{"id":4873,"date":"2011-06-05T00:07:18","date_gmt":"2011-06-04T22:07:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=4873"},"modified":"2011-06-05T09:54:18","modified_gmt":"2011-06-05T07:54:18","slug":"die-ersten-russischen-venusssonden-ein-langsamer-lernprozess","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2011\/06\/05\/die-ersten-russischen-venusssonden-ein-langsamer-lernprozess\/","title":{"rendered":"Die ersten russischen Venusssonden &#8211; ein langsamer Lernprozess"},"content":{"rendered":"<p>Ich schlie&szlig;e heute an meinen Blogeintrag von gestern an.<\/p>\n<p>Die erste Raumsonde zur Venus war <strong>Venera 1<\/strong>. Sie f&uuml;hrte einen schwimmf&auml;higen Lander mit sich. Genaue Konstruktionsdetails sind bis heute unbekannt, doch war es eine vergleichsweise einfache Konstruktion. Doch Venera 1 sollte wie ihre Schwestersonde Sputnik 7 vor Erreichen der Venus ausfallen. So war Ende 1962 Mariner 2 (auch Mariner 1 ging verloren) die erste Raumsonde die an der Venus vorbeiflog. Ihre Ergebnisse ergaben, dass die Oberfl&auml;chentemperatur bei rund 425?C lagen, der Atmosph&auml;rendruck bei mindestens 20 Bar. Die Wolken, sich zwischen 72 und 97 km H&ouml;he &uuml;ber der Oberfl&auml;che erstrecken, mit Temperaturen von -55 Grad Celsius an der Oberseite und +93 an der Unterseite. Wasserdampf war nicht nachweisbar &#8211; das bedeutet das nur 1\/1000 des auf der Erde vorhandenen Wassers sich in den Wolken befinden kann.<\/p>\n<p>Doch die Russen glaubten diesen Ergebnissen nicht. Temperaturmessungen der Russen ergaben +100?C bei der unbeleuchteten Seite und +400?C bei der beleuchteten Seite. +100?C sollten die n&auml;chsten Landesonden also &uuml;berleben k&ouml;nnen. Auch die n&auml;chste Generation der russischen Sonden fiel 1962 komplett aus und erhielt nicht mal eine offizielle Venera Bezeichnung da keine Sonde einen Erdorbit verlies. Auch hier sollte eine von drei Sonden einen Lander absetzen, der neben einem Sender einen Gasanalysator verf&uuml;gte, Weiterhin sollten Druck, Temperatur und Wind bestimmt werden. Erst Jahre sp&auml;ter zeigte sich das der neue Block L einen Designfehler hatte, der dazu f&uuml;hrte dass er den Lageregelungstreibstoff vorzeitig verbrauchte. Da die zweite Z&uuml;ndung nicht von der UdSSR aus beobachtet werden konnte (sie wurde von einem Zeitgeber ausgel&ouml;st) wurde das Ph&auml;nomen erst nach einigen Jahren entdeckt.<!--more--><\/p>\n<p>1965 folgte<strong> Venera 3<\/strong>. (Venera 2 war eine reine Vorbeiflugsonde). Inzwischen kannte auch Russland die Ergebnisse von Mariner 2, doch der Lander von Venera 3 ging von anderen Umgebungsbedingungen aus. Er war ausgelegt f&uuml;r einen Betrieb bis 5 bar Au&szlig;endruck und eine Temperatur von 77?C. Ein Ammoniakk&uuml;hlsystem sollte dabei das innere k&uuml;hl halten. Man ging sogar von einem Betrieb &uuml;ber mehrere Tage aus und brachte Solarzellen an. Wie die vorhergehenden Exemplare war er schwimmf&auml;hig. Als neues Experiment gab es ein Photometer zur Bestimmung der Helligkeit und des Nachtleuchtens bei der Ann&auml;herung. Der Bus von Venera 3 &uuml;berhitze sich aber und so wurde der Kontakt vor Erreichen der Venus verloren. Stumm trat der Lander am 1.3.1966 in die Atmosph&auml;re ein.