{"id":438,"date":"2008-11-12T12:31:21","date_gmt":"2008-11-12T11:31:21","guid":{"rendered":"http:\/\/bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=438"},"modified":"2008-11-12T12:32:35","modified_gmt":"2008-11-12T11:32:35","slug":"die-zukunft-der-marsforschung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2008\/11\/12\/die-zukunft-der-marsforschung\/","title":{"rendered":"Die Zukunft der Marsforschung"},"content":{"rendered":"\n<p>Gestern gab die NASA bekannt, dass sie Phoenix verloren hat. Mehr dazu in dem <a href=\"\/phoenix-mission.shtml\">Aufsatz &uuml;ber seine Mission<\/a>. Phoenix und die beiden Rover zeigen sehr deutlich die Problematik der aktuellen Marsforschung mit Landesonden. Phoenix ist ein klassischer Lander: Er ist gut instrumentiert, aber er ist unbeweglich. G&auml;be es nur 10 m neben dem Lander Marsfossilien &#8211; sie w&auml;ren unerreichbar f&uuml;r ihn. Auf der anderen Seite sind da die mobilen Rover. Sie k&ouml;nnen die Gegend erkunden, aber sie k&ouml;nnen nur eine begrenzte Nutzlast mitf&uuml;hren. Bei den aktuellen Rovern ist dies begrenzt durch die Masse der Rover, aber auch den verf&uuml;gbaren Strom.<\/p>\n<p>Das mobile Marslabor stellt mehr Strom zur Verf&uuml;gung. Damit ist eine Beschr&auml;nkung gefallen. Was jedoch immer gilt, ist dass ein Rover viel leichter ist als eine station&auml;re Landesonde. Die folgende Vergleichstabelle macht dies deutlich:<\/p>\n<p><!--more--> <\/p>\n<table class=\"style1\">\n<tr>\n<th>Lander<\/th>\n<th>Startgewicht<\/th>\n<th>Landegewicht<\/th>\n<th>Experimente<\/th>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Phoenix<\/td>\n<td>670 kg<\/td>\n<td>350 kg<\/td>\n<td>59 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>MER<\/td>\n<td>1062 kg<\/td>\n<td>174 kg<\/td>\n<td>5 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>MSL<\/td>\n<td>3600 kg<\/td>\n<td>850 kg<\/td>\n<td>50 kg<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<p>Deutlich ist, dass ein mobiles Labor etwa die 5 fache Startmasse einer station&auml;ren Mission aufweist. Es wird etwas g&uuml;nstiger je gr&ouml;&szlig;er die Mission ist. Es &auml;ndert aber nichts an einem anderen Punkt: Den Kosten. Phoenix kostetet 475 Millionen Dollar, das MSL hat 1 Jahr vor dem Start schon einen Rahmen von 1.9 Milliarden Dollar &uuml;berschritten.<\/p>\n<p>Warum beschr&auml;nkt man sich also nicht auf einfache Sonden. Sonden die grundlegende Untersuchungen mit wenig Aufwand durchf&uuml;hren k&ouml;nnen: Meteologische Messungen, Bilder vom Landeplatz und eventuell einfache physikalische Untersuchungen des Bodens z.B. mit Widerstands. Temperatur und Drucksensoren. Es gab einmal den Vorschlag eines Marsnetzes aus Landesonden. Das w&uuml;rde ich gerne aufgreifen und mal folgendes Szenario entwerfen:<\/p>\n<p>Wir schicken eine einfache Sonde zum Mars. Jedoch nicht nur einmal, sondern in mehreren Exemplaren, die von einem gemeinsamen Bus zum Mars transportiert werden. Bei einer Startmasse von 200 kg k&ouml;nnte die Landemasse bei 100 kg liegen und die instrumentelle Ausr&uuml;stung bei etwa 10 kg. Das l&auml;sst Platz f&uuml;r:<\/p>\n<ul>\n<li>Ein Infrarotspektrometer. Da der Lander sich nicht bewegt kann man einen hochaufl&ouml;senden Chip einsetzen, der 1024 Bildpunkte pro Spalte erlaubt. Das ergibt auch aussagekr&auml;ftige Spektren. Gewicht: 3 kg<\/li>\n<li>eine Stereokamera mit einem 4 MPixel Sensor und eine Reihe von Filtern f&uuml;r Farbaufnahmen. Gewicht: 1 kg<\/li>\n<li>einen Meteorologiemast f&uuml;r Druck, Temperatur, Feuchtigkeits und Windgeschwindigkeitsmessungen: 3 kg<\/li>\n<li>Einer Kamera im Boden, die beim Abstieg Bilder macht : 0.5 kg<\/li>\n<li>Einem beweglichen Arm mit eine Mikroskopkamera, einem Alphateilchen und R&ouml;ntgenstrahlenspektrometer und Sensoren f&uuml;r die Bestimmung von physikalischen Bodeneigenschaften: 6 kg<\/li>\n<\/ul>\n<p>Das sind zusammen 13.5 kg Experimente, die von einer etwa 100 kg schweren Landesonde getragen werden k&ouml;nnen. Das f&uuml;hrt zu einem Startgewicht von etwa 200 kg. Was wegf&auml;llt ist ein Labor f&uuml;r chemische Untersuchungen. Die Erfolgsaussichten am Landeort organische Substanzen zu finden sind gering und ein leistungsf&auml;higes IR Spektrometer kann auch Mineralien und Wasser entdecken. Die Sonde liefert Klimadaten, Bilder der Umgebung (beim Abstieg und nach der Landung) und Daten &uuml;ber den Boden.