{"id":4551,"date":"2011-04-01T01:31:49","date_gmt":"2011-03-31T23:31:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=4551"},"modified":"2011-04-01T22:23:11","modified_gmt":"2011-04-01T20:23:11","slug":"pioneer-10-meldet-sich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2011\/04\/01\/pioneer-10-meldet-sich\/","title":{"rendered":"Pioneer 10 meldet sich"},"content":{"rendered":"<p>Die NASA wird heute auf einer Pressekonferenz um 14:00 Ostk&uuml;stenzeit Details des Kontakts mit Pioneer 10 vorstellen. Eine Zusammenfassung wurde schon vorab &uuml;ber die Maillingliste f&uuml;r Announcements verbreitet und diese sind in der Tat sehr mysteri&ouml;s.<\/p>\n<p>Die NASA verlor am 22.1.2003 den Kontakt mit Pioneer 10, als das Sendesignal zu schwach war um noch Daten zu extrahieren. Im letzten Juli empfing die 70 m Antenne von Goldstone bei einer Routine&uuml;bertragung mit Cassini, die zu dieser Zeit im selben Raumsektor stand, Telemetrie von Pioneer 10. Obwohl die &Uuml;bertragung mit Cassini eigentlich nur 6 Stunden dauern sollte, behielt die NASA den Kontakt &uuml;ber 14 Stunden auch mit den Antenne von Perth.<\/p>\n<p>Das erstaunliche war, das nicht nur ein Signal empfangen wurde sondern es sehr deutlich war und s&auml;mtliche Telemetrie extrahiert werden konnte. Das alleine ist schon sensationell. Den Pioneer 10 hatte als der Kontakt verloren wurde zu wenig Strom, um den Sender mit gen&uuml;gend Leistung zu betreiben. Nun scheint die Sonde wieder &uuml;ber gen&uuml;gend Strom zu Verf&uuml;gen: Nicht nur f&uuml;r die Sender sondern alle Systeme waren aktiv! W&auml;hrend der ganzen Zeit sank die Spannung nie unter 27,5 V (nominell 28 V), weit oberhalb des Pegels von 26 V der ben&ouml;tigt wird, und ab dem begonnen wird, Experimente abzuschalten.<!--more--><\/p>\n<p>Eine Erkl&auml;rung daf&uuml;r gibt es nicht. Bei dem normalen Absinken der Leistung der RTG sollten diese inzwischen zu wenig Leistung aufweisen, um auch nur ein System an Bord der Sonde zu betreiben. Eine Vermutung ist eine langsame Aufladung der Batterie durch die RTG, die periodisch dann gen&uuml;gend Leistung aufweist, um die Sonde wieder voll zu betreiben. Dieser Automatismus ist vorgesehen. Allerdings ist mit der Batterie, die ja auch altert, kein Betrieb &uuml;ber 14 Stunden m&ouml;glich, sondern maximal (ohne Alterung) von 8 Stunden.<\/p>\n<p>Besonders interessiert waren die Wissenschaftler an den Werten der Sonde. Diese waren verwirrend. Zum einen waren die Temperaturen innerhalb der Sonde weit zu hoch. Es wurden Temperaturen von 20 bis 25?C gemessen. Normal w&auml;re eine starke Abk&uuml;hlung auf unter -40?C gewesen. Die letzten gemessen Temperaturen vor Kontaktverlust im Jahr 2003 lagen bei -43?C nun wurden -57?C erwartet.<\/p>\n<p>Das Teilchenexperiment ma&szlig; in 14 Stunden kein einziges Teilchen. Normal w&auml;ren 1000 Elektronen und rund 10-20 Protonen, Neutronen oder Heliumkerne gewesen. Es war zuletzt noch aktiv und lieferte Me&szlig;werte. Eventuell ist es ausgefallen, das Gas aus dem Geigerz&auml;hler entwichen oder die &Ouml;ffnung blockiert.