{"id":4962,"date":"2011-06-21T00:16:00","date_gmt":"2011-06-20T22:16:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=4962"},"modified":"2011-06-21T00:23:23","modified_gmt":"2011-06-20T22:23:23","slug":"space-for-the-masses-not-for-the-classes-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2011\/06\/21\/space-for-the-masses-not-for-the-classes-2\/","title":{"rendered":"Space for the Masses, not for the Classes"},"content":{"rendered":"<p>Zeit Raumfahrt jedem n&auml;her zu bringen. Zeit Raumfahrt selbst zu betreiben. Es ist Zeit aktiv zu werden und nicht passiv Videos von Raumfahrtagenturen anzusehen. Unm&ouml;glich? Nein mit etwas gutem Willen ist das m&ouml;glich. Es gibt die Cubesats &#8211; kleine Satelliten von 10 cm Kantenl&auml;nge und maximal 1 kg Gewicht. Sie kosten derzeit noch um die 65.000 $, k&ouml;nnten aber durch Massenproduktion deutlich preiswerter werden.<\/p>\n<p>Die f&uuml;r den Laien wohl interessanteste Besch&auml;ftigung mit der Raumfahrt ist die Erdbeobachtung. Das diese kleinen Satelliten nun keine hochaufl&ouml;senden Bilder anfertigen ist klar. Aber Normalwinkelaufnahmen sollten m&ouml;glich sein. Hier eine Projektidee, die vor allem reizvoll durch die Zusammenarbeit vieler ist.<!--more--><\/p>\n<p>Die Grundidee: Man startet nicht einen Cubesat, sondern viele. Standardisiert nur eventuell mit unterschiedlichen Sensoren. Alle dienen der Erdbeobachtung. Durch die Standardisierung und gro&szlig;e St&uuml;ckzahl werden sie deutlich presiwerter. Genauso wie es nicht nur einen Cubesat gibt, gibt es auch mehr als eine Bodenstation, doch dazu mehr. Zuerst zum Satelliten.<\/p>\n<p>Ein Standard Cubesat hat Abmessungen von 10 x 10 x 10 cm und er darf maximal 1 kg wiegen. Das beschr&auml;nkt nicht nur das Volumen, sondern auch die Stromversorgung. Belegt mit Standard-Solarzellen von 25% Wirkungsgrad betr&auml;gt die maximale verf&uuml;gbare Leistung rund 3,3 Watt. Eine Speicherung von Energie f&uuml;r den Betrieb auf der Nachtseite kommt daher aufgrund der geringen Leistung und des Gewichts (die Batterie wiegt auch etwas) nicht in Frage. Der Satellit ist daher nur auf der Tagseite aktiv. Da es nicht m&ouml;glich ist, den Satellit der Sonne nachzudrehen werden f&uuml;nf von sechs Seiten nur mit Solarzellen belegt sein. Lediglich die letzte nimmt die Kamera und Antenne auf. Die r&auml;umliche Ausrichtung erfolgt entweder gar nicht oder passiv, z.B. durch Gravitationsgradienten oder durch Magnetkeulen parallel zum Erdmagnetfeld. Daher gibt es auf der Tagseite einen Sensor, der auf zu starkes Sonnenlicht reagiert und eine &Ouml;ffnung des Kameraverschlusses verhindert.<\/p>\n<p>Die Elektronik muss auch auf den Einsatzzwecke ma&szlig;geschneidert sein: geringe Stromaufnahme, schnell aktiv und geringe Hardwareanforderungen: Sobald die Solarzellen Licht erhalten beginnt die Bootphase, die nicht zu lange dauern darf. Danach ein einfacher Zyklus: Bild machen (Kamera aktiv), Bild in den Speicher kopieren, Bild senden (Sender aktiv). Er endet beim &Uuml;bergang in die Nachtseite, wenn die Stromversorgung abreist. Zu einer Erweiterung des Basisprogramms komme ich noch. Die 3 Watt Gesamtleistung verteilen sich dann auf alle Systeme. Wenn die Kamera aktiv ist, ist daher der Sender abgeschaltet.<\/p>\n<p>Die Instrumentierung muss daher auch einfach sein, weil nur etwa 100 &#8211; 200 g daf&uuml;r zur Verf&uuml;gung stehen. Das reicht immerhin f&uuml;r ein Fixfokusobjektiv einer Digitalkamera mit CDD-Chip. Individuelle Anpassungen kann es geben durch Wahl des Sensorchips, der Brennweite, oder der Beschr&auml;nkung auf bestimmte Spektralbereiche. Dar&uuml;ber k&ouml;nnen viele Cubesats auch wissenschaftlich wertvolle Daten liefern und Wettersatelliten erg&auml;nzen.