{"id":4727,"date":"2011-05-05T00:13:35","date_gmt":"2011-05-04T22:13:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=4727"},"modified":"2011-05-04T11:17:29","modified_gmt":"2011-05-04T09:17:29","slug":"ein-ruckblick-auf-das-space-shuttle-programm-teil-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2011\/05\/05\/ein-ruckblick-auf-das-space-shuttle-programm-teil-1\/","title":{"rendered":"Ein R&uuml;ckblick auf das Space Shuttle Programm &#8211; Teil 1"},"content":{"rendered":"<p>Passend zum vorletzten Space Shuttle Start in knapp einer Woche ein kleiner R&uuml;ckblick auf die Geschichte dieser. Alles begann im Jahre 1969, als kurz nach der Mondlandung Nixon eine Space Task Group einsetzte, welche den Kurs f&uuml;r die bemannte Raumfahrt f&uuml;r die siebziger Jahre festlegen sollte. Die Kommission unter Vizepr&auml;sident Spiro Agnew schlug einige Projekte vor. Das wichtigste war eine bemannte Marslandung, die jedoch j&auml;hrliche Kosten von 6 bis 8 Milliarden Dollar verursachen w&uuml;rde. Das war nicht finanzierbar. Schon das Apollo Budget sank seit 1966 und es lag niemals so hoch. Ein preiswertes Projekt war das einer Raumstation f&uuml;r bis zu 12 Personen, die von einer Raumf&auml;hre aufgebaut und versorgt werden w&uuml;rde. Dabei war eigentlich die Raumstation das Hauptprojekt und die Raumf&auml;hre war nur als Zubringer gedacht um die Kosten f&uuml;r die teuren bemannten Kapseln einzusparen.<\/p>\n<p>Dies erschien preiswerter und wurde weiter verfolgt. Von 1969 bis 1972 machten die Entw&uuml;rfe gravierende Wandlungen durch. Die ersten basierten noch aus zwei gefl&uuml;gelten Stufen. Beide w&auml;ren bemannt gewesen. Die Ausma&szlig;e der Unterstufe waren riesig und in etwa so gro&szlig;e wie eine B-747 oder ein Airbus 380. Das erschien technisch zu anspruchsvoll und zu teuer und so wandelten sich die Entw&uuml;rfe &uuml;ber fl&uuml;ssige Zusatzraketen wie sie sp&auml;ter in der Energija eingesetzt wurden, zu dem heutigen Konzept.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Dieses sollte nur noch 5,5 Milliarden Dollar kosten, ein Drittel bis die H&auml;lfte der ersten Entw&uuml;rfe. Die Finanzen waren das grunds&auml;tzliche Problem der Raumf&auml;hren, auch w&auml;hrend der gesamten Entwicklung. Als das Space Shuttle beschlossen war, hatte sich alles an dem Konzept gewandelt. Die Raumstation war gestrichen worden. Damit fehlte eigentlich der Einsatzzweck der Raumf&auml;hren. Anstatt 12 t in den Orbit zu transportieren war nun von fast 30 t die Rede. Der Grund: Um das Projekt politisch durchzudr&uuml;cken ging die NASA auf das DoD ein. Das Verteidigungsministerium hatte auch Interesse an einer Raumf&auml;hre. Nur sollte sie mehr k&ouml;nnen &#8211; schwere Aufkl&auml;rungssatelliten in einen sonnensynchronen Orbit aussetzen und bergen (damals arbeiteten noch die Satelliten mit Film &#8211; nach Verbrauch dessen waren sie wertlos) und sp&auml;ter tauchten auch Gem&auml;lde auf, bei denen ein Space Shuttle ein Objekt in den Frachtraum hob, das verbl&uuml;ffende &Auml;hnlichkeiten zu einer Saljut Station hatte&#8230;<\/p>\n<p>Nur war dadurch die Nutzlast von 12 t viel zu klein. Die Forderungen schwere Satelliten zu transportieren und die sonnensynchronen Orbits mit h&ouml;herer Bahnenergie zu erreichen, machten die Erh&ouml;hung der Nutzlast n&ouml;tig. Das DoD leistete dann zwar politische Unterst&uuml;tzung, aber beteiligte sich in keiner Weise finanziell an dem Projekt. So begann nun die NASA nach Einsatzzwecken f&uuml;r die Raumf&auml;hren zu suchen. Es gab zum einen Unterst&uuml;tzung in Europa, die das &#8222;Sortie Lab&#8220; ein Raumlabor, dass sich in der Nutzlastbucht befand