{"id":4782,"date":"2011-05-16T08:00:12","date_gmt":"2011-05-16T06:00:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=4782"},"modified":"2011-05-16T08:00:12","modified_gmt":"2011-05-16T06:00:12","slug":"bemannte-raumfahrt-mein-credo","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2011\/05\/16\/bemannte-raumfahrt-mein-credo\/","title":{"rendered":"Bemannte Raumfahrt &#8211; Mein Credo"},"content":{"rendered":"<p>Nun da, ich an den letzten Teilen des Skylabbuchs die Arbeit abgeschlossen habe,will ich mal wieder eine pers&ouml;nliche Meinung zur bemannten Raumfahrt &auml;u&szlig;ern. Manche machen es sich ja einfach und ziehen abwechselnd die Schubladen &#8222;Bef&uuml;rworter&#8220; und &#8222;Gegner&#8220; der bemannten Raumfahrt. (Interessanterweise gibt es die Schubladen nicht bei der unbemannten Raumfahrt). Nun ist es aber so, dass die Welt nicht nur schwarz-wei&szlig; ist. Daher an dieser Stelle mein pers&ouml;nliches Credo.<\/p>\n<p>Bei mir ist es so, dass ich mich f&uuml;r Teile der bemannten Raumfahrt interessiere und andere v&ouml;llig sinnlos halte. Nicht das die f&uuml;r die ich mich interessiere sinnvoller sind, aber dazu sp&auml;ter mehr.<\/p>\n<p>Ich interessiere mich f&uuml;r die fr&uuml;he amerikanische Raumfahrt bis einschlie&szlig;lich Skylab und ich denke ich kann das auch gut begr&uuml;nden. Dieser erste Teil zeichnet sich aus durch definierte Missionen mit bestimmten Zielen. Bei Mercury immer l&auml;ngere Aufenthalte bis zu einem Tag. Bei Gemini ebenfalls l&auml;ngerer Aufenthalt (Gemini 3,4,5,7) und immer anspruchsvolleren Kopplungen (Gemini 6,8,9-12). Bei Apollo zuerst Erproben der Hardware in der Erdumlaufbahn, dann stufenweise Ann&auml;herung an die Mondlandung und schlie&szlig;lich die Mondlandung und bei Skylab drei Forschungsmissionen mit den Schwerpunkten Medizin, Sonnenbeobachtung und allgemeine Forschung.<!--more--><\/p>\n<p>Nat&uuml;rlich haben auch die nachfolgenden Missionen definierte Ziele, aber sie gleichen sich doch sehr und sind zunehmend weniger unterscheidbar. Das gilt nicht nur f&uuml;r den Westen, sondern auch die meisten Sojusmissionen im Osten. Ich denke aber es gibt auch im Westen nach Skylab eine historische Z&auml;sur, im Osten vielleicht mit der ersten Sojus Mission zur Saljut, Sojus 11. In beiden Weltraumm&auml;chten war die bemannte Raumfahrt gepr&auml;gt von dem kalten Krieg und einem Weltlauf im All. Es ging darum zuerst immer l&auml;nger im Weltall zu verbleiben, dann weitere Rekorde aufzustellen wie Anzahl der Menschen im Weltraum, erster Weltraumausstieg, und schlussendlich Landung auf dem Mond.<\/p>\n<p>Diesem musste sich alles unterordnen, auch die Wissenschaft. So gab es im Apolloprogramm kaum Experimente an Bord der Missionen, diese kamen erst auf, als die Mondlandung erreicht war, vor allem bei den J-Missionen, Apollo 15 bis 17. Die zweite Phase, die bis heute andauert ist die bei der die Forschung oder Anwendungen bei der bemannten Raumfahrt im Vordergrund standen. Die Sowjets begannen mit Raumstationen aus einer Not heraus &#8211; sie konnten die USA nicht beim Wettrennen zum Mond schlagen. Sie hatten nicht dazu die Mittel und so scheiterten alle Starts schon nach weniger als zwei Minuten. Die L&ouml;sung waren Raumstationen, welche erheblich weniger Mittel erforderten &#8211; die schon etablierten Sojus reichten f&uuml;r den Besatzungstransport aus und die Station selbst konnte mit einer Proton gestartet werden. In den USA gab es als einziges, in sich abgeschlossenes Apollo Nachfolgeprojekt die Raumstation Skylab, die nur dreimal besucht wurde. Danach wandten sich die vereinigten Staaten auch einem Anwendungsprogramm zu &#8211; einem bemannten Transportsystem, dem Space Shuttle.