{"id":4503,"date":"2011-03-22T00:37:54","date_gmt":"2011-03-21T23:37:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=4503"},"modified":"2011-03-22T00:42:35","modified_gmt":"2011-03-21T23:42:35","slug":"sonnenbeobachtung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2011\/03\/22\/sonnenbeobachtung\/","title":{"rendered":"Sonnenbeobachtung"},"content":{"rendered":"<p>Da mir ein bisschen die Themen f&uuml;r Blogs ausgehen heute mal ein informativer Blog. Ich habe lange Jahre auch als Hobby-Astronom beobachtet. Und will heute mal einen Blog basierend auf meinen Erfahrungen machen.<\/p>\n<p>Es geht um die Beobachtung der Sonne mit einem Teleskop. Das ist f&uuml;r Hobby Astronomen ein spezielles Gebiet, aber ein durchaus interessantes. Anders als die Beobachtung von Sternen ist es am Tag m&ouml;glich. Schon alleine das ist f&uuml;r manche die berufst&auml;tig sind und nicht die Nacht durchwachen k&ouml;nnen oder wollen ein Argument. Ein zweites ist das sich die Sonne ver&auml;ndert und dies schon mit kleinen Fernrohren beobachtbar ist. Es gibt neue Sonnenflecken die kommen und vergehen (&uuml;ber Tage), Protuberanzen entstehen und vergehen im Bereich von Stunden und Flares entstehen innerhalb von Minuten.<!--more--><\/p>\n<p>Zuerst die Frage: Welches Teleskop eignet sich daf&uuml;r? Nun diese ist einfach zu beantworten. Die Sonne ist sehr leichtstark und sie ist nicht sehr gro&szlig;. Schon bei etwa 100 facher Vergr&ouml;&szlig;erung f&uuml;llt sie das Blickfeld g&auml;ngiger Okulare aus. Daf&uuml;r ben&ouml;tigt man kein gro&szlig;es Teleskop. Ein kleines Teleskop mit einer &Ouml;ffnung von 60 bis 120 mm reicht aus. Gr&ouml;&szlig;ere bringen keinen Vorteil, machen eigentlich nur das Zubeh&ouml;r teurer. Bei der Sonnenbeobachtung haben sich langbrennweitige Linsenteleskope als am geeignetsten erwiesen. Zum einen bedeutet die lange Brennweite eine Reduktion der Lichtst&auml;rke, man kann sehr langbrennweitige Okulare f&uuml;r die Beobachtung einsetzen (sie haben gro&szlig;e Feldlinsen und daher ist das Einblickverhalten vor allem am Tag bei Streulicht besser) und dies reduziert die Lichtst&auml;rke. Auch ist die Sonne selten so hoch am Himmel, dass sich der Einblick hinten als nachteilig erweist, wie dies bei der Beobachtung nahe des Zenits der Fall ist.<\/p>\n<p>Aber es geht auch ein langbrennweitiger Newton Reflektor. Die &Ouml;ffnung muss nicht gro&szlig; sein, weil durch die am Tage turbulente Luft die Aufl&ouml;sung sowieso begrenzt ist und ein Hobbyastronom anders als Profis nicht die M&ouml;glichkeit durch deformierbare Spiegel diese computerunterst&uuml;tzt auszugleichen. Bei einem Newton reicht ein Ger&auml;t im Bereich von 76 bis 150 mm. Ebenso eignen sich die kleinen Makutsov oder Schmidt-Cassgerain Teleskope.<\/p>\n<p>Was ben&ouml;tigt man an Zubeh&ouml;r? Das kommt an zuerst einmal gilt es die Sonne gefahrlos zu beobachten. Es gibt zwei M&ouml;glichkeiten.