{"id":4276,"date":"2011-02-11T00:10:04","date_gmt":"2011-02-10T23:10:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=4276"},"modified":"2011-02-11T17:45:24","modified_gmt":"2011-02-11T16:45:24","slug":"die-schlechtesten-computer-der-ti-994a","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2011\/02\/11\/die-schlechtesten-computer-der-ti-994a\/","title":{"rendered":"Die schlechtesten Computer &#8211; der Ti 99\/4a"},"content":{"rendered":"<p>Eigentlich, so sollte man meinen, geh&ouml;rt der Ti 99\/4a nicht hierhin. Schaut man sich die Maschine von au&szlig;en an, so war sie ein Glanzst&uuml;ck zu ihrer Zeit &#8211; in einem polierten Metallgeh&auml;use anstatt einem Plastikgeh&auml;use, es war 256 x 192 Farbgrafik verf&uuml;gbar, wenn auch etwas umst&auml;ndlich &uuml;ber hexadezimale Zeichendefinitionen programmierbar. Vor allem hatte er 16 kbyte RAM zu einer Zeit wo noch? 1k oder 5k bei den Konkurrenten &uuml;blich waren. Erweiterbar war es durch eine Erweiterungsbox aus solidem Stahl mit drei Diskettenlaufwerken und acht Steckpl&auml;tzen. Verf&uuml;gbar waren unter anderem eine 32 kbyte Speichererweiterung, RS-232 Schnittstellen, USCD.-P System, Sprachsynthesizer etc&#8230; Er konnte auf 48 kbyte RAM und mindestens 86 kbyte ROM (ROM eigentlich unbegrenzt) ausgebaut werden.<\/p>\n<p>Warum ich ihn trotzdem hier auff&uuml;hre war die verkorkste interne Architektur. Als ich &uuml;ber diese zum ersten Mal las, habe ich mich gefragt warum. Inzwischen ist es mir klar geworden: Ti entwickelte f&uuml;r den Computer einen neuen 8-Bit Prozessor, den TMS9985. Nur klappte das nicht. Nun wurde in das schon weitgehend fertige Design, der TMS 9900 eingef&uuml;gt, den es schon gab. Der TMS9900 ist einer der ersten 16 Bit Prozessoren. Sicher nicht einer der schnellsten, aber beim Vergleich der Taktzyklen sicherlich so schnell wie ein Z80 bei gleicher Taktfrequenz plus der M&ouml;glichkeit mit erweiterten Befehl wie z.B. f&uuml;r die Multiplikation und Division zu punkten. Nur wurde der TMS9900 von Texas Instruments schon 1976 f&uuml;r den Einsatz in Minicomputern entwickelt.<!--more--><\/p>\n<p>Er hatte ein Designmerkmal, das bei Unterst&uuml;tzung ihn sehr m&auml;chtig machte: Es gab intern nur wenige Register, aber einen Workspacepointer. Er zeigte auf einen Bereich im Arbeitsspeicher wo dann 16 Register verf&uuml;gbar waren. Das ist vom Prinzip her super &#8211; braucht eine Unterroutine freien Speicher, so muss man nicht zig Register mit PUSH\/POP sichern, sondern nur den Workspacezeiger und wenn er woanders hin zeigt, hat man 16 neue Register zur Verf&uuml;gung. Bei Taskswitches kann so ebenfalls schnell gewechselt werden. Nur ist das essentiell gebunden an schnelles RAM. Bei Mikrocomputern kein Problem &#8211; bei Preisen von 10.000 $ aufw&auml;rts pro St&uuml;ck ist es egal ob statisches schnelles oder langsames dynamisches RAM drin steckt. (Zumal der TMS9900 nur 64 kbyte adressieren konnte) Nicht aber in einem Heimcomputer. Der Ti 99\/4a hatte nur 256 Bytes schnelles statisches RAM auf das der Prozessor schnell zugreifen konnte. Alles andere war dynamisches RAM, was bei jedem Zugriff auf eines der Register im RAM 4 Taktzyklen extra kostete. Schlimmer noch &#8211; da der 16 Datenbus des Prozessors auf einen 8 Bit Datenbus zum Speicher mit einem Multiplexer m&uuml;ndete, da dieser f&uuml;r den 8-Bit Prozessor ausgelegt war, wurden so weitere 40% verloren. Benutzer welche die RAM&#8217;s durch statische RAM&#8217;s ersetzten und auch die ROM&#8217;s ins RAM kopierten (eigene L&ouml;tarbeiten waren nat&uuml;rlich so n&ouml;tig) konnten die Geschwindigkeit des Systems verdoppeln.