{"id":4492,"date":"2011-03-19T00:28:10","date_gmt":"2011-03-18T23:28:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=4492"},"modified":"2011-03-18T18:29:57","modified_gmt":"2011-03-18T17:29:57","slug":"senkung-der-transportkosten-was-ist-moglich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2011\/03\/19\/senkung-der-transportkosten-was-ist-moglich\/","title":{"rendered":"Senkung der Transportkosten &#8211; Was ist m&ouml;glich?"},"content":{"rendered":"<p>Es ist abzusehen, dass bei Tr&auml;gerraketen das Ende der Stange erreicht ist, was es an technischen M&ouml;glichkeiten gibt, um die Transportkosten zu senken. Hier mal eine kleine Zusammenfassung:<\/p>\n<p>Feststoffbooster sind die preiswerteste M&ouml;glichkeit aufgrund ihres sehr einfachen Aufbaus. Sie erlauben es auch bei einem Parallelstart das Triebwerk einer Zentralstufe mit fl&uuml;ssigen Treibstoffen kleiner zu dimensionieren und so Kosten zu sparen. Aufgrund ihres hohen Leergewichtes und niedrigen spezifischem Impuls sind reine Raketen nur aus festen Treibstoffen heute aber nur eine L&ouml;sung f&uuml;r kleine bis mittlere Nutzlasten.<\/p>\n<p>Bei fl&uuml;ssigen Treibstoffen geht der Trend zu Wasserstoff\/Sauerstoff. Bei h&ouml;heren Geschwindigkeiten (GTO) kann man so eventuell eine ganze Stufe sparen, bei normalen Antrieben ist eine LOX\/Kerosinstufe wenn man die Gesamtberechung aufmacht, meist nicht billiger. Wenn bestimmte L&auml;nder trotzdem noch zu dieser Technologie tendieren, dann aufgrund ihrer jahrelangen Erfahrungen mit diesen Triebwerken (vor allem Russland). Sinnvoll scheinen andere fl&uuml;ssige Treibstoffe nur dann zu sein, wenn das Volumen der Stufe ein Problem bei Fertigung oder Handhabung wird, wie es sicher bei sehr gro&szlig;en Stufen der Fall sein d&uuml;rfte (Saturn V Klasse).<!--more--><\/p>\n<p>Wenn heute noch neue Tr&auml;ger entstehen und diese billiger als bestehende sein sollen, dann hat das nicht technische sondern finanzielle Gr&uuml;nde. Entweder weil man sich von Ihnen Einsparungen durch preiswertere Fertigung erhofft (so sind z.B. CFK-Geh&auml;use bis zu einer bestimmten Gr&ouml;&szlig;e einfacher als Edelstahlgeh&auml;use zu fertigen) oder weil ein modularer Tr&auml;ger mehrere andere ersetzen soll (Angara) oder man sich h&ouml;here Gewinne bei mehr Starts eines Tr&auml;gers erhofft als bei einem der weniger oft startet, daf&uuml;r aber zwei Satelliten auf einmal transportiert (Ariane 5 vs Ariane 6).<\/p>\n<p>Wenn wir weiter denken, wie kann man signifikant die Startkosten senken? Wenn eine Technologie weitgehend optimiert ist, eigentlich nur durch &Uuml;bergang auf eine andere. Der folgerichtigste &Uuml;bergang w&auml;re der zur Wiederverwendung. Das Problem ist: Wir kennen nur ein System das es bisher probiert hat und das ist gescheitert. Meiner Ansicht nach ist es auch gescheitert, weil zwei grunds&auml;tzliche Dinge vermischt wurden: bemannte Raumfahrt mit ihren Sicherheitsanforderungen und Transport der eigentlich (und das demonstrieren Tr&auml;gerraketen seit Jahrzehnten) unbemannt erfolgen kann.<\/p>\n<p>Die Optionen:<\/p>\n<p>Um in einen Orbit zu gelangen ben&ouml;tige ich heute zwei bis drei Stufen, abh&auml;ngig von der zu erreichenden Geschwindigkeit und den eingesetzten Treibstoffen. Theoretisch w&auml;re ein niedriger Erdorbit mit einer Stufe und kleiner Nutzlast erreichbar, doch dann hat man praktisch keine Luft mehr, wenn diese auch nur leicht schwerer wird.<\/p>\n<p>Sa stellt sich die Frage nach zu verwendenden Treibstoffen und Wiederverwendung.