<\/p>\n<p>Seitdem &auml;hneln sich dei Missionen und es wurden immer mehr. Allerdings und as ist der zweite wichtige Punkt, machte der technische Fortschritt den Menschen im Weltraum im unwichtiger. Zwischen Skylab und dem Shuttle ist dies deutlich sichtbar. Skylab hatte drei wichtige Forschungsgebiete. Das erste war die medizinische Forschung am Menschen selbst, die zweite Erderkundung und die dritte Sonnenbeobachtung. Das letzte gibt e noch heute. Aber es ist ein Selbstzweck. Es geht prim&auml;r darum zu erkunden wie man m&ouml;glichst lange im Weltall belieben kann ohne krank zu werden oder abzubauen. Eigentlich sollte die Tatsache, dass man in der Schwerelosigkeit rapide an Kraft und Knochensubstanz verliert einem einen Hinweis geben, dass man vielleicht sich dort nicht aufhalten sollte, aber stattdessen erforscht man es, um dem Ph&auml;nomen zu begegnen. Bei der Erderkundung zeigte sich schon der technische Fortschritt &#8211; die USA bauten gerade das Landsatsystem auf und im Vergleich schnitten dessen Multispektralaufnahmen besser ab als die von Skylab. Nur die Fotos waren noch besser, doch versprach ein neuer Detektor, das CCD die kontrastarmen Videoconkameras abzul&ouml;sen und dann w&auml;re auch dieser Vorteil nicht gegeben. Bei der Sonnenforschung war der prim&auml;re Vorteil, dass Skylabs Astronauten zum richtigen Zeitpunkt auf den Ausl&ouml;ser dr&uuml;cken konnten &#8211; als auch in astronomischen Satelliten CCD einzogen war auch hier der Mensch &uuml;berfl&uuml;ssig, denn nun wurden dauernd Aufnahmen gemacht und nur die &uuml;bertragen die auch etwas zeigten.<\/p>\n<p>Trotzdem sah die NASA eine optimistische Zukunft des Space Shuttles voraus. Immerhin hatte die kleine Sparte der Materialforschung eindrucksvolle Ergebnisse gebracht. Doch man konnte an sie nicht im Spacelab ankn&uuml;pfen. Von einer Fertigung im Weltraum war gar nicht zu reden und auf der Erde suchte die Industrie eben nach Alternativl&ouml;sungen &#8211; mochten im Weltall produzierte GaAs Einkristalle gro&szlig; und rein sein &#8211; wenn sie nicht bezahlbar waren, so verbesserte man eben die Prozesse auf Siliziumbasis bis diese GaAs in Schaltgeschwindigkeit eingeholt hatten.<\/p>\n<p>Das gilt &uuml;bertragen auch auf die ISS. Sechs Personen forschen dort durchschnittlich 20 Stunden in der Woche. Viel? &Auml;h alle sechs Personen zusammen &#8230; Bei drei Labors in denen nach den Zeichnungen je zwei bis drei Personen arbeiten k&ouml;nnten w&auml;re wohl genug Arbeit f&uuml;r 20 Astronauten bei dieser Auslastung. Dummerweise fehlt der Wohnraum und auch die Transportkapazit&auml;t daf&uuml;r. Noch d&auml;mlicher war es eigentlich nur Satelliten die seit Jahrzehnten unbemannt gestartet wurden mit einem bemannten Raumfahrzeug zu starten und dieses so auszulegen, dass es garantiert nicht ohne Besatzung landen konnte, obwohl es auch anders geht, wie die Russen mit Buran zeigten.<\/p>\n<p>Um zum Schluss zu kommen: Ich finde bemannte Raumfahrt ist langweilig. Jede unbemannte Raumsonde oder jeder Satellit hat eine Aufgabenstellung, Experimente die interessant sind und er liefert oft auch noch neue Erkenntnisse. Dagegen tut man sich schwer eine bemannte Mission heute von der n&auml;chsten zu unterscheiden. Was uns die ISS an Erkenntnissen gebracht hat ist an mir vorbeigegangen. Das ist der Gew&ouml;hnungseffekt Er ist ja nicht auf die bemannte Raumfahrt beschr&auml;nkt, sondern auch anwendbar auf Raumsonden\/Satelliten die in Flotten gebaut wurden. Ich gebe gerne zu, dass ich nicht ohne Nachzuschlagen weis, was Lunar Orbiter 4 vom 5 unterscheidet oder OSO 7 neue Erkenntnisse gegen&uuml;ber OSO 6 brachte. Nun ist es viel einfacher m&ouml;glich eine neue Raumsonde zu konstruieren als f&uuml;r jede m&ouml;gliche Mission ein neues bemanntes Raumschiff. Daher wird das immer gegeben sein. Und solange wird wohl f&uuml;r mich die bemannte Rumfahrt nach 1974 uninteressant bleiben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nun da, ich an den letzten Teilen des Skylabbuchs die Arbeit abgeschlossen habe,will ich mal wieder eine pers&ouml;nliche Meinung zur bemannten Raumfahrt &auml;u&szlig;ern. 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