entwickelte, das Spacelab. Das Problem waren aber woher die Nutzlasten kamen. Die NASA ver&ouml;ffentlichte einen sehr optimistischen Plan, wie die Raumf&auml;hren starten sollten, wie dieser:<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"\/img\/shuttle-manifest.gif\" alt=\"\" \/><\/p>\n<p>60 mal pro Jahr sollten 5 Raumf&auml;hren starten, in Wirklichkeit wurden niemals mehr als 9 Starts pro Jahr absolviert. Es gab nat&uuml;rlich nicht so viele Satelliten, so propagierte die NASA der niedrige Startpreis von 24 Millionen Dollar w&uuml;rde neue Applikationen wie Solarenergiefarmen im Weltall oder riesige Kommunikationssatelliten mit denen jeder ohne Satellitensch&uuml;ssel kommunizieren kann m&ouml;glich machen. Heute begeht ein weiteres US-Unternehmen den gleichen Fehler und nimmt an, seine Raketen w&uuml;rden jedes Jahr rund 640 t t in den Orbit bringen &#8211; das entspricht rund 26 Raumf&auml;hrenstarts pro Jahr.<\/p>\n<p>Doch es zeigte sich, dass diese Planung in vieler Hinsicht Makulatur war. Zum einen erwies sich die Entwicklung als schwierig: Die Haupttriebwerke zerlegten sich bei Testl&auml;ufen und machten sogar einen Nachtragshaushalt n&ouml;tig, um die Entwicklung nicht noch l&auml;nger zu verz&ouml;gern. Sp&auml;ter waren es die Hitzeschutzkacheln, die nicht an der Orbiterstruktur haften wollten und schon bei &Uuml;berf&uuml;hrungsfl&uuml;gen der Orbiter zu Hunderten abfielen. Zwei Jahre sollte es dauern, die Kacheln zu demontieren und einen anderen Kleber zu finden. Es zeigte sich schon jetzt, dass die NASA die Wartung v&ouml;llig untersch&auml;tzt hatte. Sie erwies sich als viel zeitaufw&auml;ndiger als vorgesehen.<\/p>\n<p>Der Erststart verschob sich so um zwei Jahre. Zuerst sah alles gut aus. Von 1981 bis 1985 starteten die Raumf&auml;hren immer h&auml;ufiger. 1985 wurden 9 Starts durchgef&uuml;hrt, obwohl die letzte Raumf&auml;hre, die Atlantis erst am 3.10.1985 ihren Jungfernflug hatte. F&uuml;r 1986 waren daher sogar 13 bis 16 Fl&uuml;ge geplant. Die NASA hoffte mit den F&auml;hren vielleicht keine 60, aber doch zumindest 20 Fl&uuml;ge pro Jahr durchf&uuml;hren zu k&ouml;nnen. Die Produktion der Delta, Atlas und Titan wurde eingestellt.<\/p>\n<p>Bis 1985 bef&ouml;rderten die Raumf&auml;hren zahlreiche Kommunikationssatelliten in den Orbit und bewiesen ihre N&uuml;tzlichkeit bei der Reparatur der Satelliten Solar MAX und zweier Kommunikationssatelliten (die sie wenige Fl&uuml;ge vorher ausgesetzt hatten und deren Oberstufen nicht z&uuml;ndeten). Hinter dieser offiziellen Erfolgstory sah es anders aus. So setzte die NASA die Kosten f&uuml;r die volle Nutzung der Shuttle-Nutzlastbucht auf 71,4 Millionen Dollar an, obwohl die Startkosten bei 110 bis 129 Millionen Dollar je nach Mission lagen, um US-Kunden zum Abwandern zu Arianespace zu hindern. Von einem Transport, preiswerter als Tr&auml;gerraketen, konnte keine Rede mehr sein. Er war zwar immer noch preiswerter pro Kilogramm, doch keiner der Fl&uuml;ge nutzte den Nutzlastraum voll aus, weil es sehr schwierig war 3-4 Satelliten der Delta Klasse zeitgleich angeliefert zu bekommen, die ein Start auf einmal ins All bringen konnte.<\/p>\n<p>Trotzdem sah alles nach au&szlig;en hin toll aus, bis zum 28.1.1986&#8230; Mehr dazu im n&auml;chsten Teil.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Passend zum vorletzten Space Shuttle Start in knapp einer Woche ein kleiner R&uuml;ckblick auf die Geschichte dieser. Alles begann im Jahre 1969, als kurz nach der Mondlandung Nixon eine Space Task Group einsetzte, welche den Kurs f&uuml;r die bemannte Raumfahrt f&uuml;r die siebziger Jahre festlegen sollte. 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