{"id":4702,"date":"2011-04-30T00:54:08","date_gmt":"2011-04-29T22:54:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=4702"},"modified":"2011-04-30T00:54:08","modified_gmt":"2011-04-29T22:54:08","slug":"einfuhrung-in-teleskope-teil-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2011\/04\/30\/einfuhrung-in-teleskope-teil-3\/","title":{"rendered":"Einf&uuml;hrung in Teleskope Teil 3"},"content":{"rendered":"<p>Heute zum letzten Teil der kleinen Beratung. Diesmal geht es um die einzelnen Teleskopklassen. Es gibt drei Klassen, wobei man noch eine vierte als Sonderform einer der dreien ansehen kann.<\/p>\n<p>Das erste sind Linsenteleskope, im Fachjargon Refraktoren genannt. Eine Linse vorne im Strahlengang bricht das Licht und projiziert ein Bild in den Brennpunkt des Tubus, wo es von einem Okular vergr&ouml;&szlig;ert wird. Wer selbst eine Brille hat, der wei&szlig;, dass er bei h&ouml;heren Dioptrienzahlen teurere Gl&auml;ser kaufen muss (bei meinen -9 Dioptrien bekam ich zumindest noch nie eines zum Nulltarif oder verg&uuml;nstigt).Es liegt auf der Hand, das Gl&auml;ser um so teurer werden, je gr&ouml;&szlig;er sie sind und je h&ouml;her der Brechungsindex ist &#8211; letzterer legt die Brennweite fest.<!--more--><\/p>\n<p>Doch selbst gute Gl&auml;ser k&ouml;nnen nicht alle Wellenl&auml;ngen gleich brechen. Daher wird bei einer einfachen Linse es immer einen Farbsaum geben &#8211; rot wird anders gebrochen als blau. Um das zu kompensieren, werden zwei Linsen (Achromat) oder drei Linsen (Apochromat) kombiniert, die jeweils das Licht unterschiedlich brechen. Das reduziert das Ph&auml;nomen (Achromat) etwas oder stark (Apochromat). Eine zweite L&ouml;sung ist es eine lange Brennweite zu w&auml;hlen, da dabei die Brechung geringer ist. Gute Linsenteleskope mit kurzer Brennweite sind teuer und setzten dann auch kein Glas, sondern Calciumfluorid als Linsenmaterial ein. Ich sah in der letzten SuW eine Neuvorstellung eines kurzenbrennweitigen Apochromaten von 480 mm Brennweite und 80 mm &Ouml;ffnung &#8211; f&uuml;r 648 Euro. Zum Vergleich: Ein preiswerter Achromat mit derselben &Ouml;ffnung aber 900 mm Brennweite ist schon f&uuml;r 79 Euro zu haben.<\/p>\n<p>Achtet man darauf und kauft als Einsteigerfernrohr ein Linsenfernrohr, das m&ouml;glichst langbrennweitig ist, dann sind Linsenfernrohre gute Einsteigerger&auml;te. Sie sind recht gutm&uuml;tig was den Umgang angeht, man kann sie kaum dejustieren, was bei den anderen Typen leicht m&ouml;glich ist. Die Einschr&auml;nkungen, die es gibt sind, dass ein Linsenfernrohr bei gleichem Preis immer eine kleinere &Ouml;ffnung aufweisen wird als ein Spiegelteleskop und die langen Brennweiten (typisch &Ouml;ffnungsverh&auml;ltnisse von 8 bis 15) bewirken, dass man mit diesen Teleskopen sehr gut kleine, leuchtschwache Objekte beobachten kann. Sie sind nur bedingt geeignet f&uuml;r leuchtschwache Objekte. Wer in der Stadt lebt, der wird die dank Lichtverschmutzung sowieso kaum sehen, und f&uuml;r den sind Linsenfernrohre sicher die erste Wahl. Ein Ger&auml;t von 80 bis 100 mm &Ouml;ffnung ist finanzierbar und auch ausreichend gro&szlig;, darunter wird die Gefahr gro&szlig; Ramsch zu bekommen.<\/p>\n<p>Das zweite sind die Spiegelteleskope, von denen es zwei Typen gibt. Das Teleskop nach Newton setzt einen gew&ouml;lbten Hauptspiegel ein und einen planen Fangspiegel, der das Bild um 45 Grad in den sich vorne befindlichen Okularauszug umlenkt. Da der Okularauszug vorne ist, hat man von allen Teleskopen die beste Einblickposition, kann aber leicht den Tubus ber&uuml;hren. Newton-Teleskope k&ouml;nnen kurzbrennweitiger als Linsenteleskope konstruiert werden. Bei niedrigen &Ouml;ffnungsverh&auml;ltnissen, etwa ab 6, stark auff&auml;llig ab 5 treten allerdings auch optische Fehler auf, so wird der Rand des Bildes dann unscharf und stark aufgehellt. Das liegt an der straken Kr&uuml;mmung des Spiegels und darin, dass der Fangspiegel dann immer gr&ouml;&szlig;er wird und als Hindernis im optischen Strahlengang sich bemerkbar macht.