{"id":5106,"date":"2011-07-19T00:47:00","date_gmt":"2011-07-19T00:47:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=5106"},"modified":"2011-07-18T14:48:11","modified_gmt":"2011-07-18T14:48:11","slug":"das-beste-bild-von-halleys-kern-bis-2061","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2011\/07\/19\/das-beste-bild-von-halleys-kern-bis-2061\/","title":{"rendered":"Das beste Bild von Halleys Kern bis 2061"},"content":{"rendered":"<p>Dieses Zitat fiel mir in meinem derzeit gelesenen Buch <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3540575855\/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&amp;tag=berndleitenbs-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3540575855\"> Jenseits von Halley<\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"border: none !important; margin: 0px !important;\" src=\"http:\/\/www.assoc-amazon.de\/e\/ir?t=&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3540575855\" border=\"0\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/> &uuml;ber die nachbearbeiteten Aufnahmen der HMC. Sie sind recht unscharf. Trotzdem sind sie sensationell, weil sich Giotto w&auml;hrend sie entstanden um die eigene Achse drehte, sie in Realzeit &uuml;bertragen wurden (was die Anzahl der Bildpunkte reduzierte) und sich die Kamera auf den hellsten Punkt ausrichtet, was leider ein Staubjet war, sodass der eigentlichen Kern bald aus dem Blickfeld r&uuml;ckte.<\/p>\n<p>Uwe Keller, PI der HMC, machte dieses Zitat, als einige Jahre nach der Mission die verarbeiteten Aufnahmen vorgestellt wurden. Doch muss dem so sein? Eigentlich nicht. Halley hat eine Umlaufbahn die etas au&szlig;erhalb von Neptun endet. Die Umlaufsdauer betr&auml;gt 76 Jahre. Derzeit ist er rund 33 AE von der Erde entfernt. 2024 wird er sein Apohel erreichen und sich dann wieder der Sonne n&auml;hern.<\/p>\n<p>Er ist auch in dieser Entfernung erreichbar und er ist dort unter Garantie nicht aktiv: Das w&auml;re die Gelegenheit mal einen Kometenkern in seiner inaktiven Phase zu fotografieren.<!--more--><\/p>\n<h3>Wie kommt man hin?<\/h3>\n<p>Das Apohel befindet sich in 5000 Milliarden km Entfernung. Um dorthin zu kommen, braucht man schon eine Startgeschwindigkeit von 16,1 km\/s von der Erde aus, wenn man keine andere Unterst&uuml;tzung hat. Die Reise dauert dann 35 Jahre. Wenn man schneller startet, verk&uuml;rzt sich die Reisedauer. Bei 400 m\/s mehr und es sind nur noch 15 Jahre.<\/p>\n<p>Die erste M&ouml;glichkeit die Reisedauer zu verk&uuml;rzen ist daher ein Swing-By an Jupiter. Leider befindet er sich nur alle 12 Jahre in idealer Position um dann w&auml;hrend 2-3 Jahren die Sonde zu Halley zu senden. Die n&auml;chste M&ouml;glichkeit gibt es bis 2015, danach w&uuml;rde Jupiter die Sonde in eine Retrograde Bahn umlenken m&uuml;ssen, was sie etwas abbremst. 2024 steht er wieder gut und 2025 w&auml;re die idealste Position um Schwung zu holen. Um zum Jupiter zu kommen, ben&ouml;tigt man nur rund 14,3 km\/s. Diese k&ouml;nnte man, weil 2025 soweit in der Zukunft ist, dass man eine Sonde fr&uuml;her fertigstellen kann (Zeithorizont 5-7 Jahre) weiter reduzieren, indem man die Sonde schon fr&uuml;her startet und wie Galileo und Cassini durch Erd- und Venusflybys Schwung holt. Das reduziert dann den Geschwindigkeitsbedarf auf 11,6 km\/s.<\/p>\n<p>Die dritte M&ouml;glichkeit ist es wie Dawn langsam zu beschleunigen, indem ein Ionenantrieb eingesetzt wird. Da allerdings der Geschwindigkeitsbedarf deutlich h&ouml;her ist als bei Dawn und anders als bei dieser Sonde die Solarzellen beim Ziel kaum noch Leistung liefern, wird man hier wohl ein Antriebsmodul einsetzen, dass dann abgetrennt wird, wenn es zu wenig Leistung liefert um noch wesentlich weiter zu beschleunigen. F&uuml;r eien Sonde alleine lohnt sich die Entwicklung sicher nicht. Es w&auml;re jedoch eine Alternative wenn man weitere Sonden ins &auml;u&szlig;ere Sonnensystem sendet.