{"id":4371,"date":"2011-02-26T00:41:27","date_gmt":"2011-02-25T23:41:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=4371"},"modified":"2011-02-25T10:03:06","modified_gmt":"2011-02-25T09:03:06","slug":"iss-boost","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2011\/02\/26\/iss-boost\/","title":{"rendered":"ISS-Boost"},"content":{"rendered":"<p>Es wird mal wieder Zeit f&uuml;r eine neue &#8222;technische Spinnerei&#8220;. Diesmal geht es um die ISS.<\/p>\n<p>Die ISS befindet sich so nahe der Erde, dass sie derzeit um 50 bis 100 m pro Tag sinkt. Das klingt nach wenig, ist jedoch ein sich selbst beschleunigender Prozess, da in einer niedrigeren H&ouml;he die Abbremsung noch h&ouml;her ist. Bei einer Masse von rund 350 t ben&ouml;tigt man daf&uuml;r einiges an Treibstoff. In wenigen Tagen wird das zweite ATV an die ISS andocken. Mehr als zwei Drittel seiner Nutzlast besteht nur aus Treibstoff. Insgesamt &uuml;ber 5 t bringt er zur ISS. Johannes Kepler wird die ISS um 40 bis 50 km anheben um das Absinken zu verlangsamen. Ideal w&auml;re es die ISS in eine noch h&ouml;here Bahn anzuheben. Die geplante mittlere Bahnh&ouml;he soll bei 407 km liegen. In dieser H&ouml;he ist die Abbremsung aber noch sehr hoch. 200 km weiter von der Erde entfernt w&auml;re keinerlei Bahnanhebung mehr &uuml;ber die gesamte Lebensdauer n&ouml;tig.<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite darf die ISS nicht zu weit von der Erde entfernt sein, weil die Nutzlast der Tr&auml;gerraketen abnimmt. Es sind zwar wenn man ber&uuml;cksichtigt, das auch mehr Treibstoff f&uuml;r den Wiedereintritt ben&ouml;tigt werden nur 8% des Startgewichts, aber da nur etwa 30% der Startmasse auf die Transportg&uuml;ter entfallen dann schon ein Viertel der Transportkapazit&auml;t (berechnet f&uuml;r eine 600 anstatt 400 km hohe Umlaufbahn).<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>So muss die ISS sich in einer niedrigen Erdbahn befinden. Zeit wenigstens den Treibstoffverbrauch f&uuml;r die Aufrechterhaltung der Bahn zu minimieren.<\/p>\n<p>Meine Idee: an die ISS koppelt ein Gef&auml;hrt nur f&uuml;r diesen Zweck an, dass mit elektrischen Triebwerken arbeitet. Folgendes Anforderungsprofil gibt es:<\/p>\n<ul>\n<li>F&auml;higkeit die Bahnh&ouml;he der ISS auch bei widrigen Umst&auml;nden aufrecht zu erhalten<\/li>\n<li>Ausreichende Stromzufuhr ohne Strom von der ISS zu ziehen<\/li>\n<li>M&ouml;glichst langlebig<\/li>\n<\/ul>\n<p>Zuerst einmal zum Antriebsbedarf. Die ISS soll mit einem bis zwei angekoppelten Transportern 450 t wiegen. Weiterhin muss das Gef&auml;hrt nicht nur f&auml;hig sein, die momentane Abbremsung in der H&ouml;he von 50 bis 100 m\/Tag zu kompensieren, sondern auch die Extreme die bisher bei 250 m\/Tag lagen. Das ergibt einen maximalen Antriebsbedarf von 67.500 N pro Tag. (f&uuml;r 2r0 m\/Tag)<\/p>\n<p>Eingesetzt sollen Triebwerke des Typs RIT-XT von EADS werden. Sie werden nur auf der Tagseite betrieben wenn die Solarpanels volle Leistung aufweisen. Das soll mit Puffern 50% der Zeit ausmachen, also 43.200 s pro Tag, woraus sich eine Forderung nach einem Dauerschub von 1.6 N ergibt. Bei einem Schub von 0,15 N pro Triebwerk werden so 11 St&uuml;ck ben&ouml;tigt. Weitere Triebwerke, die aber nicht laufend betrieben werden, werden ben&ouml;tigt, um die ISS zu drehen oder im Orbit zu verschrieben. (Zur Lage&auml;nderung).