{"id":4864,"date":"2011-06-02T01:36:33","date_gmt":"2011-06-01T23:36:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=4864"},"modified":"2011-06-02T01:36:33","modified_gmt":"2011-06-01T23:36:33","slug":"chemische-wertigkeiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2011\/06\/02\/chemische-wertigkeiten\/","title":{"rendered":"Chemische Wertigkeiten"},"content":{"rendered":"<p>Eigentlich wollte ich mich in dem heutigen Blog mit einem anderen Thema besch&auml;ftigen, n&auml;mlich der Frage ob das Vorhandensein von Schwefelwasserstoff und Carbonylsulfid in der Venusatmosph&auml;re ein Indiz f&uuml;r Leben ist. Doch beim &Uuml;berlegen fiel mir auf, dass ich wohl noch ein bisschen chemisches Grundlagenwissen einflie&szlig;en lassen muss.<\/p>\n<p>Also was sind Wertigkeiten, zumindest im chemischen Sinn? Wahrscheinlich kennen sie den Begriff nicht, er spielt einer Rolle wenn man einen Chemiker von &#8222;Eisen-Zwei&#8220; oder zink-vier-Oxid&#8220; sprechen h&ouml;rt oder man Dinge liest wie Eisen(III)oxid, wobei man meiner Ansicht nach gleich die Formel hinschreiben kann, aus der dies deutlich wird: Fe<sub>2<\/sub>O<sub>3<\/sub>.<!--more--><\/p>\n<p>Die chemische Wertigkeit bezeichnet ein Ph&auml;nomen: Die meisten Elemente (mit Ausnahme der ersten beiden Hauptgruppen und die Edelgase) haben eine Elektronenkonfiguration bei denen die p-Orbitale (bei den Nebengruppen auch die d- und f-Orbitale) teilweise belegt sind. Wenn sie nun Bindungen zu anderen Elementen aufbauen, dann k&ouml;nnen sie nur die teilweise belegten Orbitale, oder auch andere p-Orbitale oder sogar die schon belegten s-Orbitale mit einbeziehen und dabei <a href=\"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2010\/06\/18\/chemische-bindungen\/\">Hybridisierungsorbitale<\/a> bilden, also praktisch eine Mischung zwischen den Typen.<\/p>\n<p>Nehmen wir als Beispiel mal den Kohlenstoff. Er hat ein abgeschlossenes s-Orbital und zwei Elektronen in den p-Orbitalen in der Grundkonfiguration. Gehen nun die beiden p-Orbitale eine Bindung ein so, ist der Kohlenstoff zweiwertig. Werden aus den s-Orbitalen noch Elektronen hinzugenommen so entstehen vier sp<sup>3<\/sup>-Orbitale, jedes mit einem Elektron besetzt. Dann ist der Kohlenstoff vierwertig.<\/p>\n<p>Entsprechend gibt es Verbindungen, in denen der Kohlenstoff zweiwertig ist, z.B. das Kohlenmonoxid und Verbindungen in denen er vierwertig ist, z.B. das Kohlendioxid. Von den verschiedenen Oxidationsstufen ist meistens eine die h&auml;ufig vorkommende, manchmal auch mehrere. Welche unter bestimmten Bedingungen vorherrscht, h&auml;ngt aber von den Umgebungsbedingungen ab. Kohlenmonoxid z.B. wenn die Temperatur bei einer Verbrennung niedrig ist und Sauerstoffarmut herrscht. Da h&ouml;here Oxidationsstufen einer h&ouml;heren Wertigkeit entsprechen sind oftmals die h&ouml;heren Wertigkeiten in einer oxydativen Umgebung stabil? und die niedrigen in einer reduktiven. In der fr&uuml;hen Erde bestand die Atmosph&auml;re aus Kohlendioxid, Kohlenmonoxid, Ammoniak Methan und Stickstoff, das ist eine reduktive Umgebung. Von den beiden stabilsten Wertigkeiten des Eisens (II und III) ist die Oxidationsstufe II stabil in einer reduktiven Umgebung. Eisen(II)Verbindungen sind chemisch &auml;u&szlig;ert interessant. Es gibt zahlreiche davon und sie bilden auch Komplexverbindungen. Nicht umsonst ist das Eisen im H&auml;moglobin zweiwertig. Vor allem sind zahlreiche Eisen(II)Verbindungen wasserl&ouml;slich. Als das Wasser aus der Atmosph&auml;re ausregnete, wurden enorme Mengen von Eisen im Wasser gel&ouml;st. dort verblieb es auch &#8211; bis vor 3000 Millionen Jahren die ersten Blaualgen anfingen Sauerstoff zu produzieren &#8211; es entstanden die wichtigsten Eisenlagerst&auml;tten die Bandeisenerze. Sie entstehen durch die Jahreszeiten: Im Sommer waren die Blaualgen photosyntetisch aktiv und der Sauerstoff oxidierte das Eisen, im Winter stellten sie ihre Aktivit&auml;t ein und die Kohlendioxidfreisetzung durch andere Organismen &uuml;berwog und das Kohlendioxid f&uuml;hrte zum Ausf&auml;llen von Kalk, so entstanden B&auml;nder aus Eisenoxid und Kalziumcarbonat. Weitere Erzlagerst&auml;tten z.B. von Kupfer und Uran folgten. Nach und nach fielen alle Elemente aus, die stabile Oxide bildeten die nicht wasserl&ouml;slich sind.