{"id":4848,"date":"2011-05-31T00:21:41","date_gmt":"2011-05-30T22:21:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=4848"},"modified":"2011-06-06T23:09:39","modified_gmt":"2011-06-06T21:09:39","slug":"buchkritik-sven-piperexoplaneten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2011\/05\/31\/buchkritik-sven-piperexoplaneten\/","title":{"rendered":"Buchkritik: Sven Piper:Exoplaneten"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" src=\"http:\/\/www.astris.de\/thumbnail.php?file=cover_springer_589297868.jpg&amp;size=article_medium\" alt=\"\" width=\"199\" height=\"300\" \/>Nach Eugen Reichels neuestem Buch nun die n&auml;chste Buchkritik eines aktuellen Titels. Sven Piper ist wie ich Jungautor, konnte aber f&uuml;r sein Thema den renommierten Springer Verlag zur Ver&ouml;ffentlichung bewegen. Das Buch spannt einen sehr weiten Bogen. Er beginnt mit einer Geschichte der Astronomie, Dann beginnt die packende Story der Entdeckung der ersten Exoplaneten. Es folgt eine sehr kurze Beschreibung der Methoden, wie man die Planeten neben dem viel leuchtkr&auml;ftigeren Stern entdecken kann. Das n&auml;chste Kapitel widmet sich den Satellitenmissionen und erdgebundenen Instrumenten mit denen bisher Planeten entdeckt. Die Problematik diese direkt abzubilden nimmt das n&auml;chste Kapitel ein.<\/p>\n<p>Danach folgt eine Einf&uuml;hrung in die Klassifizierung der Planeten und er wirft einen Blick auf einige bekannte Exoplaneten, die besonders aus der Masse herausragen. Es schlie&szlig;t sich ein Vorausblick auf einige geplante Raumfahrtmissionen f&uuml;r die Suche an (irdische Teleskope scheinen wohl nicht so wichtig zu sein) und er besch&auml;ftigt sich in den letzten beiden Kapiteln mit der Frage wie Leben im Universum entstehen k&ouml;nnte, wo es im Sonnensystem entstehen k&ouml;nnte und wie sinnvoll die Suche nach anderen intelligenten Wesen sein k&ouml;nnte.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Das gute zuerst: Anders als bei Reichl, sind mir wenige offensichtliche Fehler aufgefallen. Die wenigen h&auml;ngen alle zusammen: Wenn es darum geht au&szlig;erirdisches Leben zu postulieren entfallen bei einigen Themen die Kontraargumente. So denke ich als Chemiker, dass es wohl kein Leben auf Siliziumbasis geben wird und ein Blick ins Chemiebuch reicht auch aus, um das zu erkennen. Schiaparelli sprach bei Canali nicht von k&uuml;nstlichen Wasserl&auml;ufen, sondern nat&uuml;rlichen und inzwischen meint nicht mal die NASA in ALH 84001 Bakterienspuren entdeckt zu haben. Daf&uuml;r vielen mir viele Ungenauigkeiten auf. So schreibt Piper die Sojus w&auml;re als Tr&auml;gerrakete f&uuml;r Corot ausgew&auml;hlt worden, weil sie preiswerter gewesen w&auml;re als eine Ariane und der Satellit auch zu klein ist. Das ist so richtig, allerdings ist das nicht der Grund gewesen. Auch eine Sojus ist noch f&uuml;r den knapp 400 kg schweren Satellit zu gro&szlig;. aber die Sojus wird von franz&ouml;sischen Unternehmen mitvermarktet, die f&uuml;r diesen Satelliten eigentlich ausreichenden Kosmos oder Rockot dagegen nicht. Das ist so ein typisches Beispiel, wo die Aussage zwar im Prinzip richtig ist, aber eben nicht ganz. Dazu geh&ouml;ren auch schon in anderen Kritiken bemerkte &Uuml;bersetzungsfehler englischer Fachbegriffe ins Deutsche.<\/p>\n<p>Das leitet mich weiter zu der Kernfrage, die ich mir gestellt habe, als ich das Buch las: f&uuml;r wen ist es gedacht oder geeignet. Es gibt meiner Ansicht nach drei M&ouml;glichkeiten ein solches Thema zu behandeln:<\/p>\n<ul>\n<li>Als Wissenschaftsjournalismus: Forschung lebendig machen, zu zeigen wie spannend sie ist. Hier steht das Erz&auml;hlen und Menschen im Vordergrund. B&uuml;cher dieser Art sind selten. Sie stammen meistens von ehemaligen Projektleitern oder Leuten die gute Kontakte haben z.B. hat Daniel Fischer einige solche B&uuml;cher ver&ouml;ffentlicht.