{"id":4762,"date":"2011-05-13T00:30:54","date_gmt":"2011-05-12T22:30:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=4762"},"modified":"2011-05-10T11:31:45","modified_gmt":"2011-05-10T09:31:45","slug":"die-geschichte-der-space-shuttles-teil-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2011\/05\/13\/die-geschichte-der-space-shuttles-teil-3\/","title":{"rendered":"Die Geschichte der Space Shuttles &#8211; Teil 3"},"content":{"rendered":"\n<p>Im Januar 1986 schien es, als w&uuml;rden die Shuttles endlich die Versprechungen erf&uuml;llen, die man an sie hatte. In den letzten Jahren war die Startrate laufend angestiegen, immer mehr kommerzielle Auftr&auml;ge wurden durchgef&uuml;hrt. 1986 sollte eine zweite Startrampe in Vandenberg f&uuml;r milit&auml;rische und sonnensynchrone Missionen eingeweiht werden, zahlrieche milit&auml;rische und wissenschaftliche Missionen warteten auf ihren Start, dazu kamen kommerzielle Transporte, z.B. die der Intelsat VI Serie. 13 bis 16 Missionen waren f&uuml;r 1986 geplant, In den n&auml;chsten Jahren sollte die Zahl der Missionen auf 20 bis 24 ansteigen.<\/p>\n<p>Da explodierte die Challenger am 28.1.1986 nach 72 s. Was in der Folge bekannt wurde, war katastrophal. Es war nicht nur die Ursache der Explosion, die praktisch am gleichen Tag feststand, nachdem wenige Stunden vor dem Start die Techniker von Thiokol gegen den Start votierten. Es war wie die NASA bisher das Shuttle Programm gemanagt hatte. Nicht nur, dass man Thiokol unter Druck setzte, eine Startfreigabe zu erteilen (w&ouml;rtliches Zitat des NASA-Verantwortlichen &quot;Thiokol, wann wollt ihr dass wir Starten &#8211; im Juli?&quot;), sondern auch wie insgesamt das gesamte Management verlief.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Das Problem des Ringes, der bei tiefen Temperaturen nicht elastisch genug ist, war z.B. bekannt. Bei mehreren Missionen vorher war der Ring angekohlt worden, und bei einer sogar der prim&auml;re Ring durchgebrannt. Es wurde ignoriert. Das gesamte Shuttleprogramm, das befand eine Untersuchungskommission, opferte Sicherheit zugunsten einer hohen Flugrate. So gab es bei praktisch jedem der vorrangegangenen Fl&uuml;ge Probleme, teilweise kleine, teilweise gravierende, wie der Abbruch eines Fluges, Ausfall eines Haupttriebwerks bei einem anderen oder der Brandt von Hydrazin bei der Landung. Dies alles zeigte auf, dass die Shuttles nach 25 Fl&uuml;gen kein eingef&uuml;hrtes Gef&auml;hrt waren, viele Systeme &uuml;berpr&uuml;ft oder verbessert werden mussten. Doch die NASA reagierte anders. Gab es Probleme mit einem System bei einem Orbiter vor dem Start, so wurde dieser nicht verschoben und das Problem gel&ouml;st, sondern das Bauteil aus einem anderen Orbiter, der gerade &uuml;berholt wurde, ausgebaut und den anderen eingebaut. Die Ingenieure hatten sogar einen eigenen Ausdruck daf&uuml;r erfunden &quot;kannibalisieren&quot;.