<\/p>\n<p>Umgekehrt ma&szlig; das Magnetometer ein konstantes Magnetfeld von einer St&auml;rke von einem Zehntel des Erdmagnetfeldes. Das ist ein noch gr&ouml;&szlig;eres R&auml;tsel. Ein so gro&szlig;es Magnetfeld erfordert einen gro&szlig;en Himmelsk&ouml;rper, in etwa von der Gr&ouml;&szlig;e Merkurs, der noch dazu noch einen fl&uuml;ssigen Eisenkern aufweisen muss. Ein solcher Himmelsk&ouml;rper wird in dieser Region nahezu ausgeschlossen. Noch bedeutender: Es hat sich in den 14 Stunden kaum ge&auml;ndert, w&auml;hrend die Sonde sich mit hoher Geschwindigkeit weiter bewegt. Diese Eigenschaft weisen eigentlich nur sehr ausgedehnte Magnetosph&auml;ren wie die von Jupiter auf. W&uuml;rde Pioneer 10 die Erde passieren, so w&uuml;rde die Feldst&auml;rke in 14 Stunden auf ein Hundertstel aufgrund des immer gr&ouml;&szlig;eren Abstandes vom Erdkern zur&uuml;ckgehen.<\/p>\n<p>Auch der Staubz&auml;hler war aktiv und lieferte noch verwirrendere Messungen. Pioneers Staubz&auml;hlexperiment bestand aus Kammern, gef&uuml;llt mit einem elektrisch leitenden Gas. Ein Staubkorn verursacht beim Passieren einer d&uuml;nnen Plastikfolie zuerst einen Impuls durch die erzeugten Ionen und dann einen Abfall der Leitf&auml;higkeit durch das austretende Gas. Kline Partikel penetrieren die Oberfl&auml;chen und f&uuml;hren zu langsamen Gasverlust und k&ouml;nnen so durch Abnahme der elektrischen Leitung als Summe bestimmt werden. 2003 waren nur noch die H&auml;lfte der Kammern leitend, die anderen waren durch Staub durchl&ouml;chert und lieferten kein Signal mehr. Nun gab es auf allen Kan&auml;len ein sauberes Signal, das noch st&auml;rker als vor dem Start war. Das kann nach Ansicht der Experimentatoren nur der Fall sein, wenn die Kammern erneut mit einem Gasgemisch gef&uuml;llt sind, das mindestens 40% eines dielektrisch leitenden Gases wie Wasserdampf, Ammoniak oder Kohlenwasserstoffe enth&auml;lt.<\/p>\n<p>Als am n&auml;chsten Tag auch die Bahnbestimmung vorlag ergab es einen neuen Befund. Pioneer 10 war zwar nahe der berechneten Position, aber nicht genau dort, wo man sie vermutete. Die Position war um 10 Millionen km falsch. Mehr noch: Anstatt sich weiter von der Sonne zu entfernen war die Sonde radiale Komponente der Geschwindigkeit nur gering, stattdessen wies sie eine Bewegung von 10 km\/s quer zur Erde auf, was v&ouml;llig unerkl&auml;rlich ist.<\/p>\n<p>Ich bin gespannt wie die NASA diese Tatsachen erkl&auml;ren will. F&uuml;r mich sieht das so aus, als w&auml;re die Sonde nun in einer rund 20 Grad warmen Umgebung mit einer Atmosph&auml;re aus mindestens 40% Wasserdampf, Methan, Ammoniak oder Schwefelwasserstoff oder einem organischen Gas, in der N&auml;he eines gr&ouml;&szlig;eren ferromagnetischen Metallteils welches auch Teilchen des Sonnenwindes abschirmt. Das hat wohl auch den Kurs ver&auml;ndert.<\/p>\n<p>Was dahinter steckt, das zeigt wohl am besten wie der Kontakt verloren wurde. Als nach einigen Minuten klar war, dass das Signal von Pioneer 10 kam, sandte man den Befehl zur Sonde die Frequenz zu wechseln, um St&ouml;rungen der Daten von Cassini zu vermindern. Die Sonde best&auml;tigte nach 14 Stunden Signallaufzeit den Empfang, wechselte die Frequenz um wenige Minuten sp&auml;ter abrupt den Betrieb einzustellen &#8211; seitdem hat man nichts mehr von Pioneer 10 mehr geh&ouml;rt. Ausfall? Kurzschluss? Oder wurde ja jemand ertappt und hat nun den Stecker gezogen?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die NASA wird heute auf einer Pressekonferenz um 14:00 Ostk&uuml;stenzeit Details des Kontakts mit Pioneer 10 vorstellen. Eine Zusammenfassung wurde schon vorab &uuml;ber die Maillingliste f&uuml;r Announcements verbreitet und diese sind in der Tat sehr mysteri&ouml;s. 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