<\/p>\n<p>Der Sender kann nat&uuml;rlich nicht sehr leistungsf&auml;hig sein. Ich bin von einer Rundstrahlantenne ausgegangen und 0,3 Watt Sendeleistung. Das entspricht dann einer Gesamtleistung von 1 Watt, da die Sender typischerweise nur 30% der Leistung als Funkwellen abstrahlen. Das w&auml;re z.B. die Leistung von 3 Sendern wie sie WLAN Stationen einsetzen. Damit man zum Boden &uuml;berhaupt eine brauchbare Datenrate erreicht, habe ich mich f&uuml;r standardisierte Bodenstationen entschieden. Die Datenrate h&auml;ngt dann noch vom Abstand von der Erde ab. Bei 1.000 km errechne ich eine Datenrate von 80 kbit). Dies ist ausreichend f&uuml;r die sp&auml;ter beschriebene Bahn nahe der Erde bis maximal 500-600 km H&ouml;he (es wird nicht nur empfangen, wenn der Satellit direkt &uuml;ber einem ist, sondern auch wenn er flach &uuml;ber dem Horizont steht und dann noch von einem r&auml;umlich entfernt ist). Bildgr&ouml;&szlig;e und Pxielzahl h&auml;ngen eng mit der Datenrate und Distanz zusammen. Nimmt man die Datenrate von 80 kbit und eine Transitzeit von 4 Minuten so kann man in dieser Zeit maximal 1,920 MByte &uuml;bertragen. Das entspricht bei geringer JPEG Komprimierung in etwa einem 5 MPixel Bild. Nimmt man einen 4 MPixel Sensor (2048x 2048 Pixel) und geht davon aus, dass jedes Bild an das vorhergehende anschlie&szlig;en soll, so darf die Kantenl&auml;nge auf dem Boden maximal der Distanz entsprechen, die der Satellit in diesen 4 Minuten zur&uuml;cklegt. Das sind bei einer erdnahen Umlaufbahn etwa 1.700 km, Die Aufl&ouml;sung w&uuml;rde also 1 km betragen, wenn man einen Streifen w&auml;hrend der Tagseite abbilden m&ouml;chte. Ist man weiter von der Erde entfernt, z.B. in 800 km H&ouml;he hat man pro Transit deutlich mehr Zeit als nur 4 Minuten. Aber die Datenrate ist auch geringer, weil die &Uuml;bertragungsdistanz h&ouml;her ist. Sinnvoll ist daher eine vorkonfigurierte Elektronik f&uuml;r alle Cubesats, die verschiedene Datenraten in festen Inkrementen handhaben kann.<\/p>\n<p>Der Prozessor muss nicht besonders leistungsf&auml;hig sein: Er muss nur die Daten in JPEG konvertieren und dann langsam senden. einzige Bedingung ist, dass er einen Datenspeicher gen&uuml;gend gro&szlig; f&uuml;r mindestens 1 Bild ansprechen kann, eventuell einige mehr. Aber 16 Mybte w&uuml;rden f&uuml;r rund 8 komprimierte Bilder reichen, wobei wir in der Leistungsklasse von 16 Bit CPU&#8217;s sind.<\/p>\n<p>Das ganze macht aber nur Sinn, wenn man auch eine Bodenstation hat. Betreibt jeder seinen Satellit baut ihn selbst, dann wird das nie was. Cubesats aller L&auml;nder vereinigt euch: Nicht nur die Satelliten sollten bis auf die Sensoruj identisch sein (auch identische Datenformate) sondern auch die Bodenstationen. Ich dachte an handels&uuml;bliche 90 cm Satellitenantennen. Sie werden auf ebenfalls handels&uuml;bliche Teleskopmontierungen mit Nachf&uuml;hrmotoren montiert und diese Nachf&uuml;hrmotoren werden vom Computer gesteuert: Es gibt zwei M&ouml;glichkeiten entweder dem Signal eines Satelliten nachgef&uuml;hrt, sodass immer die Antenne auf den Punkt schaut, wo die h&ouml;chste Sendest&auml;rke resultiert. Nach einem Pass wird sie wieder nach Norden gedreht wo der n&auml;chste Satellit wartet. Sobald sie einen erfasst f&uuml;hrt man wieder die Antenne nach. Das zweite ist es den &Uuml;berflug vorherzusagen, indem ein PC von einem zentralen Server die Daten holt und danach die Antenne steuert. Die Daten selber, kann man durch Vermessung der Bahn mit einer Antenne erhalten oder aus den Daten des NORAD.