{"id":5023,"date":"2011-07-01T00:48:45","date_gmt":"2011-06-30T22:48:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=5023"},"modified":"2011-06-30T18:50:03","modified_gmt":"2011-06-30T16:50:03","slug":"eisenverhuttung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2011\/07\/01\/eisenverhuttung\/","title":{"rendered":"Eisenverh&uuml;ttung"},"content":{"rendered":"<p>Zeit mal wieder f&uuml;r eine kleine Chemiestunde, nachdem es eine Weile keine mehr gab. Schlie&szlig;lich wollen wir dem Bildungsauftrag des Internets ja nachkommen oder? Nachdem ich (zum wiederholten Male) eine Unsinnssendung des ZDF, die als Wissenschaft kommt, gesehen habe, bekam ich die Idee f&uuml;r die heutige Sendung. Die Sendung behandelt den angeblichen Einschlag eines Kometen im Chiemgau vor 2.500 Jahren und f&uuml;hrt sogar die &Uuml;berlegenheit der r&ouml;mischen Armee auf &#8222;Chiemgauer Eisen&#8220;, dass durch den Kometen besonders kohlenstoffreich sei zur&uuml;ck. Schon als die Sendung vor einigen Jahren publiziert wurde, war klar, dass das ZDF einer kleinen Gruppe gefolgt sind die das postulieren. Nur fanden andere Geologen, Arch&auml;ologen oder Historiker keinerlei Hinweise auf ein solches Ereignis. Die Sendung wird &uuml;brigens heute um 19:30 auf ZDF NEO wiederholt. Was mich &auml;rgerte findet sich auch in der <a href=\"http:\/\/neo.zdf.de\/ZDFde\/inhalt\/31\/0,1872,7945567,00.html?dr=1\">Beschreibung des ZDF<\/a>: &#8222;<em>Einige Zeit nach dem Kometeneinschlag revolutionierten die keltischen Noriker die Schmiedekunst. Sie entwickelten den ersten Stahl Europas. Ihre Schwerter waren h&auml;rter und widerstandsf&auml;higer als alles bisher Dagewesene. Die Pioniere konnten Kohlenstoff und Eisen zu Spitzenqualit&auml;t verbinden. Vermutlich verarbeiteten die Handwerker bei der Prozedur gro&szlig;e Mengen von Meteoritengestein.<\/em> &#8220; Mal abgesehen das oben noch von einem Kometen (bestehen vorwiegend aus Eis) und unten von Meteoriten (da gibt es auch welche aus Eisen) die Rede ist, fing ich nochmals in meinem Chemiebuch nachzuschlagen, denn meiner Kenntnis nach ist Kohlenstoff in gr&ouml;&szlig;erer Menge im Eisen &auml;u&szlig;erst unerw&uuml;nscht.<!--more--><\/p>\n<p>Zeit mal etwas Grundlagen zu bringen: Wie funktioniert die Eisengewinnung in einem Hochofen und was passiert da? Im zweiten Teil komme ich dann zur Stahlherstellung.? Fangen wir mal mit dem Aufbau eines Hochofens an. Er besteht aus zwei aufeinander stehenden Kegelst&uuml;mpfen. Der obere Kegel hei&szlig;t Schacht und der untere Gicht. Der obere macht <sup>3<\/sup>\/<sub>5<\/sub> Der H&ouml;he aus. Es kann kein zylinderf&ouml;rmiger Schacht sein, aufgrund der Physik des Prozesses: Das oben eingef&uuml;llte Gut wird beim Sinken nach unten immer w&auml;rmer und dehnt sich aus. Daher muss der Durchmesser des Schachtes dem folgen, sonst w&uuml;rde der Hochofen verstopfen. Ab einer bestimmten Tiefe, beginnt das Erz sich zu verfl&uuml;ssigen und tropft nach unten, es wird das Volumen kleiner. Zugleich wird die Kohle verbrannt und ihr Volumen nimmt ab.<\/p>\n<p>Die H&ouml;he betr&auml;gt mindestens 10 m. Die gr&ouml;&szlig;ten heute 90 m. Die Wandst&auml;rke maximal 70 cm, die des Gestells 100-150 cm. Hier verengt sich der untere Kegel weiter. Unten gibt es drei Ein\/Ausg&auml;nge oben f&uuml;r die Luft, darunter f&uuml;r die Schlacke und ganz unten f&uuml;r die Entnahme des Roheisens.