{"id":4883,"date":"2011-06-07T00:32:31","date_gmt":"2011-06-06T22:32:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=4883"},"modified":"2024-08-29T08:58:53","modified_gmt":"2024-08-29T06:58:53","slug":"photochemie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2011\/06\/07\/photochemie\/","title":{"rendered":"Photochemie"},"content":{"rendered":"<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p id=\"pvc_stats_4883\" class=\"pvc_stats all  \" data-element-id=\"4883\" style=\"\"><i class=\"pvc-stats-icon medium\" aria-hidden=\"true\"><svg aria-hidden=\"true\" focusable=\"false\" data-prefix=\"far\" data-icon=\"chart-bar\" role=\"img\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 512 512\" class=\"svg-inline--fa fa-chart-bar fa-w-16 fa-2x\"><path fill=\"currentColor\" d=\"M396.8 352h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V108.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v230.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm-192 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V140.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v198.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm96 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V204.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v134.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zM496 400H48V80c0-8.84-7.16-16-16-16H16C7.16 64 0 71.16 0 80v336c0 17.67 14.33 32 32 32h464c8.84 0 16-7.16 16-16v-16c0-8.84-7.16-16-16-16zm-387.2-48h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8v-70.4c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v70.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8z\" class=\"\"><\/path><\/svg><\/i> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"16\" height=\"16\" alt=\"Loading\" src=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-content\/plugins\/page-views-count\/ajax-loader-2x.gif\" border=0 \/><\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p>Weil ich es schon angesprochen habe, aber noch nicht so richtig erkl&auml;rt, heute ein bisschen eine kleine Einf&uuml;hrung in die Photochemie. Das Kunstwort besteht aus Photo=Licht und Chemie. Es ist die Lehre der Reaktionen, die durch Licht induziert werden. Wenn wir an chemische Reaktionen denken, dann meistens an aggressive Stoffe oder Erw&auml;rmung, wenige jedoch an Licht. Dabei ist Licht enorm energiereich. Das sichtbare Licht der Sonne (mit dem Strahlungsmaximum bei einer Wellenl&auml;nge von 550 nm) wurde von der Chromosph&auml;re mit einer Temperatur von 5.500 \u00b0C ausgesandt. Entsprechend energiereich ist es. Albert Einstein hat seinen Nobelpreis nicht (wie manche meinen) f&uuml;r die Relativit&auml;tstheorie bekommen, sondern f&uuml;r die Erkl&auml;rung des photoelektrischen Effekts. Bestrahlt man bestimmte Substanzen wie Silizium mit Licht so kann man einen Strom messen.. Was Einstein entdeckte, war dass zum Herausschlagen von Elektronen aus dem Halbleiter die Wellenl&auml;nge des Lichtes wesentlich war. &Uuml;berschritt die Wellenl&auml;nge einen Grenzwert, so konnte man den Halbleiter mit beliebig viel Licht einer h&ouml;heren Wellenl&auml;nge bestrahlen \u2013 man w&uuml;rde keinen Strom messen.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/107bd694c81847c0a80bd34b3a4b2e09\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><!