{"id":4903,"date":"2011-06-11T00:15:32","date_gmt":"2011-06-10T22:15:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=4903"},"modified":"2011-06-11T18:34:51","modified_gmt":"2011-06-11T16:34:51","slug":"intelligentes-leben-auf-dem-mars","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2011\/06\/11\/intelligentes-leben-auf-dem-mars\/","title":{"rendered":"Intelligentes Leben auf dem Mars?"},"content":{"rendered":"<p>Der Mars hat schon immer die Menschen fasziniert. Als die ersten Fernrohre aufkamen, konnte man auf seiner Oberfl&auml;che farbliche Nuancen ausmachen, die sich auch zeitlich leicht &auml;nderten. Sehr bald erkannte man, das der Mars zwar kleiner als die Erde war. aber in anderen physikalischen Parametern der Erde &auml;hnelte. So konnte schon 1719 seine Rotationsperiode von Maraldi auf 24 Stunden 40 Minuten bestimmt werden und die Rotationsachse war 23,5 Grad geneigt &#8211; beides &auml;hnliche Werte wie bei der Erde.<\/p>\n<p>Sehr schwierig war zuerst die Anfertigung von Karten. Wer einmal selbst den Mars durch das blo&szlig;e Auge beobachtet hat, wei&szlig;, das er fast konturlos ist, es dauert mehrere Minuten bis man sich an den Anblick gew&ouml;hnt hat und nur kurz sieht man dann Details, weil auch die Luftunruhe diese gerne verschmiert.<\/p>\n<p>Aufsehen erregte eine Karte die 1878 von Schiaparelli gezeichnet wurde, Sie zeigte erstmals lange gerade Linien, die Schiaparelli ?&#8220;Canali&#8220; nannte. Der Begriff selbst ist ein Kunstwort. Im Italienischen gibt es nur &#8222;Canale&#8220;, das sowohl k&uuml;nstliche Wasserstra&szlig;e wie auch Flusskanal bezeichnet. Schiaparelli sah sie als Verbindungsweg zwischen den dunklen Gebieten an die man als Meere interpretierte. Er hat sich jedoch Zeit seines Lebens nicht &uuml;ber k&uuml;nstliche Wasserl&auml;ufe ge&auml;u&szlig;ert sondern auf einen nat&uuml;rlichen Ursprung bestanden.<!--more--><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" src=\"\/img\/schiaparelli.gif\" alt=\"Schiaparellis Karte\" width=\"640\" height=\"707\" align=\"left\" \/><\/p>\n<p>Die Karte l&ouml;ste eine erste Marshysterie aus. Zwischen 1880 und 1905 erschienen zahlreiche popul&auml;rwissenschaftliche Schriften. Sie drehten sich um den Mars und seine Bewohner. Sehr bald fand man Erkl&auml;rungen f&uuml;r die Kan&auml;le. Sie dienten dazu Wasser zu leiten. Die Marsianer mussten sehr unter Trockenheit leiden und daher diese Kan&auml;le gebaut haben. Schlie&szlig;lich war der ganze Planet rot &#8211; wie irdische W&uuml;sten. V&ouml;llig unter den Tisch fiel, dass mit den Teleskopen die es gab, bei z.B. 60 cm &Ouml;ffnung ein Kanal, damit er in minimalster Entfernung sichtbar war, mindestens 50 bis 60 km breit sein musste. Selbst wenn man den Effekt ber&uuml;cksichtigt dass deine Linien auch bei kleinerer Breite gut sichtbar sind, so mussten die Kan&auml;le f&uuml;r irdische Verh&auml;ltnisse sehr gro&szlig; sein.<\/p>\n<p>Carl Friedrich Gauss schlug schon ein halbes Jahrhundert vorher vor, in Sibirien riesige Weizenfelder mit geometrischen Mustern anzulegen um mit den Marsianern zu kommunizieren. Schon 1879 fertigte Schiaparelli eine neue Karte an. Sie zeigte nicht nur viel mehr Kan&auml;le als die erste. Ein Kanal von 1878 war nun schon doppelt aufgespalten. Die Breite lag zwischen 30 und 200 bis 300 km. Er stellt klar, dass er sie f&uuml;r nat&uuml;rliche Wasserl&auml;ufe ansah wie den &Auml;rmelkanal den er als Vergleich heranzog. In der ersten Auflagae hatte er sich noch nicht zu diesem Problem ge&auml;u&szlig;ert. Doch es kam zu sp&auml;t &#8211; in jeder anderer Sprache bedeutet &#8222;Kanal&#8220; eben einen k&uuml;nstlichen Lauf.