<\/p>\n<p>Das eine sind Objektiv Sonnenfilter. Das ist entweder eingefasster Glasfilter mit stark get&ouml;ntem Glas oder man bastelt ihn sich selbst aus einem Pappring und einer Folie wie sie auch f&uuml;r die Sonnenbrillen verwendet wird. Das kommt erheblich preiswerter. Die Funktion des Filters ist es nur 1\/10000 bis 1\/100000 der Strahlung der Sonne durchzulassen. Der niedrigere Wert ist gedacht f&uuml;r die Fotografie und der h&ouml;here f&uuml;r die Beobachtung. Ein Filter vor dem Objektiv oder dem Prim&auml;rspiegel reduziert die einfallende Strahlung und erlaubt so eine gefahrlose Beobachtung. Problematisch ist allerdings, dass nun das Bild sehr leuchtschwach ist und man es ansieht, wenn es gerade drau&szlig;en sehr hell ist. Zu empfehlen ist daher ein Blendschutz gegen die Sonne. Etwas unbequem, aber bew&auml;hrt haben sich Kartons mit einer &Ouml;ffnung f&uuml;r das Okular.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" src=\"http:\/\/www.webergarn.de\/PARADIGMEN\/SonneNah.gif\" alt=\"\" width=\"178\" height=\"178\" align=\"left\" \/>Die zweite M&ouml;glichkeit sind Sonnenprojektionsschirme. Das ist eine Scheibe die mit matter, wei&szlig;er Farbe angestrichen wird und die mit einem Stab am Okularauszug befestigt wird. Auf die Scheibe wird das Bild der Sonne projiziert, dass dann gefahrlos betrachtet werden kann. Auch hier empfehlt sich eine Reduktion der Umgebungshelligkeit zur Erh&ouml;hung des Kontrastes. Der Nachteil eines Sonnenprojektionsschirmes ist, das so Fotografie nicht m&ouml;glich ist und das projizierte Bild durch die diffuse &#8222;Mattscheibe&#8220; nicht so hochaufl&ouml;send ist. Durch die Erhitzung der Okulare durch das konzentrierte Sonnenlicht sind hochwertige Okulare, die aus verschiedenen verkitteten Linsengruppen nicht einsetzbar. Der Kitt k&ouml;nnte Schaden nehmen oder die Linsen durch unterschiedliche thermische Ausdehnung besch&auml;digt werden. So sind nur einfache Okulare mit schlechten Abbildungsleistungen und kleinen Gesichtsfeldern einsetzbar.<\/p>\n<p>Was man auf keinen Fall einsetzen sollte sind die bei billigen Teleskopen mitgelieferten Okularfilter. Diese aus get&ouml;ntem Glas erhitzen sich durch die Sammelwirkung sehr stark und k&ouml;nnen dann pl&ouml;tzlich brechen. Mir ist das einmal passiert und ich konnte gerade noch weggucken. Wenn man Pech hat bekommt man sonst die konzentrierte Strahlung ins Auge und erblindet. wer wissen will, wie viel Energie in der Sonne steckt sollte mal ein Teleskop auf die Sonne ausrichten. Einfach mal in den Strahl ein St&uuml;ckchen Holz oder ein Blatt Papier halten und in 1-2 s brennt es&#8230;.<\/p>\n<p>Beide M&ouml;glichkeiten zeigen dann ein Bild in dieser Form. Sichtbar sind darauf die Sonnenflecken. Sie sind deutlich k&uuml;hler und daher dunkler als die normale Oberfl&auml;che. Sie haben aber nichts gemein mit den tollen Aufnahmen aus dem All. Das liegt daran, dass zum einen diese in bestimmten Wellenl&auml;ngenbereichen gewonnen wurden, die man von der Erde aus nicht sehen kann, und zum anderen oftmals nur in einer bestimmten Wellenl&auml;nge gewonnen wurde.