--more--><\/p>\n<p>Wie wir heute wissen, korrespondiert mit jeder Wellenl&auml;nge eine bestimmte Energie. Trifft ein Lichtteilchen (Photon) auf ein Atom, so &uuml;bertr&auml;gt es die Energie. Reicht die Energie aus, so schl&auml;gt sie ein Elektron aus dem Atom \u2013 Strom fliest. Reicht die Energie nicht aus, so nutzen auch zig Lichtteilchen nichts \u2013 sie bringen das Atom bei jedem Treffer in einen angeregten Zustand, aus dem es jedoch schnell wieder zur&uuml;ckkehrt indem es Energie abgibt (auf diesem Prinzip beruht der Laser).<\/p>\n<p>Dasselbe passiert auch bei chemischen Verbindungen. Das sichtbare Licht ist immerhin energiereich genug um zahlreiche Verbindungen zu spalten und Reaktionen zu induzieren, vor allem organische Bindungen in gr&ouml;&szlig;eren Molek&uuml;len sind recht schwach. Jeder kennt das: Der Farbstoff von beschreibbaren CDs bleicht in der Sonne aus, Kunststoff wird hart und spr&ouml;de oder verwittert. Andere Stoffe mit schw&auml;cheren Bindungen k&ouml;nnen durch Licht in Radikale gespaltet werden. Falls ein Lehrer hier mitliest: Mal im abgedunkelten Raum in einen Luftballon etwas Chlorgas und etwas Propan, Ethan oder Butan f&uuml;llen und davon ein Foto mit Blitz machen\u2026 Der Effekt ist super. Ich empfehle aber einen Explosionsk&auml;fig bei dem Experiment einzusetzen. Was passiert? Das Licht eines Elektronenblitzes ist zwar nicht sehr intensiv, aber jedes Photon hat eine hohe Energie. Diese reicht aus einige Chlormolek&uuml;le in Chloratome zu spalten. Diese regieren mit dem Kohlenwasserstoff zu einem Kohlenwasserstoffradikal, das instabil ist und sich schnell ein zweites Chloratom aus einem Chlormolek&uuml;l holt \u2013 ein neues Chloratom entsteht und die Kettenreaktion geht weiter.<\/p>\n<p>Cl<sub>2<\/sub> + Photon ? 2 Cl*<\/p>\n<p>Cl* + H-Ch<sub>2<\/sub>-Ch<sub>2<\/sub>-H ? Ch<sub>2<\/sub>*-CH<sub>3<\/sub> + HCl<\/p>\n<p>Ch<sub>2<\/sub>*-CH<sub>3<\/sub> + Cl<sub>2<\/sub> ? Cl-Ch<sub>2<\/sub>-Ch<sub>3<\/sub> + Cl*<\/p>\n<p>Mit einem Stern ist jeweils das <a href=\"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2010\/06\/18\/chemische-bindungen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Radikal <\/a>markiert. Die Radikale haben ein ungebundenes Elektron und sind so gierig nach einem zweiten. Radikale sind ungleich reaktiver als normale Verbindungen und sie sind viel unselektiver, Hauptsache ein Elektron kommt her. Das ist, wie wenn sie mit einer Frau einkaufen. Da mag sie stundenlang herumschauen und trotzdem nichts finden. Die Situation &auml;ndert sich wenn sie nackt ist. (Ihr also Kleidung fehlt) Sie k&ouml;nnen dann drauf wetten dass sie dann alles anzieht, sogar ein Herrenjacket. Die Rolle der Kleidung stellt hier die Bindung da. Hat ein Molek&uuml;l eine stabile Bindung so wird es nur versuchen eine noch stabilere Bindung zu erhalten, au&szlig;er man pumpt viel Energie in das Molek&uuml;l herein. Fehlt die Kleidung (=Bindung), so wird das Atom jede andere Bindung akzeptieren um wieder einen stabilen Zustand zu erreichen.<\/p>\n<p>Ein wesentlicher Unterschied bei der Photochemie ist dass die Ursache f&uuml;r die Reaktion ein Lichtteilchen ist. Bei den meisten anderen Reaktionen sind die Reaktionspartner energiereich, entweder durch Temperatur oder andere Mechanismen wird dann die Aktvieriungsenergie die man ben&ouml;tigt um eine bestehende Bindung aufzuspalten. Hier bringt diese Energie das Photon. Bei den meisten Molek&uuml;len f&uuml;hrt das zur Bindungsspaltung (nur gro&szlig;e Molek&uuml;le k&ouml;nnen insgesamt in einen angeregten Zustand gelangen). Diese Radikalreaktionen sind wie oben angesprochen unspezifisch und das macht es recht schwierig, das Ergebnis vorherzusagen. Im Prinzip sucht sich das Radikal den n&auml;chsten Reaktionspartner mit dem eine stabile Bindung m&ouml;glich ist, auch wenn als Folge ein neues Radikal entsteht und das Ergebnis unter Normalbedingung nicht stabil ist.