<\/p>\n<p>Nur mit einem Netz von Bodenstationen macht es Sinn. Jeder stellt seine Bodenstation auch anderen Cubesat Nutzern zur Verf&uuml;gung und empf&auml;ngt Daten anderer Satelliten und &uuml;bertr&auml;gt diese an einen zentralen Server. Von dort k&ouml;nnen die Daten vom Satellitenbetreiber heruntergeladen werden. Er kann so nicht nur auf seine Bilder zugreifen, sondern auch andere und er kann Bilder von der ganzen Welt von seinem Satelliten empfangen und nicht nur die von der Region wo seine Bodenstation ist. Es ist, weil die Bodenstationen viel billiger sind, auch denkbar das es viel mehr Bodenstationen als Satelliten gibt und man so zu einer fast vollst&auml;ndigen Abdeckung &uuml;ber Land kommt. Eine Community sollte es erm&ouml;glichen die Bilder herunterzuladen. Um die Sache popul&auml;r zu machen, sogar f&uuml;r Leute die nicht beteiligt sind. Bilder k&ouml;nnen von der Bordelektronik auch verschl&uuml;sselt &uuml;bertragen werden. Dann kommt nur der Eigent&uuml;mer der Bilder an die Daten. Ein Gro&szlig;teil sollte jedoch f&uuml;r alle zur Verf&uuml;gung stehen. Andere Optionen sind Bilder von bestimmten Gebieten, die auf einem Flash-Speicher abgelegt werden, und dann zuerst &uuml;bertragen werden und das Me&szlig;programm unterbrechen. Dazu ben&ouml;tigt der Bordrechner eine Echtzeituhr, die aber technisch kein Problem ist. Im PC gibt es sie seit 30 Jahren.<\/p>\n<p>M&ouml;gliche Spezialisierungen:<\/p>\n<ul>\n<li>&#8211; Bilder mit Filter &#8211; mehrere Satelliten ergeben ein Multispektralinstrument<\/li>\n<li>&#8211; Teleaufnahmen &#8211; kleine CCD Chips erlauben heut ohne Problem ein 10fach Zoomobjektiv bei geringem Gewicht. Das entspricht aus 350 km H&ouml;he nur noch einer Kantenl&auml;nge von 35 km oder bei 2000 Bildpunkten rund 18 m Aufl&ouml;sung.<\/li>\n<\/ul>\n<h3>In den Orbit kommen und ds Problem Weltraumm&uuml;lls<\/h3>\n<p>Eigentlich sind Cubesats n&uuml;tzliche Satelliten und kein Weltraumm&uuml;ll, aber viele sehen den Start zahlreicher kleiner Satelliten als eine Vergr&ouml;&szlig;erung des Weltraumm&uuml;lls. Wir wollen mal diesen Leuten folgen, auch wenn ich chinesische und US-Antisatellitentests als viel gr&ouml;&szlig;ere Verursacher von Weltraumm&uuml;ll ansehe. Das d&uuml;rfte den Einsatz in h&ouml;here sonnensynchrone Bahnen ausschlie&szlig;en. Niedrige Umlaufbahnen in rund 400-500 km H&ouml;he mit einer Lebensdauer von 5-20 Jahren kommen noch in Frage. Dabei sind sonnensynchrone Bahnen besonders interessant, weil dabei der Satellit die ganze Erde ablichten kann (sie f&uuml;hrt &uuml;ber die Pole) und der Satellit ist mit Ausnahme von kurzen Zeiten fast immer im Sonnenlicht, kann also rund um die Uhr arbeiten.<\/p>\n<p>Ein grunds&auml;tzliches Problem sind die Mitfluggelegenheiten. War es fr&uuml;her kein Problem, neben milit&auml;rischen Satelliten selbst Dutzende bis Hunderte von Kilogramm schwere Kommunikationssatelliten mitzuf&uuml;hren, so beklagt selbst die Amaturfunkvereinigung AMSAT, dass dies heute kostenlos nichts mehr zu haben ist und kommerzielle Startdienstleister auch f&uuml;r kleinste Nutzlasten bares sehen wollen. Um die Kosten zu begrenzen sollte es eine standardisierte, einfache M&ouml;glichkeit geben, Cubesats mitzuf&uuml;hren, z.B. auf den Lenkungen (sie brauchen wenig Platz sind ja maximal 10&#215;30 cm gro&szlig; f&uuml;r ein Dreierpack. Um dem Kostenrisiko zu begegnen aber auch das Problem der Umlaufbahn zu l&ouml;sen habe ich eine L&ouml;sung die es auch erlaubt zahlreiche Satelliten zu starten ohne dass es viel