{"id":4654,"date":"2011-04-23T00:01:11","date_gmt":"2011-04-22T22:01:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=4654"},"modified":"2011-04-21T13:03:54","modified_gmt":"2011-04-21T11:03:54","slug":"einfuhrung-in-teleskope-teil-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2011\/04\/23\/einfuhrung-in-teleskope-teil-1\/","title":{"rendered":"Einf&uuml;hrung in Teleskope &#8211; Teil 1"},"content":{"rendered":"<p>Ich habe ja in meiner Website auch einen Teil &uuml;ber Teleskope und eine Beratung dazu und ich will das Thema nun in einer losen Reihe auch im Blog aufnehmen. Heute geht es um die nackten technischen Daten und ihre Bedeutung.<\/p>\n<p>Gerne werden Teleskope verglichen mit dem menschlichen Auge, doch das ist kein besonders guter Vergleich. Zuerst einmal haben wir zwei Augen, w&auml;hrend ein Teleskop nur einen Einblick in ein Okular erlaubt (es gibt auch Binokularaufs&auml;tze, doch dieses Extra ist recht teuer und es gibt dann andere Nachteile). Die Ver&auml;nderung merkt jeder, wenn er ins Okular blickt, es &auml;hnelt ein bisschen dem Blick in eine R&ouml;hre. Wer mal ein Auge abdeckt merkt auch so, wie sich das beim Sehen auswirkt.<!--more--><\/p>\n<p>Das zweite ist, dass unser Auge zahlreiche Eigenschaften hat, die ein Teleskop nicht aufweist. So hat es eine Weitwinkeloptik mit Zoomfunktion, das merkt jeder, der mal eine Szene mit dem Auge beobachtet und dann ein Foto mit der Kamera macht. Selbst ohne den Kopf zu bewegen folgt der Augapfel blitzschnell einem Objekt und wir k&ouml;nnen uns auf einen kleinen Ausschnitt konzentrieren und nur diesen wahrnehmen. Beim Teleskop braucht man daf&uuml;r mehrere Okulare oder eine Zoomokular.<\/p>\n<p>Auch die Retina hat eine unterschiedliche Aufl&ouml;sung. Im Zentralbereich betr&auml;gt sie 60 Bogensekunden, dass entspricht etwa 1 Millimeter in 3.500 Millimeter Abstand. Nach Au&szlig;en hin nimmt sie rasch ab. Die &Ouml;ffnung der Iris h&auml;ngt von der Lichtmenge ab, aber auch vom Alter. Maximal erreichen Kinder eine Pupillen&ouml;ffnung von 8 mm. Wer so alt ist, wie ich, schafft noch 6 bis 7 mm.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" src=\"\/img\/okulare2.jpg\" alt=\"\" width=\"512\" height=\"384\" align=\"left\" \/>Wenn man also ein Teleskop mit einem Auge vergleichen will, so geht das nur schwer. Man kann (unter Einschr&auml;nkungen) das optische System als eine Optik mit einer &Ouml;ffnung von maximal 7-8 mm und einer Aufl&ouml;sung von 60 Bogensekunden annehmen. Der Vergleich des Einblickverhaltens, der Vergr&ouml;&szlig;erung muss scheitern. Sie k&ouml;nnen das leicht mit einer Kamera feststellen. Schauen Sie mal auf eine Szene und fixieren sie ein Detail &#8211; sie nehmen nun nicht mehr die Umgebung wahr, sehen aber mehr von dem Objekt. Dann ein Blick durch eine Kamera &#8211; es f&auml;llt sofort auf, dass links und rechts was fehlt, weil unsere Augen sich &uuml;berschneidende Gesichtsfelder haben und um genauso viele Details bei einem entfernten Objekt wahrzunehmen m&uuml;ssen sie bei der Kamera anfangen zu zoomen.