{"id":5192,"date":"2011-08-05T00:49:12","date_gmt":"2011-08-04T22:49:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=5192"},"modified":"2011-08-05T10:19:17","modified_gmt":"2011-08-05T08:19:17","slug":"die-nk-33-triebwerke-teil-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2011\/08\/05\/die-nk-33-triebwerke-teil-3\/","title":{"rendered":"Die NK-33 Triebwerke &#8211; Teil 3"},"content":{"rendered":"<p>So, heute der letzte Teil des Aufsatz &uuml;ber die NK-33 Triebwerke.<\/p>\n<h2>Kistler K-1<\/h2>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright\" src=\"\/img\/kistler.jpeg\" alt=\"Kistler K-1\" width=\"320\" height=\"400\" align=\"right\" \/>Da traf es gut, dass Russland durch das eingestellte N-1 Mondlandeprogramm &uuml;ber &uuml;berz&auml;hlige Triebwerke der <a href=\"\/hercules.shtml\" target=\"_blank\">Mondrakete N-1 &#8222;Herkules&#8220;<\/a> verf&uuml;gte. Kistler sicherte sich die Vorkaufsrechte an 58 Triebwerken des Typs NK-33 (verwendet in der ersten Stufe der Mondrakete) und 18 des Typs NK-43 (verwendet in der zweiten Stufe der Mondrakete).<\/p>\n<p>Aerojet, ein bekannter amerikanischer Entwickler von Triebwerken (unter anderem f&uuml;r die <a href=\"\/\/titan34.shtml\" target=\"_blank\">Titan<\/a> und <a href=\"\/delta.shtml\" target=\"_blank\">Delta<\/a>) bekam den Auftrag diese zu testen und modernen Anforderungen anzupassen. Aerojet kaufte 36 Triebwerke und bezahlte f&uuml;r einen einen Betrag von 1,1 Millionen Dollar. Am 12.3.1998 fand der erste Test eines NK-33 Triebwerks bei Aerojet statt. &Uuml;ber 145 Sekunden wurde der Schub zwischen 803 und 1607 kN variiert.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Die Kistler K-1 sollte zuerst 3 NK-33 Triebwerke in der ersten Stufe und ein einzelnes NK-43 Triebwerk in der zweiten Stufe verwenden. F&uuml;r den Landeanflug muss man aber ein Triebwerk nochmals z&uuml;nden und die urspr&uuml;nglichen NK-33 Triebwerke besa&szlig;en diese F&auml;higkeit nicht. Man hat daher ein NK-33 modifiziert, dass es wie das NK-43 wiederz&uuml;ndbar ist. Dieses zentrale Triebwerk muss den Abstieg durchf&uuml;hren. Nach einer &Uuml;berarbeitung durch Aerojet hei&szlig;en die Triebwerk nun AJ26-58 (NK-33), AJ26-59 (wiederz&uuml;ndbares NK-33) und AJ26-60 (NK-43). Weitere Modifikationen umfassten den Austausch von Teilen aus Gummi, neue Elektronik. Kistler plante eine wiederverwendbare Tr&auml;gerrakete. Jedes Triebwerk sollte bis zu zehnmal eingesetzt werden. So h&auml;tten die 36 Triebwerke f&uuml;r mindestens 100 Starts gereicht.<\/p>\n<p>Kistler kam in finanzielle Schwierigkeiten, als Investoren nach dem Einbruch der Aktienm&auml;rke beim Platzend er &#8222;Dot.com&#8220; Blase absprangen. Die Firma ging konkurs und wurde von Rocketplane aufgekauft, die sich mit der Kistler K-1 um die COTS Auftr&auml;ge bewarb und auch im September 2006 einen Auftrag &uuml;ber 207 Millionen Dollar bekam. Bis die NASA entdeckte, dass die Firma nicht &uuml;ber die Mittel f&uuml;r die Entwicklung verf&uuml;gte und den Vertrag wieder k&uuml;ndigte waren 32 Millionen Dollar an Rocketplane gezahlt worden.<\/p>\n<p>Auch Kelly Aerospace wollte diese Triebwerke im Astroliner LV einsetzen. Es kam jedoch niemals zu einer echten Entwicklung. Hier die Daten der NK-33 in der Kistler (etwas abweichend von den in der N-1F, da auch das Mischungsverh&auml;ltnis\u00a0variiert\u00a0wurde und sie bei 104% Schub betrieben wurden.