{"id":5273,"date":"2011-08-25T00:34:50","date_gmt":"2011-08-24T22:34:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=5273"},"modified":"2011-08-26T23:15:21","modified_gmt":"2011-08-26T21:15:21","slug":"vor-dreisig-jahren-voyager-2-bei-saturn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2011\/08\/25\/vor-dreisig-jahren-voyager-2-bei-saturn\/","title":{"rendered":"Vor drei&szlig;ig Jahren: Voyager 2 bei Saturn"},"content":{"rendered":"<p>Eigentlich j&auml;hrt sich heute zum 30-sten Mal der Vorbeiflug von Voyager 2 an Saturn und zum 22-sten Mal der Vorbeiflug an Neptun. Da ich aber schon bei vergangenen Jubil&auml;en daran erinnert habe so, beim zwanzigsten <a href=\"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2009\/08\/25\/voyager-2-bei-neptun\/\">Vorbeiflug an Neptun<\/a> getan. Sowie an anderen Stellen wie <a href=\"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2006\/08\/16\/danke-voyager\/\">hier<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2007\/08\/20\/happy-birthday-voyager-2\/\">hier<\/a>. Da heute der drei&szlig;igste Geburtstag des Saturnvorbeiflugs ist. Will ich auf diesen genauer eingehen.<!--more--><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"alignleft\" src=\"\/img\/voyager2-saturn-erste-aufnahme-nach-defekt.jpg\" alt=\"\" align=\"left\" \/><\/p>\n<p>Die Flugroute bis Saturn war schon vor dem Start festgelegt worden. Voyager 2 hatte bei Saturn nach den urspr&uuml;nglichen Pl&auml;nen eine Doppelrolle. Wenn die Mission von Voyager 1 klappte so f&uuml;hrte die urspr&uuml;ngliche Route so durch das Saturnsystem so, dass sie genau an den Monden nahe vorbeiflog, die beim Vorbeiflug von Voyager 1 zu weit entfernt waren um gut aufl&ouml;sende Aufnahmen zu erhalten. Die folgende Tabelle zeigt wie man die Monde recht gut zwischen beiden aufgeteilt hatte:<\/p>\n<table summary=\"Saturnpassage\" border=\"1\" cellspacing=\"2\" cellpadding=\"2\">\n<tbody>\n<tr>\n<th class=\"style2\">Vorbeifl&uuml;ge an Saturn<\/th>\n<th class=\"style2\">Voyager 1<\/th>\n<th class=\"style2\">Voyager 2<\/th>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Saturn<\/td>\n<td>101.300 km<\/td>\n<td>124.420 km<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Mimas<\/td>\n<td>88.440 km<\/td>\n<td>309.900 km<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Enceladus<\/td>\n<td>202.040 km<\/td>\n<td>87.140 km<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Tethys<\/td>\n<td>415.670 km<\/td>\n<td>93.000 km<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Dione<\/td>\n<td>161.520 km<\/td>\n<td>502.250 km<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Rhea<\/td>\n<td>73.980 km<\/td>\n<td>645.280 km<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Titan<\/td>\n<td>6.490 km<\/td>\n<td>665.960 km<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Hyperion<\/td>\n<td>880.440 km<\/td>\n<td>470.840 km<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Iapetus<\/td>\n<td>2470.000 km<\/td>\n<td>908.680 km<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Phoebe<\/td>\n<td>13.537.000 km<\/td>\n<td>2.075.600 km<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Atlas<\/td>\n<td>219.00 km<\/td>\n<td>287.170 km<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Pandora<\/td>\n<td>300.000 km<\/td>\n<td>246.590 km<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Prometheus<\/td>\n<td>270.000 km<\/td>\n<td>107.000 