MITS das exklusive Recht f&uuml;r den Vertreib von BASIC hatte (wohlgemerkt BASIC und nicht nur f&uuml;r den Altair). Micro-Soft erhielt eine Beteiligung f&uuml;r jede verkaufte Kopie mit einer Kappung bei 180.000 $. Doch Micro-Soft wurde damit nicht gl&uuml;cklich. Bill Gates machte Softwarepiraterie durch den Homebrew Computerclub verantwortlich. Doch der Hauptverantwortliche war Ed Roberts und MITS. MITS konnte die 4 KByte Speicherkarten nicht zum Arbeiten bringen. Mit diesen wurde aber das BASIC vertrieben. Es kostete ohne die Karten mehr als mit Karte. Logisch dass dies erst recht die Piraterie f&ouml;rderte. Noch schlimmer: Es gab Anfragen anderer Firmen nach Lizenzen. Firmen die nicht in Konkurrenz zu MITS standen sondern z.B. das BASIC f&uuml;r gr&ouml;&szlig;ere Computer brauchten oder nur auf dem japanischen Markt ans&auml;ssig waren. Roberts sah jedoch in jeder Firma die einen Computer herstellte als einen Konkurrenten und lizenzierte kein einziges BASIC.<\/p>\n<p>Er erkannte bald, das BASIC das wichtigste Pfund war mit dem MITS wuchern konnte &#8211; es war die einzige vorhandene Anwendungssoftware und zugleich Betriebssystem (sp&auml;ter gab es auch ein Disc BASIC). Er sprang rechtzeitig ab. im Mai 1977 verkaufte er MITS an Pertec, einen Hersteller von Speicherger&auml;ten. Pertec befand dass der Name &#8222;Altair&#8220; zu sehr nach Hobbyisten kl&auml;nge und stellte die Produktion ein. Das bewog auch Gates und Allen, die trotz einiger Konflikte z&ouml;gerten den Vertrag mit MITS zu l&ouml;sen auch dagegen zu prozessieren. Sie gewannen &#8211; da MITS erwiesenerma&szlig;en eine Bestimmung &#8222;ihr m&ouml;glichstes zu tun um BASIC zu verbreiten&#8220; verletzt hatten,<\/p>\n<p>Der Rest ist Geschichte. Am 1.4.2010 starb Ed Roberts im Alter von 68 Jahren an den Folgen einer Lungenentz&uuml;ndung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich habe nun parallel zu meinem Ern&auml;hrungsbuch, weil ich mich doch damit in letzter Zeit verst&auml;rkt damit besch&auml;ftigt habe, nun angefangen am &uuml;bern&auml;chsten Buch &#8222;Computergeschichte(n)&#8220; zu arbeiten. 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