<\/p>\n<p>Ionentriebwerke k&ouml;nnen aber auch bei einer normalen Raumsonde noch einen kleinen Zusatznutzen bringen. Selbst bei einer Raumsonde, die nur RTG als Stromquelle hat. Auch diese Stromversorgung muss so ausgelegt sein, dass sie alle Systeme beim Vorbeiflug mit Strom versorgen kann, also Sender, Experimente, Computersysteme. W&auml;hrend der ganzen Flugzeit zu Halley sind die meisten davon inaktiv oder nur zeitweise aktiv. Zudem nimmt die Leistung nach dem Start ab. Es gibt also anfangs mehr Leistung als man ben&ouml;tigt. Da kommen bei einer kleinen Sonde schon leicht 100 Watt Leistung zusammen (alleine ein 30 Watt Sender hat eine Eingangsleistung von mindestens 60 Watt). Wenn man 10 Jahre lang diese 100 Watt nutzt um ein Ionenantrieb zu speisen, dann kann dieses eine 550 kg schwere Sonde um rund 2.500 m\/s beschleunigen. Das verk&uuml;rzt entweder die Reisezeit betr&auml;chtlich, oder die Startgeschwindigkeit.<\/p>\n<h3>Wie k&ouml;nnte die Raumsonde aufgebaut sein?<\/h3>\n<p>Nun in dieser Ferne ist der Kern weitgehend inaktiv. Experimente, welche vorbeifliegende Staubteilchen untersuchen, emittierte neutrale Gase oder ionisierte Ionen bestimmen, machen daher keinen Sinn. Sinnvoll w&auml;ren daher nur Spektrometer und Kameras. Eventuell kann man auch auf dem Weg dorthin noch Untersuchungen des Sonnenwindes und des interplanetaren Mediums durchf&uuml;hren. Dann machen Magnetometer, Detektoren f&uuml;r Plasmawellen und geladene Teilchen noch Sinn.<\/p>\n<p>Beschr&auml;nkt man sich diese Kerninstrumente &#8211; ein UV-Spektrometer, ein Visuelles und ein IR-Spektrometer und eine Kamera, dann kommt man auf eine Nutzlast von etwa 40 kg und eine Raumsonde von der Gr&ouml;&szlig;e New Horizons w&auml;re ausreichend. Diese Raumsonde k&ouml;nnte nachgebaut und neu ausger&uuml;stet werden. Der Unterschied zu New Horizons ist, dass Halleys Kern ein noch kleineres Ziel ist. Das bedeutet, dass zum einen das optische Instrument st&auml;rker vergr&ouml;&szlig;ern muss und zum anderen die Daten sehr schnell gewonnen werden m&uuml;ssen. Halleys Kern ist z.B. nur maximal 15 km gro&szlig;. Setzt die Raumsonde ein 30 cm Teleskop mit beugungsbegrenzter Aufl&ouml;sung ein, so ist er erst in 26.000 km Entfernung rund 200 Pixel gro&szlig;. Bei einer typischen relativen Geschwindigkeit von 20 km\/s ist das weniger als eine halbe Stunde vor dem Vorbeiflug.<\/p>\n<p>Die Instrumente m&uuml;ssen daher so auslegt sein, Daten kontinuierlich mit hoher Datenrate zu liefern. Eine Kamera wird wohl weniger einzelne Bilder machen als vielmehr Videos. Sie werden auf SSD-Laufwerken gespeichert werden und nach dem Vorbeiflug &uuml;ber Monate langsam zur Erde &uuml;bertragen werden. Selbst eine kleine Datenrate wie sie New Horizons aufweisen w&uuml;rde, w&auml;re ausreichend, weil z.B. bei den Aufnahmen der Kamera die meisten nur Hintergrund zeigen. Bei einem 1024? Pixel ist der Kern erst 260 s vor der n&auml;chsten Begegnung formatf&uuml;llend. Selbst bei Anfertigung eines Films (mit 24 Bildern\/s) sind es also nur rund 6.000 dieser Bilder. Die anderen Bilder zeigen nur Hintergrund, der gut komprimiert werden kann.<\/p>\n<p>Die Herausforderung liegt in der Belichtungszeit. Ein Anhaltspunkt kann die Kamera von New Horizons sein, da Pluto sich in derselben Entfernung befindet. Ihre Belichtungszeit betr&auml;gt 50 bis 200 ms. Bei einer Relativgeschwindigkeit von 20 km\/s entspricht alleine die Bewegung relativ zu Halley in dieser Zeit bei 500 km Minimalentfernung einem Winkel von bis zu 0,4 Grad, also ein vielfaches des Blickfelds der Kamera. Eine Nachf&uuml;hrung der Kamera ist also n&ouml;tig. Da die Winkelgeschwindigkeit rasch ansteigt, ist es sinnvoll die ganze Raumsonde mit D&uuml;sen zu schwenken und die Kamera wie bei New Horizons fest anzubringen.