<\/p>\n<p>Gehen wir das mal von den einfacheren zu den komplizierteren F&auml;llen an. Die Oberstufe halte ich noch f&uuml;r absehbare Zeit nicht f&uuml;r wiederverwendbar. Sowohl aus technischer wie wirtschaftlichen Gr&uuml;nden. Aus wirtschaftlichen Gr&uuml;nden: Die Oberstufe wird naturgem&auml;&szlig; kleiner als die erste Stufe sein, daher auch preiswerter. Der Gewinn durch die Wiederverwendung nimmt also ab. Aus technischen Gr&uuml;nden: Wird eine Stufe schwerer (und das wird bei Stufen die geborgen werden soll immer der Fall sein), so erniedrigen 100 kg mehr Leermasse bei der ersten Stufe die Nutzlast um 20 bis 10 kg. Bei einer Oberstufe sind es 100 kg. Dabei wird eine Oberstufe einen gr&ouml;&szlig;eren Aufwand erfordern. Die Eintrittsgeschwindigkeit ist h&ouml;her &#8211; es wird nicht ohne Hitzeschutzschilde gehen, was bei den unteren Stufen eventuell noch geht. Es wird Treibstoff ben&ouml;tigt um die Stufe zu deorbitieren &#8211; und das um so mehr je h&ouml;her der Orbit ist.<\/p>\n<p>Es ist leicht nachzuvollziehen, dass bei h&ouml;heren Bahnen die Nutzlast rapide abnimmt weil mehr Treibstoff zum Deorbitieren ben&ouml;tigt wird und bei bestimmten Bahntypen ist eine Bergung unm&ouml;glich oder sehr aufwendig. Ich sehe die Oberstufe daher f&uuml;r noch lange als ein Wegwerfgef&auml;hrt.<\/p>\n<p>Das l&auml;sst die Frage der Unterstufe offen. Feststoffbooster zu bergen ist wegen ihrer preiswerten Fertigung zumindest bei ariane 5 unwirtschaftlich und wenn dann die der Gewinn klein. Immerhin sind sie so robust, dass die nur ein Fallschirmsystem ben&ouml;tigen.<\/p>\n<p>Eine Stufe unver&auml;ndert zu bergen, indem man sie nur durch Fallschirme abbremst, wurde f&uuml;r die Saturn IC und die Ariane H140 gepr&uuml;ft und in beiden F&auml;llen verworfen. Bei der H140 ergab sich eine instabile Fluglage die zum &Uuml;berschlag. SpaceX versucht die Bergung ihrer Stufen seit 5 Jahren &#8211; bisher ohne Erfolg. Vielleicht schlie&szlig;en sich? hitzeempfindliche leichte Aluminiumgeh&auml;use und Bergung eben aus. Ich denke es ist aber auch wenn es gelingt. keine gute L&ouml;sung. Selbst wenn eine Stufe mit ihren zahlreichen mechanisch empfindlichen Bauteilen und den kurz vorher hoch erhitzten Triebwerken das &uuml;bersteht, ist danach eine so gr&uuml;ndliche Inspektion bis auf Bauteilebene n&ouml;tig, dass wohl eine neue Stufe nicht viel billiger kommt.<\/p>\n<p>Sinnvoll ist nur die Landung wie ein Flugzeug. Dazu werden Fl&uuml;gel ben&ouml;tigt oder ein aerodynamischer Auftriebsk&ouml;rper (bei LOX\/LH2 wegen des gro&szlig;en Tankvolumens wohl die bessere L&ouml;sung). Dazu ein Triebwerk &#8211; es muss schlie&szlig;lich zum Startplatz zur&uuml;ckgeflogen werden und Treibstoff daf&uuml;r.<\/p>\n<p>Ob dieser nun wie eine Rakete startet oder waagerecht wie dies bei Hopper geplant ist halte ich f&uuml;r Nebens&auml;chlich. Es k&ouml;nnen aber Absch&auml;tzungen gemacht werden, wei viel schwerer er ist, denn es gibt schon Planungen:<\/p>\n<table style=\"width: 100%;\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<th>Zenit Booster<\/th>\n<th>Energija Booster<\/th>\n<th>Ariane 5 EPC<\/th>\n<th>LFBB<\/th>\n<th>Hopper<\/th>\n<th>Angara UEM<\/th>\n<th>Baikal<\/th>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Startgewicht<\/td>\n<td>346.880 kg<\/td>\n<td>372.600 kg<\/td>\n<td>189.300 kg<\/td>\n<td>222.500 kg<\/td>\n<td>462.600 kg<\/td>\n<td>143.100 kg<\/td>\n<td>130.400 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Gewicht bei Brennschluss<\/td>\n<td>33.600 kg<\/td>\n<td>65.600 kg<\/td>\n<td>14.300? kg<\/td>\n<td>54.000 kg<\/td>\n<td>63.600 kg<\/td>\n<td>10.500 kg<\/td>\n<td>20.700 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Voll\/Leergewicht<\/td>\n<td>10,26<\/td>\n<td>5,67<\/td>\n<td>13,23<\/td>\n<td>4,12<\/td>\n<td>7,27<\/td>\n<td>13,62<\/td>\n<td>6,30<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Es ist deutlich dass das Leergewicht erheblich h&ouml;her ist. Bei dem Vergleich Energija\/Zenit und Baikal\/URM ist es jeweils ein Aufschlag von 100%, bei den LFBB sogar 300%, was aber vielleicht auch daran liegt, das hier eine Stufe umgebaut wurde. Ein neues auf die Wiederverwendung optimiertes System w&auml;re hier besser.