<\/p>\n<p>Die Stromversorgung soll f&uuml;r 11 Triebwerke ausreichen. Bei 4,7 kW Stromverbrauch pro Triebwerk ergibt sich so eine Forderung nach einer Stromversorgung mit? 51,7 kW Dauerleistung. Wird eine Degradation der Solarzellen und die Effekte der Jahreszeiten (mit schwankender Spitzenleistung) mit 30% hinzugerechnet, so ergibt sich eine Forderung nach einer Leistung von 67 kW. Das w&auml;ren z.b. 4 Paneele mit je 4 x 21 m Gr&ouml;&szlig;e.<\/p>\n<p>Die Triebwerke haben eine Lebensdauer von 15.000 Stunden. Das entspricht bei einem Betrieb &uuml;ber 50% der Zeit 3,4 Jahre, wenn die Abbremsung geringer ist und die Triebwerke nur kurzzeitig eingeschaltet werden erheblich l&auml;nger, beim nominellen Wert von 100 m\/Tag rund 8,5 Jahre.<\/p>\n<p>Der Treibstoffbedarf kann so aus Multiplikation des bekannten spezifischen Impulses und der Betriebszeit berechnet werden. Es ergeben sich folgende Parameter:<\/p>\n<ul>\n<li>Treibstoff: 2.100 kg<\/li>\n<li>Tanks: 400 kg (Verwendet wird Xenon, was schwere Druckgastanks notwendig macht)<\/li>\n<li>Solarzellen: 840 kg (80 W\/m?, der Wert des SLA von Dawn)<\/li>\n<li>Triebwerke: 20 St&uuml;ck, neben den 11 am Heck noch 9 f&uuml;r Drehungen und Bewegungen quer zur Bahnebene: 7 kg pro Triebwerk: 140 kg<\/li>\n<\/ul>\n<p>Das ergibt zusammen eine Masse von 3.480 kg f&uuml;r die Kernssysteme. Wird der ISS-Boost mit einer Sojus gestartet bleiben so noch gute 3.500 bis 4.000 kg f&uuml;r Strukturen, Avionik und Kopplungsadapter.<\/p>\n<h3>Was bringt es?<\/h3>\n<p>Der Gesamtimpuls der zur Verf&uuml;gung steht betr&auml;gt 89 Millionen Ns. Das entspricht bei den Triebwerken des ATV, welche normalerweise den Job erf&uuml;llen, rund 29.500 kg Treibstoff, also der Frachtkapazit&auml;t von fast vier? ATV. Da ein jeder rund 420 Millionen Euro kostet bedeutet dies, das solange einer dieser ISS-Booster weniger als rund 1,6 Milliarden Euro kostet, er lohnend ist.<\/p>\n<p>Da gerade Europa vor allem die ISS anheben sollte, w&auml;re es in eigenem Interesse ein solches Gef&auml;hrt zu entwickeln. Wie k&ouml;nnte es aufgebaut sein? Es g&auml;be sicher mehrere M&ouml;glichkeiten. Die f&uuml;r mich naheliegendste ist es schon bestehende Hardware zu verwenden. Es gibt zwei M&ouml;glichleiten: Muss alles aus Europa stammen, so w&uuml;rde man den Avionikteil des ATV nehmen, dort alle Teile ausbauen die man nicht braucht bzw. austauschen (z.b. die Tanks durch Druckgastanks, Solarzellen durch deutlich leistungsf&auml;higere) und den russischen Kopplungsadapter direkt auf den Avionikteil anbringen. Der Nachteil ist das schon dieser Teil des ATV heute &uuml;ber 5 t wiegt und daher viel Gewicht eingespart werden muss und er mit dem Durchmesser von 4,5 m nicht von einer Sojus gestartet werden kann. So f&auml;llt ein Start mit einer Ariane 5 an, was immerhin die M&ouml;glichkeit er&ouml;ffnet den Druckbeh&auml;lter mit Fracht zus&auml;tzlich zu starten.<\/p>\n<p>Die zweite M&ouml;glichkeit ist eine Progress umzur&uuml;sten. Sie wiegt ohne Treibstoffe rund 4,1 t, k&ouml;nnte also alle Systeme aufnehmen, ist kompatibel zur Sojus Tr&auml;gerrakete (die beim Start von Kourou aus auch etwas mehr zur ISS transportiert). Es w&auml;re daher die g&uuml;nstigere L&ouml;sung. Der Nachteil beider L&ouml;sungen ist, dass der einzige Kopplungspunkt der durch den Schwerpunkt der Station geht und bei dem die Triebwerke in die Bewegungsrichtung schauen der am Ende von Swesda ist, der Ankopplungspunkt des ATV und auch zahlreicher Progress ist. Das bedeutet dass der ISS-Booster regelm&auml;&szlig;ig abdocken und andocken muss, was aber kein Problem ist, wenn es nicht zu lange dauert. Schlie&szlig;lich ist die Auslegung f&uuml;r die maximale Abbremsung ausgelegt, der Transporter kann also danach wieder die Station anheben und nicht nur das Sinken aufhalten.