<\/p>\n<p>Drei Gr&ouml;&szlig;en sind bei einem Fernrohr wichtig. Das wichtigste ist die &Ouml;ffnung, das ist der Durchmesser der Optik. Beim Auge sind es wie gesagt 6-8 mm. Feldstecher liegen bei 20 bis 70 mm, wobei bei mehr als 50 mm man ein Stativ, wegen des Gewichts nehmen sollte. Linsenfernrohre liegen bei 50 bis 150 mm und bezahlbare Spiegelfernrohre zwischen 76 und 250 mm. (Sie k&ouml;nnen nat&uuml;rlich mit viel Geld gr&ouml;&szlig;ere kaufen, die gr&ouml;&szlig;ten serienm&auml;&szlig;ig produzierten Teleskope haben eine &Ouml;ffnung von 1270 mm).<\/p>\n<p>Je gr&ouml;&szlig;er die Optik, desto mehr Licht sammelt das Teleskop, desto leuchtschw&auml;chere Objekte kann man erkennen. Manchmal wird auch daher das Lichtsammelverm&ouml;gen angegeben, dass berechnet wird nach (Durchmesser der Optik\/Durchmesser der maximal ge&ouml;ffneten Iris)?. Je nachdem, welche Gr&ouml;&szlig;e der Iris angenommen wird, erh&auml;lt man so unterschiedliche Werte. Es ist aber ein f&uuml;r die Praxis irrelevanter Wert.<\/p>\n<p>Der zweite Parameter ist die Brennweite der Optik. Das ist eine Eigenschaft des optischen Systems. Am einfachsten zu erkl&auml;ren ist das bei Linsenfernrohren. Dort gibt es vorne eine Sammellinse und hinten ein Okular, welche das Bild der Linse in deren Brennpunkt vergr&ouml;&szlig;ert. Die Brennweite ist der Punkt nach der Linse, an der sich das Bild befindet. Somit muss das Geh&auml;use (der Tubus) mindestens so lang wie die Brennweite sein. Eine k&uuml;rzere Brennweite bringt daher einen k&uuml;rzeren Tubus. Das ist bei der Handhabung von Vorteil, weil man immer hinten reinschaut. Ist der Tubus lang, so muss man sich, wenn man steil nach oben guckt, tief b&uuml;cken. Zudem ist das Teleskop nat&uuml;rlich schwerer und empfindlicher gegen Vibrationen durch Wind oder irrt&uuml;mliches Ber&uuml;hren.<\/p>\n<p>So gesehen w&auml;re eine kurze Brennweite von Vorteil. Allerdings muss die Brechung der Linse dann gr&ouml;&szlig;er sein. Dadurch m&uuml;ssen diese optisch besser sein (z.b, aus zwei oder drei Linsen bestehen oder teureren Materialen mit h&ouml;herem Brechungsindex). Bei billigen Linsen wird bei hohem Brechungsindex (kurze Brennweite) das Licht je nach Spektralfarbe unterschiedlich gebrochen, was sich in einem Farbband um helle Objekte niederschl&auml;gt. &Auml;hnliche Probleme machen kurze Brennweiten bei Spiegelteleskopen. Hier ist es eine Bildfeldw&ouml;lbung (vereinfacht gesagt, liegt das Bild nicht in einer Ebene, sondern einem Kugelschnitt &#8211; ist der Zentralbereich scharf, so sind die Randbereiche verschwommen). Daher sind gute Teleskope mit kurzen Brennweiten teurer als langbrennweitige bei gleicher &Ouml;ffnung.<\/p>\n<p>Das Verh&auml;ltnis zwischen &Ouml;ffnung und Brennweite nennt man &Ouml;ffnungsverh&auml;ltnis. Ein &Ouml;ffnungsverh&auml;ltnis von 10 bedeutet dass die Brennweite 10 mal h&ouml;her als der Durchmesser der Optik ist. Typische Werte f&uuml;r Linsenteleskope sind 8 bis 15. Teleskope mit Werten von 4-8 sind recht teuer wenn sie qualitativ hochwertig sind. Schmidt Cassegrain Teleskope liegen bei 10 bis 12 und Newton Teleskope zwischen 4,5 und 10.