<\/p>\n<p>Solare UV-Strahlen erzeugen aus Sauerstoff in der Stratosph&auml;re Ozon. Ozon ist sehr reaktiv und auf der Erde nicht lange stabil, er zerf&auml;llt auch in der Stratosph&auml;re, wird aber durch UV-Strahlung laufend neu erzeugt. Er absorbiert aber so die UV-Strahlen und sie gelangen meistens nicht auf die Erde. (Zumindest nicht die ganz energiereichen, die energiearmen reichen aber immer noch aus um zahlreiche Zellsch&auml;den hervorzurufen \u201eSonnenbrand\u201c). Auf der anderen Seite passiert mit Chlorierten Kohlenwasserstoffen in unserer Atmosph&auml;re folgendes:<\/p>\n<p>Cl-Ch<sub>2<\/sub>-R + Photon ? Cl* + Ch<sub>2<\/sub>-R*<\/p>\n<p>Cl* + O<sub>3<\/sub> ? ClO* + O<sub>2<\/sub><\/p>\n<p>ClO* + O<sub>3<\/sub> ? Cl* + 2 O<sub>2<\/sub><\/p>\n<p>Das Chlorradikal hat also zwei Ozonmolek&uuml;le zerst&ouml;rt und ist regeneriert worden \u2013 darauf beruht die zerst&ouml;rende Wirkung von chlorierten Kohlenwasserstoffen die bis in die Stratosph&auml;re gelangen. Das dies passiert, war keinem bewusst bis man es Ende der siebziger Jahre beobachtete. Der grunds&auml;tzliche Mechanismus von Photoreaktionen ist der gleiche wie bei normalen, nur nimmt die Selektivit&auml;t ab. ein Radikal hat nur das Bestreben in einen neuen stabilen Zustand &uuml;berzugehen, selbst wenn das entstehende Molek&uuml;l selbst wieder leicht zerf&auml;llt. So entsteht Ozon folgenderma&szlig;en:<\/p>\n<p>O<sub>2<\/sub> + Photon ?; 2 O*<\/p>\n<p>O* + O<sub>2<\/sub> ? O<sub>3<\/sub><\/p>\n<p>Der Unterschied zum Chloroxid in der obigen Reaktion ist, das Ozon zwar unter innerer Spannung steht (Die Bindungswinkel sind von 109 auf 90 Grad verk&uuml;rzt) und daher leicht wieder in O2 + O zerf&auml;llt, aber es ist kein Radikal mehr. Damit ist die Kette erst mal gestoppt. Das Chloroxid (ClO) ist dagegen immer noch ein Radikal (Das Chlor hat eine Bindung, der Sauerstoff zwei, also ist eine des Sauerstoffs noch frei) und es reagiert daher weiter. Den einzigen Vorteil den die Reaktion mit dem Ozon brachte ist die, das das Chloroxidradikal etwas stabiler als das Chlorradikal ist, weil das einzelne Elektron nun mehr Orbitale hat in denen es sich kurzzeitig aufhalten kann. Das Nachstellen im Labor ist recht schwierig, schlie&szlig;lich sind die Bedingungen in der Stratosph&auml;re schwer simulierbar.<\/p>\n<p>Das macht es nat&uuml;rlich auch schwierig, Reaktionen in den Atmosph&auml;ren anderer Planeten zu beurteilen. Auf der Venus f&uuml;hrt sie zur Bildung von Carbonylsulfid. Beim Titan f&uuml;hrt sie zu Kondensationsreaktionen. Kohlenwasserstoffe haben eine gute Eigenschaften: Wird ein Kohlenwasserstoffradikal zu einem anderen Kohlenwasserstoffmolek&uuml;l addiert, so ist das gr&ouml;&szlig;ere Molek&uuml;l besser f&auml;hig den radikalischem Zustand zu ertragen. Das hei&szlig;t im Trend werden die Molek&uuml;le immer gr&ouml;&szlig;er. Irgendwann sind sie nicht mehr gasf&ouml;rmig sondern werden fl&uuml;ssig, bilden Aerosole und sinken nach unten. Sie bilden einen richtigen Schlamm aus polymeren Substanzen. Diese wurden auch von Huygens