<\/p>\n<p>Oben wird in den Hochofen abwechselnd Koks (pyrolisierte Kohle, bei der vor allem Verunreinigungen wie Schwefel verbrannt werden) und Eisenerz mit Zuschl&auml;gen zugesetzt. Koks bzw. bevor es diesen gab, Holzkohle enthalten beide fast reinen Kohlenstoff. Kohle enth&auml;lt Schwefel die unter den Bedingungen des Hochofens als Schwefeldioxid st&ouml;rend wirken w&uuml;rde. Aus dem gleichen Grund m&uuml;ssen sulfidische Eisenerze vor der Verh&uuml;ttung oxidiert werden (&#8222;r&ouml;sten&#8220;).<\/p>\n<p>Die Zuschl&auml;ge sind Mineralien die dazu dienen die Zusammensetzung der Schlack beeinflussen. Erw&uuml;nscht ist, dass die Schlacke aus Calciumaluminiosilikaten besteht. Diese haben mit 1.200?C einen recht niedrigen Schmelzpunkt. Besteht das Erz aus silikatischen Begleitmineralien, die kiesels&auml;urereich sind, dann wird Kalk und Dolomit zugesetzt. Bei den B&auml;ndereisenerzen, die kalkreich sind wird dagegen Tonerde, also silikatische Mineralien zugesetzt. Dabei werden die beiden Bestandteile (Koks und Erz) schichtweise eingef&uuml;llt, also nicht gemischt.<\/p>\n<p>Die Reaktionen von unten nach oben sind:<\/p>\n<p>Unten verbrennt der Koks durch die vorher auf 900 bis 1300 Grad erhitzte eingeblasene Luft zu Kohlenmonoxid. Diese Zone wird bis zu 1.600?C hei&szlig;, was h&ouml;her als der Schmelzpunkt alle Erze und auch des Eisens ist. Der Hochofen zieht wie ein Schornstein. Nun gelangt das Kohlenmonoxid nach oben und reduziert dort die Eisenoxide zu Eisen.? Es finden folgende Reaktionen statt:<\/p>\n<p>3 Fe<sub>2<\/sub>O<sub>3<\/sub> + CO <span class=\"style1\">?<\/span> 2 Fe<sub>3<\/sub>O<sub>4<\/sub> + CO<sub>2<\/sub> + 47,3 kJ<\/p>\n<p>36,8 kJ + Fe<sub>3<\/sub>O<sub>4<\/sub> + CO <span class=\"style1\">?<\/span> 3 FeO + CO<sub>2<\/sub><\/p>\n<p>FeO + CO <span class=\"style1\">?<\/span> Fe + CO<sub>2<\/sub> + 17,2 kJ<\/p>\n<p>Das bedeutet das Eisen(III)oxid wird stufenweise &uuml;ber das Eisen (II,III)mischoxid, Eisen(II)oxid zum Eisen reduziert.<\/p>\n<p>Das dabei gebildete Kohlendioxid gelangt dann in die n&auml;chste Koksseite, in der durch die Gleichgewichtsreaktion mit dem Kohlenstoff erneut Kohlenmonoxid bildet:<\/p>\n<p>172,58 kJ + C + CO<sub>2<\/sub> <span class=\"style1\">?<\/span> 2 CO<\/p>\n<p>Die Energie wird durch die bei der exothermen Reaktion der Eisenreduktion geliefert sowie durch die Verbrennung des Koks. In der Summe reduziert der Kohlenstoff das Eisen, jedoch nicht direkt, sondern &uuml;ber das Kohlenmonoxid:<\/p>\n<p>172,6 kJ + CO<sub>2<\/sub> + C <span class=\"style1\">?<\/span> 2 CO<\/p>\n<p>2 FeO + 2 CO <span class=\"style1\">?<\/span> 2 Fe + 2 CO<sub>2<\/sub> + 34,4 kJ<\/p>\n<p>Summe: 138,2 kJ + 2 FeO + C <span class=\"style1\">?<\/span> 2 Fe + CO<sub>2<\/sub><\/p>\n<p>Ein Nebenprozess ist die Reduktion der Wasserstoff, das aus dem Wasser der zugef&uuml;hrten Luft durch Reaktion mit dem Koks entsteht. Da unterhalb von 900 Grad die R&uuml;ckbildung von Kohlenmonoxid aus dem Kohlendioxid abnimmt, ist der Wasserstoff im oberen Bereich mit niedrigeren Temperaturen wichtig um auch dort das Eisen zu reduzieren. Die Reduktionszone in der die Reduktion durch Gas vorherrscht nimmt den Temperaturbereich von 400 bis 900?C ein.<\/p>\n<p>Nur in der unteren Zone die 1300 bis 1600?C hei&szlig; ist kann der gl&uuml;hende Koks das Eisen direkt reduzieren. Dabei reagiert er mit dem Kohlenstoff und bildet Zemenit der sich im Eisen l&ouml;st. Reduziert werden auch Begleitelemente wie Mangan, Phosphor, Silizium, die sich dann im Metall l&ouml;sen.