<\/p>\n<p>Die Folgen waren weitreichend. Es ergab nun die Revision des Programmes, dass die Raumf&auml;hren nur noch ein Verlustrisiko f&uuml;r die Besatzung von 1:27 aufwiesen &#8211; schlechter als die meisten Tr&auml;gerraketen. Es reichte nicht nur, die Problemstelle bei den Boostern zu beseitigen. Das gesamte Programm musste untersucht und die Sicherheit erh&ouml;ht werden. Es erschien nun nicht mehr vertretbar, dass die Raumf&auml;hren f&uuml;r rein kommerzielle Eins&auml;tze starten und auch der Transport von wissenschaftlichen Nutzlasten sollte auf die beschr&auml;nkt waren die nicht auf eine Tr&auml;gerrakete ausweichen k&ouml;nnen. <\/p>\n<p>Nach zweieinhalb Jahren startete erneut eine Raumf&auml;hre. Die ersten Fl&uuml;ge bef&ouml;rderten Raumsonden und das Hubble Teleskop ins All die seit Jahren auf einen Start warteten, doch bald nahm das Interesse ab, denn nun gab es wie angek&uuml;ndigt nur noch Missionen, die bemannt sein mussten. Meistens Fl&uuml;ge mit dem Spacelab oder andere Forschungsmissionen. Das Interesse der &Ouml;ffentlichkeit an den Starts nahm ab, und auch die NASA lies alle Pl&auml;ne das System weiterzuentwickeln fallen. In den neunziger Jahren gab es eine Renovierung der Flotte, vor allem um die Wartungskosten zu senken. So wurde die Zahl der Hitzeschutzkacheln gesenkt, die Shuttles erhielten ein neues Cockpit, die Haupttriebwerke wurden in mehreren Phasen durch zuverl&auml;ssige Varianten ersetzt. Fr&uuml;here Pl&auml;ne f&uuml;r h&ouml;heren Schub, leistungsf&auml;higere Booster etc. also Ma&szlig;nahmen die vor allem die Nutzlast steigerten wurden begraben. So gab es die Pl&auml;ne f&uuml;r den leichteren externen Tank schon seit Beginn der Testfl&uuml;ge, doch eingef&uuml;hrt wurde er erst als die ISS aufgebaut wurde und ohne den 3 t leichteren Tank dies nicht m&ouml;glich gewesen w&auml;re.<\/p>\n<p>Trotzdem konnten die Investitionen in Sicherheit und die Externalisierung der Wartung die Flugkosten der Flotte senken. Als dann 1993 das Shuttle-Mir Programm begann, war es, obwohl es die NASA viel Geld kostete propagandistisch ein voller Erfolg. Die Shuttles wurden der &Ouml;ffentlichkeit als die Rettung der Mir gepriesen. Sie brachten Versorgungsg&uuml;ter zur russischen Raumstation, im Austausch durfte ein Amerikaner sich an Bord der Station aufhalten. Langezeitmissionen waren nicht mit den Shuttles m&ouml;glich.<\/p>\n<p>Damit bekam auch ein anderes Projekt, das einer US-Raumstation, endlich die politische Unterst&uuml;tzung. Seit 1984 planten die USA die Station, sie war dem Kongress aber immer zu teuer. Nun, zusammen mit Russland bekam die NASA die Mittel, weil nun eine internationale Raumstation auch in die politische Landschaft passte. Sie bestimmte das Shuttle zum alleinigen Bef&ouml;rderungsmittel f&uuml;r die Elemente und bot es auch den internationalen Partnern an, eine Offerte, die Japan und Europa gerne annahmen.<\/p>\n<p>Urspr&uuml;nglich f&uuml;r den Aufbau und die Versorgung einer Raumstation entworfen, schien es als h&auml;tte nun endlich die F&auml;hre ihre Bestimmung gefunden und die NASA arbeitete nun sogar wieder an Verbesserungen der Triebwerke oder Pl&auml;nen f&uuml;r verl&auml;ngerte Booster um die Nutzlast zu erh&ouml;hen, denn es zeigte sich bald, dass die F&auml;hren mit dem Ausbauplan &uuml;berfordert waren, obwohl es nun praktisch keine anderen Missionen mehr gab. Doch bei der vorletzten Nicht-ISS Mission schlug erneut das Schicksal zu&#8230;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Januar 1986 schien es, als w&uuml;rden die Shuttles endlich die Versprechungen erf&uuml;llen, die man an sie hatte. 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