<\/p>\n<p>Dabei war die Diskussion &uuml;ber die Oberfl&auml;che noch nicht abgeschlossen. W&auml;hrend einige meinten, die dunklen Gebiete w&auml;ren Wasser sahen andere diese als Vegetation an und die roten Gebiete als W&uuml;ste. Andere vertraten sogar die (recht richtige Ansicht), die Oberfl&auml;che w&auml;re gefroren und wir w&uuml;rden nur den Staub auf dem Eispanzer sehen. Svante Arrhenius, der schon den Treibhauseffekt der Venus richtig erkannte, bewies schl&uuml;ssig, dass es auf dem Mars aufgrund seiner Entfernung kein Wasser in fl&uuml;ssiger Form geben konnte. Svante Arrhenius war einer der damals schon seltenen Universalgelehrten, der sich nicht nur mit Chemie besch&auml;ftigte, sondern auch mit Polarlichtern, Geologie und eben der Astronomie.<\/p>\n<p>Einer der heftigsten Gegner von Arrhenius These eines toten Mars war Percival Lowell. Lowell war Sohn einer reichen Patrizierfamilie. Er beschloss, sein Verm&ouml;gen einzusetzen um ein Observatorium in Arizona aufzubauen und verlie&szlig; Boston. Dort entstand 1893 nicht nur eines der gr&ouml;&szlig;ten Teleskope seiner Zeit. Dort war auch die Luft sehr klar. Als Folge erkannte Lowell immer mehr Kan&auml;le. Von Zeichnung zu Zeichnung wurden es mehr, am Schluss fast Hundert. Er schrieb zahlreiche popul&auml;re Schriften &uuml;ber die Marsianer und seine Beobachtungen. Sie fielen auf fruchtbaren Boden, damals waren die Leute &uuml;berzeugt es m&uuml;sste Marsianer geben. In derselben Periode (1898) erschien H.G. Wells Roman &#8222;Krieg der Welten&#8220;, der erst 40 Jahre sp&auml;ter bei einer Radio&uuml;bertragung durch Orson Wells eine Massenhysterie ausl&ouml;ste.<\/p>\n<p>Lowell entdeckte aber auch einiges tats&auml;chlich wichtiges. So beobachtete er dass sich die Polkappen zeitlich ver&auml;nderten &#8211; sie schmolzen ab und nahmen zu. Das best&auml;tigte ihn in seiner Hypothese dass die kan&auml;le Schmelzwasser dorthin leiteten, wo es ben&ouml;tigt wurde. Er entdeckte auch erstmals einen Kanal in den dunklen Gebieten. Nun wandelte sich das Bild: Nun galt der Mars als trocken und nur die dunklen Gebiete waren mit Vegetation versehen. Der Rest w&auml;re W&uuml;ste. Ozeane g&auml;be es nicht. Ingenieure berechneten den Energieverbrauch den man hatte um das Waser zu Pumpen. es wurde spekuliert wo die Hauptstadt des Mars l&auml;ge.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright\" src=\"\/img\/lovell.gif\" alt=\"Schiaparellis Karte\" width=\"942\" height=\"520\" align=\"left\" \/><\/p>\n<p>Viele Astronomen hatten mit ihren Instrumenten aber gar keine Canali gesehen und leugneten schlichtweg ihre Existenz. Walter Maunder konnte mit einem Experiment 1913 aber die richtige Ursache erkennen. 200 sehr gut sehende Sch&uuml;ler mussten Marskarten abzeichnen, so gut sie konnten. Die Marskarten waren nach Beobachtungsdaten angefertigt worden und mit zuf&auml;lligen Kennzeichen versehen, aber ohne Kan&auml;le. Die Sch&uuml;ler vorne konnten die Kennzeichen sehen und gaben ihre Form korrekt wieder. Die hinten sitzenden Sch&uuml;ler erkannten nur die groben Formen und gaben diese wieder &#8211; ihre Zeichnung gleich vielen astronomischen Marskarten. Die Sch&uuml;ler aber in der Mitte konnten zwar erkennen dass da noch eine feine Struktur war, sie aber nicht mehr aufl&ouml;sen &#8211; ihre Zeichnungen zeigten zahlreiche Linien. Es war eine optische T&auml;uschung. Das Auge versucht Linien und andere Strukturen zu erkennen, auch wenn es keine gibt.