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright\" src=\"http:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/8\/81\/Sonne_Wasserstoff-alpha-Filter.jpg\" alt=\"\" width=\"320\" height=\"320\" align=\"right\" \/>Das letztere ist auch f&uuml;r Amateure m&ouml;glich. Die Sonne ist sehr hei&szlig;. Die Atome in der obersten Schicht nehmen dabei Energie auf, Elektronen springen dann auf h&ouml;here Bahnen und wieder zur&uuml;ck &#8211; sie geben, weil jede Bahn einem Energieniveau entspricht dabei Energie einer bestimmten Wellenl&auml;nge ab. Die am universell einsetzbare ist dabei die Wellenl&auml;nge H alpha, bei der ein &Uuml;bergang des angeregten Wasserstoffs erfolgt. Filter die nur Licht dieser Wellenl&auml;nge durchlassen, zeigen daher viel mehr von der Sonne. Wie viel h&auml;ngt von der Bandbreite ab. Da Licht neben der Wellenl&auml;nge den Kontrast senkt. Dieses Licht stammt nicht von der Wellenl&auml;nge des &Uuml;bergangs. Filter mit hoher Bandbreite erlauben es, die Protuberanzen &uuml;ber der Sonne zu beobachten, da sich diese vom Schwarz des Weltraums abheben. Flares oder die Granulation der Oberfl&auml;che k&ouml;nnen nicht aufgel&ouml;st werden. Schmalbandigere Filter zeigen dann zuerst die Flares und zuletzt auch die Granulation der Oberfl&auml;che und wenn man sie beobachtet sieht man wie die Sonne wabbert.<\/p>\n<p>Der Nachteil: H Alpha filter sind teuer. Sie kosten meistens mehr als ein Teleskop. Das liegt an der Forderung nach extrem schmalbandigen Filtern, die viel h&ouml;her sind als bei den Lichtabsorptionsfiltern oder Kontrastfiltern die nachts eingesetzt werden sind.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" src=\"http:\/\/kopiko.ifa.hawaii.edu\/Corona\/Archive\/2007\/Corona.20071204.191008.gif\" alt=\"\" width=\"320\" height=\"240\" align=\"left\" \/>Das letzte was man noch machen kann ist der Umbau seines Teleskops in einen Koronografen. Das geht nur mit Linsenteleskopen und ist der Versuch eine k&uuml;nstliche Sonnenfinsternis zu erzeugen. Die Vorgehensweise ist die, in den Strahlengang eine Blende einzuf&uuml;hren, welche die Sonnenscheibe abdeckt. Die leuchtschwache &auml;u&szlig;ere Korona kann dann fotografiert werden. Die Blende muss angepasst werden, da die Sonne unterschiedlich gro&szlig; je nach Erdabstand ist. Das ganze erfordert dann schon gr&ouml;&szlig;ere Erfahrung und die Korona ist nur bei guten Wetterbedingungen (absolut wolkenloser Himmel, da Streulicht schon in kleinem Ma&szlig;e st&ouml;rt) beobachtbar. Visuell wird man kaum was sehen, weil die Korona sehr leuchtschwach ist und so die Umgebungshelligkeit verhindert, dass man sie sieht. Fotografien sind m&ouml;glich weil das Geh&auml;use lichtdicht abschlie&szlig;t. Weitere Filter und Blenden sollen das Bild verbessern. Trotzdem k&ouml;nnen die Bilder nicht mit denen einer Sonnenfinsternis konkurrieren. Die Zone direkt &uuml;ber der Sonne muss meist wegen der Lichtstreuung der Atmosph&auml;re mit abgedeckt werden, sodass man keine Flares und nur hohe Prototuberanzen sieht. Ein professionelles Bild eines Gro&szlig;observatoriums sieht dann so aus wie die Abbildung links.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Da mir ein bisschen die Themen f&uuml;r Blogs ausgehen heute mal ein informativer Blog. Ich habe lange Jahre auch als Hobby-Astronom beobachtet. Und will heute mal einen Blog basierend auf meinen Erfahrungen machen. Es geht um die Beobachtung der Sonne mit einem Teleskop. Das ist f&uuml;r Hobby Astronomen ein spezielles Gebiet, aber ein durchaus interessantes. 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