{"id":4908,"date":"2011-06-12T00:00:18","date_gmt":"2011-06-11T22:00:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=4908"},"modified":"2011-06-10T22:07:53","modified_gmt":"2011-06-10T20:07:53","slug":"intelligentes-leben-auf-dem-mars-teil-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2011\/06\/12\/intelligentes-leben-auf-dem-mars-teil-2\/","title":{"rendered":"Intelligentes Leben auf dem Mars &#8211; Teil 2"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" class=\"alignleft\" src=\"\/img\/mariner4mars.jpeg\" alt=\"Mariner 4 Aufnahme\" align=\"left\" \/>Nachdem von 1960 bis 1964 schon zwei Generationen von Raumsonden verloren gingen, schaffte es 1964 die siebte zum Mars gestartete Sonde auch am Mars anzukommen. Mariner 4 hatte eigentlich nur ein marsspezifisches? Experiment, eine TV-Kamera. Alle anderen Experimente ma&szlig;en Strahlung, Teilchen, St&auml;ube und Magnetfelder. Die Kamera wurde in rund 15.000 km Entfernung aktiviert und &uuml;bermittelte 22 Bilder. So viele passten nicht auf das Magnetband, sodass es vom 22.sten Bild nur 22 Zeilen gab. Die Bilder wurden dann langsam &uuml;bertragen &#8211; das NASA DSN schaffte damals nur eine Daten&uuml;bertragungsrate von 8,33 Bit\/s. Obwohl die Bilder weder hochaufl&ouml;send , noch besonders scharf waren, zeigten sie doch etliche Krater, aber keine Kan&auml;le, dabei hatte die Bildserie einen Streifen quer vom Nordpol bis nahe des S&uuml;dpols gezogen und dabei zahlreiche &#8222;Canali&#8220; &uuml;berquert.<\/p>\n<p>Damit war die Vorstellung von intelligentem Leben auf dem Mars endg&uuml;ltig gestorben. Mehr noch. Da die Aufnahmen nur Krater zeigten, machte sich die Vorstellung breit, der Mars w&auml;re &auml;hnlich &ouml;de und mit Kratern &uuml;bers&auml;t wie de Mond. Mariner 4 hatte kein Spektrometer an Bord um die Zusammensetzung der Atmosph&auml;re zu bestimmen. So gab es Informationen &uuml;ber die Atmosph&auml;re nur auf indirektem Wege. Der Atmosph&auml;rendruck wurde auf 30 mb gesch&auml;tzt. Je nach Wissenschaftler war Stickstoff oder Kohlendioxid der Hauptbestandteil der Atmosph&auml;re. Ein Magnetfeld konnte nicht festgestellt werden.<!--more--><\/p>\n<p>F&uuml;nf Jahre sp&auml;ter folgten die verbesserten Vorbeiflugsonden Mariner 6+7. Beide zusammen &uuml;bermittelten rund 200 Aufnahmen, h&ouml;her aufl&ouml;send als die Von Mariner 4. Sie deckten nun 20% der Oberfl&auml;che ab, vornehmlich die S&uuml;dhalbkugel. Auch Mariner 6+7 entgingen die Flussl&auml;ufe, das Grabensystem und das Valles Marineris. (auch wenn es, wie der Riesenvulkan Olympus Mons, auf den Weitwinkelaufnahmen erkannt werden konnte &#8211; es fehlte aber die Aufl&ouml;sung es als eigenst&auml;ndiges Detail zu erkennen). Mariner 6+7 lieferten auch die ersten Daten &uuml;ber die genaue Zusammensetzung der Marsatmosph&auml;re und den Bodendruck &#8211; rechtzeitig genug um die Fallschirme und Landesysteme von Viking auszulegen.