<\/p>\n<p>Enorm wichtig f&uuml;r Laien, aber f&uuml;r Profis weitgehend bedeutungslos ist die Vergr&ouml;&szlig;erung. Sie errechnet sich aus dem Verh&auml;ltnis der Brennweite des Teleskops und des Okulars. Da es Okulare mit unterschiedlicher Brennweite gibt (4 bis 40 mm sind &uuml;blich) ist die Vergr&ouml;&szlig;erung also nicht von der &Ouml;ffnung abh&auml;ngig und daher kein sinnvoller Parameter. Es gibt aber f&uuml;r jedes Teleskop eine Maximalvergr&ouml;&szlig;erung. Sinnvoll ist eine Vergr&ouml;&szlig;erung die dem Durchmesser der Optik (in Millmeter) entspricht. Das entspricht einer &Ouml;ffnung von 1 mm bei der Austrittspupille, das entspricht der &Ouml;ffnung des Auges, bei dem man am sch&auml;rfsten sieht. Dar&uuml;ber hinaus sieht man nicht mehr Details, sondern die Details werden vergr&ouml;&szlig;ert und unscharf. Sp&auml;testens ab 200 x Durchmesser hat man ein schwammiges, unscharfes Bild. Da man die Vergr&ouml;&szlig;erung durch die Wahl des Okulars einstellen kann ist der Wert an sich belanglos, weil es nicht eine Vergr&ouml;&szlig;erung sondern viele pro Teleskop gibt.<\/p>\n<p>Es gibt noch einen zweiten Aspekt. Auf dem Bild hier habe ich mal ein 7,5 mm Okular (rechts) und ein 25 mm Okular (links) dargestellt. Die die dem Augen zugewandte Linse ist beim 25 mm Okular viel gr&ouml;&szlig;er, dadurch ist das Einblickverhalten viel angenehmer. Okulare mit langen Brennweiten sind daher gr&ouml;&szlig;er und schwerer, oft auch deutlich teurer, aber das Schauen durch Sie ist angenehmer.<\/p>\n<p>Idealerweise sollten die Okulare einen Vergr&ouml;&szlig;erungsbereich abdecken, der eine Austrittspupille von 1 bis 6-8 mm (entsprechend dem Bereich in dem sich das menschliche Auge &ouml;ffnet) entspricht. Die Austrittspupille errechnet sich aus dem Verh&auml;ltnis zwischen Brennweite und Vergr&ouml;&szlig;erung. Bei einem 100 mm Teleskop mit einer Brennweite von 800 mm entspricht dies Vergr&ouml;&szlig;erungen von 12,5 bis 100 oder bei der gegebenen Brennweite Okularen von 8 bis 64 mm Brennweite. Okulare mit gro&szlig;er Brennweite sind teuer und schwer. Okulare mit kleinen Brennweiten dagegen preiswert, aber mit schlechtem Einblickverhalten. Idealerweise nimmt man einen Bereich, der unterhalb von 35 mm liegt, das ist meistens die Grenze wo man auf die teuren Okulare mit 2 Zoll starker Feldlinse ausweichen muss, die dann konstruktionsbedingt teurer als die 1,25 Zoll Standardokulare sind. Das entspricht je nach Alter einem &Ouml;ffnungsverh&auml;ltnis von 4,5 bis 6.<\/p>\n<p>Im n&auml;chsten Beitrag geht es dann die Montierung und Okulare.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich habe ja in meiner Website auch einen Teil &uuml;ber Teleskope und eine Beratung dazu und ich will das Thema nun in einer losen Reihe auch im Blog aufnehmen. Heute geht es um die nackten technischen Daten und ihre Bedeutung. Gerne werden Teleskope verglichen mit dem menschlichen Auge, doch das ist kein besonders guter Vergleich. 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