<\/p>\n<p>Die Reduktion durch Kohlenmonoxid l&auml;uft dagegen noch in den h&ouml;heren Schichten ab. Das Eisen schmilzt und tropft durch den Koks nach unten und l&ouml;st dabei Kohlenstoff im Metall. Auch die Schlacke tropft nach unten, sie ist allerdings leichter als das Eisen und schwimmt &uuml;ber dem Eisen und sch&uuml;tzt es vor der direkten Oxidation durch den oberhalb der Schlacke eingeblasenen Luft. Die Aufnahme von Kohlenstoff senkt den Schmelzpunkt von reinem Eisen (von 1539?C) auf rund 1100 bis 1200?C ab. Bei einer Temperatur von unter 900?C reicht die Reduktionskraft des Kohlenmonoxids nur noch aus um das Eisen(II)oxid zu bilden. Weiter oben findet nur eine Vorw&auml;rmung statt. Die Temperatur oben am Hochofen betr&auml;gt immer noch 250 bis 400?C. Das Gasgemisch wird oben abgezogen, denn es ist reich an Kohlenmonoxid und kann daher noch verbrannt werden. Der Energiegehalt betr&auml;gt etwa 4000 kJ\/m?.<\/p>\n<p>Aus 2 t Erz, 1 t Koks, 500 kg Zuschl&auml;ge und 5.500 kg &#8222;Wind&#8220; gewinnt ein Hochofen 1 t Roheisen, 1 t Schlacke und 7 t Gichtgas. Das Gichtgas wird genutzt um den Wind vorzuheizen, aber auch f&uuml;r andere Prozesse in der Eisenherstellung. Die Schlacke wird laufend abgezogen. Je nach Zusammensetzung wird Sie als Stra&szlig;enf&uuml;llmaterial oder zur Zementherstellung genutzt. Das Roheisen wird entweder fl&uuml;ssig dem Stahlwerk zugef&uuml;hrt oder in Roheisenbl&ouml;cken abgegossen. Anders als die Schlacke wird es nur periodisch entnommen und danach das untere Abflussloch wieder verschlossen.<\/p>\n<p>Das Roheisen enth&auml;lt neben 2,5 bis 4 Kohlenstoff noch 0,5 bis 6 % Mangan als Begleitmaterial des Eisens, vor allem die B&auml;ndererze sind sehr manganreich, da es damals aus dem Wasser durch die Photosynthese mit dem Eisen ausgef&auml;llt worden. Dazu kommt Silizium (0,5 bis 3%), Phosphor (0 bis 2%) und kleine Mengen an Schwefel. Wird das Eisen sehr langsam abgek&uuml;hlt, so kann der Kohlenstoff aus dem Eisen ausscheiden und sich an der Oberfl&auml;che als graue Schicht ansammeln &#8222;Graueisen&#8220;. Dieses graue Roheisen hat einen Schmelzpunkt &uuml;ber 1.200 ?C. Als Nebenbedingung muss das Eisen siliziumreich (&gt;2 % Si) und manganarm (&lt; 0,2 % Mn) sein. Bei rascher Abk&uuml;hlung verbleibt der Kohlenstoff im Eisen und es entsteht das wei&szlig;e Roheisen mit wei&szlig;er Bruchfl&auml;che. Sein Schmelzpunkt liegt deutlich niedriger bei 1100 ?C. Enth&auml;lt es weniger Silizium als Mangan (&lt;0,5% Si, &gt;4 % Mn) so ist dies m&ouml;glich, da unter diesen Bedingungen sich die Verbindung Zementit Fe<sub>3<\/sub>C bildet, die in Eisen l&ouml;slich ist.<\/p>\n<p>Die beiden Eisensorten unterscheiden sich stark in ihrem Verhalten. Dass graue Roheisen, erweicht schon lange vor seinem Schmelzpunkt und ergibt dann eine d&uuml;nnfl&uuml;ssige Schmelze. Es eignet sich daher als Gusseisen f&uuml;r die Herstellung von diversen Haushalts und Gebrauchswaren. Der gr&ouml;&szlig;te Teil ist aber heute wei&szlig;es Roheisen, das durch den Zementitgehalt f&uuml;r den direkten Gebrauch kaum nutzbar ist &#8211; es ist spr&ouml;de und bricht leicht. Es wird f&uuml;r die Stahlherstellung genutzt. Da mache ich n&auml;chstes Mal weiter.<\/p>\n<hr \/>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zeit mal wieder f&uuml;r eine kleine Chemiestunde, nachdem es eine Weile keine mehr gab. 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