<\/p>\n<p>Die Versuche der Sowjetunion den Mars zu erreichen scheiterten alle. 1971 erreichte neben der US-Sonde Mariner 9 auch das Duo Mars 2+3 den Planeten. Von den beiden Landern gelang nur dem von Mars 3 eine weiche Landung. Er fiel jedoch wenige Sekunden nach der Landung aus. Damals tobte auch ein globaler Staubsturm, eventuell ist dieser am Ausfall mitbeteiligt. Die Orbiter von Mars 2+3 machten einige Fotos litten jedoch unter technischen M&auml;ngeln und einer mangelnden Flexibilit&auml;t. So nutzten die Sonden Film f&uuml;r die Aufnahmen und dieser war verbraucht bevor die Atmosph&auml;re wieder klar war.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"alignleft\" src=\"\/img\/mariner6-surface2-640.jpg\" alt=\"Mariner 7 Aufnahme\" align=\"left\" \/>Mariner 9 konnte jedoch abwarten &#8211; die Sonde fertigte &uuml;ber 9 Monate einen Komplettatlas des Mars an. Er zeigte nun ein anderes Bild: Es gab riesige erloschene Vulkane, Grabenbr&uuml;che die auf der Erde quer &uuml;ber den amerikanischen Kontinent reichen w&uuml;rde, riesige Flussl&auml;ufe die heute ausgetrocknet sind und chaotisches Terrain, geformt von Eis, Tektonik und Meteoriteneinschl&auml;gen.<\/p>\n<p>Auch der sowjetischen Sondenarmada die 1973 zum roten Planeten aufbrach war kein Gl&uuml;ck verg&ouml;nnt. Von f&uuml;nf gestarteten Sonden war nur Mars 4 einigerma&szlig;en erfolgreich. Dabei wusste man dass man russisch Roulette spielte &#8211; einige Monate vor dem Start hatte man festgestellt das die Fertigung eines Transistors, der praktisch &uuml;berall in der Elektronik vorkam, umgestellt wurde und die Kontakte nun aus Aluminium anstatt aus Gold bestanden. Die Aluminiumkontakte korrodierten unter simulierten Weltraumbedingungen innerhalb von Monaten und die Transistoren fielen aus. Anstatt nun den Start zu verschieben und die defekten Teile auszutauschen, startete man alle Sonden, obwohl man wusste, das es nur eine 50:50 Chance gab, dass eine Sonde heil den Mars erreichte &#8211; was auch nur Mars 4 gelang. Die Landekapsel von Mars 6 lieferte immerhin noch Daten &uuml;ber die Atmosph&auml;re bis zur Landung, doch auch dann verstummte sie.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"alignleft\" src=\"\/img\/cydonia.jpg\" alt=\"Cydonia 1\" align=\"left\" \/>1976 sollten die Viking Sonden die Frage des Lebens kl&auml;ren. Die Orbiter setzten zwei Lander ab, deren teuerstes Experiment ein Biolabor war &#8211; eine kleine Apparatur mit Inkubationskammern, angeschlossen an &Ouml;fen und einen Gaschromatograph\/Massenspektrometer. Die drei Experimente im Biolabor untersuchten drei Charakteristika von irdischem Leben: photosynthetisch aktives Leben nimmt Kohlendioxid aus der Atmosph&auml;re auf, Leben nimmt Substanzen aus einem N&auml;hrmedium auf und Leben ver&auml;ndert die Atmosph&auml;re. Die Experimente gingen also an die Wurzel dessen was man nachweisen kann: Leben ver&auml;ndert die Umwelt. Das sollte nachgewiesen werden. Dazu wurde radioaktiver Kohlenstoff als Marker genutzt. Das Photosyntheseexperiment war negativ, das Stoffwechselexperiment zuerst positiv &#8211; es wurde bei Zugabe von N&auml;hrsubstanz eine Freisetzung von Gasen beobachtet. Doch sank dies ab, als man noch mehr N&auml;hrsubstanz zugab. Ds Gasaustauschexperiment brachte Klarheit &#8211; innerhalb von Minuten steig der Sauerstoffgehalt um das 200-fache an, wenn man nur Wasser zugab. Das war nur zu erkl&auml;ren wenn der Marsproben hoch oxydativ war und die Bodenproben die N&auml;hrsubstanzen bei Kontakt zersetzten. Das konnte 33 Jahre sp&auml;ter mit der Entdeckung von Peroxiden durch die Marssonde Phoenix best&auml;tigt werden.