<\/p>\n<p>Die Frage der Marskan&auml;le verlor allm&auml;hlich an Brisanz, auch weil nun die ersten Fotos von Mars auftauchten und bei keinem waren Kan&auml;le zu sehen. Trotzdem erschienen noch bis 1930 zahlreiche B&uuml;cher &uuml;ber die Kan&auml;le und Marsianer. Die Temperaturmessungen die ab Mitte der zwanziger Jahre m&ouml;glich waren, zeigten bald, dass der Mars zu kalt f&uuml;r Wasser in fl&uuml;ssiger Form war. Die erste Messung von 1924 ergab eine Temperatur von -45 ? auf der Nachtseite bis 0?C am Mittag. Bessere Teleskope zeigten nun auch sehr ausgedehnte &#8222;Wolken&#8220;, die allerdings sehr unterschiedliche Farben hatten. Bl&auml;ulich, gelbliche und r&ouml;tliche Wolken wurden gesehen. 1925 verdeckte ein globaler Staubsturm zeitweise den Planeten, sodass keine Details gesehen werden konnten. Seine Natur wurde aber erst Jahrzehnte sp&auml;ter erkannt.<\/p>\n<p>Der Stand 1960 war der, dass man wusste, das der Planet an sich trocken war. Helle Polkappen aus Wasser hatte. Er hatte eine Atmosph&auml;re, deren Zusammensetzung man damals zu 98% Stickstoff 1% Argon und 1% Kohlendioxid annahm. Der Druck sollte 60 &#8211; 100 hpa betragen. Identifiziert wurde das Mineral Magneteisenstein (Fe<sub>2<\/sub>O<sub>3<\/sub>). In der Atmosph&auml;re sahen machen Beobachter auch spektrale Signaturen von Acetaldehyd. Immerhin wurde nicht mehr ausgeschlossen, dass auf dem Mars zumindest Bakterien existieren k&ouml;nnten. Bakterienkulturen auf der Erde &uuml;berlebten zumindest teilweise simulierte Marsbedingungen.<\/p>\n<p>Das war er Stand bevor Mariner 4 den Mars erreichte. Dort mache ich morgen weiter. Percival Lowell Observatorium lebte auch nach seinem Tod 1916 weiter. Neben dem Mars besch&auml;ftigte er sich Zeit seines Lebens mit der Suche nach dem Planet X &#8211; einem Planeten jenseits von Neptun, da die Bahnabweichungen des Uranus alleine durch Neptun nicht erkl&auml;rt werden konnten. Er fand keinen, doch er hinterlie&szlig; eine Stiftung. Fortan d&uuml;rften an der Sternwarte junge Astronomen forschen, wenn sie weiterhin nach Planet X suchen w&uuml;rden. Einer der jungen Astronomen war Clyde Tombaught. Er entdeckte bei einer Routinedurchmusterung im Jahre 1930 ein sich langsam bewegendes Objekt auf zwei Fotoplatten, dass nach seiner geringen Positions&auml;nderung sich jenseits von Neptun befinden musste. Planet X war gefunden worden. Er wurde von Tombaught Pluto getauft. In Pluto stecken nicht nur die Initialen von Percival Lowell, sondern sein Symbol ist auch ein P verbunden mit einem L. Lovell h&auml;tte sich sicher gefreut, nun ja bis zur IAU Sitzung im Jahr 2007&#8230;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Mars hat schon immer die Menschen fasziniert. Als die ersten Fernrohre aufkamen, konnte man auf seiner Oberfl&auml;che farbliche Nuancen ausmachen, die sich auch zeitlich leicht &auml;nderten. Sehr bald erkannte man, das der Mars zwar kleiner als die Erde war. aber in anderen physikalischen Parametern der Erde &auml;hnelte. 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