<\/p>\n<p>Das letzte waren die ROM. Auch sie waren langsam, dass sie Waitstates erforderten. Schlimmer jedoch war, das Ti eine eigene Architektur einsetzte, die GROM. Diese waren nur adressseriell auslesbar, das bedeutete, dass der Prozessor, wenn er die tausendste Adresse ben&ouml;tigte erst mal 999 einlesen musste. Sie waren nur durch einen Datenport angebunden und dadurch war zwar das System erweiterbar auf unendlich viel ROM, aber es war langsam. Zudem enthielten diese nicht Maschinencode sondern eine hardwarenahe Sprache namens GPL, f&uuml;r die es einen Interpreter in der Konsole gab &#8211; selbst der BASIC Interpreter war in GPL geschrieben. Das erforderte weniger Chips pro Cartridge, machte das ganze aber noch langsamer.<\/p>\n<p>Zum Schluss beherrschte das BAIC nur Flie&szlig;kommazahlen mit 16 Stellen Genauigkeit &#8211; genau aber langsam. Das es inkompatibel zu allen anderen Sprachen war, mag erw&auml;hnt sein. Es liegt jedoch nicht an TI (es ist sogar ein ANSI BASIC, also gehorcht dem offiziellen Standard &#8211; dumm nur das die meisten anderen Implantationen sich nicht an diesen Standard hielten, sondern dem von Microsoft nachgingen).<\/p>\n<p>So war der Ti 99\/44a trotz 16 Bit Prozessors mit 3 MHz nur halb so schnell wie ein VC-20 mit einem 6502 und 1 MHz. Ti hat leider nichts am Design ge&auml;ndert obwohl der Rechner &uuml;ber 4 Jahre lang produziert wurde. Der Ti 99\/4a ist Nachfolger des schon 1979 erschienenen Ti 99\/4. Er bekam aber eigentlich nur 256 Bytes statisches RAM und eine ordentliche Tastatur (der Ti 99\/4 hatte eine mit Gummitasten). Man h&auml;tte das verkorkste Design schon damals korrigieren sollen. Es gab dann noch das Extended BASIC Modul, das in Maschinensprache geschrieben und bis zu doppelt so schnell wie das eingebaute BASIC war und mit dem auch die Hardwaresprites des Videoprozessors direkt programmiert werden konnten &#8211; aber es kostete extra.<\/p>\n<p>Zum Verh&auml;ngnis wurde der Maschine der durch Commodore angezettelte Preiskrieg, bei dem Ti massive Verluste machte. Die Leute schauten nur auf die RAM Ausstattung und die Geschwindigkeit &#8211; da konnte der Rechner nicht punkten. Er war zwar erweiterbar, doch die Preise f&uuml;r Peripherieger&auml;te waren hoch, weil Ti dar&uuml;ber die Verluste bei der Konsole hereinholen wollte. Sie verkaufte die sich aber auch schlecht. Nur jeder zehnte K&auml;ufer erwarb auch eine Erweiterungsbox &#8211; Vorraussetzung f&uuml;r den Einsatz von Diskettenlaufwerken und Speichererweiterungen. Meiner Meinung nach h&auml;tte der Rechner einen besseren Stand gehabt, wenn die Architektur die Vorteile seines Zentralprozessors ausgenutzt h&auml;tte, dann h&auml;tte man auch mehr erlangen k&ouml;nnen. So stand er aber auf verlorenem Posten.<\/p>\n<p>Immerhin hat TI etwas gelernt und beim TMS 9995 einige Lehren aus dem Konzept gezogen. Dieser Nachfolgeprozessor des TMS9900 war nicht nur zweieinhalbmal schneller (und schneller als ein 8086), sondern er hatte nun auch die 256 Byte Scratchpad RAM auf dem Chip integriert, was es erlaubte schnell zwischen 8 S&auml;tzen von je 16 Registern zu wechseln. Der TMS9995 wurde von IBM als Prozessor f&uuml;r ihren IBM PC untersucht und kam in die engere Wahl, was z.B. dem Motorola 68000K nicht gelang.<\/p>\n<p>Ti plante einige Nachfolgemodelle auf Basis des TMS 9995 so den Ti 99\/2 und Ti 99\/8. Der erstere noch billiger in der 100 Dollar Klasse, der letztere ausbaubar bis 16 Mbyte RAM. Beide w&auml;ren mit ihren 10,7 MHz schnellen Prozessoren wohl interessante Rechner gewesen, doch mit den Verlusten bei dem Ti 99\/4a wurden diese Ger&auml;te eingestellt.<\/p>\n<p>Es sagte mal ein Computerfachmann zur Verkaufsabteilung von Texas Instruments: &#8222;Sie produzieren eine Limousine und verkaufen sie zum Preis eines Volkswagens und k&ouml;nnen den Unterschied nicht deutlich machen&#8220; &#8211; nun ja nicht ganz die Wahrheit, eher hat man eine Limousine produziert und ihre Leistung auf die eines Volkswagens reduziert und dann Verluste gemacht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eigentlich, so sollte man meinen, geh&ouml;rt der Ti 99\/4a nicht hierhin. 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