Weltraumm&uuml;ll gibt:<\/p>\n<p>Die ISS wird ab 2012 von etwa 10 unbemannten Transportern pro Jahr angeflogen werden. Wenn jeder dieser Transporter einen Cubesat-Container mitf&uuml;hrt (je drei St&uuml;ck) so sind dies 30 Fluggelegenheiten pro Jahr. Dabei machen diese den Transporter kaum schwerer. Sie k&ouml;nnen abgesetzt werden wenn eine H&ouml;he von 350 km erreicht ist, etwa 50 km unter der Orbitalh&ouml;he der ISS. In dieser H&ouml;he haben sie eine Betriebsdauer von etwa einem halben bis einem Jahr. Sie stllen so auch keine Gefahr als Weltraumm&uuml;ll dar. Ein einfacher Aussetzmachenismus mit Federn k&ouml;nnte die Cubesats freisetzen. F&uuml;r die Raumfahrtagenturen bedeutet dass nur wenig zus&auml;tzliche Kosten eine enorme Publicity f&uuml;r wenig Geld. f&uuml;r die community ist es eine planbare Sache, da man gen&uuml;gend Startgelegenheiten hat. So d&uuml;rften permanent etwa 15 bis 30 Cubesats im Orbit sein, die alleine durch ihr anzahl z.B. Wettersatelliten unterst&uuml;tzen k&ouml;nnen, auch wenn jeder in seinen M&ouml;glichkeiten beschr&auml;nkt ist.<\/p>\n<h3>Weitergehende M&ouml;glichkeiten<\/h3>\n<p>Cubesats k&ouml;nnen auch zu zweier und DreierExemplaren kombiniert werden. Die vergr&ouml;&szlig;erte Fl&auml;che liefert dann mehr Strom und erlaubt weitergehende M&ouml;glichkeiten auch die instrumentelle Ausr&uuml;stung k&ouml;nnte so verbessert werden. So w&auml;re denkbar als n&auml;chste Generation einen Cubesat-2 Plattform zu entwerfen mit weitergehenden M&ouml;glichkeiten. Denkbar w&auml;ren leistungsf&auml;higere Kameras h&ouml;here Aufl&ouml;sung und Datenraten oder die Kombination von Kameras mit verschiedenen Spektralbereichen (Vorteil: Bilder werden zum gleichen Zeitpunkt gewonnen). Aber auch ein einfaches Spektrometer um Spurengase zu detektieren.<\/p>\n<p>Der Vorteil einer kleinen Flotte von Cubesats, die sich gegenseitig erg&auml;nzen ist, dass viele kleine Satelliten in gewissen Grenzen einen gr&ouml;&szlig;eren erg&auml;nzen k&ouml;nnen. Geht man von obigen Szenario aus (30 Satelliten in einen 350 km hohen Orbit, davon etwa 20 pro Jahr betriebsbereit, Abdeckung der Umlaufbahn &uuml;ber zahlreiche private Bodenstationen, gesch&auml;tzt 30% der Umlaufsdauer) so w&auml;re folgendes M&ouml;glich:<\/p>\n<ul>\n<li>t&auml;gliche globale Abdeckung zur Wetterbeobachtung mit 140 m Aufl&ouml;sung (310 km Kantenl&auml;nge pro Bild)<\/li>\n<li>t&auml;gliche globale Abdeckung in 4 Spektralkan&auml;len mit 280 m Aufl&ouml;sung (620 km Kantenl&auml;nge pro Bild)<\/li>\n<li>6 Stunden &#8211; Abdeckung (Wettervorhersage in einem Spektralkanal oder Farbe (Bayer-Maske) in 280 m Aufl&ouml;sung<\/li>\n<li>Detailaufnahmen nur des Landes mit 16 m Aufl&ouml;sung, globale Abdeckung nach 23 Tagen erreicht.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die beschr&auml;nkten M&ouml;glichkeiten f&uuml;r die Optik limitieren den Einsatz bei hohen Aufl&ouml;sungen. Den Einsatz bei niedrigen Aufl&ouml;sungen (jeder Satellit ein Kanal) wird limitiert durch die Bildbreite &#8211; ist sie zu gro&szlig;, so wird zwar viel abgebildet, aber aus der geringen Bahnh&ouml;he resultieren starke Verzerrungen zum Bildrand hin.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zeit Raumfahrt jedem n&auml;her zu bringen. Zeit Raumfahrt selbst zu betreiben. Es ist Zeit aktiv zu werden und nicht passiv Videos von Raumfahrtagenturen anzusehen. Unm&ouml;glich? Nein mit etwas gutem Willen ist das m&ouml;glich. Es gibt die Cubesats &#8211; kleine Satelliten von 10 cm Kantenl&auml;nge und maximal 1 kg Gewicht. 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