<\/p>\n<table class=\"style2\" summary=\"NK-33 \/ 43 Daten\" border=\"1\" cellspacing=\"2\" cellpadding=\"2\">\n<tbody>\n<tr>\n<th class=\"style1\"><\/th>\n<th class=\"style1\">AJ26-58<\/th>\n<th class=\"style1\">AJ26-59<\/th>\n<th class=\"style1\">AJ26-60<\/th>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"style1\">Schub Vakuum<\/td>\n<td class=\"style1\">1720 kN<\/td>\n<td class=\"style1\">1720 kN<\/td>\n<td class=\"style1\">1791 kN<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"style1\">Schub Meeresh&ouml;he<\/td>\n<td class=\"style1\">1543 kN<\/td>\n<td class=\"style1\">1543 kN<\/td>\n<td class=\"style1\">&#8211;<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"style1\">Spezifischer Impuls Vakuum<\/td>\n<td class=\"style1\">3249 m\/s<\/td>\n<td class=\"style1\">3249 m\/s<\/td>\n<td class=\"style1\">3386 m\/s<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"style1\">Spezifischer Impuls Meeresh&ouml;he<\/td>\n<td class=\"style1\">2914 m\/s<\/td>\n<td class=\"style1\">2914 m\/s<\/td>\n<td class=\"style1\">&#8211;<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"style1\">Brennkammerdruck<\/td>\n<td class=\"style1\">145.4 Bar<\/td>\n<td class=\"style1\">145.4 Bar<\/td>\n<td class=\"style1\">145.4 Bar<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"style1\">Mischungsverh&auml;ltnis LOX:Kerosin<\/td>\n<td class=\"style1\">2.586<\/td>\n<td class=\"style1\">2.586<\/td>\n<td class=\"style1\">2.592<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"style1\">L&auml;nge<\/td>\n<td class=\"style1\">371 cm<\/td>\n<td class=\"style1\">371 cm<\/td>\n<td class=\"style1\">400 cm<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"style1\">Durchmesser<\/td>\n<td class=\"style1\">150 cm<\/td>\n<td class=\"style1\">150 cm<\/td>\n<td class=\"style1\">251 cm<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"style1\">Gewicht<\/td>\n<td class=\"style1\">1408 kg<\/td>\n<td class=\"style1\">1459 kg<\/td>\n<td class=\"style1\">1525 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"style1\">Entspannungsverh&auml;ltnis<\/td>\n<td class=\"style1\">27<\/td>\n<td class=\"style1\">27<\/td>\n<td class=\"style1\">80<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"style1\">Schwenkbereich<\/td>\n<td class=\"style1\">\u00b1 6 Grad<\/td>\n<td class=\"style1\">\u00b1 6 Grad<\/td>\n<td class=\"style1\">\u00b1 6 Grad<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"style1\">Drosselungsbereich<\/td>\n<td class=\"style1\">50-114 %<\/td>\n<td class=\"style1\">50-114 %<\/td>\n<td class=\"style1\">55-114 %<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<h3>Atlas IIAR und J-1A<\/h3>\n<p>Schon vorher hatte sich Lockheed Martin f&uuml;r die NK-33 interessiert als antrieb f&uuml;r die Atlas IIAR &#8211; sie wurde sp&auml;ter in Atlas III umbenannt. Schon 1995 wurden einige NK-33 bei Aerojet getestet &#8211; dies f&uuml;hrte sp&auml;ter dazu, dass man die Triebwerke f&uuml;r Kistler erwarb. Doch die Firma konnte Energomasch als Partner gewinnen, welche die RD-171 Triebwerke der Zenit von vier auf zwei Brennkammern reduzierten. Das daraus entstandene RD-180 hatte mehr als den doppelten Schub des NK-33, sodass nur eines anstatt zwei Triebwerke n&ouml;tig waren und vor allem war es neu und noch in der Produktion. So verwarf Lockheed Martin diese Option.