km<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Epimetheus<\/td>\n<td>121.000 km<\/td>\n<td>147.010 km<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Janus<\/td>\n<td>297.000 km<\/td>\n<td>222.760 km<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Bilder<\/td>\n<td>17050<\/td>\n<td>11011<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Ankunft<\/td>\n<td>12.11.1980<\/td>\n<td>25.8.1981<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>erste Bilder aus<\/td>\n<td>106 Mill. km Entfernung<\/td>\n<td>100 Mill. km Entfernung<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>am<\/td>\n<td>26.8.1980<\/td>\n<td>5.6.1981<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>letzte Bilder am<\/td>\n<td><\/td>\n<td>25.9.1981<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Voyager sollte Tethys, Enceladus, Hyperion genauer untersuchen. Sie kam auch so nahe an Iapetus und Phoebe heran, dass sie zumindest grobe Aufnahmen machen konnte. W&auml;re Voyager 1 ausgefallen, so w&auml;re mit dem Treibstoffvorrat die Bahn angepasst worden. Die Ringebene w&auml;re weit au&szlig;erhalb der Ringe durchsto&szlig;en worden und so Titan in 15.000 km Entfernung passiert worden. doch Voyager 1 passierte den Saturn ohne Probleme. So konnte Voyager 2 der vorgegebenen Route folgen. Aufgrund der Erkenntnisse der Raumsonde die neun Monate vorher den Planeten passierte wurde das Me&szlig;programmen angepasst. Es gab einige von Voyager 1 entdeckte Ph&auml;nomene die sehr seltsam waren. So gab es Speichen auf den Ringen &#8211; dunkel verf&auml;rbte Bereiche. Voyager 2 sollte mehr Aufnahmen machen und diese Speichen in ihrer Bewegung verfolgen. Es gab auch nicht 4-6 Ringen, sondern Voyager 1 Aufnahmen zeigten Hunderte davon. So sollte Voyager 2 noch detaillierte Aufnahmen machen und zugleich mit dem Photopolarimeter die Ringe durchleuchten: Dazu wurde es auf einen Stern ausgerichtet wenn die Ringe zwischen Sonne und Voyager standen und die Lichtabschw&auml;chung gemessen &#8211; danach wusste man, das es sogar noch mehr Ringe gab. Nach den Messungen ging die Zahl in die Tausende und von Ringen konnte man nicht mehr sprechen, eher von dichteren und weniger dichten Zonen. Bis zur Aufl&ouml;sung des Photopolarimeters von 100 m waren sie nachweisbar.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"alignleft\" src=\"\/img\/voyager-tethys-letzte-Aufnahme.jpg\" alt=\"Voyager 2 Tethysaufnahme\" align=\"left\" \/><\/p>\n<p>Die Monde wurden bei Voyager 2 alle vor dem Saturnvorbeiflug passiert, wobei die aufnahmen von Tethys und Enceladus erst ungef&auml;hr eine stunde vor dem Vorbeiflug entstanden. W&auml;hrend das erste Photomosaik von Enceladus, der sich als v&ouml;llig glatt, weitgehend kraterfrei entpuppte und damit eine Ausnahme im Saturnsystem ist, noch klappten gab es bei dem folgenden Mosaik von Tethys einen Defekt. Die Raumsonde fing gerade an das Mosaik zu erstellen, die erste Aufnahme zeigte noch einen Teil von Tethys als es ein Problem gab. Die folgenden Aufnahmen nahmen nur noch den schwarzen Weltraum auf. Zuerst vermutete man, das Teilchen der Ringe den Arm besch&auml;digt hatten, denn es gab nach der Passage von Saturn 3000 km au&szlig;erhalb des G-Ringes merkw&uuml;rdige Telemetrie, und auch die Steuerd&uuml;sen wurden au&szlig;erplanm&auml;&szlig;ig vom Bordcomputer gez&uuml;ndet um die r&auml;umliche Orientierung der Sonde einzuhalten. Wann das Problem entstand konnte nicht genau gekl&auml;rt werden, weil es w&auml;hrend des Vorbeiflugs keine Aufnahmen gab und danach die Zone folgte in der es einen Blackout durch Saturn gab der zwischen Erde und Voyager stand.