{"id":517,"date":"2008-12-18T15:58:05","date_gmt":"2008-12-18T14:58:05","guid":{"rendered":"http:\/\/bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=517"},"modified":"2008-12-18T15:58:18","modified_gmt":"2008-12-18T14:58:18","slug":"wo-bleiben-die-ionentriebwerke","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2008\/12\/18\/wo-bleiben-die-ionentriebwerke\/","title":{"rendered":"Wo bleiben die Ionentriebwerke?"},"content":{"rendered":"\n<p>Als ich mich zum ersten Mal so im Jahr 1980 mit den technischen Grundlagen der Raumfahrt besch&auml;ftigt habe, fielen mir die Ionentriebwerke auf. Einige Berechnungen mit einem Taschenrechner zeigten mir sehr schnell, das der spezifische Impuls die wichtigste Kenngr&ouml;&szlig;e einer Rakete ist und hier versprechen Ionentriebwerke einen 10 mal h&ouml;heren Impuls. Aufgrund des geringen Schubs wird man sie erst ab einer niedrigen Erdumlaufbahn einsetzen k&ouml;nnen. Doch ab da sind sie praktisch unumg&auml;nglich, wenn man gro&szlig;e Nutzlasten bef&ouml;rdern will. <\/p>\n<p>Ein kleines Rechenbeispiel: Intelsat 905 wiegt beim Start 4725 kg. Trocken nur noch 1984 kg. Nicht weniger als 2739 kg davon sind Treibstoff f&uuml;r den &Uuml;bergang von einem geostation&auml;ren &Uuml;bergangsorbit in die endg&uuml;ltige Bahn und 13 Jahre Kurskorrekturen. Ber&uuml;cksichtigt man die Tanks f&uuml;r den Treibstoff und das Triebwerk, so bleiben vielleicht von 1700 kg von diesen 4723 kg Startmasse &uuml;brig. Eine Ariane 5 k&ouml;nnte (mit leichten Verbesserungen) zwei dieser Satelliten auf einmal transportieren, also etwa 3.4 t in den geostation&auml;ren Orbit In einen niedrigen Erdorbit w&uuml;rde dieselbe Rakete aber 21 t transportieren. Der Unterschied liegt in dem ben&ouml;tigen Treibstoff und den Stufen die ben&ouml;tigt werden um eine Geschwindigkeitsdifferenz von rund 4000 m\/s zwischen dem erdnahen Orbit und geostation&auml;ren Orbit aufzubringen (In Wirklichkeit noch etwas mehr, weil die Satelliten deswegen so viel schwerer wurden, weil ihre Betriebszeit immer l&auml;ngere wurde und daf&uuml;r ben&ouml;tigte man immer mehr Treibstoff. Von den 2739 kg Treibstoff sind rund 1000 kg nur f&uuml;r die Lageregelung &uuml;ber 13 Jahre vorgesehe)n.<\/p>\n<p>Bei einer Ausstr&ouml;mungsgeschwindigkeit von 30 km\/s, einem f&uuml;r Ionentriebwerke &uuml;blichen Wert, w&uuml;rden von 21 t im erdnahen Orbit noch 16.6 t &uuml;brig bleiben. Der Treibstoffverbrauch w&auml;re also nur ein Bruchteil.<\/p>\n<p>Der Nachteil: Es dauert viel l&auml;nger um den Orbit zu erreichen und es wird eine hohe Energiemenge ben&ouml;tigt: Die Energie die vorher im chemischen Treibstoff steckte, muss nun als elektrischer Strom zugef&uuml;hrt werden. Die Ionentriebwerke selbst und die Tanks wiegen auch mehr als eine konventionelle Stufe mit chemischen Treibstoffen. Doch dies ist vernachl&auml;ssigbar. Was wirklich ins Gewicht geht sind die Solarpanel um die Energie bereit zu stellen.<\/p>\n<p>Nehmen wir den Intelsat 905 als Beispiel. Wenn nur die Ionentriebwerke zus&auml;tzlich eingebaut werden, so w&uuml;rde er 2300 kg beim Start wiegen, davon etwa 500 kg Treibstoff. Doch bis der Satellit von einer 600 km Umlaufbahn seine Erdbahn in 36000 km H&ouml;he erreicht hat, braucht er bei seiner eigenen Stromversorgung von anfangs 8 kW rund 330 Tage &#8211; wenn der Antrieb dauernd aktiv ist. In der Praxis wegen der Zeit im Erdschatten noch etwas l&auml;nger.