<\/p>\n<p>Auch in der japanischen J-1 waren die Triebwerke vorgesehen. Da hier nur eines eingesetzt werden sollte und es nur wenige Starts dieser Tr&auml;gerrakete geben sollte, war die begrenzte Anzahl kein Hindernis. Doch kam es nicht zu einem Entwicklungsbeginn. Sp&auml;ter gr&uuml;ndeten JAXA und Lockheed-Martin das Joint Venture Galaxy Expresss und die J-1A wurde in &#8222;GX&#8220; umbenannt. Nun war aber der Einsatz der Atlas III Erststufe vorgesehen und keine Rede mehr von dem NK-33. Mit dem NK-33 sollte die J-1A 3,5 t in einen LEO Orbit bef&ouml;rdern.<\/p>\n<h2>Taurus II<\/h2>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" src=\"\/img\/taurus-ii.jpeg\" alt=\"Taurus II\" width=\"450\" height=\"678\" align=\"right\" \/>Nach so vielen Projekten &uuml;berrascht es wirklich, dass es nun tats&auml;chlich zu einem Einsatz der NK-33 Triebwerke kommen wird. Orbital Sciences Corporation (OSC) wird diese in ihrer Tr&auml;gerrakete Taurus II einsetzen.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Die erste Stufe setzt zwei &uuml;berholte NK-33 Triebwerke von Aerojet ein. Sie werden wegen der schweren Erststufe im 108% Schubniveau betrieben. Aerojet verf&uuml;gt &uuml;ber 36 Triebwerke und in einer Lagerhalle in Samara sollen noch weitere 30 einsatzbereite Triebwerke stehen. Damit k&ouml;nnten 33 Fl&uuml;ge der Taurus II durchgef&uuml;hrt werden (nur mit den US-Triebwerken: 18). Aerojet verhandelt seit 2010 auch &uuml;ber eine Neuaufnahme der Produktion des Antriebs in Russland. Jedes der alten Triebwerke wird vor dem Einbau einer Probez&uuml;ndung im NASA Stennis Test Center unterzogen. Im M&auml;rz 2010 begannen Tests in Samara, Russland, wobei jedes Triebwerk insgesamt 600 s lang betrieben werden soll, also deutlich l&auml;nger als sp&auml;ter in der Taurus II. Im November 2010 begannen dann auch die ersten Tests bei Aerojet in den USA. Rechnet man die Tests dazu, die noch im N-1 Programm erfolgten, so werden die Triebwerke bis zum Jungfernflug &uuml;ber 1.500 Z&uuml;ndungen und 194.000 s Betriebszeit akkumuliert haben. Die Akzeptanztests verliefen so gut, dass der letzte (von drei) Tests &uuml;ber die volle Z&uuml;nddauer ausgesetzt wurde.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Allerdings schlug der Flugerprobungstest, denn jedes Triebwerk vor dem Einbau durchl&auml;uft bei einem Triebwerk fehl, als eine Treibstoffleitung leckte und sich ein Feuer bildete. Der Teststand muss repariert werden. Nun wird der Jungfernflug der Taurus II zumindest verschoben.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Die Taurus II soll 5.2 t in einen Orbit bef&ouml;rdern. Eine leistungsf&auml;higere zweite Stufe soll die Nutzlast in einigen Jahren auf 6,0 t anheben.<\/p>\n<h3>Space Launch System<\/h3>\n<p>Am 17.6.2011 gaben Aerojet und Teledyne Brown bekannt, dass sie sich um die Ausschreibung des Space Launch Systems &#8211; einer Schwerlastrakete mit einer Nutzlast von &uuml;ber 70 t bewerben. Sie wollen eine US-Variante produzieren (Aerojet erwarb auch die Konstruktionsunterlagen und die Lizenz zur Produktionsneuaufnahme), die aber einen h&ouml;heren Schub von 500 klb (2224 kN) aufweist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So, heute der letzte Teil des Aufsatz &uuml;ber die NK-33 Triebwerke. Kistler K-1 Da traf es gut, dass Russland durch das eingestellte N-1 Mondlandeprogramm &uuml;ber &uuml;berz&auml;hlige Triebwerke der Mondrakete N-1 &#8222;Herkules&#8220; verf&uuml;gte. 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