nachgewiesen und einige Formationen auf Cassini Radarbildern erkl&auml;rt man sich so. Als Nebenreaktionen gibt es auch Reaktionen mit dem Stickstoff, doch diese f&uuml;hren nicht solch stabilen Radikalen, weshalb das h&auml;ufigste HC3N 100 mal seltener vorkommt als das erste Kondensationsprodukt Ethan, obwohl es 50 mal mehr Stickstoff als Methan gibt. Weiterhin ben&ouml;tigt man um so weniger Energie f&uuml;r eine Photoreaktion je gr&ouml;&szlig;er das Molek&uuml;l ist. Um Methan zu spalten ben&ouml;tigt man z.B. UV-Strahlung mit einer Wellenl&auml;nge kleiner als 145 nm (optimal um die Lyman-Alpha Wellenl&auml;nge von 121,6 nm). Diese Prozesse laufen also nur in der &auml;u&szlig;ersten Sicht ab. Denn sie absorbieren die extreme UV-Strahlung.<\/p>\n<p>Auff&auml;llig in der Titanatmsoph&auml;re ist auch das Vorhandensein von zahlreichen unges&auml;ttigten Molek&uuml;len, wie Ethen. Eine M&ouml;glichkeit f&uuml;r einen Kohlenwasserstoff den Radikalcharakter loszuwerden ist es atomaren Wasserstoff abzugeben, der dann wegen seiner geringen Atommasse das Schwerefeld verlassen kann.<\/p>\n<p>Auf der Erde wird f&uuml;r die Entstehung des Lebens postuliert, das die durch UV-Strahlung induzierten Reaktionen erst zur Bildung zahlreicher organischer Grundbausteine f&uuml;hrten. (Neben Blitzen, nur ist die UV-Strahlung damals &uuml;berall vorhanden gewesen Blitze nur regional). Allerdings spaltet das UV-Licht auch gebildete komplexe Molek&uuml;le wieder, weshalb die entstandenen Molek&uuml;le auch vor ihr gesch&uuml;tzt werden m&uuml;ssen. Wie dies geschah das ist eines der vielen R&auml;tsel bei der Entstehung des Lebens.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p id=\"pvc_stats_4883\" class=\"pvc_stats all  \" data-element-id=\"4883\" style=\"\"><i class=\"pvc-stats-icon medium\" aria-hidden=\"true\"><svg aria-hidden=\"true\" focusable=\"false\" data-prefix=\"far\" data-icon=\"chart-bar\" role=\"img\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 512 512\" class=\"svg-inline--fa fa-chart-bar fa-w-16 fa-2x\"><path fill=\"currentColor\" d=\"M396.8 352h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V108.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v230.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm-192 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V140.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v198.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm96 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V204.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v134.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zM496 400H48V80c0-8.84-7.16-16-16-16H16C7.16 64 0 71.16 0 80v336c0 17.67 14.33 32 32 32h464c8.84 0 16-7.16 16-16v-16c0-8.84-7.16-16-16-16zm-387.2-48h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8v-70.4c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v70.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8z\" class=\"\"><\/path><\/svg><\/i> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"16\" height=\"16\" alt=\"Loading\" src=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-content\/plugins\/page-views-count\/ajax-loader-2x.gif\" border=0 \/><\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p>Weil ich es schon angesprochen habe, aber noch nicht so richtig erkl&auml;rt, heute ein bisschen eine kleine Einf&uuml;hrung in die Photochemie. 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