{"id":382,"date":"2008-10-08T10:48:40","date_gmt":"2008-10-08T08:48:40","guid":{"rendered":"http:\/\/bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=382"},"modified":"2008-10-08T10:48:40","modified_gmt":"2008-10-08T08:48:40","slug":"planetensonden-als-piggyback-nutzlast","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2008\/10\/08\/planetensonden-als-piggyback-nutzlast\/","title":{"rendered":"Planetensonden als Piggyback-Nutzlast"},"content":{"rendered":"\n<p>Im letzten ESA Journal habe ich von Satelliten gelesen, die von Studenten gebaut werden und wie die ESA diese Projekte f&ouml;rdert. Darunter ist auch das Projekt eines <a href=\"http:\/\/www.esa.int\/esaED\/SEML0MPR4CF_index_0.html\">Mondorbiters<\/a>, als Sekund&auml;rnutzlast f&uuml;r eine Ariane 5. Das w&auml;re wohl dann die erste Raumsonde, die nicht von einem staatlichen Institut gebaut wurde.<\/p>\n<p>Dann habe ich noch beim Recherchieren &uuml;ber die Triebwerke des ATV bei EADS ein Triebwerk gefunden, das f&uuml;r Satelliten gedacht ist, und mit Wasserstoff\/Sauerstoff arbeitet. Der spezifische Impuls ist nicht so gro&szlig;, er liegt im Mittel bei 4060 m\/s. Aber das ist immerhin noch ein Drittel mehr als bei Triebwerken mit MMH\/NTO.<\/p>\n<p>Da dachte ich mir: K&ouml;nnte man diese Technologien nicht kombinieren um preiswerte Mond-, Venus- und Marssonden zu kreieren?<\/p>\n<p> <!--more--><\/p>\n<p>Am offensichtlichsten ist dies bei einer Mondsonde. Die Flugzeit von weniger als 4 Tagen zum Mond ist noch eine Zeit bei der man mit Isolation und r&auml;umlicher Ausrichtung der Sonde den Treibstoff Wasserstoff und Sauerstoff fl&uuml;ssig halten kann. Im geostation&auml;ren Transfer-Orbit hat ein Satellit eine Geschwindigkeit von 10200 m\/s. Mit 750 m\/s mehr kommt man auf eine Transferbahn zum Mond. Dort braucht man weiteren Treibstoff um eine Mondumlaufbahn zu erreichen. Mindestens 700 m\/s. Besser sind 800 m\/s. Dann hat man Spielraum f&uuml;r eine etwas schnellere Ankunft und Verluste durch verdampfenden Treibstoff. Eine Raumsonde die beim Start 600 kg wiegt (Maximum f&uuml;r die zweite Version der ASAP), wiegt nach Verbrauch des Treibstoffs f&uuml;r 1550 m\/s Geschwindigkeits&auml;nderung noch 409 kg &#8211; Das ist ein Gewicht, das einige M&ouml;glichkeiten f&uuml;r die Instrumentierung l&auml;sst. Smart-1 wog mit 370 kg deutlich weniger. Die Aufrechterhaltung des Orbits m&uuml;sste dann mit einem Ionenantrieb erfolgen.<\/p>\n<p>Bei einem lagerf&auml;higen Treibstoff (MMH\/NTO) w&auml;re das Trockengewicht mit 363 kg geringer, ber&uuml;cksichtigt man das die Tanks auch etwas gr&ouml;&szlig;er sind, so resultiert ein Unterschied von 50 kg &#8211; nicht viel, aber nicht zu verachten. In etwa die gleiche Nutzlast resultiert auch f&uuml;r einen Flug zu Venus oder Mars. Das h&auml;ngt von der Position ab. Dort m&uuml;sste die Raumsonde dann noch konventionell abbremsen &#8211; mit Aerobraking und einem chemischen Antrieb. 800 m\/s daf&uuml;r w&uuml;rden immerhin noch etwa 320 kg in einem Orbit um Mars oder Venus platzieren. Das entspricht dann einer Trockenmasse von etwa 260-270 kg ohne Antriebssystem. <\/p>\n<p>Das sind dann sicherlich keine Raumsonden mit 8-10 Instrumenten, doch 3-4 gut ausgew&auml;hlte Instrumente w&auml;ren dann noch drin. oder man nutzt sie nur als Relay f&uuml;r eine Landesonde wie das MSL oder Exomars.