<\/p>\n<p>Vor allem die Nebengruppenelemente bilden zahlreiche Wertigkeiten. Bei ihnen ist es auch nicht so, dass sich die Wertigkeiten immer um den Faktor 2 unterscheiden, wie dies bei den Hauptgruppenelementen der Fall ist (z.B. Stickstoff: -3, +3,+5, Schwefel: -2, +2,+4,+6 oder Halogene (au&szlig;er Fluor): -1,+1,+3,+5,+7). Bei Chrom, z.B. die Wertigkeiten 2,3,4,5 und 6. Welche stabil sind h&auml;ngt nicht nur von der Elektronenkonfiguration ab, sondern auch von den M&ouml;glichkeiten Bindungen einzugehen. Dabei kommen in unserer Atmosph&auml;re nur Chrom VI und Chrom III Verbindungen h&auml;ufiger. Vor. Chrom(VI) entsteht wenn das s-orbital mit den 5 d-Orbitalen ein sd<sup>5<\/sup>-Orbital eingeht und? dann sechs Bindungen eingeht. Bei Chrom(III), der zweiten stabilen Oxidationsstufe ist es so, dass durch Zunahme von drei Elektronen die d-Orbitale jeweils halb gef&uuml;llt sind, was ebenfalls eine stabile Konfiguration ist.<\/p>\n<p>Die Unterschiede zwischen den Oxidationsstufen werden bei den Lanthanoiden noch kleiner und es gibt noch mehr Wertigkeiten. Damit einhergehend ergeben sich auch interessante Eigenschaften der Verbindungen weshalb diese auch als seltenen Erden bekannten Elemente heute sehr oft in der Elektronik eingesetzt werden.<\/p>\n<p>F&uuml;r die Betrachtung bei anderen Planeten ist es nun so, dass man sich h&uuml;ten sollte die Verh&auml;ltnisse von der Erde zu &uuml;bertragen. Wir haben seit mindesten 1 Milliarde Jahren eine sauerstoffreiche Atmosph&auml;re. Diese hat nicht nur alle Gesteine oxidiert, sondern vor allem werden auch alle reduktiven Verbindungen im Nu oxidiert. Methan z.B. lebt in unserer Atmosph&auml;re nur ein paar Jahre lang. In einer reduktiven Atmosph&auml;re k&ouml;nnen andere Oxidationsstufen stabil sein oder auch Molek&uuml;le verbleiben die bei uns schnell oxidiert werden. Vieles ist bei uns nicht mal im Labor nachstellbar, weil dazu die Zeit fehlt. Doch dazu mehr im n&auml;chsten Aufsatz.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eigentlich wollte ich mich in dem heutigen Blog mit einem anderen Thema besch&auml;ftigen, n&auml;mlich der Frage ob das Vorhandensein von Schwefelwasserstoff und Carbonylsulfid in der Venusatmosph&auml;re ein Indiz f&uuml;r Leben ist. Doch beim &Uuml;berlegen fiel mir auf, dass ich wohl noch ein bisschen chemisches Grundlagenwissen einflie&szlig;en lassen muss. Also was sind Wertigkeiten, zumindest im chemischen [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":169,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[138],"tags":[1936,1937,1935],"class_list":["post-4864","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-chemie","tag-oxidationszahl","tag-wertigkeit","tag-wertigkeiten","entry"],"a3_pvc":{"activated":false,"total_views":731,"today_views":0},"jetpack_featured_media_url":"","jetpack-related-posts":[{"id":5216,"url":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2011\/08\/10\/fcea2\/","url_meta":{"origin":4864,"position":0},"title":"FCEA2","author":"Bernd Leitenberger","date":"10. August 2011","format":false,"excerpt":"CEA2 (Chemical Equilibrium with Applications) ist ein seit gut 30 Jahren entwickeltes NASA Programm mit dem verschiedenste Probleme bei Gasphasen berechnet werden k\u00f6nnen. Ich beschr\u00e4nke mich auf das, was Raumfahrtliebhaber wohl am meisten machen: Die Berechnung der Performance von Triebwerken bei Raketen. Ich will die Benutzung des Programmes einmal erl\u00e4utern,\u2026","rel":"","context":"In &quot;Raumfahrt&quot;","block_context":{"text":"Raumfahrt","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/category\/raumfahrt\/"},"img":{"alt_text":"","src":"https:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/89efc24160614a1a93d97d19447e81a6","width":350,"height":200},"classes":[]},{"id":18472,"url":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2025\/12\/16\/die-deutsche-automobilindustrie-2\/","url_meta":{"origin":4864,"position":1},"title":"Die Deutsche Automobilindustrie.","author":"Bernd Leitenberger","date":"16. Dezember 2025","format":false,"excerpt":"Ich wei\u00df, ich habe lange nichts von mir h\u00f6ren lassen. Ich lebe aber noch. Ich arbeite derzeit viel an dem neuen Buch \u00fcber die Thor- und Delta-Tr\u00e4gerraketen. Leider sto\u00dfe ich auf immer mehr Material und das nimmt sehr viel Arbeit in Anspruch, um mich einzuarbeiten und zu schreiben. Jetzt schon\u2026","rel":"","context":"In &quot;Politik&quot;","block_context":{"text":"Politik","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/category\/politik\/"},"img":{"alt_text":"","src":"https:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/98960bbbe1644c829b9337b57667bf6c","width":350,"height":200},"classes":[]},{"id":18430,"url":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2025\/10\/06\/treibstoffgewinnung-auf-dem-mars\/","url_meta":{"origin":4864,"position":2},"title":"Treibstoffgewinnung