<\/p>\n<h3>Fly-by Science auf dem Weg zu Halley<\/h3>\n<p>Halleys Kern ist wegen seiner kleinen Gr&ouml;&szlig;e kein sehr lohnendes Ziel. Anders sieht es bei Jupiter aus. Bei dem gew&auml;hlten Instrument, einem 30 cm Teleskop mit einer Brennweite von 12,8 m (Sensor KAF 1001) ist Jupiter aus 76 Millionen km Entfernung, also rund 3 Monate vor der Ankunft bildf&uuml;llend. Selbst eine Passage eines galil&auml;ischen Mondes in 500.000 km Entfernung ergibt noch Bilder mit einer Aufl&ouml;sung von 1 km. &Uuml;berhaupt ist Jupiter als Sprungbrett f&uuml;r andere Raumsonden ins &auml;u&szlig;ere Sonnensystem auch ein wissenschaftlich interessantes Ziel. G&auml;be es mehr dieser Sonden, dann kann die Galileo Mission nachgeholt werden.<\/p>\n<p>Auch bei einem Vorbeiflug an der Venus ist es m&ouml;glich Aufnahmen in verschiedenen Spektralbereichen zu machen und die Atmosph&auml;re mit einem IR-Spektrometer zu untersuchen.<\/p>\n<h3>Kostenabsch&auml;tzungen<\/h3>\n<p>Der Nachbau von New Horizons mit neuen Instrumenten wurde schon untersucht. Das kostet rund 623 Millionen Dollar. Davon entfallen rund 220 Millionen auf die Tr&auml;gerrakete Atlas 551 und 90 Millionen auf einen neuen RTG nach dem GPHS Prinzip. Das alleine macht also schon die H&auml;lfte der Kosten aus und da kann man Geld einsparen. Die Raumsonde selbst d&uuml;rfte nur rund 500 kg wiegen. Startet man sie mit einer Falcon 9 zur Venus und schickt sie dann einige Jahre auf Venus- und Erdvorbeifl&uuml;ge, so kann man die teure Tr&auml;gerrakete einsparen und kommt auf Startkosten von nur 60 Millionen Dollar, daf&uuml;r aber wahrscheinlich auf h&ouml;here Missionskosten (immerhin sind weitere Untersuchungen der Venus m&ouml;glich).<\/p>\n<p>Die GPHS RTG sind so teuer weil sie sehr viel Plutonium-238 enthalten, das aus Brutreaktoren gewonnen wird. Diese Reaktortypen liefern kaum Strom, die Kernelemente werden nach kurzer Zeit entnommen und das Pu-238 isoliert. Daher kostet ein Kilogramm das Materials mehrere Millionen Dollar (die letzte Ziffer f&uuml;r die Wiederaufnahme der Produktion sprach von 10 Millionen Dollar pro Kilogramm. Ein GPHS enth&auml;lt 9,7 kg Plutonium. Schon 2007 sch&auml;tzte man die Kosten eines GPHS daher auf 90 Millionen Dollar). Die Alternative sind RTG die mit Sterling Motoren, anstatt thermoelektrischen Elementen arbeiten. Ihr Wirkungsgrad ist h&ouml;her. Ein Sterling-RTG ben&ouml;tigt 3,5 mal weniger Plutonium. Das reduziert ebenfalls die Kosten um 60 Millionen Dollar.<\/p>\n<p>Trotzdem wird es ein Unternehmen der 500 Millionen Dollar Klasse sein. Sie wird es nat&uuml;rlich nicht dazu kommen, zumal es andere Kometen gibt, die sich nicht weiter als bis zu Jupiter von der Sonne entfernen. Auch dort sind die Kerne schon inaktiv. Sie sind schneller erreichbar (in maximal 2,5 Jahren bei einem direkten Start). Die Startgeschwindigkeit ist kleiner (14,3 zu 16,1 km\/s) und die Daten&uuml;bertragungsrate zur Erde h&ouml;her.<\/p>\n<h3>Eine m&ouml;gliche Mission<\/h3>\n<p>Eine Raumsonde, basierend auf New Horizons w&uuml;rde etwa 500 kg wiegen. Eine gr&ouml;&szlig;ere Sonde ist nur f&uuml;r Halley nicht n&ouml;tig. Eine bessere instrumentelle Ausstattung, die nat&uuml;rlich auch Folgen auf weitere Subsysteme hat (Stromversorgung, Sender, Antenne) w&auml;re notwendig, wenn die Sonde noch weitere Ziele besuchen soll, z.B. ein Plutoid. Eine Falcon 9 oder eine Taurus II k&ouml;nnte diese Raumsonde zur Venus senden. Drei Vorbeifl&uuml;ge an der Venus und der Erde w&uuml;rden die Raumsonde zu Jupiter bringen. Diese Tour durchs innere Sonnensystem dauert etwa 3-4 Jahre. Jupiter ist das n&auml;chste Ziel und wird &uuml;ber 3-4 Monate vor und einen Monat nach dem Vorbeiflug untersucht. Ziel ist eine m&ouml;glichst nahe Passage, um sehr viel Geschwindigkeit aufzunehmen. Erreichbar ist eine Geschwindigkeitssteigerung um 10 km\/s auf rund 17,5 km\/s. Von Jupiter aus kann die Sonde dann in 8 Jahren Halley erreichen. Die gesamte Mission dauert somit etwa 12 Jahre.? Gestartet werden m&uuml;sste bis zum Jahr 2021, das l&auml;sst rund 10 Jahre f&uuml;r die Vorbereitung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieses Zitat fiel mir in meinem derzeit gelesenen Buch Jenseits von Halley &uuml;ber die nachbearbeiteten Aufnahmen der HMC. Sie sind recht unscharf. 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