<\/p>\n<p>1967 folgte die n&auml;chste Generation mit &uuml;berarbeiteter Instrumentierung. Auch hier ging von zwei Sonden eine verloren und strandete in einem Erdorbit. Thermometer und Druckmesser waren ausgelegt f&uuml;r eine Temperatur von 320?C und 6,9 Bar. Der Lander selber f&uuml;r 7,2 Bar und 100 min Messzeit. Diesmal klappte auch alles: Die Landesonde von <strong>Venera 4<\/strong> trat in die Atmosph&auml;re ein, entfaltete ihren 55 m? gro&szlig;en Fallschirm und sandte 94 Minuten lang Daten. Zuerst jubelten die Forscher &#8211; ging man doch davon auf dass die Sonde die Oberfl&auml;che erreicht hatte und umgekippt war (im Meer w&auml;re die Antenne sogar schwimmf&auml;hig gewesen). Doch dann zeigte eine Auswertung der Funkdaten, dass die Sonde sich noch knapp 25 km &uuml;ber der Oberfl&auml;che befand als sie verstummte. Die letzten Messungen ergaben eine Temperatur von 270?C. Der Drucksensor hatte schon vorher versagt. So extrapolierte man einen Druck von 20 Bar, der die Sonde zerquetscht hatte.<\/p>\n<p>Der Bus lieferte eine Zusammensetzung der Atmosph&auml;re, die Kohlendioxid als Hauptgas (80-96%) best&auml;tigte. Einen Tag sp&auml;ter verifizierte dies die US-Raumsonde Mariner 5, die nun eine Temperatur von 527?C an der Oberfl&auml;che und einen Druck von 90 Bar bestimmte. Obwohl es nun eigene Messungen gab, die eine h&ouml;here Temperatur vorhersagten und auch der Druck hoch war, glaubten einige russische Wissenschaftler dies nicht. Die anderen hielten einen Druck von 75 Bar und 500?C aufgrund der Hochrechnung der Venera 4 Daten bis zur Oberfl&auml;che f&uuml;r m&ouml;glich. Leider konnten sie sich nicht beim Design der n&auml;chsten Generation durchsetzen.<\/p>\n<p>1969 folgte eine verbesserte Landergeneration mit <strong>Venera 5+6<\/strong>. W&auml;hrend die Lander nun Temperaturen von 500?C &uuml;berstand, war die Druckh&uuml;lle nur f&uuml;r 20 bis 25 Bar ausgelegt. Der Fallschirm war verkleinert worden, sodass er schneller fiel und die Instrumentierung verbessert. Beide Lander konnten erfolgreich abgesetzt werden. Nun ja es kam wie es kommen musste, beide Sonden arbeiteten 51 bzw. 53 Minuten lang und fielen in 21-23 km H&ouml;he bei einem Au&szlig;endruck von rund 27 Bar aus. Erstmals war dies nun auch der Sowjetunion klar, denn die interne Temperatur war nur von 13 auf 28?C geklettert. Die Bodentemperatur wurde nun auch von russischen Wissenschaftlern zwischen 400 und 530?C und der Druck auf 60 bis 140 bar gesch&auml;tzt.<\/p>\n<p>1970 folgte dann <strong>Venera 7<\/strong>. Inzwischen hat man die Lehren aus den verlorenen Sonden gezogen. Der gesamte Lander war nun in eine Titanh&uuml;lle gepackt. Deren Gewicht reduzierte die Instrumentierung auf einen Druckmesser und ein Thermometer. aber sie war druckdicht bis zu 180 Bar. Der Fallschirm war hochtemperaturresistent bis 500?C Nach 35 Minuten erreichte Venera 7 die Oberfl&auml;che und zuerst verstummte das Signal, doch dann bemerkte man, dass es nicht verstummt war, sondern nur abgeschw&auml;cht auf 3% der normalen St&auml;rke. Venera 7 war zur Seite gerollt und die Antenne zeigte nun nicht mehr zum Himmel. Erstmals hatte eine Kapsel den Venusboden erreicht und &uuml;berlebt, Weitere 23 Minuten lang gab es Funkkontakt zu Venera 7. Die Sonde ma&szlig; eine Temperatur von 475?C und einen Bodendruck von 92 Bar &#8211; beidesmal korrekte Werte,<\/p>\n<p>Danach konnte Russland an die Konstruktion von viel leistungsf&auml;higeren Landern gehen, die nun innerhalb von wenigen Minuten komplexe Analysen der Atmosph&auml;re des Bodens und Fotos anfertigen k&ouml;nnen. Doch das ist eine andere Geschichte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich schlie&szlig;e heute an meinen Blogeintrag von gestern an. Die erste Raumsonde zur Venus war Venera 1. Sie f&uuml;hrte einen schwimmf&auml;higen Lander mit sich. Genaue Konstruktionsdetails sind bis heute unbekannt, doch war es eine vergleichsweise einfache Konstruktion. Doch Venera 1 sollte wie ihre Schwestersonde Sputnik 7 vor Erreichen der Venus ausfallen. 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