{"id":4259,"date":"2011-02-05T00:05:03","date_gmt":"2011-02-04T23:05:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=4259"},"modified":"2011-02-04T22:06:52","modified_gmt":"2011-02-04T21:06:52","slug":"kohlemwasserstoffe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2011\/02\/05\/kohlemwasserstoffe\/","title":{"rendered":"Kohlemwasserstoffe"},"content":{"rendered":"<p>So mangels neuer Blogthemen fange ich mal weiter in meiner losen Reihe von Chemie-Grundlagenblogs einen neuen hinzuf&uuml;gen. Heute beginnen wir mal mit den Grundlagen er organischen Chemie: Den Alkanen, Alkenen und Alkinen. Diese Verbindungen sind aliphatische (kettenf&ouml;rmige) Kohlenwasserstoffe und Hauptbestandteil des Erd&ouml;ls. F&uuml;r einen Chemiker sind sie allerdings recht langweilluge Substanzen, denn sie gelten als reaktionstr&auml;ge.<\/p>\n<p>Nun sagen sie &#8222;<em>reaktionstr&auml;ge? die Feuerwehr nennt sie Brandbeschleuniger und da gibt es diese tollen Explosionen im Fernsehen&#8230;.&#8220;<\/em>. Ja, sie sind reaktionstr&auml;ge, denn bei normalen Temperaturen, sagen wir mal Zimmertemperatur, reagieren sie mit fast nichts. Also nicht mit Sauerstoff, S&auml;uren, Laugen, Reduktionsmitteln. Man kann elementares Natrium in Petroleum lagern, das sogar mit Wasser reagiert. Eine Reaktion in einer Flamme bei 800?C sagt gar nichts aus, weil bei diesen Temperaturen nahezu alles reagiert. Den Nach der RGT Regel steigert sich die Reaktionsgeschwindigkeit pro 10?C um 100%. RGT :Reaktionsgeschwindigkeit-Temperatur-Regel).<\/p>\n<p>Der Grund daf&uuml;r ist dass die C-H Bindung bei Kohlenwasserstoffen fast genauso stark wie die C-C Bindung ist. Die Energie um ein Wasserstoffatome abzuspalten, ist nahezu gleich gro&szlig; wie die f&uuml;r die Spaltung der Kette.<!--more--><\/p>\n<p>Alkane, das sind ges&auml;ttigte Kohlenwasserstoff reagieren unter Normalbedingungen nur mit Halogenen. Dieser Mechanismus beruht auf der hohen Reaktivit&auml;t von Radikalen. Radikale reagieren unspezifisch mit allem was sie finden. Es ist nicht so einfach Radikale zu erzeugen, doch bei den Halogenen geht es verh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig einfach, weil dieintermolekulare Bindung schwach ist. Es reicht etwas h&ouml;here Temperatur oder sogar Licht dazu aus.<\/p>\n<p>Was dann passiert ist folgendes:<\/p>\n<p>Cl<sub>2<\/sub> + Energie ? 2 Cl*<\/p>\n<p>Cl* + C<sub>n<\/sub>H<sub>2n<\/sub> ? HCl + CnH<sub>2n&#8211;1<\/sub>*<\/p>\n<p>C<sub>n<\/sub>H<sub>2n&#8211;1<\/sub> + Cl<sub>2<\/sub> ? C<sub>n<\/sub>H<sub>2n&#8211;1<\/sub>Cl + Cl*<\/p>\n<p>Jedes Sternchen stehet f&uuml;r ein Radikal. Wenn man sich das genauer ansieht, dann wird am Ende der dritten Reaktion ein Chlorradikal freigesetzt, das wieder in die zweite Reaktion eingeht. Das setzt die Kette fort &#8211; das ganze ist eine Kettenreaktion, die stoppt, wenn entweder ein Substrat (Chlor, Alkan) zuende geht, oder die freiwerdende Energie bei der Reaktion nicht mehr ausreicht weitere Radikale zu erzzeugen &#8211; die Reaktion ist exotherm, das bedeutet es wird Energie frei.<\/p>\n<p>Obwohl Alkane reaktionstr&auml;ge sind, ist der Effekt bei geeigneten Umst&auml;nden enorm: Erste Oranikvorlesung. Beginn mit den Alkanen. Der Assistent f&uuml;hlt in einen Luftballon Chlorgas und Butan. Das ganze kommt in einen Drahtk&auml;fig. Dann wird ein Foto gemacht &#8211; Bumm! Die Energie des Blitzes reichte aus, so viele Chloratome zu spalten, dass die Kettenreaktion aufrechterhalten bleibt und die freiwerdende Energie bewirkt dann die Spaltung weiterer Chloratome. Die Reaktion bezeichnet man als radikalische Substitution. Die Benennung der Reaktionstypen ist in der organischen Chemie relativ geradlinig: Das Substantiv ist der Reaktionstyp und das Verb die Reaktionsumst&auml;nde.<\/p>\n<p>Allerdings war es dann schon auch. Au&szlig;er der unspezifischen Verbrennung oder dem Cracken, der Aufspaltung bei hoher Temperatur in kleinere Molek&uuml;lbruchst&uuml;cke, gibt es keine Reaktionen der Alkane.