<\/p>\n<p>Bauart bedingt sind die Newton Teleskope oft die preiswertesten bei kleinen bis mittelgro&szlig;en Teleskopen. Sie sind auf bei &Ouml;ffnungsverh&auml;ltnissen von 6 bis 8 universell einsetzbar und die optischen Fehler sind dann noch klein.<\/p>\n<p>Es folgen dann als letzte Klasse die Schmidt-Cassegrains. Ein Cassegrain-Teleskop ist eine Bauweise f&uuml;r Gro&szlig;teleskope. Es hat zwei Foki. Ein Hauptspiegel wirft das Bild auf einen Prim&auml;rfokus wo bei Gro&szlig;teleskopen sich oft die Instrumente befinden. Dort kann sich ein zweiter Spiegel befinden, der das Bild erneut vergr&ouml;&szlig;ert und in den Sekund&auml;rfokus hinter den Hauptspiegel wirft. Da das Bild zweimal vergr&ouml;&szlig;ert wird, kann die Tubusl&auml;nge viel kleiner als die Brennweite sein. Das Hubble Weltraumteleleskop arbeitet nach diesem Prinzip und der ganze Satellit (der nicht nur aus Tubus besteht ist 13,1 m lang bei einer Brennweite von 57,6 m. Das Problem eines Cassegrain Teleskops ist, dass durch die zweimalige Vergr&ouml;&szlig;erung die Brennweite sehr lang wird &#8211; typisch sind hier &Ouml;ffnungsverh&auml;ltnisse von 20 bis 30. Das ist f&uuml;r Amateure indiskutabel, f&uuml;r Gro&szlig;teleskope kein Problem, weil die Instrumente oft im Prim&auml;rfokus sitzen, der bei einem 4 m Teleskop schon mal 70 cm Breite f&uuml;r Instrumente l&auml;sst &#8211; und dort betr&auml;gt die Vergr&ouml;&szlig;erung dann nur 5 bis 6 mal. Die L&ouml;sung ist es, dies mit einer zweiten Teleskoptechnik zu kombinieren: Schmidteleskope sind kurzbrennweitige Spiegelteleskope, bei denen die Verzerrungen des Spiegels durch eine Korrekturplatte bei der &Ouml;ffnung korrigiert werden. Dieselbe Aufgabe hat die Korrekturplatte bei Schmidt-Cassgrainteleskopen, die so mit &Ouml;ffnungsverh&auml;ltnissen von 10 erh&auml;ltlich sind, bei denen aber trotzdem der Tubus kiurz ist und dreimal den Durchmesser aufweist. Dadurch wird der Tubus leicht, und es ist eine Gabelmontierung m&ouml;glich die recht solide ist. Ab 200 mm Durchmesser dominieren daher diese Schmidt-Cassegrain Teleskope, doch das ist eine Gr&ouml;&szlig;e die f&uuml;r Einsteiger schon zu teuer ist.<\/p>\n<p>Das letzte sind Dobsons. Das sind im Prinzip Newton Teleskope ohne Montierung in einer Sperrholzkiste, oftmals auch mit billigem Tubus und ohne Sucher. Wenn man nur auf die &Ouml;ffnung achtet so bekommt man hier am meisten Optik f&uuml;rs Geld. Aber man muss auch mit den Nachteilen leben. Das Einblickverhalten ist durch die niedrige H&ouml;he schlecht, man muss en ganzen Tubus von Hand ohne Feinr&auml;delschrauben (mit &Uuml;bersetzung) bewegen und das bei vielleicht 100 facher Vergr&ouml;&szlig;erung &#8211; also f&uuml;r mich sind sie nichts.<\/p>\n<p>Was sind die Einschr&auml;nkungen bei Billigfernrohren? Wenn man nicht gleich die Ramschklasse kauft, die es auch gibt, dann ist die Optik meist okay, manchmal mit Problemen an den R&auml;ndern die bei kleinen Vergr&ouml;&szlig;erungen auffallen. Es hakt meistens an der Verarbeitung. So sollte der Tubus absolut schwarz sein, was man durch einfaches lackieren nicht erreicht. Die Schrauben haben oft begrenzte Lebensdauer und Verbindungen viel Spiel. Es sind Dinge die man teilweise als handwerklich begabter Mensch korrigieren kann, z.B. den Tubus mit schwarzer folie aus dem Baumarkt auskleiden.<\/p>\n<p>Gibt es einen Rat? Ja. Kaufen sie das Teleskop nicht bei amazon und ebay sondern einem H&auml;ndler der nur Astrooptiken verkauft. die haben auch die Billigmarken, dort bekommt man aber auch Beratung und Infos was man f&uuml;r den Preis erwarten kann und was nicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute zum letzten Teil der kleinen Beratung. Diesmal geht es um die einzelnen Teleskopklassen. Es gibt drei Klassen, wobei man noch eine vierte als Sonderform einer der dreien ansehen kann. Das erste sind Linsenteleskope, im Fachjargon Refraktoren genannt. 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