<\/p>\n<p>Die Stromversorgung sollte kombiniert aus RTG und Solarzellen bestehen. Ein 6 kg schwerer RTG liefert einen Strom von 23 Watt bei 80 Watt W&auml;rmeleistung zur Heizung der Systeme. Das erlaubt es die Sonden auch in polaren Gebieten zu landen. Der Strom alleine reicht zwar nicht f&uuml;r einen vollen Betrieb aus, doch f&uuml;r das &Uuml;berwintern bei der Polarnacht. Den Strom f&uuml;r den Experimentenbetrieb liefern Solarpanels.<\/p>\n<p>Die Landung k&ouml;nnte durch Airbags und Fallschirme oder Landetriebwerke und Fallschirme erfolgen. Die Sonde k&ouml;nnte man locker in einen 1 m gro&szlig;en Schutzschild packen. Eine Rakete mit 5 m nutzbarem Raum unter der Nutzlasth&uuml;lle bietet dann Platz f&uuml;r 19 dieser Sonden. Eine Ariane 5 transportiert mit der ESC-A Oberstufe etwa 5200 kg zum Mars. 200 kg wiegt eine Sonde, 19 davon dann 3800 kg. Das l&auml;sst 1400 kg &uuml;brig f&uuml;r einen Satelliten, der die Sonden zum Mars transportiert und die Kommunikation &uuml;bernimmt (dies spart sowohl eine schwere Hochgewinnantenne wie auch stromhungrige Sender ein).<\/p>\n<p>Bei 2000 m\/s Antriebsbedarf um einen geostation&auml;ren Orbit in 17100 km Entfernung zu gelangen und 150 m\/s Korrekturbedarf in der interplanetaren Bahn. kann ein Satellit mit 600 kg Trockenmasse (450 kg ohne Antriebsmodul). Das ist nicht viel. Doch Mars Express wiegt auch nicht mehr. Mit einer 1.5 m Antenne kann er Daten mit 14 Kbit\/s (5 Watt Sendeleistung, Rundstrahlantenne) empfangen. Wenn die Lander bei 1200 MHz senden ist der &Ouml;ffnungswinkel zudem genauso gro&szlig; der Mars aus dem geostation&auml;ren Orbit. 12 Stunden pro Tag empf&auml;ngt der Satellit Daten. Mittels Breitbandempf&auml;nger kann er die Daten aller Stationen parallel empfangen. Pro Station w&auml;ren das bei 4 Stunden genutzter Sendezeit pro Tag etwa 200 MBit, mehr als die dreifache Datenmenge die ein Rover heute &uuml;ber die Satelliten &uuml;bermitteln k&ouml;nnen.<\/p>\n<p>Der Satellit k&ouml;nnte mit einer Kamera noch globale aufnahmen des Mars machen und Temperaturen und Wasserdampfgehalt in der Atmosph&auml;re bestimmen. <\/p>\n<p>Die Kosten w&auml;ren &uuml;berschaubar. Sie w&auml;ren zwar h&ouml;her als bei einem normalen Lander, aber nicht 19 mal h&ouml;her. (gesch&auml;tzt: 300 Millionen $ f&uuml;r den Satellit, 100 Mill $ f&uuml;r die Entwicklung der Landesonde und 30 Millionen pro Exemplar und 200 Mill $ f&uuml;r den Ariane 5 Start, macht zusammen 1070 Millionen Dollar). Mit zwei Sonden (die Landesonden m&uuml;ssen um ein Landegebiet pr&auml;zise zu treffen, kurz vor der Ankunft auf getrennte Bahnen gelenkt werden, man kann also pro Schwarm nur eine Hemisph&auml;re des Mars abdecken) kann man mit 38 Sonden ein globales Netzwerk bilden.<\/p>\n<p>Vor allem aber: Da eine Landesonde nicht viel kostet kann man auf Risiko gehen: Bilder aus dem Valles Marineris, vom Gipfel des Olympus Mons? Warum probiert man es nicht aus? Wenn es nicht klappt, dann hat man eben 18 anstatt 19 Landesonden. Vor allem aber g&auml;be es ein globales Netzwerk von Wetterdaten und Boden- und Oberfl&auml;chenanalysen von 19 Orten anstatt (wie bislang 6 Orten).<\/p>\n<p>Vielleicht ist dies eine bessere Option als komplexe Missionen wie Exomars und das Mars Science Laboratory.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern gab die NASA bekannt, dass sie Phoenix verloren hat. Mehr dazu in dem Aufsatz &uuml;ber seine Mission. Phoenix und die beiden Rover zeigen sehr deutlich die Problematik der aktuellen Marsforschung mit Landesonden. Phoenix ist ein klassischer Lander: Er ist gut instrumentiert, aber er ist unbeweglich. 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