<\/p>\n<p>Die Probleme mit anderen Systemen waren jedoch nur tempor&auml;r und vergingen wieder. Die Scanplattform konnte aber im Azimut nicht bewegt werden. Sie stoppte durch Computersignal, als dieser bemerkte, dass sie nicht korrekt ausgerichtet war, in einer Position in der das Sonnenlicht die Experimente besch&auml;digen konnte. Zuerst brachte man die Plattform daher durch Funkbefehl in einen sicheren Modus. Dann rief man den Bandrekorder mit den letzten Bildern und den Daten ab um den Fehler zu finden. Von sechs Bildern eines Thetys Mosaiks zeigte nur eines einen Teil des Mondes. Die h&ouml;chstaufl&ouml;senden Enceladus Aufnahmen waren alle schwarz, Bilder der Ringe von der R&uuml;ckseite und dem Bereich des A- und F-Ringes waren nicht zu sehen und auch die hochaufl&ouml;senden Photopolarimeter-Messungen nahe des A- und F-Ringes waren verloren gegangen.<\/p>\n<p>Das letzte korrekte Bild gab es, als die Sonde das Ringsystem durchquerte. Drei Tage lang schickte man einen Befehl nach dem anderen zur Sonde. Man versuchte die Scanplattform zuerst langsam, dann schneller zu bewegen. Jede Aktion ergab wegen der langen Signallaufzeit erst nach drei Stunden eine R&uuml;ckmeldung. Nach 24 Stunden bewegte sich die Plattform erstmals. Dann versuchte man die Geschwindigkeit zu steigern und das Problem zu verstehen. Dann am 28.8.1981, inzwischen war Voyager 2 schon wieder 3.2 Millionen km vom Saturn entfernt, war auf einem Bild wieder der Saturn zu sehen. Nun betrieb man die schwenkbare Plattform mit langsamer Geschwindigkeit w&auml;hrend des restlichen Vorbeiflugs. (Bilder links: die letzte Aufnahme vor dem Defekt und die erste nach dem Defekt).<\/p>\n<p>Zwischen dem Saturn und Uranusvorbeiflug untersuchte man das Problem auf der Erde mit Nachbauten der Kameraplattform. Es zeigte sich, dass der Schwenkarm zu oft mit zu hohen Drehraten betrieben worden waren. Eventuell war Schmiermittel ausgelaufen. Nach der Passage betrieb man die Plattform nur mit niedriger Rotationsrate, was keine Einschr&auml;nkungen bedeutete, denn nun war Saturn schon nicht mehr bildf&uuml;llend und es musste kaum noch geschwenkt werden. Die Monde waren eh nur noch wenige Bildpunkt gro&szlig;. Bis zur Uranuspassage hatte man dann recht genau das Problem verstanden und betrieb die Scanplattform nur viermal mit mittlerer Geschwindigkeit und sicherte sich durch ein Computerprogramm ab, dass bei einem Fehler die ganze Raumsonde drehte anstatt nur die Plattform.<\/p>\n<p>Voyager war &uuml;brigens die letzte Raumsonde mit einer beweglichen Plattform. Heute sind an Raumsonden alle Instrumente fest montiert und es wird immer die ganze Raumsonde gedreht. So wurde die Mission trotz des Ausfalls noch ein voller Erfolg bei Uranus und Neptun. Auf der Strecke blieben die hochaufl&ouml;senden Aufnahmen der ringe, von Titan und Enceladus.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eigentlich j&auml;hrt sich heute zum 30-sten Mal der Vorbeiflug von Voyager 2 an Saturn und zum 22-sten Mal der Vorbeiflug an Neptun. Da ich aber schon bei vergangenen Jubil&auml;en daran erinnert habe so, beim zwanzigsten Vorbeiflug an Neptun getan. Sowie an anderen Stellen wie hier und hier. Da heute der drei&szlig;igste Geburtstag des Saturnvorbeiflugs ist. 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