{"id":4444,"date":"2011-03-06T00:16:02","date_gmt":"2011-03-05T23:16:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=4444"},"modified":"2011-03-04T23:19:11","modified_gmt":"2011-03-04T22:19:11","slug":"raumfahrtmythen-die-explodierenden-feststoffbooster","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2011\/03\/06\/raumfahrtmythen-die-explodierenden-feststoffbooster\/","title":{"rendered":"Raumfahrtmythen: Die explodierenden Feststoffbooster"},"content":{"rendered":"<p>Es gibt Mythen, die werden immer wieder nachgeplappert, Leute die es wissen gibt es ja wenige, Leute die alles besser wissen dagegen viele. Heute geht es mal um die Explosionsgefahr bei Tr&auml;gerraketen im Allgemeinen und Feststofftriebwerken im Besonderen.<\/p>\n<p>Kommen wir erst einmal zu dem was eine Explosion ausmacht und was der Unterschied zu einer Verbrennung ist. Das geht auch mit ganz normalem Heiz&ouml;l oder Benzin. Wird es entz&uuml;ndet, so verbrennt es. Dabei brennt die Kontaktfl&auml;che und die Verbrennung ist limitiert durch den an der Kontaktfl&auml;che vorhandenen Luftsauerstoff. Will man, wie das einem ja immer die Fernsehserien suggerieren, eine Explosion haben (z.B. bei Autounf&auml;llen), dann klappt das nicht. Sie k&ouml;nnen ja gerne ihr Auto mal zu Experimentalzwecken schrotten, Vielleicht k&ouml;nnen sie auch ausgelaufenes Benzin entz&uuml;nden, aber es wird nicht wie im Film explodieren.<!--more--><\/p>\n<p>F&uuml;r eine Explosion muss der Verbrennungstr&auml;ger (hier Benzin) mit dem Oxidator (hier Luftsauerstoff) fein verteilt vermischt werden, sodass eine gro&szlig;e Kontaktfl&auml;che resultiert. Erst dann darf eine Z&uuml;ndung erfolgen. Selbst wenn sie einen Benzinkanister sprengen bekommen sie nur einen Teileffekt, weil die Entz&uuml;ndung zu rasch nach dem Verst&auml;uben kommt, doch das Milit&auml;r soll an Implosionsbomben arbeiten, die darauf beruhen, dass ein Verbrennungstr&auml;ger durch eine erste Sprengladung fein verteilt und dann eine zweite Ladung entz&uuml;ndet wird. Die Wirkung beruht auf der Verbrennung und sofortigem Verbrauch des Luftsauerstoffs und dadurch dem entstehenden Unterdruck.<\/p>\n<p>Dehnt man diese Erkenntnisse nun auf die Raumfahrt aus. So k&ouml;nnen bestimmte Treibstoffarten leicht explosive Gemische bilden, so LOX\/Kerosin und LOX\/LH2. Damit dies m&ouml;glich ist m&uuml;ssten beide Treibstofftanks besch&auml;digt werden und soe die Treibstoffe ein explosives Gemisch bilden. Das ist insbesondere bei kryogenen Treibstoffen erleichtert, weil diese nicht nur durch den Innendruck aus den Tanks herausgepresst werden, sondern auch schnell verdampfen. Tritt nur eine Treibstoffkomponente aus, so kommt es nur zu einer Verbrennung. So bildete sich bei der Challenger schon 15 s vor der Explosion eine Stichflamme die vom Wasserstofftank ausging. Zur Explosion kam es erst als der zur&uuml;ckscherende SRB, der in der Zwischenzeit eine Abtrennung verloren hatte, gegen den Tank stie&szlig; und den Zwischentankbereich aufriss, wobei der nun massive auftretende Wasserstoff und Sauerstoff sich vermischten und durch die Flammen der Triebwerke entz&uuml;ndeten.<\/p>\n<p>Kann nun alles explodieren?<\/p>\n<p>&Auml;h nein. Gerade die absolut unbeliebten Treibstoffmischungen k&ouml;nnen nicht explodieren. Da sind zum einen hypergole Mischungen also Hydrazine mit Salpeters&auml;urederivaten. Da sie bei Kontakt sich entz&uuml;nden, bildet sich sofort eine Flammenfront aus, die zwar ebenfalls heftig verbrennen kann, aber eine weitaus geringere Schockwelle aufweist und damit (wichtig f&uuml;r ein bemanntes Raumfahrzeug) ein geringeres Risiko der Besch&auml;digung. Das f&uuml;hrte dazu, dass man bei Gemini sich mit Schleudersitzen begn&uuml;gte und keinen Fluchtturm einsetzte.<\/p>\n<p>Noch sicherer sind feste Treibstoffe. Die Mischung aus Ammoniumperchlorat, Aluminium und einem Kunstharz verl&ouml;scht, wenn ein Mindestdruck unterschritten wird, der abh&auml;ngig von der Zusammensetzung bei etwa 1-2 Bar liegt. Sie brennt nur an der Oberfl&auml;che, kann als fester, gummiartiger Stoff nicht fein verteilt werden. Eine explosive Mischung ist so nicht erreichbar. Es ist aber auch schwer sie zu l&ouml;schen, denn bei einem Verbrennungsdruck von 40-80 bar muss eine &Ouml;ffnung die den Innendruck sehr stark absinken l&auml;sst (damit die Verl&ouml;schungsgrenze erreicht wird) sehr gro&szlig; sein, grob gesch&auml;tzt, je nach Booster 20 mal gr&ouml;&szlig;er als die Fl&auml;che der D&uuml;se am D&uuml;senhals, dass w&auml;ren bei den Ariane Boostern sicher eine Fl&auml;che von etwa 10 bis 20 m?. Dagegen sind die Booster praktisch sofort verl&ouml;scht wenn man sie sprengt. Man kann das sehr gut bei zwei Ungl&uuml;cken sehen: Bei der Challenger Katastrophe flogen die SRB ungelenkt in Schlangenlinien weiter, als die Challenger schon in Tr&uuml;mmern zum Boden regnete. Sie wurden erst nach 110 s durch den Sicherheitsoffizier gesprengt. Beim Jungfernflug der Ariane 5 sprengte dagegen das Sicherheitssystem die Booster zusammen mit der EPC und man sieht keinerlei weiterfliegende Teile.<\/p>\n<p>&Uuml;berhaupt ist das Sicherheitssystem sehr wichtig. Denn es sprengt die Rakete wenn etwas passiert und zerlegt sie dabei in so viele Teile die hoffentlich weniger Schaden anrichten. Dabei werden nat&uuml;rlich auch die Tanks gesprengt und der Inhalt gut vermischt, sodass eine Sekund&auml;rexplosion ausgel&ouml;st wird durch die noch hei&szlig;en Teile oder Triebwerke. Alleine 3,5 kg RDX Sprengstoff befinden sich daf&uuml;r in jedem Ariane 5 Booster.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt Mythen, die werden immer wieder nachgeplappert, Leute die es wissen gibt es ja wenige, Leute die alles besser wissen dagegen viele. Heute geht es mal um die Explosionsgefahr bei Tr&auml;gerraketen im Allgemeinen und Feststofftriebwerken im Besonderen. 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