{"id":428,"date":"2008-11-08T20:58:04","date_gmt":"2008-11-08T19:58:04","guid":{"rendered":"http:\/\/bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=428"},"modified":"2008-11-08T20:58:51","modified_gmt":"2008-11-08T19:58:51","slug":"raketenentwicklung-inkrementell","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2008\/11\/08\/raketenentwicklung-inkrementell\/","title":{"rendered":"Raketenentwicklung inkrementell"},"content":{"rendered":"<p>Bei der Softwareerstellung gibt es eine Reihe von Vorgehensweisen: Sie tragen so phantasievolle Namen wie Wasserfall-Modell, V-Modell oder Extreme Programming (XP). Eines davon ist das Spiralmodell. Ziel ist es recht bald eine erste Version der Software zu haben, die dann gepr&uuml;ft und erweitert werden kann. Da man iterativ und inkrementell sich an die Endversion heranarbeitet. Anders als bei anderen Modellen verbessert man inkrementell die Software, was vor allem das Scheitern eines Softwareprojektes senken soll.<\/p>\n<p><!--more--> <\/p>\n<p>Das Modell wurde zwar nicht von Microsoft erfunden, aber von Microsoft angewandt und wer denkt da nicht an die &quot;inkrementell verbesserte Software&quot; von Microsoft auf seinem Rechner, die per Update Bug fixes bekam. Vielleicht sollte man aber eher an die inkrementell verbesserten Office Pakete oder das inkrementell verbesserte Windows 95 (letzte Version: Windows ME) denken.<\/p>\n<p>Das Software mit vielen Bugs ausgeliefert wird und dann nach gebessert wird ist normal. Die erste Firma die damit sehr negativ in die Schlagzeilen kam war ATARI, die bei ihren ersten Atari ST Computer massenweise ROM Chips und auch Zusatzprozessoren auswechseln musste. Damals wurde der Begriff &quot;Bananensoftware&quot; gepr&auml;gt: Software die beim Kunden reift.<\/p>\n<p>Die Nachbesserung im laufenden Betrieb ist eine Besonderheit die nur bei Software m&ouml;glich und auch nur bei nicht lebenswichtigen Funktionen. In praktisch allen anderen technischen Bereichen ist es nicht oder nur mit hohem Kostenaufwand m&ouml;glich. Wenn Mercedes Benz einen Fehler in der A-Klasse korrigieren muss und Zigtausende Wagen in die Werkstatt zur&uuml;ck m&uuml;ssen kostet das Millionen und der Ruf der Firma ist hin.<\/p>\n<p>In der Raketenentwicklung ist nichts wichtiger als Erfahrung. Erfahrungen die man mit fr&uuml;heren Tr&auml;gersysteme gesammelt hat. Erfahrungen die Ingenieure in ihrem Berufsalltag angesammelt haben. Als die USA nach Ende der Saturn Entwicklung die meisten Mitarbeiter entlie&szlig;en mussten aufgrund gesetzlicher Vorschriften die zuerst gehen, die am l&auml;ngsten an dem Projekt gearbeitet haben und die meiste Erfahrung vorweisen konnten. Die Folgen bei der Triebwerkentwicklung beim Space Shuttle sind bekannt: Sie dauerte Jahre l&auml;nger und war erheblich teurer als vorgesehen.<\/p>\n<p>Die zweite S&auml;ule sind Tests. Ein normales Raketentriebwerk f&uuml;r eine Rakete die niemals Menschen bef&ouml;rdern soll hat bevor der Jungfernflug stattfindet ungef&auml;hr 100 Fl&uuml;ge absolviert &#8211; Nicht ein Triebwerk, aber das ist ungef&auml;hr die Gr&ouml;&szlig;enordnung aller Tests zusammen. Manche Triebwerke wurde auch sehr oft getestet schon alleine um zu sehen, wann Probleme auftreten k&ouml;nnen. Normal ist, dass ein Triebwerk in Tests 10 mal l&auml;nger in Betrieb ist als sp&auml;ter in der Rakete. Trotzdem kann man nicht alles simulieren und Fehler zeigen sich erst im Flug. Das bei dem Vulcain 2 die K&uuml;hlung nicht ausreichend dimensioniert war, zeigte sich erst im Flug &#8211; Am Boden k&uuml;hlt die Luft um die Rakete, die durch das Triebwerk zur Zirkulation gebracht wird nat&uuml;rlich auch noch mit. Andere Dinge sind nur im Flug feststellbar wie die ber&uuml;hmten POGO Effekte durch die Turbopumpen.