<\/p>\n<p>Obgleich die Experimente von Viking kontrovers diskutiert wurden (unter anderem konnten die Experimente in irdischen Bodenproben aus W&uuml;sten nur Bakterien identifizieren, wenn es mindestens 1 Million davon in einer Bodenprobe gab, sie waren also sehr unsensitiv), waren viele der Ansicht, dass zumindest die Oberfl&auml;che tot ist. Die durch UV-Strahlung entstandenen Peroxide h&auml;tten jedes Leben sofort zerst&ouml;rt. Wenn es Leben gab, dann vielleicht tief unter der Oberfl&auml;che.<\/p>\n<p>Warum trotzdem nochmals viele an Leben auf dem Mars glaubten war, weil 1977 eine extrem nachgesch&auml;rfte Aufnahme von Viking aus der Cydonia Region auftauchte. Im Original ist von einem Gesicht nur ansatzweise etwas zu sehen. In der meistens publizierten, kontrastverst&auml;rkten, Aufnahme mit zahlreichen Artefakten kann man ein Gesicht erkennen. Erst 1997 wurde durch hochaufl&ouml;sende Aufnahmen von Mars Global Surveyor das R&auml;tsel gel&ouml;st &#8211; es ist nichts anderes als ein erodierter Fels mit einem Schattenspiel.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" src=\"\/img\/cydonia2.jpg\" alt=\"\" width=\"540\" height=\"333\" align=\"left\" \/><\/p>\n<p>Das Thema Leben auf dem Mars taucht immer wieder auf, vor allem die NASA pusht es, wenn Raumsondenstarts anstehen, wie 1996 der Fall des ALH84001 zeigt. Es wurden in diesem vom Mars stammenden Meteoriten angebliche Nanobakterien gefunden (die nach Organismen aussehenden Spuren, sind zu klein um RNA oder DNA aufzunehmen). Daneben wurden PAH (polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe) entdeckt die bei dem Verkohlen organischer Substanzen entstehen, sowie Carbonate und eine besondere Form eines Eisenminerals. Keine der Fakten konnte unabh&auml;ngig verifiziert werden. Die einzige Spur, die nicht auf anorganischem Wege entstanden sein konnte, die PAH ist leider die schw&auml;chste und k&ouml;nnte durch Kontamination durch irdische Bakterien entstanden sein. Obwohl die NASA alle m&ouml;glichen Hinweise auf fl&uuml;ssiges Wasser, Wasservorkommen etc., also Voraussetzungen f&uuml;r Leben auf dem Mars, immer wieder als Meldung platziert (obwohl es heute als gesichert gilt das gen&uuml;gend Wasser auf dem Mars ist) hat sie seitdem kein Experiment mehr auf dem Mars gelandet, dass Leben direkt nachweisen k&ouml;nnte. Man f&uuml;rchtet sich wohl vor negativen Resultaten. Auch der neueste Rover der NASA, &#8222;Curiosity&#8220;, der im November starten soll wird zwar den Boden chemisch untersuchen, aber hat kein Experiment an Bord das nach aktivem Leben sucht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachdem von 1960 bis 1964 schon zwei Generationen von Raumsonden verloren gingen, schaffte es 1964 die siebte zum Mars gestartete Sonde auch am Mars anzukommen. Mariner 4 hatte eigentlich nur ein marsspezifisches? Experiment, eine TV-Kamera. Alle anderen Experimente ma&szlig;en Strahlung, Teilchen, St&auml;ube und Magnetfelder. 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