<\/p>\n<p>Das stellt nun die Frage der Treibstoffverh&auml;ltnisse &#8211; beide Stufen Kerosin\/LOX oder LH2\/LOX oder gemischt oder eine feste Oberstufe?<\/p>\n<p>Nun bei der Oberstufe ist die Frage leicht zu beantworten: Verglichen mit dem Nutzlastgewinn spielen deren Kosten keine Rolle. Theoretische Annahme: Der Tr&auml;ger soll einen GTO Orbit erreichen. Der Gesamtgeschwindigkeitsbedarf daf&uuml;r betr&uuml;ge 12 km\/s. Davon soll die Oberstufe 6 km\/s also die H&auml;lfte, aufbringen. Die Unterstufe soll 30 t transportieren k&ouml;nnen. Dann betr&auml;gt bei typischen Annahmen f&uuml;r Stufen die Nutzlast:<\/p>\n<ul>\n<li>Feststoff: 1,5 t (voll: 28,5 t, leer 2,25 t, Ausstr&ouml;mgeschwindigkeit 2.900 m\/s)<\/li>\n<li>LOX\/Kerosin: 2,3 t (voll: 27,7 t, leer 2,7 t Ausstr&ouml;mgeschwindigkeit: 3.300 m\/s)<\/li>\n<li>LOX\/LH2: 4,7 t (voll 25,3 t, leer 3,2 t, Ausstr&ouml;mgeschwindigkeit 4.500 m\/s)<\/li>\n<\/ul>\n<p>Es ist unwahrscheinlich, dass eine Oberstufe so viel mehr kostet dass sie die Gesamtkosten um 100% bzw. 200% erh&ouml;ht gegen&uuml;ber dem Vergleich von LOC\/Kerosin oder festen Treibstoffen.<\/p>\n<p>LOX\/LH2 Oberstufen werden in den meisten Szenarien aber nicht gef&uuml;hrt: Sie sind zu gro&szlig; und passen dann nicht in die kleinen vorgesehenen Nutzlastbuchten &#8211; aber warum transportiert man sie nicht einfach mit einer Nutzlastverkleidung Huckepack, so wie heute der Shuttle Huckepack auf dem Tank sitzt. Der Gewinn ist zumindest wenn man &uuml;ber LEO-Bahnen hinaus geht deutlich &#8211; und das Problem des Shuttles war ja dass er nur LEO Bahnen erreicht.<\/p>\n<p>F&uuml;r die Unterstufe wird es schwierig.? Die Stufenverh&auml;ltnisse um 6 km\/s zu erreichen betragen bei LOX\/Kerosin 6,16 und bei LOX\/LH2 3,80. (3.300 und 4.500 m\/s Ausstr&ouml;mgeschwindigkeit) Das ist wenn man oben in die Tabelle schaut, nahe dessen was die Stufen an Voll\/Trockenmasse aufweisen &#8211; nur muss ja noch die Oberstufe bef&ouml;rdert werden, Eine L&ouml;sung k&ouml;nnte es sein auf den angetriebenen Flug zu verzichten, der z.B. bei Hopper nicht vorgesehen ist. Bei den LFBB ist so eine Steigerung auf 4,77 m&ouml;glich, was auf eine etwa 420 t schwere Startstufe mit einem Trockengewicht von 88 t hinausl&auml;uft.<\/p>\n<p>Die Nutzlast ist wegen des hohen Trockengewichts trotz Hauptstromverfahren in beiden Stufen nicht berauschend: 4,7 t bei 450 t Startgewicht. Erreicht man in der ersten Stufe ein Voll\/Leermasseverh&auml;ltnis von 7,72 also wie bei Hermes, so sind es nur noch 195 t. Das zeigt deutlich, dass auch wiederverwendbare Stufen nicht unn&ouml;tig schwer sein d&uuml;rfen. Immerhin: F&uuml;r einen LEO Orbit entspannt sich die Situation und hier w&auml;re auch LOX\/Kerosin f&uuml;r die erste Stufe denkbar.<\/p>\n<p>Die Kosten: Bei jedem Start verliert man eine Oberstufe und eine Nutzlastverkleidung, die bei heutigen Systemen rund 20% der Kosten ausmachen. Will man die Transportkosten halbieren, so machen sie dann 40% der Gesamtkosten aus. Das bedeutet, dass die wiederverwendbare Stufe, wenn die Startkosten halbiert werden sollen nicht 50% einer konventionellen Stufe kosten d&uuml;rfen, sondern nur 30%. Dabei ist sie teurer in der Fertigung. Vergleicht man z.B. die obige 420 t schwere Startstufe mir Ariane 5, so transportiert sie deren halbe Nutzlast, ben&ouml;tigt aber vier Vulcain Triebwerke anstatt einem f&uuml;r die doppelte Nutzlast um abzuheben. Das zeigt ein Dilemma auf: Das konzept geht wirklich nur dann auf, wenn es die Kosten nicht ein bisschen, sondern massiv gesenkt werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist abzusehen, dass bei Tr&auml;gerraketen das Ende der Stange erreicht ist, was es an technischen M&ouml;glichkeiten gibt, um die Transportkosten zu senken. Hier mal eine kleine Zusammenfassung: Feststoffbooster sind die preiswerteste M&ouml;glichkeit aufgrund ihres sehr einfachen Aufbaus. 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