<\/p>\n<p>Ein <a href=\"http:\/\/www.spaceflightnow.com\/news\/n0811\/02falcon9\/\">Bericht<\/a> &uuml;ber den Entwicklungsfortschritt der Falcon 9 hat mich an die Softwarevorgehensweise erinnert: Nach drei Versuchen mit 15 Sekunden Dauer. Folgen soll dann ein 30 Sekunden Test und ein 170 Sekunden Test (die Brenndauer der Stufe). Danach sollen Tests mit verschiedenen Fehlermodi starten, schlie&szlig;lich soll die Falcon 9 ja noch ihre Mission erf&uuml;llen, wenn ein Triebwerk ausf&auml;llt. Ob man gerade dies auf dem Bodenteststand wird ermitteln k&ouml;nnen ist zweifelhaft. Wichtig ist sicher das Abschalten des Triebwerks ohne andere zu besch&auml;digen und die neue Verteilung des Treibstoff viel wichtiger ist aber den asymmetrischen Schub abzufangen und auszugleichen und wie sieht es mit den Treibstoffvorr&auml;ten aus? Viel Zeit hat man in keinem Fall, denn schon 2009 soll die Falcon starten. Das erinnert an das Vorgehen bei der Falcon 9 und die inkrementelle Verbesserung der Falcon bis man alle Fehler abgestellt hat. Elon Musk kommt von der Softwaretechnik und bei seinen bisherigen Softwareprojekten hat der Kunde nicht mal das Update gemerkt &#8211; die liegt auf Servern und der Kunde kommunizierte nur &uuml;ber g&auml;ngige Internetprotokolle mit ihr.<\/p>\n<p>Passend dazu ist auch der typische SpaceX Ingenieur gerade mal 30 Jahre alt. Gerade bei Softwarefirmen ist der Jugendwahn ja sehr ausgepr&auml;gt. Sicher bleibt man im fortgeschrittenen Alter gerne bei dem was man gut kann und will sich nicht mehr so gerne in vollkommen neues einarbeiten auch wenn es langfristig vielleicht effektiver ist. Nur: Raketenentwicklung ist keine Softwareentwicklung. Dort gibt es nicht alle paar Jahre eine neue Programmiersprache die neues M&ouml;glich macht wof&uuml;r man in der alten viele Verrenkungen gemacht hat. Die letzte bahnbrechende Entwicklung in der Triebwerksentwicklung war das &quot;staged Combustion&quot; Verfahren nach dem auch die Space Shuttle Triebwerke arbeiten. Das ist 40 Jahre her. In der Raketenentwicklung ist es nicht so, dass neue Gesichter alles per se besser k&ouml;nnen: Sie verf&uuml;gen zumindest nicht die Erfahrung der Alten. Neue Ideen bringen Schwung. Aber wenn ein Unternehmen praktisch nur aus Ingenieuren mit kaum Berufserfahrung besteht was passiert dann?<\/p>\n<p>Ganz einfach: Die Firma entwickelt Raketen wie Software, also Raketenentwicklung inkrementell.<\/p>\n<p>Zuletzt noch ein paar pers&ouml;nliche Dinge. Mir fehlen derzeit so ein bisschen die Themen f&uuml;r den Blog. Die nun dunkel werdende Jahreszeit wirkt sich auch nicht gerade positiv auf meine Motivation aus (ich leider ist 20 Jahren unter Winterdepression) aber immerhin scheint eine Leuchte f&uuml;r den Zweck etwas zu helfen. Vor allem aber habe ich wohl die Aufgabe ein gutes Buch &uuml;ber Zusatzstoffe und das Lesen von Zutatenverzeichnissen zu schreiben untersch&auml;tzt. Bislang sind es 70 Seiten. Aber seit ich aufgeh&ouml;rt als Lebensmittelchemiker zu arbeiten, vor etwa 9 Jahren sind etliche Zusatzstoffe hinzu gekommen. Aus dem &uuml;bersichtlichen Haufen sind 305 St&uuml;ck geworden. Die alle zu beschrieben wird aufwendig. Vor allem merke ich dass ich eigentlich noch ein Kapitel &uuml;ber die Grundbestandteile der Nahrung einschieben muss, den die meisten Zusatzstoffe bestehen aus Molek&uuml;len die auch in der Natur vorkommen. Da werden Fetts&auml;uren mit Zuckermolek&uuml;len verestert. Dazu muss man noch mehr erkl&auml;ren. Dass macht das Buch noch l&auml;nger, so dass ich wohl mit meinen projektierten 150 Seiten kaum hinkommen werde. Vor allem wirds aber dann auch immer aufwendiger zu redigieren. Mal sehen ob es damit noch dieses Jahr was wird.<\/p<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei der Softwareerstellung gibt es eine Reihe von Vorgehensweisen: Sie tragen so phantasievolle Namen wie Wasserfall-Modell, V-Modell oder Extreme Programming (XP). Eines davon ist das Spiralmodell. Ziel ist es recht bald eine erste Version der Software zu haben, die dann gepr&uuml;ft und erweitert werden kann. Da man iterativ und inkrementell sich an die Endversion heranarbeitet. 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