auf dem Mars","author":"Bernd Leitenberger","date":"6. Oktober 2025","format":false,"excerpt":"Bis es eine Kolonie auf dem Mars gibt wird es sicher noch Jahrzehnte dauern, wenn \u00fcberhaupt. Ich bin jetzt 60 und glaube nicht, das ich dies noch erleben werde. Chancen g\u00e4be es f\u00fcr eine Expedition, also einen Flug zum Mars, einen Aufenthalt dort, der aus himmelsmechanischen Gr\u00fcnden etwa eineinhalb Jahre\u2026","rel":"","context":"In &quot;Chemie&quot;","block_context":{"text":"Chemie","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/category\/chemie\/"},"img":{"alt_text":"","src":"https:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/1098a0be1f3743bcb77eed3bd08301c5","width":350,"height":200},"classes":[]},{"id":18413,"url":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2025\/09\/30\/die-groessten-raetsel-in-der-fruehen-erdgeschichte-1\/","url_meta":{"origin":4864,"position":3},"title":"Die gr&ouml;&szlig;ten R&auml;tsel in der fr&uuml;hen Erdgeschichte (1)","author":"Bernd Leitenberger","date":"30. September 2025","format":false,"excerpt":"Wir wissen immer noch sehr wenig \u00fcber einen Gro\u00dfteil der Geschichte der Erde. Sie entstand vor 4,6 Milliarden Jahren. Bis vor 600 Millionen Jahren \u2013 also \u00fcber den gr\u00f6\u00dften Teil dieser Zeit \u2013 gibt es kaum Fossilienfunde, und auch alte Gesteine werden umso seltener, je weiter man in der Zeit\u2026","rel":"","context":"In &quot;Chemie&quot;","block_context":{"text":"Chemie","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/category\/chemie\/"},"img":{"alt_text":"","src":"https:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/929016b2bd2249e0b0f606c4839ef36b","width":350,"height":200},"classes":[]},{"id":18415,"url":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2025\/10\/01\/die-groessten-raetsel-in-der-fruehen-erdgeschichte-2\/","url_meta":{"origin":4864,"position":4},"title":"Die gr&ouml;&szlig;ten R&auml;tsel in der fr&uuml;hen Erdgeschichte (2)","author":"Bernd Leitenberger","date":"1. Oktober 2025","format":false,"excerpt":"So weiter geht es mit dem Artikel zu fragen oder R\u00e4tseln der fr\u00fchen Erdgeschichte also vor dem Kambrium. Dieser Teil schlie\u00dft inhaltlich an den ersten Teil von gestern an. Die langsame Evolution der Eukaryoten Biologen unterscheiden zwischen Prokaryonten und Eukaryoten. Alle Bakterien, einschlie\u00dflich der Cyanobakterien, sind Prokaryoten \u2013 Zellen ohne\u2026","rel":"","context":"In &quot;Chemie&quot;","block_context":{"text":"Chemie","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/category\/chemie\/"},"img":{"alt_text":"","src":"https:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/e534ab16d0564d968b03e686e6c982bb","width":350,"height":200},"classes":[]},{"id":12013,"url":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2016\/09\/27\/entstehung-von-leben-auf-der-erde-und-im-sonnensystem\/","url_meta":{"origin":4864,"position":5},"title":"Entstehung von Leben auf der Erde und im Sonnensystem","author":"Bernd Leitenberger","date":"27. September 2016","format":false,"excerpt":"Eines der Dauerbrennerthemen bei Sendungen \u00fcber Astronomie ist es, wo es noch Leben geben k\u00f6nnte. Man kann ja viel spekulieren \u00fcber fremde Planeten, doch am meisten wird nat\u00fcrlich \u00fcber Leben in unserem Sonnensystem spekuliert. Die NASA n\u00e4hrt das sehr gut, vor allem beim Mars. Auch wenn sie von \"Der Suche\u2026","rel":"","context":"In &quot;Allgemein&quot;","block_context":{"text":"Allgemein","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/category\/allgemein\/"},"img":{"alt_text":"","src":"http:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/4e11b05707214a29aee07687a953aec8","width":350,"height":200},"classes":[]}],"jetpack_sharing_enabled":true,"amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4864","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/169"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4864"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4864\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4864"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4864"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4864"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}