<\/p>\n<p>Das attraktive sind die Startkosten: Wenn eine Sekund&auml;rnutzlast bei Arianespace genauso viel kostet (pro Kilo) wie die Hauptnutzlast, so m&uuml;ssten 600 kg f&uuml;r unter 8 Millionen Euro in den GTO Orbit&nbsp; gelangen. So billig ist keine russische Rakete (bei der man noch eine zus&auml;tzliche Oberstufe br&auml;uchte, die nat&uuml;rlich zus&auml;tzliche Kosten aufwirft) . Bislang ist der preiswerteste verf&uuml;gbare Tr&auml;ger eine <a href=\"\/sojus.shtml\">Sojus<\/a> mit 50 Millionen $ also etwa 35 Millionen Euro pro Start. Preiswertere Tr&auml;ger wie <a href=\"\/dnepr.shtml\">Dnepr<\/a>, <a href=\"\/rockot.shtml\">Rockot<\/a> transportieren keine Nutzlast in planetare Umlaufbahnen oder die n&ouml;tige Oberstufe frisst jede Einsparung ein. US Tr&auml;ger sind noch teurer. Bei den chinesischen Tr&auml;gerraketen offeriert die LM-3\/4 zwar etwa 1100-1400 kg in den GTO Orbit, aber auch zu preisen von 25-45 Millionen Dollar. Man mag es kaum glauben&#8230; Ariane 5 ist die billigste M&ouml;glichkeit des Transports!<\/p>\n<p>Der niedrige Startpreis erlaubt es eine neue Kategorie von Raumsonden zu etablieren &#8211; klein und preiswert mit beschr&auml;nkter Instrumentierung. Das ist ja so neu nicht. das Discovery Programm hatte ja auch die Zielsetzung. Doch da die USA niemals &uuml;ber einen Tr&auml;ger verf&uuml;gten der unterhalb der Delta lag und f&auml;hig war planetare Umlaufbahnen zu erreichen blieb es bei einem Versuch: Lunar Prospektor: Obgleich nur 160 kg Trockengewicht kostete der Start dieser 20-25 Millionen Dollar. Das Gesamtprojekt hatte einen Umfang von 63 Millionen Dollar. Der Start macht alleine 40 % der Startkosten aus &#8211; recht viel f&uuml;r eine Planetensonde, bei der normalerweise nur etwa 20 % &uuml;blich sind. Das d&uuml;rfte der Grund gewesen sein, dass es bei dieser einen Sonde bleib. Die Piggybacknutzlast offeriert hier mehr M&ouml;glichkeiten:<\/p>\n<ul>\n<li>Der Start ist billiger<\/li>\n<li>Es gibt zahlreiche M&ouml;glichkeiten f&uuml;r den Start &#8211; immer dann wenn ein Ariane 5 Start unter 9000 kg Nutzlast erfolgt.<\/li>\n<li>Man kann mehr Risiken eingehen &#8211; Es wird nicht so viel Geld bei einer gescheiterten Mission kaputt gemacht.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Der preiswerte Start machte eine Wiederholung der Mission einfach m&ouml;glich: Man kann bei der Entwicklung mehr Risiken eingehen oder einen Sondentyp entwickeln und diesen unterschiedlich instrumentiert zu Mars, Mond und Venus schicken. Andere denkbare Missionen w&auml;ren Kurzzeitmissionen vor allem zur Venus. Ich habe vor einiger Zeit mal eine <a href=\"\/venus-landesonde.shtml\"> Venus Sonde<\/a> skizziert, die vor allem beim Abstieg Bilder machen soll &#8211; damit man wei&szlig; wie die Venusoberfl&auml;che aussieht. Das ist ein typisches Projekt: Eine derartige Kapsel &uuml;berlebt auf der Venus h&ouml;chstens ein paar Stunden. Selbst wenn es m&ouml;glich w&auml;re sie billig herzustellen, so stehen dem die Startkosten