<\/p>\n<p>W&auml;hrend dieser Zeit durchquert der Satellit zwei Strahleng&uuml;rtel und er steht in dieser Zeit nicht zur Verf&uuml;gung. Das war bislang der Grund, warum sich dies nicht durchgesetzt hat. Doch wie lange noch? Die Betriebszeit wird immer l&auml;nger. Die Zeit in der der Satellit nicht zur Verf&uuml;gung steht, macht einen immer kleineren Teil der Lebenszeit aus. Weiterhin haben Ionentriebwerke schon Einzug gehalten um die Lageregelung durchzuf&uuml;hren. Eine l&auml;ngere Betriebsdauer macht aber auch eine bessere Stromversorgung n&ouml;tig, da die elektrische Leistung auch um einige Prozent pro Jahr abnimmt.<\/p>\n<p>Weiterhin brauchen Transponder immer mehr Sendeleistung. So wird auch mehr Leistung ben&ouml;tigt. F&uuml;r die Satellitenhersteller w&auml;re es eine Chance: Sie ben&ouml;tigen entweder einen preiswerteren Tr&auml;ger oder k&ouml;nnen noch viel gr&ouml;&szlig;ere Satelliten bauen. Doch ich sehe noch nicht die gro&szlig;e Trendwende.<\/p>\n<p>Eine zweite M&ouml;glichkeit ist es einen Satelliten wie bisher zu transportieren, nur eben mit einem Ionenantrieb als Stufe. Nochmal als Beispiel der Intelsat 905: Mit chemischen Treibstoff beladen f&uuml;r 13 Jahre Betrieb wiegt er noch 2900 kg. (1000 kg davon Treibstoff). Mit einer 3300 kg schweren neuartigen Antriebsstufe wird er im erdnahen Orbit von 600 km H&ouml;he ausgesetzt. Eine Ariane 5 kann dann aber 3 anstatt 2 Satelliten transportieren.<\/p>\n<p>Von den 3.3 t der Antriebsstufe entfallen aber nur 1.1 t auf den Treibstoff. Etwa 0.6 t m&ouml;gen die Ionentriebwerke und Struktur wiegen.1.6 t bleiben so f&uuml;r den Solargenerator &uuml;brig. Bei rund 4 kg\/m?, einem &uuml;blichen Wert, sind das 400 m?, die mindestens 200 W\/m? liefern. Zusammen also 80 kW. Mit dieser Leistung w&auml;re der Satellit in weniger als 90 Tagen im GEO Orbit. Doch der Clou kommt nun: 400 kg Treibstoff w&uuml;rden ausreichen die Stufe in 50 Tagen wieder zur&uuml;ck in den LEO Orbit zu bringen. Wenn es einen Mechanismus gibt, um Satelliten anzukoppeln und Treibstoff nachzuf&uuml;llen, dann br&auml;uchten zuk&uuml;nftige Starts nur noch den Treibstoff nachliefern. Etwa 1.5 t pro Flug zusammen mit dem Satelliten und Tanks vielleicht 5 t. Eine Arriane k&ouml;nnte so 4 anstatt 2 Satelliten transportieren. Es wird schon an einem Projekt gearbeitet das im GEO Orbit an Kommunikationssatelliten andockt und ihre Lebendauer verl&auml;ngert. Auch der zweite Teil, das Betanken sollte kein Problem sein: Der gebr&auml;uchlichste Treibstoff f&uuml;r Ionentriebwerke ist Xenon, ein Gas. Das sollte durch Druckf&ouml;rderung leicht zu pumpen sein.<\/p>\n<p>Eine solche Stufe kann einige Jahre lang benutzt werden, bis Elektronik und Solarzellen durch die Passage des Van Allen G&uuml;rtels gealtert sind. Viel interessanter ist so eine stufe nat&uuml;rlich f&uuml;r Reisen im Sonnensystem. Doch sehe ich da eben nicht die Triebfeder, das jemand daf&uuml;r eine Entwicklung finanziert. Bei kommerziellen Satelliten die Geld einbringen, sieht es anders aus. Existiert eine solche Stufe mit Ionenantrieb aber erst mal, so kann sie nat&uuml;rlich auch dazu genutzt werden. <\/p>\n<p>Das Bild f&uuml;r heute wurde vor fast 40 Jahren aufgenommen: Am 21.12.1968 startete Apollo 8 zum Mond:<\/p>\n<p> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"Apollo 8 Liftoff\" src=\"http:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/e\/ef\/Apollo_8_Liftoff.jpg\/232px-Apollo_8_Liftoff.jpg\" width=\"232\" height=\"598\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als ich mich zum ersten Mal so im Jahr 1980 mit den technischen Grundlagen der Raumfahrt besch&auml;ftigt habe, fielen mir die Ionentriebwerke auf. 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