<\/p>\n<p>Das &auml;ndert sich bei den Alkenen Alkene haben eine Doppelbindung im Molek&uuml;l. Diese Doppelbindung ist erheblich reaktionsfreudiger als die C-H Bindung der Alkane. Es gibt daf&uuml;r zwei Gr&uuml;nde. Zum einen ist die Sp3 Konfiguration die der Kohlenstoff bei den Alkanen hat energetisch ung&uuml;nstig. Die Elektronen in der Doppelbindung sto&szlig;en sich gegenseitig ab und die Bindungswinkel betragen nun 120 anstatt 109 Grad. Daher ist die Energie die n&ouml;tig ist um sie zu spalten auch geringer als bei der zweiten Bindung. Das zweite ist das so viele Elektronen auf einem Fleck Verbindungen anziehen die einen gewissen Elektronenmangel haben oder elektronenliebend sind, weshalb man auvh von einer <strong>elektrophilen Addition<\/strong> spricht.<\/p>\n<p>Alkan addieren Verbindungen des Typs XY wobei X an einem der Atome der Doppelbindung und Y an dem anderen addiert wird. Wenn die Reste an beiden Atomen unterschiedlich sind, so gibt es eine Regel:<\/p>\n<p>Der Teil von XY der <strong>elektrophil<\/strong> ist addiert sich an dem Atom mit den meisten oder l&auml;ngsten Resten. Auch hier verl&auml;uft die Reaktion in mehreren Schritten. Nehmen wir mal die Addition von Wasser:<\/p>\n<p>CH<sub>3<\/sub>-CH=Ch<sub>2<\/sub> + H<sub>2<\/sub>O ? CH<sub>3<\/sub>-CH<sub>2<\/sub><sup>+<\/sup>-CH<sub>3<\/sub> + OH<sup>&#8211;<\/sup><\/p>\n<p>CH<sub>3<\/sub>-CH2<sup>+<\/sup>-CH<sub>3<\/sub> + OH<sup>&#8211;<\/sup> ? Ch<sub>3<\/sub>-CHOH-CH<sub>3<\/sub><\/p>\n<p>Das zwischendurch gebildete Ion (mit der positiven Ladung) nennt man auch <strong>Carbeniumion<\/strong>. Es sucht den stabilsten Zustand, d.h. die positive Ladung verschiebt sich dorthin wo das Kohlenstoffatom am besten mit ihr zurecht kommt. Das ist bei dem Kohlenstoffatom mit den meisten Resten der Fall. Sie haben weitere Elektronen in Bindungen und k&ouml;nnen daher eine positive Teilladung aufnehmen. Der Wasserstoff kann dies nicht, da er nur eine Bindung hat.<\/p>\n<p>Die meisten Verbindungen die addiert werden haben ein Wasserstoffatom in der Bindung wie Wasser, S&auml;uren (HCl, H<sub>2<\/sub>SO<sub>4<\/sub>). Es k&ouml;nnen aber auch Halogene, Peroxide oder Boran addiert werden. Der gleiche Mechanismus wird auch bei der Addition von Alkanen genutzt wobei man nur mit geringen Mengen an Additionsmitteln zusetzt. Dann kann das Carbeniumion keinen Reaktionspartner finden und sucht sich ein anderes Alkan\/Alken zur Addition wobei ein neues Carbeniumion entsteht.<\/p>\n<p>Aufgrund der vielseitigen M&ouml;glichkeiten der Addition und Verkn&uuml;pfung sind daher Alkene die Ausgangsstoffe f&uuml;r die industrielle Synthese von zahlreichen Stoffen, so Halogenide, Alkohole, Sulfonate und h&ouml;here Alkanen.<\/p>\n<p>Bleiben noch die Alkine. Sie haben eine Dreifachbindung im Molek&uuml;l. Alles &uuml;ber die Alkane gesagte, gilt daher auch f&uuml;r die Alkine, nur sind sie noch reaktionsfreudiger. Das hat zwei Folgen. Zum einen ist die Reaktion praktisch nicht stoppbar. Es ist nicht m&ouml;glich nur ein Molek&uuml;l zu addieren und auf der Stufe der Alkene stehen zu bleiben, sondern meistens reagieren diese dann weiter. Das zweite ist, dass das Spektrum der Substanzen mit denen reagiert wird noch gr&ouml;&szlig;er. So reagieren sie z.B. mit Schwermetallen zu Acetylieden, die jedoch sto&szlig;empfindlich sind,? Wer noch als Kind die Spielzeugpistolen in Erinnerung hat: Die Substanz die dort knallt ist Silberacetylid oder Kupferacetylid.<\/p>\n<p>Genauso reaktiv sind konjungierte Doppelbindungen, die Diene. Doch dazu kommen wir noch.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So mangels neuer Blogthemen fange ich mal weiter in meiner losen Reihe von Chemie-Grundlagenblogs einen neuen hinzuf&uuml;gen. Heute beginnen wir mal mit den Grundlagen er organischen Chemie: Den Alkanen, Alkenen und Alkinen. Diese Verbindungen sind aliphatische (kettenf&ouml;rmige) Kohlenwasserstoffe und Hauptbestandteil des Erd&ouml;ls. 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