entgegen. Kleine &Uuml;berschlagsrechnung: Ein Start von der Erde auf eine &Uuml;bergangsbahn zur Venus mit minimaler Bahnenergie (11.4 km\/s) l&auml;sst noch 445 kg &uuml;brig. Davon entfallen etwa 420 kg auf den Bus mit der Sonde. Die gro&szlig;e Pioneer Venus Sonde wog 317 kg. Das l&auml;sst nur etwa 100 kg f&uuml;r einen Bus &uuml;brig. Das ist wenig, aber es reicht doch f&uuml;r eine kleine 1 m Parabolantenne zum Empfang der Daten. Der Bus ist n&ouml;tig zum Datentransfer, weil es auf der Erde nicht m&ouml;glich ist gro&szlig;e Datenmengen mit einer Rundstrahlantenne (und eine andere ist bei einer Abstiegssonde nicht m&ouml;glich) zu empfangen.<\/p>\n<p>Bei 3 Stunden maximaler Sendezeit und 25 Watt Sendeleistung im X-Band k&ouml;nnte die Abstiegssonde anfangs 14 KBit\/s &uuml;bertragen. Nach einer Stunde, wenn die Oberfl&auml;che erreicht ist w&auml;ren es schon 24 KBit\/s. Bei 30 Minuten nutzbarer Sendezeit bis zum Abstieg k&ouml;nnte man bei JPEG Komprimierung 1:8 etwa 36 Bilder im Format 1024 x 1024 S\/W &uuml;bertragen. Nach der Landung (wenn die Sonde sie &uuml;berlebt) noch mehr, z.B. vorher gespeicherte Daten. Bei adaptiver Anpassung an die Entfernung w&auml;re die Datenrate sogar noch h&ouml;her. Nicht viel, aber Venera 13+14 machten auch nur einige Aufnahmen von der Venusoberfl&auml;che und das ist alles was wir heute haben. Alternativ kann man auch den Bus so verz&ouml;gern, dass er nur wenige Minuten nach der Landesonde an der Venus vorbeifliegt. Man verschenkt dann zwar die M&ouml;glichkeit nach der Landung Daten zu &uuml;bertragen (eventuell &uuml;berlebt aber auch die Sonde das nicht), aber die Distanz w&auml;re n&auml;her und die Datenrate w&uuml;rde bei 90 Minuten maximaler Sendezeit schon auf 90 KBit\/s steigen. <\/p>\n<p>Alternativ k&ouml;nnte man Ballone in der Atmosph&auml;re aussetzen. Auch diese sind leichtgewichtig genug, um mit einer kleinen Sonde transportiert zu werden. Die VeGa Ballone wogen nur etwa 25 kg. Dazu k&auml;me noch ein Hitzeschutzschild, da diese sekund&auml;rnutzlast waren. Doch selbst bei 50 kg pro Ballon k&ouml;nnen so leicht 4 von einer kleinen Sonde transportiert werden. Eine Mail hat mich dann noch an das Marsnet erinnert &#8211; eine Kette von Penetratoren oder Landesonden auf dem Mars. Auch Penetratoren sind Kurzzeitmissionen. Die Deep Space Penetratoren wogen 3.6 kg, die von Mars 96 46 kg. Doch selbst bei 46 kg Gewicht k&ouml;nnte ein etwa 100 kg schwerer Bus immerhin noch etwa 4-5 dieser Penetratoren zum Mars transportieren. Mehrere diese einfachen Sonden erg&auml;ben dann ein Netzwerk &uuml;ber den Planeten mit meteorologischen und geochemischen Informationen von zahlreichen Stellen.<\/p>\n<p>Klingt doch nach einer interessanten Idee oder? <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im letzten ESA Journal habe ich von Satelliten gelesen, die von Studenten gebaut werden und wie die ESA diese Projekte f&ouml;rdert. Darunter ist auch das Projekt eines Mondorbiters, als Sekund&auml;rnutzlast f&uuml;r eine Ariane 5. Das w&auml;re wohl dann die erste Raumsonde, die nicht von einem staatlichen Institut gebaut wurde. 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