<\/li>\n<li>Als Einf&uuml;hrungsbuch: gedacht an eine kaum oder nur wenig vorgebildete Allgemeinheit: Zur Einf&uuml;hrung in ein Themengebiet, und um Interesse zu wecken. Hier muss viel erkl&auml;rt werden. Die Informationsdichte ist eher gering. Die meisten B&uuml;cher entfallen in diese Kategorie.<\/li>\n<li>Als Buch f&uuml;r inetreessierte Laien: Hier ist das Zielpublikum astronomisch vorgebildete Laien. Die Informationsdichte ist hoch, es wird durchaus auch tief in die Materie eingedrungen. Die wenigsten B&uuml;cher schaffen diesen Spagat zwischen Fachbuch f&uuml;r Wissenschaftler und Einf&uuml;hrungsbuch (siehe oben).<\/li>\n<\/ul>\n<p>Sven Pipers f&auml;llt in keine der Kategorien und enth&auml;lt Teile von allen drei und das kann man je nach Sichtweise als Vorteil oder Nachteil sehen. Zum einen findet man erz&auml;hlerische Bestanteile, wie in der ersten Kategorie. Zum andern geht er nicht so tief in die Materie hinein, wie in der zweiten Kategorie. Trotzdem ist die Informationsdichte recht hoch. Piper schreibt &uuml;ber sehr viele Dinge, vertieft aber keines der Themen, obwohl z.B. es sehr wichtig w&auml;re, die Methoden Exoplaneten zu finden genauer zu beschreiben. Grafiken zur Verdeutlichung w&uuml;rden hier nicht schaden. Wer also schon astronomisch vorgebildet ist, mag an vielen Stellen Tiefe vermissen und sich fragen ob man nicht vielleicht das Kapitel &uuml;ber die Geschichte der Astronomie daf&uuml;r rausgeschmissen hat. Der Laie dagegen k&ouml;nnte mokieren, das selbstverst&auml;ndlich vorausgesetzt wird, dass man weis, was ein Lichtjahr ist, wie gro&szlig; die Entfernung ist und wie sich dies auf die Kommunikation auswirkt, oder dass K&ouml;rper die Zimmertemperatur haben im IR-Bereich Strahlung aussenden und Berge um so flacher werden, je mehr Masse ein Himmelsk&ouml;rper hat. Das wird alles erw&auml;hnt, aber nicht erkl&auml;rt. Selbst ich finde die Angabe, dass Detektoren aus Arsendotiertem Silizium bestehen, als &uuml;berfl&uuml;ssige Information, die ohne Erkl&auml;rung nur wichtig ist f&uuml;r Leute, die die Empfindlichkeit verschiedener Detektoren auswendig wissen.<\/p>\n<p>So gesehen kann man das Buch vollst&auml;ndig zerrei&szlig;en oder hoch loben, je nachdem welche Erwartungshaltung man hat. Im positiven Sinne ist es ein Buch, dass &uuml;ber den Titel hinaus einen sehr breiten Bogen schl&auml;gt. Dem Leser auch Astronomiegeschichte, die Entstehung des Lebens oder die M&ouml;glichkeiten, wo sich im Sonnensystem Leben bildet nahe bringt und einiege Satelliten ausf&uuml;hrlicher bespricht. Im negativen Sinn wird das eigentliche Thema nicht genug vertieft. Die Methoden zur Suche werden nur erz&auml;hlt, Limits und Einschr&auml;nkungen finden sich nicht. Es fehlen quantitative Angaben &uuml;ber die bisher gefundenen Planeten. Wie verteilen sich Masse, Entfernungen, Oberfl&auml;chentemperaturen, Zusammensetzungen? Wie viele Exoplaneten wurden &uuml;berhaupt entdeckt? Welche Prozesse laufen in 800?C hei&szlig;en Gasriesen ab etc.. Also viele Detailfragen bleiben offen.<\/p>\n<p>So &uuml;berlasse ich es dem Leser sich ein Urteil zu bilden. Ich tue dies auch, weil?ich?selbst ja noch weis, wie meine ersten beiden B&uuml;cher waren und ich habe von beiden inzwischen Neuauflagen folgen lassen. Ich denke man sollte bei einem Jungautor etwas weniger kritisch sein. Schlie&szlig;lich ist noch kein Meister vom Himmel gefallen und man lernt immer dazu.<\/p>\n<p>Sven Pipers Website <a href=\"http:\/\/www.astris.de\/\" target=\"_blank\">astris.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach Eugen Reichels neuestem Buch nun die n&auml;chste Buchkritik eines aktuellen Titels. 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