<\/p>\n<p>Weiterhin steht Strom zur Verf&uuml;gung der von der ISS genutzt werden kann, wenn die maximale Abbremsung nicht vorliegt.<\/p>\n<p>Man kann das Konzept sogar noch weiter spinnen. Alle Transporter gelangen erst in eine niedrige Erdumlaufbahn, fliegen dann die ISS in ihrer h&ouml;heren Umlaufbahn an und koppeln dann ab um deorbitiert zu werden. Beim ATV ist es z.B. eine Ausgangsbahn von 260 km H&ouml;he. F&uuml;r die Man&ouml;ver hat er dabei 2 t Treibstoff an Bord &#8211; ein Zehntel seiner Startmasse. So w&auml;re auch denkbar, dass die ISS in einen sehr hohen Orbit gebracht wird, in dem sie kaum abgebremst wird, danach koppelt der ISS-Boost ab und ist dann Pendler zwischen niedrigem und h&ouml;heren Orbit. Die Lasttransporter ben&ouml;tigen dann erheblich weniger Treibstoff. Eigentlich nur den Teil um von einer niedrigen Bahn zu deorbiteieren. Das ist beim ATV ein Viertel der Treibstoffvorr&auml;te.<\/p>\n<p>Der ISS-Boost k&ouml;nnte den schwersten Transporter, das ATV in 72 Tagen von 260 km H&ouml;he bis in 600 km H&ouml;he bringen oder in 32 Tagen zur mittleren Bahnh&ouml;he der ISS von 407 km. Der Lohn sind 1.500 kg mehr Nutzlast immerhin ein F&uuml;nftel der derzeitigen Nutzlast. Der Treibstoffvorrat w&uuml;rde f&uuml;r 8 Transfers 260 ? 407 km oder 4 von 260 ? 600 km reichen. Das ist recht wenig und die Zeitdauer ist recht gro&szlig;. Weiterhin ist in der erdnahen Bahn die Abbremsung durch die vier gro&szlig;en Solarpaneele recht gro&szlig;. Daf&uuml;r lohnt es sich also nur bedingt. Beim ATV w&uuml;rde das dem Einsparen von rund 12 t Nutzlast entsprechen. F&uuml;r diesen Zweck w&auml;re ein optimiertes Gef&auml;hrt notwendig oder die M&ouml;glichkeit dass die Frachttransporter jeweils den Xenonvorrat auff&uuml;llen. Die Triebwerke k&ouml;nnen redundant ausgelegt werden, sodass die begrenzte Lebensdauer dann nicht den Betrieb limitiert. Bei 7 kg pro Triebwerk wiegt ein zweiter Satz der 11 Triebwerke f&uuml;r die eigentliche Antriebssektion nur 77 kg.<\/p>\n<p>Ich sehe aber bei dem engen Zeitplan der durch bis zu 12 Transporte pro Jahr plus 4 Mannschaftstransporte in wenigen Jahren &uuml;blich sein wird eher den Hauptnutzen in dem dauernden Anheben der Bahn. Es w&auml;re sogar zum Ende der Lebenszeit der ISS denkbar die Bahn soweit anzuheben, dass die Station f&uuml;r einige Jahrzehnte sicher in einem h&ouml;heren Orbit ist. Dort k&ouml;nnte man entscheiden was man mit ihr tun will, z.B. Module die noch brauchbar sind erneut verwenden oder es g&auml;be genug Zeit ein leistungsf&auml;higes Deorbit Gef&auml;hrt zu entwickeln. Oder man vermietet sie an einen Weltraumtouristik-Dienstleister (Wer sagt denn, dass man alles gleich versenken muss?)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es wird mal wieder Zeit f&uuml;r eine neue &#8222;technische Spinnerei&#8220;. Diesmal geht es um die ISS. Die ISS befindet sich so nahe der Erde, dass sie derzeit um 50 bis 100 m pro Tag sinkt. 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